Sranan Tongo (Niederländisch: Surinaams oder Sranantongo, früher Negerengels; abwertender Name: Taki-Taki (zu Deutsch so viel wie Blah-Blah) oder auch kurz Sranan ist eine in Suriname gesprochene Kreolsprache. Erste schriftliche Zeugnisse von Sranan entstehen um 1830, es handelt sich dabei um Teile der Bibel, die von Missionaren übersetzt wurden, um den Sklaven das Lesen der Bibel zu ermöglichen. Wie die meisten Kreolsprachen hat Sranan Tongo keinen hohen Status in der Bevölkerung. Trotz dieser Einschränkung ist Sranan Tongo eine vollwertige Sprache, die auch in Gedichten verwendet wurde, unter anderem von Trefossa (alias Henry F. de Ziel, 1916 - 1975). Nach dem 2. Weltkrieg gab es Bemühungen, Sranan Tongo als Nationalsprache Surinames zu etablieren, doch wurde nie ein offizielles Wörterbuch oder eine offizielle Grammatik veröffentlicht. Nach der Unabhängigkeit und dem Bürgerkrieg von 1986-1992 sind diese Bemühungen nicht mehr weitergetrieben worden. Obwohl Sranan Tongo aufgrund der vielen wahrscheinlich aus dem Englischen übernommenen Wörter (mi ~= "mein", futu = "Fuß") oft als englischbasierte Kreolsprache bezeichnet wird, ist diese Behauptung nicht unumstritten. Es gibt auch Hinweise, dass das Portugiesische als Basis gesehen werden kann, aus dieser Quelle stammt u.a. bun = "gut". Auch der Einfluss von afrikanischen Sprachen ist deutlich erkennbar. Heute nimmt der Einfluss des Niederländischen wieder zu, vor allen Dingen in der Stadt, wo sogenanntes 'Foto taki' ('Stadtsprache') gesprochen wird, das mehr durch Niederländisch und Englisch beeinflusst wird; im Gegensatz zum 'Dipi Taki' ('tiefe Sprache'), das im ländlichen Bereich Surinames gesprochen wird. Allerdings sind klare Abgrenzungen innerhalb der äußerst komplexen Sprachlandschaft Surinames nicht immer möglich.
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Während der Kolonialzeit flohen ständig Sklaven von den Plantagen in den nahe gelegenen Regenwald. Diese schlossen sich dann im Urwald oft zu Gemeinschaften zusammen, die sich Bush Negroes oder auch niederländisch Bosnegers nannten. Um überlebenswichtige Güter wie etwa Eisen zu erhalten, waren diese auch Maroons genannten entflohenen Sklaven auf Raubzüge angewiesen, was zu ständigen Spannungen führte. Solche Gruppierungen fanden sich auch in Jamaika. Eine zeitgenössische Beschreibung dieser Revolte findet sich in einem Buch von John Gabriel Stedman, das 1790 veröffentlicht wurde und recht erfolgreich war. In diesem Buch finden sich auch Illustrationen von William Blake. Nachdem sich die Buschneger als nicht einfach zu besiegende Gegner erwiesen hatten, wurden dann verschiedene Verträge mit den Bosnegers geschlossen, die ihnen die Freiheit garantierten und die Erlaubnis zum friedlichen Handel mit den Europäern gab, jedoch unter der Bedingung, dass sie keine neuen geflohenen Sklaven in ihre Reihen aufnehmen durften. Da aber weiterhin Sklaven flohen, bildeten diese wiederum eigene Gemeinschaften, die später auch in gleicher Weise vertraglich eingebunden wurden. Da die geflohenen Sklaven kaum noch Kontakt mit Europäern hatten, wurden ihre Kreolsprachen auch nicht weiter europäisiert bzw. entkreolisiert. Deshalb gibt es heute in Suriname drei verschiedene Kreolsprachen, die alle ursprünglich die gleiche Grundlage haben, aber unterschiedlich stark europäischem Einfluss unterlagen. Die ältere der beiden Kreolsprachen der Bosnegers, das Saramaccaans zeigt jedoch noch heute sehr starke portugiesische und westafrikanische Züge. Die jüngere, das Aukaans, hat schon einige afrikanische und portugiesische Elemente verloren.
Sranan ist die Sprache der großen Mehrheit der Nachkommen der nie geflohenen, aber Ende des 19. Jahrhunderts befreiten Sklaven. Sranan hat viele der portugiesischen Wörter durch englische und niederländische ersetzt und durch Entlehnung aus dem Niederländischen und Englischen seinen Wortschatz stark erweitert (siehe: Ausbausprache). Auch die lautliche Gestalt hat sich sehr europäischen Mustern angepasst. Die beiden afrikanischen Phoneme "kp" und "gb" wurden durch "kw" und "gw" ersetzt und die ursprüngliche Tonalität ging verloren. Konsonantenhäufungen wie etwa "kr-" am Wortanfang oder "-ntr-" im Wortinneren sind heute nicht selten, ursprünglich war die Silbenstruktur wohl wie heute noch im Saramaccan strikt Konsonant-Vokal, wobei nasalierte Vokale und pränasalierte Konsonanten vorkommen.
Sranan Tongo wird in Suriname von fast der gesamten Bevölkerung als Verkehrssprache gesprochen. Davon sprachen 1993 etwa 120.000 Menschen Sranan Tongo als Muttersprache, (die so genannten Kreolen, d.h. die Nachkommen der nie geflohenen Sklaven) und etwa 400.000 Menschen als Zweitsprache. Mehrsprachigkeit mit Niederländisch und Englisch und den Sprachen der anderen Volksgruppen ist weit verbreitet, wobei Niederländisch als Amts- und Schriftsprache dient.
Siehe auch: Bosnegers, Saramakkans, Aukaans
Der language code nach ISO 639-2 ist cpe.
Siehe auch: Liste der Kreolsprachen