St. Petersglocke

Die Sankt Petersglocke ist die größte freischwingende (Kirchen-)Glocke der Welt.
Die Sankt Petersglocke ist die größte freischwingende (Kirchen-)Glocke der Welt.

Die St. Petersglocke im Kölner Dom ist mit ihrem Gewicht von ca. 24.000 kg (Klöppel: ~1.000 kg) und einem Durchmesser von 322 cm die größte der Kölner Domglocken und gleichzeitig die größte freischwingend (am geraden Joch und mit „fliegendem“ Klöppel) läutende Glocke der Welt. Die St. Petersglocke befindet sich in 55 m Höhe in der Glockenstube des Südturmes. Sie trägt den Namen des Apostels Petrus, des Hauptpatrons des Doms. Von den Kölnern wird sie liebevoll als „D'r decke Pitter“ oder einfach als „Dicker Pitter“ bezeichnet. Der Nominal/Schlagton ist c0 (-5/16).

Inhaltsverzeichnis

Die Vorgängerin

Vorläufer der Petersglocke war die sogenannte Kaiserglocke oder „Gloriosa“, welche mit 26.250 kg noch schwerer war als die Petersglocke. Im Jahr 1918 wurde sie wieder eingeschmolzen.

Der Auftrag

Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer und Erzbischof Schulte setzten sich dafür ein, dass Köln endlich einen Ersatz für die Kaiserglocke bekam, die im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen werden musste. Zuerst wollte keiner die neue große Glocke gießen. Zahlreiche Glockengießer aus ganz Europa passten - das Risiko war ihnen zu groß, der Fall der misslungenen „Kaiserglocke“ war noch in allzu guter Erinnerung. Schließlich erklärte sich am 31. März 1922, nach der Anforderung des Metropolitankapitels des Domes, der Glockengießermeister Heinrich Ulrich im thüringischen Apolda bereit, den Auftrag anzunehmen.

Guss und Finanzierung

Der Glockengießer Heinrich Ulrich überwachte selbst sorgfältig alle Vorbereitungen und nahm seine erfahrensten Mitarbeiter zu Hilfe. Die Apoldaer Volkszeitung von 1922 berichtete von einem Film, der die Arbeiten an der Glocke von Anfang bis Ende festhalten sollte.

Da der Ulrichsche Gießofen die Metallmenge nicht fassen konnte, musste ein weiterer Schmelzofen gebaut werden. Als der Tag der Fertigstellung des Werkes näher kam, wurde mit dem Meister neu kalkuliert; die Besteller waren nicht in der Lage, dem Tempo der Papiergeldentwertung während der Inflation zu folgen, und mit Notgeld konnte der Dom seine Glocke nicht einlösen. Die verwickelten Vorgänge jener Zeit machten dem Meister schwer zu schaffen, denn er benötigte das Geld dringend für die in Apolda bereits verauslagten und noch bevorstehenden Kosten. Über 1 Million Mark kostete das Metall für die St. Petersglocke. Nach der Inflation fehlten zur Finanzierung der Glocke immer noch 5000 Dollar; gut betuchte Kölner spendeten den nötigen Betrag.

Bei den Vorbereitungen zum Guss mussten rund 30 Festmeter Fichtenholz verfeuert werden, um den Fluss des Metalls zu sichern. Am Abend des 5. Mai stieß der Meister den Zapfen aus, und der Feuerstrom schoss aus beiden Öfen in die Form. Mit der Stoppuhr konnte festgestellt werden, dass diese in 9 Minuten und 32 Sekunden gefüllt war. Der Guss gelang. Heinrich Ulrich hatte zudem mit der „Gloriosa-Rippe“ die gewünschten Klangeigenschaften erreicht.

Klanganalyse

Nominal c0 -5
Nominaldurterz e0 -2
Unteroktave C -8
Prime c0- 2
Terz es0 +3
Quinte (V) ges0 +2
Oktave c1 -6
Molldezime es1 +2
Durdezime e1 -7
Duodezime g1 -7
Tredezime as1 -9
Quattuordezime ces2 -12
Doppeloktave c2 -6
2'-Terz e2 ±0
2'-Quarte fis2 -4
2'-Quinte g2 -5
2'-Sexte as2 -5
2'-Kleine Septime b2 -1
2'-Große Septime h2 -5
Tripeloktave c3 -8

Abklingdauer:
Unterton: 170 s
Prime: 43 s
Terz: 27 s
Abklingverlauf schwebend.

Transport, Empfang und Aufzug

Infolge der Besetzung des Ruhrgebietes durch französische Truppen verzögerte sich die Überführung der Glocke; die Auftraggeber befürchteten deren Beschlagnahme als Reparationsgut. Deshalb war das ungewöhnliche Werk anderthalb Jahre lang in der Gießerei aufgestellt, und viele Besucher aus Apolda und den umliegenden Orten kamen zum Katharinenweg zur Besichtigung.

Im November 1924 war es endlich soweit, und die St. Petersglocke konnte Köln zugeführt werden. Das Apoldaer Tageblatt vom 9. November 1924 berichtet von den Vorbereitungen dieses schwierigen Transportes. Am 10. November sollte Heinrich Ulrich die Glocken vom Katharinenweg bis zum Bahnhof auf drei Zugmaschinen der Firma Benz-Mannheim transportieren lassen. Um 12 Uhr mittags war eine Pause vorgesehen, um die Zugmaschinen wieder mit Wasser zu versorgen. In der Nacht zum 11. November sollte die Glocke am „Thüringer Hof“ abgestellt und mittags bis zum Bahnhof befördert werden. Die Verladung war für den 12. November und die Abfahrt am selben Tag gegen 13:30 Uhr vorgesehen.

Die Glocke traf ohne Zwischenfälle in Köln ein und wurde Ende November vor einer großen Menschenmenge geweiht. Sie war mit grünem Buchsbaum, roten und weißen Rosen sowie Kränzen mit Schleifen in den päpstlichen Farben geschmückt. Der Zug mit der Glocke bewegte sich unter feierlichem Glockengeläut jener Kirchen, deren Pfarreien der Dom berührte, über die Straßen wurde unterwegs vom Domgeläut begrüßt.

Ein paar Tage später erledigten 24 Männer einer Stahlbaufirma acht Stunden lang die Schwerstarbeit, die Glocke in den Glockenstuhl in 55 Meter Höhe zu verfrachten. Der Stuhl hatte zuvor extra verstärkt werden müssen, um der Belastung standhalten zu können.
Die Glocke sollte das erste Mal an Heiligabend 1924 zu hören sein. Doch ein technischer Fehler verhinderte die Premiere. Erst zehn Monate später, am 28. Oktober 1925 um 12 Uhr, ertönte sie zum ersten Mal in der Domstadt.

Noch heute sind Bilder, Dokumente sowie die Ulrich-Gedenktafel über den Guss und den Transport im Glockenmuseum in Apolda zu besichtigen.

Schweißung 1956

Im Jahre 1951 sprang die Petersglocke und konnte erst 1956 durch autogenes Schweißen des 110 cm langen Risses am Schlagring von der Firma Lachenmeyer in Nördlingen wiederhergestellt werden. Die Glocke erhielt jetzt einen kleineren Klöppel (ca. 1000 kg). Offenbar konnten die Ulrichs bzw. die Nachfolger das Verhältnis zwischen Glocke und Klöppel nicht immer richtig berechnen, denn sie versahen auch die berühmte Erfurter „Gloriosa“ 1928 mit einem viel zu schweren Klöppel.

Inschrift

[Relief des Hl. Gereon]
◊ IM ◊ JAHRE ◊ 1922 ◊ NACH ◊ CHRISTI ◊ GEBURT ◊◊ / ◊ 600 ◊ JAHRE ◊ NACH ◊ DER ◊ DOMWEIHE ◊ UNTER ◊ DER / ◊ REGIERUNG ◊ DES ◊ PAPSTES ◊ PIUS ◊ XI ◊ DES ◊ ERZ= / =BISCHOFS ◊ KARL ◊ JOSEPH ◊ KARDINAL ◊ SCHULTE ◊

[Petrusrelief]
◊ UNTER ◊ DER ◊ AMTSFÜHRUNG ◊ DES ◊ DOMPROPS= / =TES ◊ ARNOLD ◊ MIDDENDORF ◊◊ DES ◊ DOMDECHAN= / =TEN ◊ UND ◊ WEIHBISCHOFS ◊ PETRUS ◊ LAUSBERG ◊ / ◊ DER ◊ DOMKAPITULARE ◊ WINAND ◊ BLANK ::

[Relief der Hl. Ursula]
ARNOLD ◊ STEFFENS ◊◊ JOSEPH ◊ ROMUNDE ◊◊ KARL: / : COHEN ◊◊ JOSEPH ◊ VOGT ◊◊ ADOLF ◊ OTT ◊◊ FRIEDRICH /: GRAF ◊ SPEE ◊◊ OTTO ◊ PASCHEN ◊◊ CHRISTIAN ::/ : BERRENRATH ◊◊ JOSEPH ◊ STOFFELS ◊◊ WURDE

[Relief des Christus]
◊ ICH ◊ ZU ◊ APOLDA ◊ VOM ◊ MEISTER ◊ HEINR. ◊ ULRICH ◊ / ◊ GEGOSSEN ◊◊ DIE ◊ MITTEL ◊ GABEN ◊ DAS ◊ DEUT= / =SCHE ◊ REICH ◊◊ DER ◊ PREUSSISCHE ◊ STAAT ◊ UND ◊ : / ◊ VATERLÄNDISCH ◊ GESINNTE ◊ BÜRGER ◊ KÖLNS

[Relief des Hl. Gereon, Auf der Flanke:]
◊◊ O ◊ KÖNIG ◊ DER ◊ HERRLICHKEIT ◊◊ / ◊ KOMM ◊ CHRISTUS ◊ MIT ◊ FRIEDEN ◊◊ (unter dem Christusbild) ◊ ST ◊ GEREON ◊ / ◊ BITT ◊ FÜR ◊ UNS ◊ / ◊ (Krone) ◊ M ◊ (Krone) ◊ / ◊ C ◊ (Krone) ◊ B ◊ (unter St. Gereon), ◊ ST ◊ URSULA ◊ / ◊ BITT ◊ FÜR ◊ UNS ◊ / ◊ (Krone) ◊ M ◊ (Krone) ◊ / ◊ C ◊ (Krone) ◊ B ◊

[unter dem Relief der Hl. Ursula]
◊: ST ◊ PETER ◊ BIN ◊ ICH ◊ GENANNT ◊ :◊ / ◊ : SCHÜTZE ◊ DAS ◊ DEUTSCHE ◊ LAND :◊ / ◊ GEBOREN ◊ AUS ◊ DEUTSCHEM ◊ LEID ◊◊ / † ◊ † ◊ RUF ◊ ICH ◊ ZUR ◊ EINIGKEIT ◊ † ◊ †

(†) und Rosetten (hier: ◊) dienen als Wort- und Verstrennungszeichen.

Die St. Petersglocke erweckte indessen nach dem zeitgenössischen Bericht eines Katholiken, der mit «Canonicus» unterzeichnete (17. Mai 1923), heftige Debatten:

„Hier in Köln hätte man füglich die katholischen Bewohner fragen dürfen, ob sie eine solche Glocke mit solchen Inschriften haben wollten, denn aus dem letzten Satz der Aufschrift geht hervor, dass nur Kölner Bürger beigesteuert haben, die in Preußen ihr Vaterland erblicken. Ich weiß nicht, ob es auch anderen so geht, aber für mich ist es kein angenehmes Gefühl, wenn ich im Dom meine Andacht verrichte zu wissen, dass sich in Verbindung mit ihr ein Reklamestück für das Preußentum befindet.“

Man hatte vergessen, auf der Glocke zu vermerken, dass vorwiegend die katholische Gemeinde für den Guss gespendet hatte.

Läuteordnung

Die St. Petersglocke wird nur zu besonderen Anlässen und an hohen kirchlichen Feiertagen geläutet (s.u.). Die Wahl oder der Tod eines Erzbischofs von Köln oder eines Papstes, sowie die Primiz zählen dazu. Ebenso verkündete die St. Petersglocke über den Ruinen der Stadt Köln 1945 das Ende des Zweiten Weltkrieges, sowie im Jahr 1990 die Wiedervereinigung Deutschlands. In der Regel läutet die St. Petersglocke 10 Min. solistisch vor; die übrigen Glocken (der allg. Läuteordnung entsprechend) schließen sich an.

Datum/Tag Uhrzeit Anlass
7. Dezember 19:30 Uhr Einläuten des Hochfestes Mariä Empfängnis.
8. Dezember 18:05 Uhr Hochfest Mariä Empfängnis.
24. Dezember 19:15 Uhr Einläuten des Hochfestes Weihnachten am Hl. Abend.
24. Dezember 23:15 Uhr Christmette am Hl. Abend.
25. Dezember 09:35 Uhr Hochfest der Geburt des Herrn.
1. Januar 00:00 Uhr Einläuten des neuen Kalenderjahres.
5. Januar 19:30 Uhr Einläuten des Hochfestes Hl. Drei Könige / der Erscheinung des Herrn.
6. Januar 09:35 Uhr Hochfest Hl. Drei Könige / der Erscheinung des Herrn.
Karsamstag ~23:00 Uhr Ostergloria in der Osternacht.
Ostersonntag 09:35 Uhr Hochfest der Auferstehung des Herrn.
Vorabend Pfingsten 19:30 Uhr Einläuten des Hochfestes Pfingsten.
Pfingstsonntag 09:35 Uhr Hochfest Pfingsten.
Vorabend Fronleichnam 19:30 Uhr Einläuten des Hochfestes Fronleichnam.
Fronleichnam 09:35 Uhr Hochfest Fronleichnam.
28. Juni 19:30 Uhr Einläuten des Hoch-/Patronatsfestes St. Peter und Paul.
29. Juni 18:05 Uhr Hoch-/Patronatsfest St. Peter und Paul.
31. Oktober 19:30 Uhr Einläuten des Hochfestes Allerheiligen.
1. November 09:35 Uhr Hochfest Allerheiligen.

Siehe auch

Quellen

  • Kunst, Erz und Klang. Die Werke der Glockengießerfamilie Ulrich/Schilling vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Margarete Schilling, 1992. S. 81-83.
  • Die Kaiserglocke und die St. Petersglocke.
  • Glockenmusik katholischer Kirchen Kölns. Gerhard Hoffs, 2006. S. 15, 22 u. 23.
  • Martin Seidler, Die Kölner Domglocken, CD mit ausführlichem Beiheft, Verlag Kölner Dom, Köln (2. Auflage) Oktober 2000, ISBN 3-922442-40-4

Weblinks

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