Stadtbahn Bochum

Netzplan
Netzplan

Die Stadtbahn Bochum ist ein zum Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr gehörendes Schienenverkehrssystem der nordrhein-westfälischen Großstadt Bochum sowie der benachbarten Städte Herne, Witten, Hattingen und Gelsenkirchen. Es handelt es sich hierbei um ein Mischsystem aus einer Stadtbahn- und mehreren Straßenbahnlinien, die nur über einige wenige kreuzungsfreie Streckenabschnitte verfügen. Die Bochumer Stadtbahn wird, wie auch der übrige innerstädtische Verkehr in Bochum, von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra) betrieben.

Inhaltsverzeichnis

Betrieb

Zur eigentlichen Stadtbahn Bochum im engeren Sinne ist lediglich die normalspurige Linie U35 zu zählen. Daneben verfügt Bochum auch über eine „klassische“ Straßenbahn mit fünf Linien. Diese Straßenbahn verkehrt auf meterspurigen Schienen und wird in der Bochumer Innenstadt unterirdisch geführt. Sie nutzt dabei die vormals für den geplanten Stadtbahnbetrieb gebauten Tunnel und Bahnhöfe, die jedoch durchgängig auf Niederflurfahrzeuge hin ausgerichtete Bahnsteige besitzen.

Die sechsgleisige Stadtbahn-Station Bochum Hauptbahnhof stellt den wichtigsten Kreuzungspunkt zwischen den sechs Bochumer Linien dar. Unter anderem ist dort ein bahnsteiggleicher Umstieg zwischen U-Bahn und zwei Straßenbahnen möglich. Zu diesem Zweck sind die Meterspur-Schienen hochgeschottert. Die Belegung der Bahnsteige auf der unteren Ebene ist so angeordnet, dass von den Straßenbahnlinien aus Richtung Süden zu den U-Bahnen Richtung Norden bzw. umgekehrt ein direkter Übergang besteht. Auf der oberen Ebene existieren zwei Gleise mit Seitenbahnsteigen, die für die dritte Strecke errichtet wurden. Ansonsten nutzen die Straßenbahn und die Stadtbahn jedoch verschiedene Stationen. Die normalspurige U35 und die meterspurigen Linien sind am Hauptbahnhof somit umsteigetechnisch verknüpft, fahren aber auch hier auf unterschiedlichen Gleisen. Über eine Drei-Schienen-Lösung, wie es in den Systemen von Essen oder Mülheim anzutreffen ist, wurde für die Bochumer Stadtbahn zwar nachgedacht, wurde aber letztlich nirgends realisiert.

Die Linien 302, 306 und 308 fahren im klassischen 10-Minuten-Takt. Davon abweichend verkehren die 310 und die 318 nur alle 20 Minuten. Die U35 fährt werktags alle fünf Minuten (nur Hustadt bis Riemke Markt), in den Ferien und Samstags dagegen ebenfalls alle zehn Minuten. Die Linie 306 hält am frühen Morgen ebenfalls einen 5-Minuten-Takt, allerdings nur zwischen Bochum Hbf und Hordeler Straße. Wegen der kurzen eingleisigen Strecke zwischen Hannibal Einkaufszentrum und Eickeler Straße ist ein 5-Minuten-Takt im weiteren Verlauf nicht möglich. Dieser Abschnitt wird allerdings im Rahmen der Modernisierung der 306 zweigleisig ausgebaut, so dass die Linie auch in Wanne-Eickel im 5-Minuten-Takt betrieben werden könnte. In der Schwachverkehrszeit wird dagegen auf fast allen Linien durchgängig nur alle 30 Minuten gefahren, wobei die U35 davon abweichend bis zum Betriebsschluss im 15-Minuten-Takt verkehrt. Der Betrieb der Straßenbahnen endet kurz nach Mitternacht und der Stadtbahn nach 1:00 Uhr. Samstags und Sonntags nachts fährt die NE U35 stündlich im Nachtverkehr.

Linien und Stationen

Das Bochumer Stadtbahnsystem ist sternförmig mit dem Hauptbahnhof als Zentrum angelegt und umfasst drei unterirdische Stammstrecken im Zentrum sowie sieben Außenäste, die jeweils von ein bis zwei Linien befahren werden. Bei den Stammstrecken handelt es sich um eine Nord-Süd-Verbindung, eine Ost-West-Verbindung und eine Diagonalverbindung, die von Süd-West nach Nord-Ost verläuft. Dabei folgen die Linien den großen Ausfallstraßen. Demzufolge ist die Linienführung weitgehend gradlinig angelegt. Lediglich die Königsallee und in deren Verlängerung die Kemnader Straße sind schienenfrei und sie sind auch nicht untertunnelt. Anstelle einer Bahnverbindung verkehren hier der Schnellbus SB37 (bis Kosterstraße), der City-Express CE31 und der Stadtbus 353 (bis Berneckerstraße).

Die Strecken im Einzelnen

Strecke I

NF6D auf der Linie 318 in Dahlhausen
NF6D auf der Linie 318 in Dahlhausen

Hierbei handelt es sich um die ältesten Tunnelabschnitte der Bochumer Stadtbahn. Die Stadtbahn, für die der Tunnel ursprünglich gebaut wurde, sollte von Hattingen über Bochum-Linden, -Weitmar, -Innenstadt, -Gerthe nach Castrop-Rauxel verlaufen. Dazu wurde der Nordast der alten Linien 8 und 18 von Herne und Recklinghausen nach Gerthe verlegt. Der Tunnelabschnitt umfasst vier Bahnhöfe und reicht von der Rampe am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil bis zu der Rampe am Stadion. Die Strecke wird fast komplett gemäß der ursprünglichen Planung durch die Linie 308 bedient, endet aber auf Bochumer Stadtgebiet im Stadtteil Gerthe kurz vor Erreichen der Stadtgrenze. Fünf Haltestellen liegen dabei in Hattingen. Die letzten beiden, Bahnhofstraße und Hattingen Mitte, gelten als Stadtbahnstationen. In der Tat verkehrt die 308 am linken Ruhrufer großteils auf unabhängigem Gleiskörper. Außerdem fährt auf der Strecke noch die Linie 318, die, von Dahlhausen Bahnhof kommend, die 308 von Linden Mitte bis Hauptbahnhof verstärkt. In der Schwachverkehrszeit wird die 318 verlängert bis Gerthe, um dort einen 15-Minuten-Takt halten zu können.

Die Strecke ist meterspurig, aber gerade im nordöstlichen Ast teilweise stadtbahnmäßig ausgebaut. Dort und auch auf der Tunnelstrecke sind die Haltestellen weitestgehend behindertengerecht ausgebaut. Im südwestlichen Ast fahren die Linien fast ausschließlich als reine Straßenbahn und es existieren nur einige wenige behindertengerechte Stationen. Vor einigen Jahren wurde die Strecke zum Teil mit Ampelvorrangschaltungen ausgerüstet, außerdem mit Haltestellenampeln, die den Verkehr hinter der einfahrenden Straßenbahn für den Individualverkehr sperren.

Eine Besonderheit findet sich während des Stadionverkehrs. Einige Züge werden dann in Doppeltraktion gefahren, allerdings nur auf dem Tunnelabschnitt. Die regulären und die weiteren zur Verstärkung eingesetzten Züge fahren wie gewohnt mit Einzelwagen.

  • Straßenbahn 308: Bochum Gerthe (Schürbankstraße) – Hattingen (Mitte S)
  • Straßenbahn 318: [ Bochum Gerthe (Schürbankstraße) - ] Bochum Hbf – Bochum Dahlhausen S

Strecke II

Diese Nord-Süd-Verbindung entspricht von ihrem Ausbaustand am stärksten den ursprünglichen Planungen, da die einzige dort fahrende Linie U35 eine Stadtbahn gemäß der strengeren Definition darstellt. Das bedeutet einen normalspurigen Betrieb, Hochbahnsteige, eine reduzierte Zahl an Haltestationen und eine Abschirmung vor dem Individualverkehr. Die U35 verkehrt von Herne bis Bochum-Querenburg und fährt dabei einen großen Teil unterirdisch. Lediglich ab der Haltestelle Wasserstraße bis zur Endhaltestelle Hustadt fährt sie oberirdisch, liegt dabei aber in der Mitte der Universitätsstraße auf einem unabhängigen Gleiskörper. Von 21 Stationen befinden sich sechs oberirdisch und fünfzehn unterirdisch, darunter alle sechs Herner Bahnhöfe. Insgesamt sind lediglich vier Kreuzungspunkte mit dem Individualverkehr zu finden, an denen die Stadtbahn durch Ampelschaltungen bevorrechtigt wird. Der ursprünglich geplante Ausbaustand konnte aber nicht erreicht werden, da die Städte Recklinghausen und Witten aus den gemeinsamen Plänen ausgestiegen sind. Ursprünglich hätte die Linie beide Städte verbinden sollen. So endet sie nun in beiden Richtungen vorzeitig.

Bis auf die Haltestelle Berninghausstraße in Herne, die über keinen Fahrstuhl verfügt, sind alle Stationen behindertengerecht ausgebaut. In der Praxis erweist sich dies allerdings als etwas komplizierter, da die Linie immer wieder unter Vandalismus zu leiden hat. Ein behindertengerechter Zugang wird bis auf zwei oberirdische Stationen (Wasserstraße und Brenscheder Straße) nur durch die Benutzung von Fahrstühlen gewährleistet, die durch mutwillige Beschädigung immer wieder für Wochen oder Monate ausfallen.

Die U35 ist mit rund 55.000 Fahrgästen täglich die meistbenutzte Bahnlinie der Stadtbahn Bochum. Um dieses Fahrgastaufkommen bewältigen zu können, fährt sie zur Hauptverkehrszeit üblicherweise in Doppeltraktion. Dies geschieht auch zu anderen Zeiten, wie z.B. Sonntags in der Vorweihnachtszeit. Die U35 fährt länger als der Rest des Bochumer Schienenverkehrs. Die letzten regulären Bahnen fahren kurz nach 1:00 Uhr von den Endhaltestellen ab. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen wird die Lücke zwischen Betriebsschluss und -beginn durch Nachtexpressfahrten geschlossen. Eine Umsteigemöglichkeit in die dann verkehrenden Nachtexpress-Busse bzw. umgekehrt ist durch den Fahrplan sichergestellt.

  • Stadtbahn U35: Bochum (Hustadt) – Herne (Schloß Strünkede)

Strecke III

Ein NF6D auf der Linie 302
Ein NF6D auf der Linie 302
Ein M6 auf der Linie 310
Ein M6 auf der Linie 310

Für diese Strecke war geplant, sie von Bochum-Laer über Stadtmitte, Wattenscheid-Höntrop, -Mitte, Gelsenkirchen-Ückendorf, -Mitte, -Erle bis nach Herten zu führen. Auch für diese Stadtbahn wäre die Linienführung der dort zuvor verkehrenden Straßenbahnen geändert worden. Der geplante Ausbau wurde allerdings inzwischen zu den Akten gelegt, obwohl zwei vorgesehene Tunnelabschnitte in den Innenstädten von Gelsenkirchen und Bochum inzwischen fertiggestellt wurden. In Bochum wird dieser Tunnel, der vier Bahnhöfe umfasst, nun befahren von den Linien 302 und 310. Die 302 verkehrt zwischen Laer Mitte und Wattenscheid Mitte, bevor sie weiterfährt nach Gelsenkirchen Hbf und Buer Rathaus. Dabei durchfährt sie die langgestreckte Stadt in Nord-Süd-Richtung und bildet quasi das Rückgrat des Gelsenkirchener Nahverkehrs. Die Linie 310 kommt aus Witten, wo sie 15 Haltestellen bedient und auch die Innenstadt von Witten durchquert. Ab Laer Mitte verkehrt sie parallel zur 302, fährt dann aber weiter nach Höntrop Kirche.

In Langendreer und Laer und auf dem Linienweg der 310 nach Höntrop finden sich mehrere gut ausgebaute Streckenabschnitte. Ein behindertengerechter Zugang ist aber nur sehr selten vorhanden. Die Linie 310 kann diesen Anspruch wegen der veralteten Hochflurwagen nirgendwo erfüllen. Ab Ende 2007 liefert aber die Firma Stadler der Bogestra 30 neue Niederflur-Straßenbahnen vom Typ Variobahn. Ab dann werden die alten Hochflur-Straßenbahnen nach und nach aus dem Verkehr genommen. Die 302 ist nur zwischen den Haltestellen Dannenbaumstraße und Jacob-Mayer-Straße/Jahrhunderthalle, sowie in Wattenscheid Mitte am August-Bebel-Platz und an der Freiheitsstraße behindertengerecht ausgebaut. In Gelsenkirchen, wo eine lange und gut ausgebaute Strecke existiert, gibt es viel mehr entsprechend ausgestattete Haltestellen. Diese Strecke wurde für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 mit unabhängigem Gleiskörper errichtet und für die WM von 2006 auf Stadionverkehr im Doppeltraktionsbetrieb ausgebaut. Trotzdem lag die geplante U21-Strecke nicht entlang dieser Trasse, sondern weiter östlich. So hält die 302 in Gelsenkirchen lediglich an zwei Tunnelstationen. Seit 29.01.2006 ist in Bochum die neue unterirdische Stadtbahn-Strecke unter der Bochumer Innenstadt in Betrieb. Somit ist die Innenstadt nun schienenfrei. Die Linien 302 und 310 fahren seitdem zwischen den Haltestellen Freigrafendamm und Jacob-Mayer-Straße/Jahrhunderthalle unter der Erde.

Die ausschließlich in Gelsenkirchen verkehrende Linie 301 hält an 7 Stadtbahnstationen im Tunnel und einer oberirdischen, bevor sie oberirdisch nach Buer Rathaus weiterfährt, sich nach Süden wendet und an der Essener Straße in Gelsenkirchen-Horst endet. In Horst existiert mit der U17 und am Hauptbahnhof mit der 107 Anschluss an die Stadtbahn Essen.

  • Straßenbahn 302: Bochum (Laer Mitte) – Gelsenkirchen (Buer Rathaus)
  • Straßenbahn 310: Bochum (Höntrop Kirche) – Witten (Heven Dorf)

Strecke IV

Hierbei handelt es sich nicht um eine der ursprünglich geplanten Stadtbahnstrecken. Bedient wird sie von der Straßenbahnlinie 306. Da laut Planung der Innenstadtbereich von Bochum, insbesonders die Bongard- und die Massenbergstraße, schienenfrei werden sollte, war für die 306 kein Platz mehr. Folglich galt sie als Stilllegungskandidat und wurde jahrelang praktisch auf Verschleiß gefahren. Mit Beginn der Bauarbeiten der dritten und letzten Tunnelstrecke änderte sich dies allerdings. Ein Anschluss an die bestehenden Tunnelabschnitte war indes nicht so ohne weiteres möglich. Auf den Tunnel der Linien 302/310 stößt die 306 praktisch rechtwinklig und der Tunnel der U35 hat die falsche Spurbreite. Allerdings war geplant, einen Betriebstunnel von der Strecke der 308/318 am Hauptbahnhof Richtung Rathaus zu erstellen, damit die Wagen dieser Linien zum neuen Straßenbahndepot Engelsburg gelangen konnten. Dieser Betriebstunnel wurde daher verlängert, eine Rampe neben dem Rathaus errichtet und ein neuer Stadtbahnhof Bochum Rathaus. Auch im oberirdischen Verlauf der 306 waren umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen erforderlich. So war es unter anderem erforderlich, für einen größeren Abstand der Gleise zu sorgen, damit auch modernere und längere Niederflurwagen sich ohne Probleme begegnen konnten. Dabei wurden alle Haltestellen behindertengerecht ausgebaut. Die Bauarbeiten im Bochumer Norden und in Wanne-Eickel sollen Ende 2009 beendet sein. Für dann ist auch der Einsatz neuer Niederflurbahnen geplant. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Linie soll von jetzt 14km/h auf 19km/h erhöht werden. So soll die Verbindung zwischen Bochum und Wanne-Eickel attraktiver und mehr Leute auf die Straßenbahn gelockt werden.

  • Straßenbahn 306: Bochum (Hauptbahnhof) – Herne (Wanne-Eickel Hauptbahnhof)

Bauliche Besonderheiten

Besondere Beachtung unter den Stadtbahn-Stationen verdienen insbesonders die der dritten Strecke. Bochum Hauptbahnhof präsentiert sich als sechsgleisiger Turmbahnhof auf zwei Ebenen. Die vier unteren Gleise auf der Ebene -3 verlaufen in zwei Bahnhofsröhren mit Mittelbahnsteigen, wobei die normalspurigen Gleise der U35 innen und die Meterspurgleise der 302/310 außen liegen. Darüber auf der Ebene -2 befinden sich die beiden Seitenbahnsteige für die Gleise der Linien 306, 308 und 318, die rechtwinklig zu den anderen Gleisen angeordnet sind.

Die Station Bochum Rathaus, zentral in der Bochumer Innenstadt gelegen, gestaltet sich als komplexes Arrangement von drei einzelnen Anlagen, die in einem rechtwinkligen Dreieck angeordnet sind. In der Tat tragen zwei der drei Bahnhöfe die Zusatzbezeichnung Nord bzw. Süd. Der Nordbahnhof ist dabei die älteste der Anlagen und erstreckt sich auf der Diagonalen von der Hans-Böckler-Straße bis zur Bongardstraße. Dort hat dieser Bahnhof eine gemeinsame Verknüpfungsebene mit dem Südbahnhof und gleichzeitig mit den Kellergeschossen zweier Einkaufszentren. Bochum Rathaus Süd verläuft entlang der Bongardstraße und des Willy-Brandt-Platzes. Er wurde erst Januar 2006 eröffnet, hat aber mit dem Renault Traffic Award 2006 (Sonderpreis der Kommunen) bereits eine Architektur-Auszeichnung erhalten. Neben der ungewöhnlichen Faltwerkdecke, den Lichtschächten und den verglasten und beleuchteten Wänden fällt vor allem eine unterirdische Brücke auf, auf der die Linie 306 den Bahnhof überquert. Unmittelbar nördlich dieser Brücke befindet sich in Rampenlage, aber bereits überirdisch, der dritte Bahnhof.

Der Bahnhof Lohring, der durch seine an einen Flugzeughangar erinnernde Form auffällt, ist ebenfalls mit dem Renault Traffic Award 2006 auszeichnet worden. Die perforierten Aluminiumplättchen der Verkleidung haben schallschluckende Eigenschaften und stammen aus dem Automobilbau. Der beleuchtete Fußboden, leuchtende Linien an der Decke, ein markantes gelbes Kreuz auf rotem Untergrund an der Stirnseite und eine Klanginstallation, die mit den Umgebungsgeräuschen arbeitet, tun ihr übriges.

Zu erwähnen wäre dann noch Bochumer Verein/Jahrhunderthalle, der durch seine Stahloptik besticht sowie durch eine Lichtinstallation. Die blau angestrahlten Wände werden vor einfahrenden Zügen erst gelb, dann rot und erstrahlen nach dem Halten in weiß. Über einem der Zugänge der Station befindet sich eine schwere Eisenplatte, die ungefähr das Gewicht eines Airbus aufweist. Dies alles soll an den direkten Nachbarn erinnern, dem Gussstahlwerk des Bochumer Vereins, das unter anderem auch Radreifen u.a. für den ICE der Deutsche Bahn herstellt. Ein großformatiges Bild an der westlichen Treppe erinnert an die alte Glockengießerhalle des Bochumer Vereins.

Schwachstellen

Ein Auto muss in Dahlhausen auf den Bürgersteig fahren, um der entgegenkommenden Straßenbahn auszuweichen
Ein Auto muss in Dahlhausen auf den Bürgersteig fahren, um der entgegenkommenden Straßenbahn auszuweichen

Im Bochumer Netz gibt es einige bauliche Mängel, die unter anderem den 20-Minuten-Takt auf den Linien 310 und 318 zur Folge haben. Es existieren einige eingleisige Streckenabschnitte, so zwischen den Haltestellen Linden Mitte und Dahlhausen S (Linie 318) sowie Gerthe Mitte und Schürbankstraße (Linien 308/318). Dabei handelt es sich jeweils um Abschnitte am Ende des jeweiligen Astes. Ab dem 16. Juli 2007 wird die eingleisige Gleisführung der 318 zwischen Hattinger Straße und Kesterkamp durch eine zweigleisige ersetzt. Dabei handelt es sich um den Abschnitt in Linden Mitte, der bislang am Fahrbahnrand verläuft und regelmäßig zu gefährlichen Situationen mit dem Individualverkehr führt. Die Linie 318 wird darum für die Dauer der Bauarbeiten zwischen Linden Mitte und Dahlhausen S im Straßenbahnersatzverkehr durch Omnibusse bedient werden. Neue provisorische Endhaltestelle der Straßenbahn ist Lewackerstraße . Ende der Bauarbeiten wird August 2008 sein.

Auf der Route der Linie 306 gibt es bislang einen eingleisigen Abschnitt an der Stadtgrenze zwischen Bochum und Herne zwischen den Haltestellen Hannibal Einkaufszentrum und Eickeler Straße. Hinzu kommt bei dieser Linie, dass in Wanne-Eickel die Gleise zum Teil so dicht beieinander liegen, dass die moderneren und mit fast 30 m deutlich längeren Niederflurbahnen des Typs NF6D sich im Gegenverkehr nicht passieren können. Die Bochumer Engstelle wird ab 2007 beseitigt werden, und auch die Herner Strecke, an der die Bauarbeiten bereits seit 2005 im Gange sind, wird bis Ende 2009 modernisiert sein.

Auf der Linie 310 gibt es eine Reihe von Engstellen. So verläuft die Strecke zwischen Im Ümmiger Feld und Crengeldanz bis auf eine Ausweichstelle bei Am Honnengraben komplett eingleisig. Ein weiterer längerer Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und der Endhaltestelle Heven Dorf ist ebenfalls eingleisig mit Ausweichen bei Hans-Böckler-Straße und Heven Hellweg. Diese sind aber für die 20 m messenden Triebwagen vom Typ M6 berechnet und somit für die neueren Wagen nicht geeignet.

Abschließend soll noch erwähnt sein, dass in Gelsenkirchen auf der Linie 301 der Abschnitt Buer Süd Bahnhof bis zur Endhaltestelle Essener Straße ein Einsatz der NF6D-Wagen unmöglich ist, da diese baubedingt den Bahnübergang der dort verlaufenden Regionalbahnstrecke nicht passieren dürfen. Der Grund liegt in der Entgleisungsgefahr beim Passieren der Schienen, da die beiden mittleren Achsen als Einzelrad-Einzelfahrwerke ausgelegt wurden.

Neben der grundsätzlichen Tatsache, dass eingleisige Strecken für den Parallelbetrieb besonders gesichert werden müssen und somit in einem modernen Straßenbahnbetrieb daher nichts zu suchen haben sollten, kommt im Fall der Bochumer Stadtbahn noch hinzu, dass die M6-Wagen sich dem Ende ihrer Lebensdauer nähern. Ein gleichwertiger Ersatz wäre zwar denkbar gewesen, jedoch gelten diese Wagen für heutige Anforderungen als zu kurz oder somit unmodern. Eine Modernisierung der Strecken ist aus diesem Grund auf Dauer unausweichlich.

Ausblicke

Zur Ablösung der alten M6-Wagen hat die BOGESTRA bereits 30 neue Wagen geordert mit einer Option auf 15 weitere. Diese neuen Triebwagen vom Typ Variobahn werden zunächst in Gelsenkirchen auf der Linie 301 zum Einsatz kommen, da bei diesen Modellen trotz Niederflurtechnologie alle Achsen als Drehgestelle ausgelegt sind. Erste Testfahrten mit einem Vorführwagen haben inzwischen begonnen. Hinzu kommen 6 normalspurige Stadtbahnwagen vom Typ Tango von demselben Hersteller zur Erhöhung der Fahrzeugreserve für die U35, denn der Fahrzeugbestand ist derzeit zu gering. Wenn sämtliche Kurse in Doppeltraktion gefahren werden, werden 24 B-Wagen benötigt. Die Bogestra besitzt aber insgesamt nur 25, daher kommt es derzeit sehr häufig zu Engpässen. Insbesondere zu Stoßzeiten ist das ein Problem, da die Linie die Ruhr-Universität mit dem Bochumer Hauptbahnhof verbindet und somit sehr gut ausgelastet ist. Mit den neuen Fahrzeugen sollen diese Probleme nun der Vergangenheit angehören. Auslieferungsbeginn für beide Typen ist Ende 2007.

Die Engstellen der Linie 306 werden zurzeit bereits umgebaut. Abschluss der Arbeiten wird der Herbst 2009 sein.

Derzeitige Endhaltestelle Heven Dorf
Derzeitige Endhaltestelle Heven Dorf
Die Haltestelle Bahnhofstraße könnte der neue Endpunkt der Linie 310 sein
Die Haltestelle Bahnhofstraße könnte der neue Endpunkt der Linie 310 sein

Über einen Umbau der Wittener Strecke zur Beschleunigung der Linie 310 sind zurzeit keine genaueren Informationen bekannt. Allerdings existieren Planungen, den Streckenast bis Freizeitbad Heveney oder sogar bis in den Stadtteil Herbede hinein zu verlängern. Laut Bewertung des Landes nach IGVP ist damit aber wohl mittelfristig nicht zu rechnen. Aktuell wird eine Einstellung des Abschnittes Witten-Bahnhofsstraße bis Witten-Heven Dorf diskutiert. Die bis auf zwei Ausweichstellen komplett eingleisige Strecke ist sanierungsbedürftig. Im Rahmen einer Nutzwertanalyse soll geprüft werden, ob eine Sanierung oder eine Umstellung auf Busbetrieb lohnenswert wäre. Die Linie 310 könnte dann am geplanten neuen ZOB Witten Hauptbahnhof enden.

Es existieren aber konkrete Pläne, dass die Linie 310 voraussichtlich ab 2010 ausgebaut wird. Nach Fertigstellung des 1. Bauabschnitt wird voraussichtlich die Linie 302 über Laer Mitte hinaus verlängert und dann nicht über die Baroper Straße, sondern ab der Haltestelle Unterstraße weiter in Richtung Langendreer Markt bis hin zum S-Bahnhof Langendreer verkehren. Die 310 würde dabei nach wie vor auf ihrer alten Trasse in Richtung Witten verbleiben. Erst mit dem 2. Bauabschnitt könnte die 310 die neue Strecke befahren und abwechselnd ab Langendreer Markt bis Langendreer S-Bahnhof oder über Hauptstraße bis zur Stadtgrenze Witten fahren. Ab dort wird sie dann über die jetzige Strecke weiterfahren bis Bahnhofstraße und ggf. Heven Dorf. Mehr Informationen gibt die Bogestra auf ihrer Homepage http://www.bogestra.de unter dem Punkt Linie 310. Ob nach Abschluss der Bauarbeiten die 302 weiter bis Langendreer S-Bahnhof verkehren oder wieder bis Laer Mitte zurück genommen werden wird, ist zurzeit nicht bekannt.

In letzter Zeit wird über eine Verlängerung der U35 in beide Richtungen öffentlich nachgedacht. Die einst geplante Verlängerung über Hustadt bis nach Witten wird aller Voraussicht nach nicht mehr realisiert. Als Vorleistung existiert allerdings hinter der Endhaltestelle Hustadt eine nach rechts über die Fahrbahn schwenkende Brücke. Diese soll in die kurze Streckenverlängerung zur Fachhochschule Bochum mit eingearbeitet werden. Eine spätere Verlängerung der Strecke nach Witten würde damit unwahrscheinlicher, wenngleich nicht unmöglich. Am anderen Ende gibt es Überlegungen, die U35 bis Recklinghausen Hauptbahnhof zu verlängern als Ersatz für eine Buslinie. Neu ist dieser Gedanke nicht, da er bereits in den Planungen zum Stadtbahnbau der 70er auftaucht. Damals kam es nicht zum Bau, weil die Stadt Recklinghausen aus der Stadtbahngesellschaft austrat. Heute stehen zwei Verläufe zur Diskussion, ein zum Teil unterirdischer oder ein komplett unterirdischer Streckenverlauf, wahlweise mit Einbindung des DB-Haltepunktes Recklinghausen Süd. Bereits die Vorgängerlinie der U35, die oberirdische Straßenbahnlinie (30)5 lief ursprünglich bis Recklinghausen. Allerdings wurde der nördliche Ast von den Vestischen Straßenbahnen bereits 1982, sieben Jahre vor der Eröffnung der U35, stillgelegt. Bereits seit 1964 fuhr die Linie 5 den DB-Haltepunkt Recklinghausen-Süd nicht mehr an. Konkrete Planungen zur nördlichen Verlängerung gibt es allerdings zurzeit nicht. Die südliche Verlängerung um zwei Haltestellen zur Fachhochschule Bochum wurde im Rahmen der IGVP [1] mit einem nicht ausreichenden Kosten-Nutzen-Koeffizienten bewertet und eingestuft als Vorhaben der Stufe 2 im Rahmen des Bedarfplans Schiene. Eine Realisierung ist daher nach aktuellem Stand keinesfalls vor 2015 möglich.

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