Die St.-Johannis-Kirche in der Göttinger Altstadt ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert. Mit ihren weithin sichtbaren Türmen ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde von 1300 bis 1344 erbaut und ist die älteste der 3 Pfarrkirchen (St. Johannis, St. Jakobi, St. Nikolai) der alten Marktsiedlung. Zuvor hat an dieser Stelle eine romanische Basilika gestanden (die Fundamente wurden 1927 z. T. freigelegt), von der noch das Rundbogenportal mit dem Zisterzienser - Zackenbogen, an der Nordseite, erhalten ist. Ein Blickfang sind die beiden achteckigen verschieden hohen Türme (Nordturm 62 m und Südturm 56,5 m) auf dem monumentalen Westbau und das dazwischen eingeschobene Glockenhaus. Zwei mächtige Achteckpfeiler im Inneren begrenzen die Eingangshalle im Westbau und nehmen zugleich die Last der Türme auf. An der Johanniskirche spielt die Kirchenmusik eine wichtige Rolle, durch die seit 1930 bestehende Stadtkantorei und die große Ott-Orgel von 1954/60. Außerdem erschallen jeden Samstag ab 11.00 Uhr Trompetenklänge über die Innenstadt. Ein ehrenamtlicher Kirchenmusiker spielt bis zum Glockenschlag 11.15 Uhr auf einem Flügelhorn einige Choräle und andere Kirchenlieder.
Die ehemalige Türmerwohnung war bis 2001 eine überregionale Attraktion. Sie gehörte neben Bismarckhäuschen, Karzer, alten Studentenkneipen u. a. zu den Sehenswürdigkeiten der Universitätsstadt Göttingen. Sie war die höchste Studentenbude Deutschlands. Im nördlichen höheren Turm wohnten über 600 Jahre lang die Stadtwächter (Türmer) in einer 238 Stufen hoch liegenden kleinen Wohnung. Diese hatten vom Turm Sichtkontakt mit einem Teil der 20 Außenwarten in der Umgebung und konnten so die Stadtbevölkerung vor anrückenden Feinden frühzeitig warnen. Natürlich ertönte ihr Hornruf auch, wenn sie irgendwo in der Stadt ein Feuer gesichtet hatten (Türmerfernrohr und -trompete kann man heute im Städtischen Museum besichtigen). Als der letzte Türmer Franz Kerl 1921 starb, wurden Angehörige der Deutsch-Akademischen Gilde die ersten studentischen Bewohner der alten Türmerwohnung. Bis zu den Sanierungsarbeiten 2001 wohnten dort, nur unterbrochen von 1937-1946, bis zu fünf Studenten. Die Wohnung war mietfrei unter der Bedingung, jeden Samstag für zwei Stunden Besucher auf dem Turm zu empfangen. Als sich abzeichnete, daß die Sanierung des Turmes ein fast vollständiges Austauschen der Tragbalken der Türmerwohnung erforderte, mussten die Bewohner ausziehen. Eine erneute Vermietung nach Ende der Sanierung war aufgrund der fehlenden Rettungswege, die von der Bauordnung zwingend vorgeschrieben sind, nicht mehr möglich. Nach Auskunft der letzten Bewohner traten während der Sanierungsarbeiten zahlreiche Schnitzereien des letzten Türmers Franz Kerl zutage, die er bei einer Sanierung des Turms 1906 an versteckten Stellen in die Eichenbalken geritzt hatte.
Es erscheint als eine lebensrettende Ironie der Geschichte, dass der Turm erst abbrannte, nachdem die Entscheidung gefallen war, dass er nicht mehr bewohnt werden dürfe - 600 Jahre lang hatten die Turmwächter von St. Johannis die Göttinger Bürger vor nahenden Feinden und Bränden in der Stadt gewarnt, ohne dass der Turm selbst je in Brand geriet.
Der Nordturm mit seiner historischen Bausubstanz wurde am 23. Januar 2005 durch einen Brand zerstört, dadurch entstand ein Schaden von mehreren Millionen Euro. Durch Löschwasser wurde auch das mittelalterliche Schiff der Kirche beschädigt. Zunächst drohte die Turmspitze sogar einzustürzen; eine etwa 500 Kilogramm schwere Kupferkugel, die an der Spitze des Turms angebracht war, musste daher entfernt werden. Mit Spezialkränen wurden die gefährlichen Teile und die verkohlten Balken noch am Brandtag bis spät in den Abend abgehoben und am Boden demontiert.
Bereits einen Tag nach dem Brand nahm die Polizei zwei mutmaßliche Brandstifter fest, Jugendliche im Alter von 19 und 15 Jahren, die ein Geständnis ablegten. Ein Motiv konnte allerdings nicht ermittelt werden. Die Jugendlichen waren über ein Baugerüst in den Turm gelangt: Die Kirche wurde seit längerem aufwendig renoviert, die Renovierungsarbeiten waren bei Ausbruch des Brandes kurz vor der Fertigstellung.
Die Wiederaufbauarbeiten waren im Februar 2006, abgeschlossen. Die ehemalige Türmerwohnung wird als Kapelle genutzt.
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