St. Sebastian (Berlin)

St. Sebastian am Gartenplatz in Berlin-Wedding ist die drittälteste katholische Kirche Berlins. Sie wurde in den Jahren 1890–1893 erbaut.

Nachdem seit 1773 die Hedwigskirche den in Berlin lebenden Katholiken zur Verfügung stand, wuchs ihre Zahl durch Zuwanderer aus Schlesien und durch die beginnende Industrialisierung im 19. Jahrhundert so stark, dass bereits 1860 im Norden der Stadt die Gemeinde St. Sebastian als zweite Gemeinde gegründet wurde. Die Gottesdienste wurden zunächst in der St.-Sebastians-Kapelle des Invalidenhauses gehalten, da für den Bau einer eigenen Kirche noch nicht genügend Mittel zur Verfügung standen.

1890 wurde auf dem Gartenplatz, der bis 1837 als Galgenplatz gedient hatte, nach einem Entwurf des Architekten Max Hasak eine frühgotische Kirche nach dem Muster der Elisabethkirche in Marburg gebaut. Am 26. Juni 1893 wurde sie durch Fürstbischof Georg von Kopp von Breslau eingeweiht.

Die Gewölbespannung beträgt 16,5 m, das Hauptschiff ist 21 bis 23 m hoch, in den beiden Seitenschiffen befinden sich je drei Seitenkapellen. Der Turm hat eine Höhe von 85 m. Ursprünglich war die Kirche für 1000 Sitz- und 3000 Stehplätze konstruiert. In der heutigen Gestaltung hat sie etwa 600 Sitzplätze.

Durch die rasante Bevölkerungsentwicklung hatte die Gemeinde nach der Jahrhundertwende 50.000 Mitglieder, so dass schon in den ersten Jahren mehrere Tochtergemeinden ausgepfarrt wurden.

1929 wurde der Hochaltar errichtet und die Kirche ausgemalt.

Am 16. November 1943 wird der wenige Tage zuvor auf dem Transport ins Konzentrationslager verstorbene Dompropst Bernhard Lichtenberg von St. Sebastian aus zu Grabe getragen. 185 Geistliche und Tausende Gläubiger begleiten den Trauerzug zum St.-Hedwigs-Friedhof in der Liesenstraße.

Am 22. November 1943 wird die Kirche bei alliierten Angriffen von mehreren Brandbomben getroffen. Die Feuerwehren des benachbarten Stettiner Bahnhofs und der AEG dürfen beim Löschen nicht helfen, so dass die Kirche drei Tage lang niederbrennt.

Nach dem Krieg werden Gottesdienste zunächst im Freien abgehalten. 1946 wird mit dem Wiederaufbau begonnen. Bis 1963 ist die Kirche Ersatz für die noch nicht wieder aufgebaute Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Die Berliner Bischöfe Wilhelm Weskamm (1951) und Julius Döpfner (1957) werden hier inthronisiert, Konrad Kardinal von Preysing (1950) und Wilhelm Weskamm (1951) von hier zu Grabe getragen.

Der Mauerbau am 13. August 1961 zerschneidet die Gemeinde und drängt die Kirche in eine geografische Randlage. Der Abriss der Mietskasernen und Neubau moderner Hochhäuser im Viertel führt in den 70er Jahren zu vielen Weg- und Zuzügen.

Nach der Liturgiereform wird die Kirche 1973/1974 neu gestaltet. Eine Altarinsel wird in die Vierung gesetzt, an die Stelle des Hochaltars tritt der Tabernakel. Tabernakel, Ambo und Gestühl sind Werk des Kunstschmieds Bergmeister aus Ebersberg.

Zum hundertjährigen Jubiläum wird die Kirche 1990–1993 erneut renoviert.

Gemeinsam mit der Gemeinde St. Sebastian wird die Kirche heute von der kroatischsprachigen Gemeinde Berlins genutzt.

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