Das Staatsoberhaupt steht an der Spitze der staatlichen Ämterhierarchie. Es repräsentiert den Staat nach innen und außen (im Sinne des Völkerrechts) und bestätigt formal die Ernennung in Staatsämter und die Ausfertigung von Gesetzen. Die Ausgestaltung des Staatsoberhaupts (Auswahl und Funktion) ist zentrales Merkmal der Staatsform.
Staatschef ist eine andere Bezeichnung, die insbesondere der Kürze wegen in der Wendung Staats- und Parteichef (eines kommunistischen Staates) und in der Wendung Staats- und Regierungschefs (der Europäischen Union) verwendet wird.
In einer Monarchie ist das Staatsoberhaupt der Monarch (beispielsweise ein König wie in Großbritannien oder Thailand).
In den Commonwealth Realms ist der König außer Landes ansässig, da er in Realunion auch britischer König ist. Daher wird der König von z. B. Australien, Kanada oder Jamaika in Ausübung seiner Funktionen als Staatsoberhaupt dieser Staaten von einem Generalgouverneur vertreten, der auf Vorschlag der jeweiligen Regierung vom Monarchen ernannt wird.
In einer Republik wird das Staatsoberhaupt zumeist Präsident genannt. Beispiele sind der Präsident der USA, der Bundespräsident Deutschlands oder Österreichs und der französische Staatspräsident (Präsident der Republik).
Die Funktion von Staatsoberhaupt und Regierungschef können in einem Amt vereint sein. Die USA als Präsidentielles Regierungssystem oder Südafrika sind hierfür Beispiele. Auch die meisten Autokratien besitzen nur ein Amt für beide Funktionen. Die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer sind auch zugleich Staatsoberhaupt des Gliedstaates. Die Befugnisse des Staatsoberhauptes können in den verschieden politischen Systemen stark von einander abweichen.
Amtliche Bezeichnung des Staatsoberhaupts des Vichy-Regimes war Chef d'Etat.
Die Republik San Marino und das Fürstentum Andorra verfügen über zwei Staatsoberhäupter. In San Marino sind zwei Capitani Reggenti, gewählt für ein halbes Jahr, gleichberechtigte Staatsoberhäupter. In Andorra bilden der Präsident von Frankreich und der Bischof von Urgell als Co-Fürsten von Andorra das kollektive Staatsoberhaupt.
In Nordkorea und im Iran sind laut Verfassung tote Personen de jure Staatsoberhaupt. In Nordkorea ist dies der 1994 verstorbene Kim Il-sung als ewiger Präsident. Im Iran hat dieses Amt seit 1979 Muhammad al-Mahdi, eine Figur der schiitischen Mythologie, inne.
Charles Taylor, liberianischer Diktator, ernannte 2002 Jesus Christus zum Staatsoberhaupt Liberias.
Siehe auch hier (Übersicht der derzeitigen de-jure- und de-facto-Staatsoberhäupter)
Einige wenige moderne Staaten kennen kein persönliches Staatsoberhaupt. Dazu zählen Japan und die Schweiz. Das Schweizer Parlament wählt jährlich ein Mitglied des Bundesrates zum Bundespräsidenten. Allerdings ist dieser nur primus inter pares (erster unter gleichen) – lediglich auf internationaler Ebene wird er als Staatsoberhaupt behandelt. Der Tennō (Kaiser) von Japan ist laut Verfassung nur „Symbol des Volkes“, nicht Staatsoberhaupt. Für das diplomatische Protokoll wird jedoch der Tennō als Staatsoberhaupt behandelt.
Siehe auch: Staatsform, Regierungssystem, Liste der Staatsoberhäupter nach Amtszeiten