St. Gertrud (Hamburg)

St. Gertrud, Blick über den Kuhmühlenteich zur Kirche
St. Gertrud, Blick über den Kuhmühlenteich zur Kirche

Die evangelisch-lutherische St. Gertrud-Kirche im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst ist ein neugotischer Bau von Johannes Otzen.

Inhaltsverzeichnis

Die Nachfolgerin der Gertrudenkapelle

Die heutige St. Gertrud-Kirche entstand als Nachfolgerin der während des Großen Brandes von 1842 zerstörten Gertrudenkapelle. Der Standort dieser alten Kapelle von 1580 lag an der Kreuzung der Gertrudenstraße und der Lilienstraße in der Hamburger Altstadt, wo der nach ihr benannte Gertrudenkirchhof noch heute an sie erinnert. Die Kapelle war ein kleiner Zentralbau mit einem geschwungenen Dach und einem anschließenden schmalen Kirchenschiff.

Historische Ansicht Hamburgs von Frans Hogenberg, 1535. Die alte Gertrudenkapelle befindet sich auf dieser Darstellung ganz rechts, neben dem Steintor
Historische Ansicht Hamburgs von Frans Hogenberg, 1535. Die alte Gertrudenkapelle befindet sich auf dieser Darstellung ganz rechts, neben dem Steintor

Im Zuge der Stadterweitung Hamburgs entstanden auf der Uhlenhorst neue Wohngebiete, die auch einen neuen Kirchenbau nötig machten. Diesen widmete man der St. Gertrud-Gemeinde. Für die Arbeiten an dem Gotteshaus wurde der holsteinische Architekt Johannes Otzen verpflichtet, der sich während dieser Zeit bereits einen Namen mit dem Bau diverser Kirchen gemacht hatte und einer der meist beschäftigten Baumeister seiner Zeit war. Die Arbeiten an St. Gertrud dauerten von 1882 bis 1885, die Kirchweihe fand 1886 statt. Otzen entwarf eine neogotische Hallenkirche mit Sitzplätzen für 1150 Besucher, die er in dem von ihm bevorzugt genutzten Backstein errichtete. An der zierlichen Kirche mit dem 88 Meter hohen, schindelgedeckten Turm sollen mehr als 450 Sorten verschiedener Form- und Glasursteine verarbeitet worden sein, was die Logistik auf dem Bauplatz teilweise vor organisatorische Schwierigkeiten stellte. Auffällig ist neben dem reichen Bauschmuck die Nutzung von Kupfer zur Betonung von Baudetails, wie den niedrigen Seitentürmen, den Fenstersimsen und dem Dachreiter, dessen grüne Patina im Kontrast zum roten Stein steht. Auch für die Innenausstattung des 19 Meter hohen Kirchenschiffs entwarf Otzen die Pläne, auf seine Entwürfe gehen der Altar, die Kanzel, der Taufstein und auch das Gestühl zurück, so dass die Kirche ein harmonisches und geschlossenes Bild bietet.

Blick auf den Chor der Gertrudenkirche
Blick auf den Chor der Gertrudenkirche

Vom Krieg bis heute

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche einige Schäden, unter anderem wurden die prächtigen Fenster des Chorraumes zerstört. Ein Teil der heutigen Fenster war ursprünglich für die St.-Nikolai-Kirche geschaffen worden. Dort wurden sie unter der Gefahr des drohenden Krieges ausgebaut und anschließend eingelagert, nach der Zerstörung der Nikolaikirche installierte man die Fenster stattdessen in St. Gertrud.

Die Kirche, die sich am Kuhmühlenteich, einem Ausläufer der Alster, ungefähr in der geographischen Mitte Hamburgs befindet, gilt als eines der schönsten Werke Otzens und als ein gelungenes Beispiel neogotischer Architektur der Gründerzeit.

Die Kirche ist an Sonntagen Nachmittags auch außerhalb der Gottesdienste zugänglich.

Interessantes

In St. Gertrud wurde der Altkanzler Helmut Schmidt 1934 konfirmiert. Der Turm der Kirche wird regelmäßig von Turmfalken als Nistplatz aufgesucht.

Literatur

  • F. Grundmann, T. Helms: Wenn Steine predigen – Hamburgs Kirchen vom Mittelalter zur Gegenwart. Medien Verlag Schubert, Hamburg 1993. ISBN 3-929229-14-5

Weblinks

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