Springreiten ist eine Disziplin des Pferdesports, bei dem Pferd und Reiter einen aus mehreren Hindernissen bestehenden Parcours in einer festgelegten Reihenfolge überwinden. Bei den Hindernissen kann es sich um Steilsprünge, Hochweitsprünge, Geländehindernisse (Gräben, Wassergräben, Wälle, Billiards) handeln. Hindernisse können einzeln, als Distanzen oder als offene/geschlossene Kombinationen mehrerer Einzelhindernisse auftreten.
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Die Abmessungen der Hindernisse betragen normalerweise bis zu 1,60 m in der Höhe und 2 m in der Tiefe. Wassergräben dürfen maximal 4,50 m weit sein. In Einzelfällen können diese Abmessungen deutlich überschritten werden (Derby, Mächtigkeitspringen). Bei Turnieren sind je nach Klasse verschiedene Mindest- und Höchstmaße zugelassen (nach LPO2004):
| Klasse | Höhe | Weite | Hinderniszahl (Halle) | Hinderniszahl (im Freien) |
|---|---|---|---|---|
| E | 80-100cm | bis 100cm | 6 | 8 |
| A | 100-110cm | 110-140cm | 6 | 7 |
| L | 110-120cm | 120-150cm | 7 | 8 |
| M/B | 120-130cm | 130-160cm | 8 | 9 |
| M/A | 130-140cm | 140-180cm | 9 | 10 |
| S* | 140-150cm | 150-200cm | 9 | 10 |
| S** | 145-155cm | 150-200cm | 9 | 10 |
| S*** | 150-160cm | 150-200cm | 10 | 11 |
Als Vorübung zum Springreiten dienen u.a. die Stangenarbeit und Sprungreihen, die oft auch im Rahmen der Grundausbildung bei Pferden benutzt werden, die nicht eigens für den Springsport bestimmt sind. Viele Trainer/Ausbilder propagieren solche regelmäßigen Übungen auch als gezielten Ausgleich bei der Gymnastizierung von spezialisierten Dressur- und auch Nichtsportpferden.
Während junge Pferde meist nach ersten Überzeugungen, das Pferd über ein Hindernis zu bekommen, noch sehr vertrauensvoll und willig über kleinere Sprünge springen, können Pferde durch eine falsche Reittechnik sehr schnell springunfreudig gemacht werden, man sagt dann, diese Pferde seien "sauer".
Springreiter-Turniere, die mit den heutigen vergleichbar sind, kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Den modernen Springsitz setzte der italienische Rittmeister Federico Caprilli durch.
Olympisch ist Springreiten (Einzel) seit Paris 1900, für Mannschaften seit Antwerpen 1920. In Paris gab es einmalig Hoch- und Weitsprünge zu Pferde, in Antwerpen 1920 Kunstreiten.
Bis Mexiko-Stadt 1968 bestand eine Mannschaft aus nur drei Reitern, die alle gewertet wurden. Schied einer aus, war die Mannschaft aus dem Rennen. Deshalb gab es in Los Angeles 1932 keine Mannschaftsmedaillen, da kein komplettes Team durchkam. Seit München 1972 besteht die Mannschaft aus vier Reitern.
| Olympiasieger | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Land | Athlet | Pferd | Sportart |
| 1900 | Belgien | Aimé Haegemann | Benton II | Jagdspringen |
| 1900 | Frankreich | Dominique Gardères | Canéla | Hochspringen |
| 1900 | Italien | Giangiorgio Trissino | Oreste | Hochspringen |
| 1900 | Belgien | Constant van Langhendonck | Extra Dry | Weitspringen |
| 1912 | Frankreich | Jean Cariou | Mignon | Jagdspringen |
| 1920 | Italien | Tommaso Lequio | Trebecco | Jagdspringen |
| 1924 | Schweiz | Alphonse Gemuseus | Lucette | Jagdspringen |
| 1928 | Tschechoslowakei | Franticek Ventura | Eliot | Jagdspringen |
| 1932 | Japan | Takeichi Nishi | Uranus | Jagdspringen |
| 1936 | Deutschland | Kurt Hasse | Tora | Jagdspringen |
| 1948 | Mexiko | Humberto Mariles Cortes | Arete | Jagdspringen |
| 1952 | Frankreich | Pierre Jonquères d'Oriola | Ali Baba | Jagdspringen |
| 1956 | BR Deutschland | Hans Günter Winkler | Halla | Jagdspringen |
| 1960 | Italien | Raimondo d'Inzeo | Posillipo | Jagdspringen |
| 1964 | Frankreich | Pierre Jonquères d'Oriola | Lutteur B | Jagdspringen |
| 1968 | USA | William Steinkraus | Snowbound | Jagdspringen |
| 1972 | Italien | Graziano Mancinelli | Ambassador | Jagdspringen |
| 1976 | BR Deutschland | Alwin Schockemöhle | Warwick Rex | Jagdspringen |
| 1980 | Polen | Jan Kowalczyk | Artemor | Jagdspringen |
| 1984 | USA | Joe Fargis | Touch of Class | Jagdspringen |
| 1988 | Frankreich | Pierre Durand | Jappeloup de Luze | Jagdspringen |
| 1992 | Deutschland | Ludger Beerbaum | Classic Touch | Jagdspringen |
| 1996 | Deutschland | Ulrich Kirchhoff | Jus de Pomme | Jagdspringen |
| 2000 | Niederlande | Jeroen Dubbeldam | De Sjiem | Jagdspringen |
| 2004 | Brasilien | Rodrigo Pessoa | Baloubet du Rouet | Jagdspringen |
Tierschützer weisen regelmäßig auf die tierquälerischen Aspekte des Springreitens hin, vor allem auf das so genannte Barren. Oft könne nur mit Gewalt erreicht werden, dass Pferde Hindernisse überspringen. Einer der frühesten und schärfsten Kritiker an der Praxis der Springreiter war in den 1970er Jahren der Journalist Horst Stern in seiner Fernseh-Sendung Bemerkungen über Pferde. Aber auch Wissenschaftler, wie etwa der Wildbiologe Antal Festetics, merken an: "Das Pferd ist völlig ungeeignet zum Springen. Anders als etwa der Löwe hat es von Haus aus eine steife Wirbelsäule, und damit muss es bei einem Springturnier völlig artwidrig sein Eigengewicht und noch den Reiter über die Hürde bringen." Andererseits kommen jüngere Untersuchungen einer Arbeitsgruppe der Ruhr-Universität Bochum unter der Leitung von Prof.Dr.Preuschoft zu einer anderen Schlussfolgerung: "Es erweist sich, dass der Durchmesser der Wirbelsäule ... an jeder Stelle genau den höchsten Kräften proportional ist, die wir für springende Pferde errechnet haben. (...) Aus diesem Befund kann man übrigens die Folgerung ableiten, dass Pferde durchaus für das Springen geschaffen sind."