Das Stabilitätskriterium von Nyquist, auch Nyquist-Kriterium (nach Harry Nyquist) ist ein Begriff aus dem Bereich der Regelungstechnik und der Systemtheorie. Das Nyquist-Kriterium beschreibt die Stabilität eines Systems mit Rückkopplung, z.B. einem Regelkreis. Beispiele für Regelkreise im Alltag sind der Tempomat im Auto oder die Temperaturregelung im Kühlschrank.
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Man bezeichnet das System als stabil, wenn es auf beschränkte Eingangsgrößen auch mit beschränkten Ausgangsgrößen reagiert. Ein instabiles System hingegen kann schon bei geringen Eingangsstörungen "aus dem Ruder laufen". Ein Stab auf der Fingerspitze ist z.B. ein instabiles System, welches durch das Balancieren stabilisiert wird.
Mathematisch beschreibt man die Eigenschaften der Systeme in der Regelungstechnik mit einer Übertragungsfunktion: Ausgang Y gleich Übertragungsfunktion G mal Eingang W, formal
.
Weil die Rechenoperationen dadurch einfacher werden, werden W, G und Y nicht als Funktion der Zeit, sondern als von der (komplexen) Frequenz abhängige Laplacetransformierte angegeben:
. s ist ein komplexer Wert, welcher mit der Frequenz über die Formel
zusammenhängt.
In einem typischen Regelsystem kann man vier Übertragungsfunktionen ausmachen:
.Die Übertragungsfunktionen sind typischerweise Brüche von Polynomen. Solche Polynombrüche haben überall dort, wo das Nennerpolynom eine Nullstelle hat eine Polstelle, der Wert von G strebt dort gegen unendlich.
Das Nyquistkriterium kann, sofern die Übertragungsfunktionen bekannt sind, sagen, ob ein Regelsystem stabil ist oder nicht. Man unterscheidet zwei Fälle. Beide sind nur anwendbar, wenn die Übertragungsfunktion G0(iω) bei sehr hohen Frequenzen gegen 0 strebt, also der Grad des Nennerpolynomes größer ist als der des Zählerpolynomes.
Haben alle komplexen Polstellen von GR(s) und GS(s) einen Realteil kleiner als 0, so besagt das spezielle Nyquistkriterium, dass das gesamte Regelsystem asymptotisch stabil ist, wenn G0(iω) (also nur ein Teilsystem) für ω von 0 bis unendlich in der komplexen Ebene den Punkt
nicht umläuft. Eine derartige Darstellung wird Ortskurve genannt.
Der Punkt
wird daher auch Nyquist-Punkt genannt.
Für einfachere Ortskurven kann man alternativ sagen, dass die Kurve den Punkt "-1" links liegen lassen muss damit der geschlossene Kreis stabil ist.
Zum Abgleich des Reglers sind noch zwei Kenngrößen zu beachten. Zum einen die Amplitudenreserve, welche besagt um welchen Faktor die Regelstrecke verstärkt werden darf, um noch stabil zu sein, und zum anderen die Phasenreserve. Die Phasenreserve ist der Winkel zwischen der Ursprungsgerade durch den Punkt auf der Ortskurve, der den Abstand 1 zum Ursprung hat (Konstruktion durch Schnittpunkt mit Einheitskreis), und der negativen Realachse.
Das allgemeine Nyquistkriterium ist auch für Fälle anwendbar, wo die Voraussetzung für das spezielle Nyquistkriterium nicht erfüllt ist. Die Voraussetzungen zur Anwendung sind schwächer, es muss lediglich gelten, dass keine Polstellen der Strecke und des Reglers auf der imaginären Achse
liegen.
Im Gegensatz zum speziellen Nyquistkriterium muss man hier den Verlauf von G0(iω) in Abhängigkeit von iω auch für negative Omega aufzeichnen.
Jetzt kann man folgende Bezeichnungen einführen:
Das allgemeine Nyquistkriterium besagt erstens, dass in jedem Falle N = P − U gilt.
Zweitens ist das Regelsystem asymptotisch stabil, wenn P = U gilt, anderenfalls ist es instabil.
Der Begriff Nyquistpunkt wird in der Literatur gelegentlich auch für die Nyquist-Frequenz verwendet, was einige Verwirrung stiftet.
Das Hurwitzkriterium ist eine Alternative zum Nyquistkriterium.