St. Stephan (Mainz)

Dieser Artikel behandelt die Kirche Sankt Stephan in Mainz mit Chagall-Fenstern. Für die gleichnamige Kirche in Gonsenheim siehe hier.
St. Stephan zu Mainz. Blick auf den großen Glockenturm, der jahrhundertelang der höchste Punkt der Stadt war, und das Langhaus
St. Stephan zu Mainz. Blick auf den großen Glockenturm, der jahrhundertelang der höchste Punkt der Stadt war, und das Langhaus

Die katholische Pfarrkirche Sankt Stephan in Mainz wurde 990 von Erzbischof Willigis, der auch den Mainzer Dom erbaut hatte, auf der höchsten Erhebung der Stadt gegründet, höchstwahrscheinlich im Auftrag der Kaiserwitwe Theophanu. Willigis wollte mit ihr die Gebetsstätte des Reiches schaffen. In der Kirche war ursprünglich ein Stift untergebracht. Der Propst des Stiftes verwaltete eines der Archidiakonate (mittelalterliche Organisationseinheit, ähnlich den heutigen Dekanaten) des Erzbistums.

Inhaltsverzeichnis

Bau

Der heutige Bau datiert jedoch aus späterer Zeit. Um 1267 begonnen, wurde er um 1340 fertiggestellt. Der Nachfolgerbau behielt jedoch die Vorgaben des Grundrisses des Willigis-Baus und damit die Ausgestaltung als Doppelchoranlage bei. St. Stephan ist damit die älteste gotische Hallenkirche am Mittelrhein und die nach dem Dom bedeutendste Kirche der Stadt Mainz.

Blick in den gotischen Kreuzgang von St. Stephan. Nach schwerer Kriegszerstörung 1968–71 wiederhergestellt
Blick in den gotischen Kreuzgang von St. Stephan. Nach schwerer Kriegszerstörung 1968–71 wiederhergestellt

Von 1462 bis 1499 wurde der Kreuzgang an die Südseite angefügt. In der Barockzeit wurde St. Stephan entsprechend ausgestattet. 1857 explodierte jedoch ein nahegelegener Pulverturm (Mainz war im 19. Jahrhundert Bundesfestung), wodurch die barocke Ausstattung der Kirche wieder verloren ging. Während der Luftangriffe auf Mainz im Zweiten Weltkrieg wurde St. Stephan schwer beschädigt. Insbesondere der große Westturm musste danach in einem komplizierten Verfahren restauriert werden. Nicht wiederhergestellt wurden jedoch die Gewölbe von Langhaus und Chor, die nun durch eine flache Holzdecke ersetzt sind.

In seiner heutigen Form ist St. Stephan also eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit Chören im Osten und Westen sowie mit einem großen achteckigen Glockenturm über dem Westchor.

Ausstattung

Chagall-Fenster

Einzigartig in Deutschland sind die Chorfenster der Stephanskirche, die ab 1978 von Marc Chagall gestaltet wurden. Bis zu seinem Tod 1985 schuf Chagall insgesamt neun Fenster, die in ihren verschiedenen leuchtenden Blautönen biblische Gestalten darstellen. Chagall wollte sein Werk als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen. St. Stephan wählte er wegen seiner Freundschaft zum damaligen Pfarrer von St. Stephan, Monsignore Klaus Mayer. Nach seinem Tod wurde die Arbeit an den restlichen Fenstern von einigen seiner Schüler fortgesetzt.

Sonstiges

Nach der Pulverturmexplosion und den Kriegszerstörungen erhalten sind vor allem die Altarmensa aus dem 13. Jahrhundert sowie der große Tabernakel (um 1500).

Der Hl. Willigis wurde in der von ihm gegründeten Kirche auch begraben (1011); die genaue Stätte ist jedoch durch den Umbau nicht mehr feststellbar.

Von Oktober 1813 bis Januar 1814 diente der große Glockenturm auch als Signalstation der optischen Telegraphenlinie nach Metz.

Literatur

  • Josef Heinzelmann: Spuren der Frühgeschichte von St. Stephan in Mainz. Ein Beitrag zu einer noch nicht geführten Diskussion. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 56 (2004), S. 89–100.´

Weblinks

Quelle:
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