Stabkirche

Stabkirche von Borgund
Stabkirche von Borgund

Stabkirchen oder Mastenkirchen sind Kirchen in Holzkonstruktion, die hauptsächlich in Norwegen und Schweden und vereinzelt in England gebaut wurden.

Inhaltsverzeichnis

Bauweise

Die ein- oder dreischiffigen Gebäude mit mehrfach gestuftem, steilen Dach wurden im sogenannten Stabbau errichtet. Dabei wird das Dach im Inneren von freistehenden Masten getragen, die Wände bestehen aus senkrecht stehenden Stabplanken, die von Rahmen aus Eckmasten, unten liegenden Wandschwellen und obenliegenden Schwellenrahmen gehalten werden. Auf dem oberen Schwellenrahmen liegt der aufwendig aus Sparren und Strebebalken gezimmerte Dachstuhl auf. Im Giebelbereich bilden die Strebebalken ein Andreaskreuz.

Diese Bauweise hat wenig mit dem kontinentalen Steinbau gemeinsam, sie ist eine eigenständige Entwicklung mit deutlichen Anlehnungen an den Schiffbau. Ihre Statik ähnelt der von Fachwerk- bzw. Skelettbauten.

Die ältesten Stabkirchen wurden im 9. Jahrhundert in Haithabu nachgewiesen. Den Höhepunkt des Baus von Stabkirchen gab es im 12. und 13. Jahrhundert.

Typen

Es ist üblich, die Stabkirchen in zwei Typen einzuordnen.

Typ A

Grundriss einer einfachen Stabkirche (Typ A)
Grundriss einer einfachen Stabkirche (Typ A)

Stabkirchen vom Typ A sind einschiffig und haben Stäbe nur in den Außenwänden, den Ecken; mitunter gibt es auch freistehende Mittelstäbe. Es gibt ein einfaches Satteldach.

  • Haltdalentyp. Diese Typen sind die einfachsten Stabkirchen ohne freistehende Stäbe im Raum. Der Chor ist meistens nicht so breit wie das Schiff.
  • Numedaltyp. Diese Stabkirchen haben einen Stab in der Mitte des Raumes, daher nennt man sie auch Einmaststabkirchen oder Mittelmastkirchen.
  • Møretyp. Diese Stabkirchen haben zusätzlich Mittelstäbe in den Wänden.

Typ B

Grundriss der Stabkirche von Borgund (Typ B)
Grundriss der Stabkirche von Borgund (Typ B)

Stabkirchen vom Typ B haben eine komplizierte Struktur mit einem dem Hauptschiff umgebenden Umgang, der wiederum von einem Svalgang umgeben ist. Die Mittelstäbe ruhen auf einem rechteckigen Rahmen. Die Stäbe sind im unteren Teil freistehend, der obere Teil bildet das Gerüst für den Wandaufbau.

Diese Stabkirchen lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

  • Kaupangertyp: Kaupanger, Urnes, Hopperstad, und Lom.
  • Borgundtyp: Borgund, Gol, Hegge, Høre (Hurum), Lomen, Ringebu und Øye.

Innenraum

Innenraum der Stabkirche von Gol
Innenraum der Stabkirche von Gol

Heutige Situation

In Norwegen gibt es heute noch 28 gut erhaltende Stabkirchen. Die bekannteste ist die Stabkirche von Borgund, die zugleich eine der ältesten ist (Bau Anfang des 13. Jahrhunderts). Die älteste Stabkirche Norwegens steht in Urnes, sie ist seit 1979 Weltkulturerbe. Die größte Stabkirche befindet sich im norwegischen Heddal.

In Schweden wurden die meisten Stabkirchen während der Pestepidemien des 17. Jahrhunderts verbrannt. Dort existiert nur noch eine einzige reine Stabkirche: Hedared (etwa 16 km von Borås).

Eine besondere Geschichte hat die aus dem südnorwegischen Vang stammende Kirche Wang, die 1840 ins Ausland verkauft wurde und auf Initiative der Gräfin von Reden in dem schlesischen Riesengebirgsdorf Brückenberg (heute Ortsteil von Karpacz in Polen) am Fuße der Schneekoppe ihren neuen Standort fand.

Die Gustav-Adolf-Kirche in Hahnenklee (einem Ortsteil von Goslar im Harz) ist ein Anfang des 20. Jahrhunderts errichteter Nachbau einer Stabkirche. Eine weitere Stabkirche wurde im Europa-Park Rust erbaut.

Siehe auch

Commons
Commons: norwegische Stabkirchen – Bilder, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Erich Burger: Norwegische Stabkirchen: Geschichte, Bauweise, Schmuck. Köln, DuMont 1978. ISBN 3-7701-1080-3
  • Ola Storsletten / Yasuo Sakuma: Die Stabkirchen Norwegens: Meisterwerke nordischer Baukunst. Luzern, Motovun 1993. ISBN 3-86047-239-9

Weblinks

Quelle:
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