Eine Standlinie (engl. line of position, LOP) beschreibt in der klassischen Navigation die Richtung einer gedachten Linie vom angepeilten Punkt zum eigenen Standpunkt in Form eines Winkels zwischen dieser Linie und rechtweisend Nord, rwN (eng. true north, TN). Die Festlegung einer Standlinie kann durch Beobachtung oder durch Messung mit technischen Hilfsmitteln (Funkstandlinie) geschehen. Die Standlinie kann dann auf eine Karte übertragen werden. Standlinien werden in der Praxis zur Bestimmung des Flugzeug- oder Schiffstandorts verwendet.
Eine Standlinie lässt sich auch definieren als Summe aller Punkte bzw. geografischen Orte, auf denen sich ein Objekt befinden kann, während es die gleiche Beobachtung (z.B. Peilungsergebnis, Abstandsmessung) macht. Die Festlegung einer Standlinie allein definiert noch nicht den den eigenen Standpunkt. Dieser kann sich irgendwo auf der Standlinie befinden, ist also durch eine einzige Messung nicht festzulegen. Dazu sind mindesten zwei LOP´s notwendig. Erst der Schnittpunkt von zwei Standlinien ergibt einen exakten Standpunkt (engl. position or fix).
Die rechtweisende Richtung vom Peilpunkt zum Flugzeug oder Schiff entspricht im internationalen Q-Gruppen-Code dem QTE. Für die Berechnung des LOP (QTE) muss das True bearing (TB) (dtsch. Winkel zwischen rechtweisend Nord und Richtung zum Peilpunkt) bekannt sein:
LOP = TB + 180° oder
LOP = TB - 180° falls die Summe mehr als 360° beträgt.
Im Gegensatz zu dieser Berechnung der klassischen Navigation, beziehen sich generell alle Kurse und Peilungen der Funknavigation auf missweisend Nord (engl. magnetic north, MN) Dementsprechend wird die Funkstandlinie - abweichend von der oben genannten Definition - als QDR verstanden.
Im Sinne der Elementargeometrie sind Standlinien geometrische Örter. Die astronomische Standlinienmethode wurde 1837 von dem Bostoner Kapitän Thomas Sumner erstmals verwendet.