St.-Jacobi-Kirche (Hamburg)

St. Jacobi.
St. Jacobi.

Die St.-Jacobi-Kirche ist eine der fünf Hauptkirchen Hamburgs. Trotz vieler Veränderungen im Laufe der Geschichte und massiven Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg stellt die Kirche eines der wenigen mittelalterlichen Bauten der Stadt dar.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Hauptkirche St. Jacobi liegt im Hamburger Zentrum im Stadtteil Altstadt in der Nähe der Mönckebergstraße, von der sie durch eine Häuserzeile getrennt ist. Im Süden der Kirche verläuft die Steinstraße, eine der Hauptstraßen des frühen Hamburg, die für die Entstehung der Kirche maßgeblich ist, an diese Straße grenzt das Kontorhausviertel. Das Umfeld der Kirche ist in seinen Bauten wesentlich jünger als St. Jacobi und wurde zum größten Teil erst im 20. Jahrhundert gestaltet.

Geschichte

St. Jacobi geht aus einer Kapelle hervor, die an einem Jakobsweg stand, den die (spätere) Steinstraße in diesem Bereich bildete. Durch diesen Umstand wurde die Kirche dem Apostel Jakobus geweiht. Bei der ersten Erwähnung 1255 lag St. Jacobi noch außerhalb der gesicherten Stadt östlich des Heidenwalls, erst nach Erweiterung der Stadtmauer 1260 wurde sie in die Hamburger Stadtbefestigung einbezogen. Der Hauptteil der Kirche geht auf einen Neubau im 14. Jahrhundert zurück: Zwischen 1350 und etwa 1400 baute man eine dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil, ähnlich der benachbarten Kirche St. Petri. 1438 entstand im Nordosten ein Sakristeianbau, heute Hamburgs einziges Zeugnis gotischer Profanarchitektur. Zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde St. Jacobi um ein viertes Kirchenschiff an der Südseite erweitert. Im Mittelalter bestand der Turm der Kirche aus fünf Stockwerken, besaß allerdings keinen Turmhelm, sondern schloss mit zwei parallelen Satteldächern ab. Erst mit Beginn der frühen Neuzeit wurde in den Jahren zwischen 1587 und 1590 ein Turmhelm geschaffen, der in seiner spätgotischen Gestaltung der nahen St. Getrudenkapelle entlehnt war.

Eine weitere Veränderung des Baus erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts: Statische Probleme am westlichen Ende der Kirche verlangten, die Fundamente zu sichern und das Mauerwerk zu verstärken; hierdurch wurde die Westfront auch in ihrem Aussehen verändert. Anfang des 19. Jahrhundert diente St. Jacobi wie viele Kirchen napoleonischen Truppen als Pferdestall. 1826/27 wurde der spätgotische Turmhelm wegen baufälligkeit abgerissen und durch einen neuen ersetzt, umfassende Veränderungen der Kirche erolgten zwischen 1859 und 1869, so wurde das Kupferdach durch eine Schieferbedeckung ersetzt und eine neogotische Eingangshalle an der Südseite des Kirchenbaus errichtet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Innenraum erneuert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört, der Turm stürzte durch die Gewölbe in den Innenraum, wodurch dieser zerstört wurde. Die historische Innenausstattung konnte vorher bereits evakuiert werden. Nach dem Krieg wurde St. Jacobi nach mittelalterlichem Vorbild bis 1963 wiederhergestellt - nur der Turm wurde neu gestaltet.

Ausstattung

Die berühmte Arp-Schnitger-Orgel von 1693 auf der Westempore ist mit ihren 60 Registern und ca. 4.000 Pfeifen die größte erhaltene Barockorgel im nordeuropäischen Raum. In der Zeit von 1989 bis 1993 wurde sie grundlegend restauriert und ist seit ihrer festlichen Wiedereinweihung Ostern 1993 jeden Sonntag im Gottesdienst zu hören.

St. Jacobi enthält drei mittelalterlichen Altäre: den St.-Trinitatis-Altar im Hauptchor (um 1518), den St.-Petri-Altar im ersten Südschiff (1508) und den aus dem Hamburger Mariendom stammende St.-Lukas-Altar von Hinrik Bornemann im 2. Südschiff (um 1500). Beachtung verdient auch der Herrensaal, der ursprünglich als Bibliothek diente. Seit 1543 war er Versammlungssaal der Kirchherren und erhielt 1710 eine neue Ausstattung. Die Deckengemälde mit Bürgertugenden weisen hin auf die Bedeutung der Kirchspielverwaltung für das Stadtregiment und stammen wie die Landschaftsgemälde an den Wänden von Johann Moritz Riesenberger. Wappentafeln an der Wand nennen Pastoren, Kirchspielherren und Geschworene seit dem 16. Jahrhundert. Die nach dem Krieg neu gestaltete Glasmalerei an den Chorfenstern führte Charles Crodel aus, der auch die Farbglasfenster der Matthäuskirche in Winterhude und von St. Marien in Fuhlsbüttel schuf.

Im Turm befindet sich ein 1959 von Rincker in Sinn (Hessen) gegossenes Geläut mit der Disposition a°-c'-d'-f'-g'-b'-c".

Chorfenster von Charles Crodel mit St.-Trinitatis-Altar
Chorfenster von Charles Crodel mit St.-Trinitatis-Altar

Siehe auch

Hauptpastoren von St. Jacobi siehe Liste der Hamburger Hauptpastoren.

Weblinks


Literatur

Kleineschulte, Stefan: St. Jacobi in Hamburg - mehr als eine Kirche des Mittelalters. In: Mittelalter in Hamburg: Kunstförderer, Burgen, Kirchen, Künstler und Kunstwerke. Hrsg. von Volker Plagemann. Dölling und Galitz, Hamburg 2000.


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