Sprachtod

Von Sprachtod spricht man, wenn eine Sprache keine Muttersprachler mehr hat. Ab diesem Moment unterliegt die nun tote Sprache nicht mehr den normalen Entwicklungen und Veränderungen, die im Laufe der Zeit innerhalb einer Sprache stattfinden; sie wird unveränderlich und starr.

Wenn eine Sprache als tote Sprache angesehen wird, dann bedeutet das nicht unbedingt, dass es niemanden mehr gibt, der imstande wäre, die Sprache zu verstehen. Eine tote Sprache kann gut dokumentiert sein, als Fremdsprache gelehrt und eventuell sogar noch in bestimmten Zusammenhängen mündlich oder schriftlich gebraucht werden. So ist Latein z. B. eine tote Sprache, weil es niemanden gibt, der es als Muttersprache hat. Gleichwohl gibt es aber viele Menschen, die Latein verstehen, weil sie die Sprache als Fremdsprache gelernt haben. Mit gewissen phonologischen Einschränkungen ist es sogar möglich, eine tote Sprache wiederzubeleben, wie z. B. das Kornische oder das Iwrit (Neuhebräisch), das über 2000 Jahre nach dem Aussterben des Hebräischen als gesprochene Sprache zur Staatssprache Israels wurde. Wissenschaftler gehen von ca. 6.000 lebenden Sprachen weltweit aus, von denen in diesem Jahrhundert ca. 90 Prozent verschwinden werden. Allein in Nordamerika sind in den letzten 30 Jahren 51 Sprachen ausgestorben.

Ursachen

Eine Sprache ist vom Aussterben bedroht, wenn sie nicht mehr von Kindern als Muttersprache gelernt wird.

Sprachen können auch durch Sprachdrift zu toten Sprachen werden. Langsame Veränderungen einer Sprache sorgen dafür, dass eine oder mehrere neue Sprachen entstehen und die ursprüngliche Sprache zu einer toten Sprache wird.

Dabei muss man zwischen zwei Arten des Sprachtodes unterscheiden:

  • Das Verschwinden einer gesprochenen Sprache, wobei die aus ihr entstandenen Sprachformen weiter leben, zum Beispiel das Latein, das in den romanischen Sprachen weiterlebt.
  • Das Verschwinden einer gesprochenen Sprache, ohne dass aus ihr entstandene Sprachformen weiter leben, zum Beispiel die Koptische Sprache.

Des Weiteren ist zu unterscheiden zwischen

  • einem „natürlichen“ Sprachtod, der meist über einen längeren Zeitraum stattfindet und der ohne Maßnahmen abläuft, die den Sprachtod bewusst fördern. Dies dürfte beim Tod vieler Sprachen im Altertum der Fall gewesen sein, die vom Lateinischen verdrängt wurden, da es in der Antike noch keine bewusste Sprachpolitik gab.
  • einem durch eine Reihe von politischen Maßnahmen geförderten Sprachtod, wobei einige Autoren in Fällen, in denen diese Maßnahmen ausschlaggebend für den Sprachtod sind oder waren, von Linguizid („Sprachmord“) sprechen.

Verfügt eine Sprache fast nur noch über Sprecher, die über 50 Jahre alt sind, sowie über „Halbsprecher“ in der Altersgruppe zwischen 25 und 50 Jahren, jedoch über kaum noch Sprecher in der Altersgruppe unter 25 Jahren, so gilt diese Sprache als „moribund“ (todgeweiht), da die Weitergabe der Sprache von Eltern an ihre Kinder kaum noch möglich ist. Selbst wenn es noch tausende oder gar hunderttausende Sprecher in den höheren Altersgruppen gibt, ist das Aussterben der Sprache nur unter Aufbietung aller Kräfte und bei allgemeiner Unterstützung dieser Anstrengungen zu verhindern.

In vielen Fällen ist es schwer zu entscheiden, inwieweit ein natürlicher Sprachtod oder ein „Linguizid“ vorliegt. Sprachen, bei denen politische Maßnahmen zum drohenden Sprachtod wohl eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben, sind das Hawaiische und das moribunde Bretonische.

Siehe auch: Liste aussterbender und ausgestorbener Sprachen

Weblinks

Wiktionary
Wiktionary: Sprachtod – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Quelle:
Artikel Sprachtod aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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