Spätestens ab den 12. Jahrhundert entstand im Südosten Braunschweigs ein Flecken oder Bleek namens St. Leonhard. Der Flecken entstand am Rande eines Waldes (später Siechenholz genannt), der sich vom Streitberg bis nach Rautheim unter Einbezug des Mastbruchs erstreckte, also wahrscheinlich die Fläche des Braunschweiger Hauptfriedhofs, des Braunschweiger Hauptgüterbahnhofs, die Siedlung Mastbruch-Elmaussicht, das ehemalige Kasernengelände an der Rautheimer Straße sowie zumindest Teile der Siedlungen Lindenberg und Südstadt bedeckte. Zwischen dem Flecken und der Stadt Braunschweig waren vor allem Gärten und Mühlen, die der Versorgung der Stadt dienten. Anlass für die Entstehung des Fleckens war die Ausbreitung der Lepra.
Im 17. Jahrhundert wurde der Flecken während kriegerischer Auseinanderstetzungen zwischen der Stadt und ihren Herzögen mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.
Ab 1860 wuchs der Flecken mit der Stadt Braunschweig zusammen. Der Name St. Leonhard hält sich als Straßenname bis 1890 und wird dann durch Bezeichnung Leonhardplatz abgelöst. Heute gehört das Gebiet des Fleckens St. Leonhard zumindest zum überwiegenden Teil zum Stadtbezirk Braunschweig-Viewegs Garten-Bebelhof.
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Die an Lepra Erkrankten, auch Sieche genannt, wurden in Deutschland außerhalb der Städte angesiedelt. In Braunschweig geschah dies am oben erwähnten Waldstück, das dadurch den Namen Siechenholz erhielt. Das Holz wurde entweder von den Siechen oder der Stadt erworben.
Der älteste Nachweis des Siechenholz und eines Hospitals St. Leonhard stammt aus dem Jahr 1230. Da in anderen deutschen Städten Siechenhospitäler schon im 9. Jahrhundert nachgewiesen wurden, ist anzunehmen, dass in der Handelsstadt Braunschweig die Lepra auch schon vorher ein Problem war, die Ansiedlung also älter ist.
Am Siechenholz entstand ein von Beginen betreutes Hospital, eine heute existierende Kapelle (die laut Knopp von 1190 stammt), eine im 17. Jahrhundert endgültig zerstörte Klus, mehrere Wirtschaftsbetriebe und eine kleine Siedlung.
Charakter und Aufgaben der „Krankenhäuser“ des Flecken St. Leonhard veränderten sich im Laufe ihres Bestehens.
Am 8. Juni 1852 wurde eine Nähschule für Mädchen der „unteren Stände“ („Rettungshaus“) bei St. Leonhard vor dem Steintore eröffnet. Daraus ist wohl der „Knabenhof bei St. Leonhard“ in der Georg-Westermann-Allee 76 entstanden, der am 8. Juni 1952 sein 100-jähriges Jubiläum feierte.
Am 28. Juni 1954 wurde an der Georg-Westermann-Allee das Kinderheim des Knabenhofes St. Leonhard) in Betrieb genommen, das „Michelfelder-Heim“, benannt nach dem damaligen Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, dem Deutsch-Amerikaner Dr. Michelfelder.
Gleichzeitig wurde das Jugendwohnheim des Knabenhofes bei St. Leonhard in „Fritjof-Nansen-Heim“ umbenannt. Am 29. Januar 1960 wurden neue Räume eingeweiht. Am 1. Oktober 1971 übernahm das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands die Leitung des Lehrlings- und Jugendheimesund benannte es in „Jugenddorf Braunschweig“ um. Auf dem Gelände befindet sich heute die CJD Jugenddorf-Christophorusschule Braunschweig.
Zum Siechenhaus bzw. deren Nachfolgern und dem Bleek gehörten auch Wirtschaftbetriebe.
Zu St. Leonhard gehörte auch eine Schule, damit wurde die turbulente Schulgeschichte des Stadtbezirk Vieweg Garten - Bebelhof begonnen. Bis 1819 unterrichteten dort Hilfslehrer, danach wurden ausgebildete Pädagogen eingestellt. Die Hilfslehrer waren Handwerker mit geringem Einkommen. Das Einkommen an der Schule war vom Schulgeld abhängig. Da keine Schulpflicht bestand, wurden nur die Kinder zur Schule geschickt, deren Eltern sich das Schulgeld leisten konnten. 1856 wurde die Schule nach einer Neuordnung geschlossen, die Kinder auf Schulen in der Stadt verteilt. Dies ist die erste Schulschließung im späteren Stadtbezirk Viewegs Garten - Bebelhof.
Bis zur Zerstörung und anschließend Wiederaufbau im 17. Jahrhundert lagen die Häuser des Bleeks westlich der Kirche am heutigen Leonhardplatz. Nach dem Wiederaufbau 1671 gab es auch im Norden und Osten der Kirche Häuser. Die Häuser wurden an Handwerker und Höker auf Lebenszeit "verkauft". Es gab einige Straßen und einen Marktplatz. Auf dem Marktplatz fanden Jahr- und Viehmärkte statt. 1727 entstand ein Reihenhaus mit 11 Wohn- und Diensthäusern, im mittleren Haus mit Sonnenuhr wohnte der Windmüller. 1756 wurde auf Veranlassung des Herzogs eine Allee angelegt. Andauernde Auseinandersetzungen zwischen dem Großen Waisenhaus und St. Aegidien über die gemeinsame Schäferei führten dazu, dass St. Leonhard als Klostergut zur Stadt kam. 1856 kam die 210 Seelen zählende Gemeinde zu St. Magni.
Bis zur Reformation gehörte St. Leonhard zu Halberstadt und unterstand in kirchlicher Hinsicht St. Aegidien. 1529-1531 waren die ehemaligen Mönche Heinrich Lampe und Heinrich Ossenborn als Pastoren an St. Leonhard. Danach war dort nur noch ein Pfarrer an der Kirche, 1580 wurde die Gemeinde mit St. Marien vereinigt.
In weltlicher Hinsicht wurden zwei Bürger vom Rat der Altstadt als Vormünder (auch Vorsteher oder Provisoren genannt). Ein Vermögensverwalter zog von allen mit einem eigenen Haushalt oder einem eigenen Haus am „Montag nach Marien“ (kein Hinweis welches Marien) einen Schoß von einem halben Taler ein und führte sie an den Rat der Altstadt ab.
Im 16. und 17. Jahrhundert geriet St. Leonhard in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Braunschweig und den Herzögen, die die Stadt in Besitz nehmen wollten. Heinrich der Jüngere zerstörte die Windmühle und die zum Bleek gehörende Klus, die Beginen flüchteten zum Kloster St. Aegidien. 1559 wurde die Windmühle, 1567 das Siechenhaus neu gebaut und die Klus ausgebessert. 1605/1606 griff Herzog Heinrich Julius an, seine Reiter plünderten die Kirche, zerstörten die Inneneinrichtung und spielten den Bewohnern des Siechenhauses übel mit. Außerdem zerstörten sie das Getriebe der Mühle. 1615 fiel sein Sohn, Herzog Friedrich Ulrich ein. Bis 1621 konnte die Kirche nicht benutzt werden, die Klus wurde nicht wieder aufgebaut. Auch die Verteidiger der Stadt nahmen an der Zerstörung teil. Die Häuser am Markt wurden angezündet. Erst nachdem die Herzöge Braunschweig eingenommen hatten, wurde das Bleek wieder aufgebaut, als erstes das Wirtshaus 1675. Das Armenwesen wurde neu geordnet, St. Leonhard kam zum Marienhospital.
Die Kirche wurde in ihrer Geschichte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Der Aufbau nach den kriegerischen Auseinandersetzungen dauerte von 1672 bis 1679. Über dem (ehemaligen?) Eingang befindet sich die Inschrift „16 RENOVATUM ANNO 79“.
Im Oktober 1856 wurde der Abriss der Kirche durch Stadtbaumeister Tappe verhindert. Am 2. Advent 1947 erfolgte die Einweihung der Leonhardskapelle als Kirche für die (anthroposophische) Christengemeinschaft. Die Eröffnungsfeier fand am 5. Dezember statt. (Die Christengemeinschaft 20. Jahrgang, 1948, H. 1 u. 2, S. 43). Im Juni 1949 erfolgte die Wiederherstellung der Leonhardskapelle als Kirche der Christengemeinschaft durch Prof. Thulesius. Vom 3. Dezember bis 5. Dezember 1954 fand eine Feier der „Christengemeinde“ nach erfolgter Restaurierung der Deckenmalereien aus dem 12. bis 17. Jahrhundert im Chor und im Schiff der Leonhardkapelle statt.
Ab 1860 wuchs der Flecken St. Leonhard allmählich mit der Stadt Braunschweig zusammen. Die Leonhardstraße, Körnerstraße und die Gerstäcker Straße waren einige der ersten Straßen, die die Verbindung zur Stadt und zum westlich von Viewegs Garten entstehenden Wohngebiet auf dem Krähenfeld bildeten. Die Helmstedter Straße hat gemäß Adressbuch ab 1860 35, ab 1874 51 Nummern.
Laut Pingel (s. Literatur) wurde die zuvor im Adressbuch der Stadt als St. Leonhard bezeichnete Straße oder (nach Knopp) Platz 1890 zum Leonhardsplatz, der Weg nach St. Leonhard (ab 1860 im Adressbuch der Stadt Braunschweig) ab 1875 zur Leonhardstraße) und der schon auf Plänen ab 1671 als Weg zwischen Gärten erkennbare Weg 1890 zur Gerstäckerstraße. Der Leonhardplatz grenzte an die Campestraße (heute Ottmerstraße). 1915 gibt es aber auf dem Leonhardsplatz noch eine Viehmarkt.
Ab 1879 wird zum ersten Mal der Name Marthastraße erwähnt, an der Finanzierung u.a. der Fabrikant Voigtländer beteiligt war. Die heutige Körnerstraße wurde ab 1878 als Keine Campestraße gebaut. Im Gebiet von St. Leonhard entstanden 1874 die Wörthstraße (heute Schillstraße) und 1892 die Kapellenstraße.
Aber auch das Siechenholz im Südosten des Stadtbezirks entwickelte sich. Am 1. Oktober 1887 wurde der Zentralfriedhof (später Braunschweig Hauptfriedhof) eingeweiht. Südlich der Bahnlinie nach Helmstedt und des Ostbahnhofs entsteht ein Industriegebiet und die Ackerstraße (1869). Das Wohngebiet konnte sich zwischen Industriebetrieben, Bahnhöfen und Hauptfriedhof nicht richtig ausdehnen. Auf dem Streitberg entstand 1873 die Aktienbierbrauerei gleichen Namens. Gegenüber dem Braunschweiger Hauptfriedhof (seit 1887) entsteht die Reuterstraße (1908).
Aber auch Richtung Innenstadt entstehen Betriebe, so an der Ecke Helmstedter Ecke die Zigarrenfabrik Frey und Schurig (1869-1885)
1888 wird die Klosterdomäe aufgelöst, 1890 teilweise abgebrochen 1889 wurde der ehemalige Schafstall, nun Wirtschaftshof des Klosterguts zum Braunschweiger Landgestüt und verblieb hier bis 1934. Später zog hier die Polizei ein.
Knoll berichtet 1881 von einem projektierten Güterbahnhof St. Leonhard. Dieser ist auch im Rincklake'schen Bahnhofsplan von 1889 verzeichnet. Löffelsend schreibt, dass der Rangierbahnhof St. Leonard bereits 1871 besteht, ab 1873 entstehen nach ihm je ein Güter- und Kohlenschuppen, eine Lokomotivhalle und eine Wasserstation. Die Pläne, den Ostbahnhof umzubauen gab es schon im letzten Jahrhundert. Aber auch schon die Helmstedter Bahn brachte große Veränderungen. Größere Veränderungen erfolgten dann im Zusammenhang der Neubauten des Braunschweiger Hauptbahnhofs und der Braunschweiger Stadthalle.
Als Gebietsbezeichnung ist St. Leonhard heute völlig verschwunden, das Gebiet des ehemaligen Bleeks liegt heute wohl überwiegend im Stadtbezirk Braunschweig-Viewegs Garten-Bebelhof, einige Bereiche im Braunschweig-Östliches Ringgebiet.
Ein Sportverein trägt seinen Namen.
Die für 2008 geplante Schließung des Straßenbahndepots an der Georg-Westermann-Allee lässt den Namen wieder aufleben. Die Stadt Braunschweig plant ein Wohngebiet mit den Namen "St. Leonhards Garten". Das Projekt gehört zum Programm "Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Die damit verbundene Auszeichnung ist mit einer Preissumme von 500.000 Euro dotiert. [1]
Brockhaus-1809: Herzog Ludwig Ernst von Braunschweig · Prinz Maximilian Julius Leopold von Braunschweig · Braunschweig · Braunschweig · Braunschweig [2] · Herzog Ferdinand von Braunschweig
Brockhaus-1911: Braunschweig-Bevern · Braunschweig [2] · Braunschweig
DamenConvLex-1834: Charlotte, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel · Braunschweig
Herder-1854: Braunschweig [2] · Braunschweig [1]
Meyers-1905: Braunschweig, Georg von · Braunschweig-Bevern · Braunschweig [1] · Braunschweig [2]
Pataky-1898: Braunschweig, Sophie Dorothea, Prinzessin von
Pierer-1857: Braunschweig-Lüneburgscher Erbfolgekrieg · Braunschweig-Lüneburg · Braunschweig-Bevern · Neu-Braunschweig · Braunschweig-Wolfenbüttel · Braunschweig-Öls · Braunschweig [3] · Braunschweig [2] · Braunschweig [1] · Braunschweig [6] · Braunschweig [5] · Braunschweig [4]