Stöberhai

Vorlage:Infobox Berg/Bild fehlt

Stöberhai
Höhe 720 m ü. NN
Lage Niedersachsen, Deutschland
Gebirge Harz
Geographische Lage 51° 39′ 27″ N, 10° 32′ 54″ O
Erschließung 1886–1980 Berghotel
1957–1992 militärische Dienststelle
1967–2005 Aufklärungsturm

Der Stöberhai ist ein am Südrand des Harzes nordwestlich von Wieda gelegener Berg mit 720 m ü. NN Höhe. Die Bedeutung des Namens ist unsicher, es wird vermutet, dass hier ein Köhler Stöber seinen Hai (d. i. Kohlstelle) hatte.

Hotel

1886 wurde von einem Wiedaer Wirt auf der Bergkuppe ein erstes Wirtshaus errichtet, das bereits kurze Zeit später ein Feuer vernichtete. 1889 wurde das „Berghotel Stöberhai“ mit einem Aussichtsturm erbaut. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es 1943 bei einem Luftangriff beinahe von fünf Sprengbomben getroffen. Im Winter 1943/44 beschlagnahmte es die deutsche Wehrmacht für einen Skilehrgang und im darauffolgenden Sommer wurde es für Kriegsblinde beider Weltkriege mit ihren Familien zur Verfügung gestellt.

Nach dem Krieg erwarb die Firma des Interzonenbusunternehmers P. Kühn aus Berlin das Hotel, die einen regelmäßigen Buspendelverkehr von Berlin zum Stöberhai einrichtete. Am Hotel befand sich ein kleiner Tierpark mit einheimischen Wildtieren. Im Jahr 1980 fiel das Hotel nach Leerstand einem Großbrand zum Opfer und wurde nicht wieder aufgebaut. Die Bodenplatte sowie einige alte Stühle waren noch bis Mitte der 1980er Jahre Zeugen des einstigen Hotelbetriebes. Die Fläche wurde schließlich geräumt, in ihrer Mitte ein Wegweiser aufgestellt und eine kleine Schutzhütte am Rande des Gipfelplateaus errichtet - mit Ausblick auf Sankt Andreasberg, das Odertal und die Berge Achtermann, Wurmberg und Brocken.

Aufklärungsturm

Bekanntheit erlangte der Stöberhai durch den dort betriebenen Aufklärungsturm als NATO-Horchposten. Die Funkabhöranlage diente während des Kalten Krieges zum Abhören des militärischen Funkverkehrs in der DDR. Die hier installierten Anlagen das Gegenstück zu der von Stasi und Sowjets betriebenen Station auf dem Brocken dar.

Zuerst errichtete die Bundeswehr 1957 die Dienststelle Wieda, sechs Jahre später folgte die französische Luftaufklärung. Die Einrichtungen wurden fortwährend erweitert. Mit der Fertigstellung des 75 m hohen Beton-Turmes 1967 ging der Komplex formal in den „Fernmeldesektor C“ der Luftwaffe über. Der Turm, als Herzstück der Anlage, beherbergte auf sechzehn Stockwerken und 750 m²: Antennenträger, Erfassungsplätze und Betriebsräume, aber auch Büros, Unterkünfte und eine Messe. Durch Tunnel, die das Ausspähen und eine Vereisung verhindern sollten, war der Turm an weitere Gebäude und einen unterirdischen Atomschutzbunker mit Ausweich-Gefechtsstand angebunden.

Obwohl noch während der Wiedervereinigung 14 Millionen DM in einen nie vollendeten Neubau investiert wurden, zog 1992 das Militär endgültig ab. Neben dem Turm und der Bauruine befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf dem 28 ha großen Gipfel-Plateau ein Eingangsgebäude, ein deutsches Unterkunftsgebäude mit eigenem vollunterkellerten Atomschutzbunker, mehrere Garagen und Werkstätten, zwei französische Quartiere, ein französisches Betriebsgebäude und vier französische Gittertürme für Richtantennen zur Echtzeitübermittlung der elektronischen Aufklärungsergebnisse an übergeordnete Auswertungs-Einheiten im rückwärtigen Raum.

In den Jahren seit der Stilllegung avancierte das Areal zu einem beliebten Abenteuerspielplatz für verschiedene Freizeitsportarten. Besonders unter Geocachern erlangte es seitdem bereits einen legendären Ruf. Nach jahrelangem Streit zwischen Landkreis und Bund über die Abrisskosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro musste schließlich der Bund die entsprechenden Kosten übernehmen. Der Turm der Anlage wurde am 23. September 2005 mit 38 kg Sprengstoff (Gelamon 30 U) in 380 Sprenglöchern kontrolliert zu Fall gebracht.

Am 23. September 2006 – genau ein Jahr nach der Sprengung des Beton-Turmes – weihte Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring ein an den Turm im Besonderen und an die EloKa im Allgemeinen erinnerndes Denkmal ein.

Siehe auch: Fernmeldesektorturm, Schneeberg (Fichtelgebirge) (Fernmeldesektor E), Hoher Bogen (Fernmeldesektor F)

Weblinks

Quelle:
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