Statthalter von Andalusien (711–756)
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Mit der Niederlage der Westgoten in der Schlacht am Rio Guadalete gegen die Muslime unter Tariq ibn Ziyad und dem Tod von König Roderich brach das westgotische Reich auf der Iberischen Halbinsel schnell zusammen. Da Tariq die schnelle Besetzung der Hauptstadt Toledo gelang, wurde ein koordinierter Widerstand der Westgoten gegen die muslimischen Eroberer verhindert. So konnten Musa ibn Nusayr und Tariq bis 714 weite Gebiete der Iberischen Halbinsel unterwerfen und bis zu den Pyrenäen vorstoßen.
Nach der Abberufung durch den Kalifen al-Walid I. setzte Musa ibn Nusayr seinen Sohn Abd al-Aziz als Statthalter (714–716) in Andalusien (arabisch:Al-Andalus) ein. Dieser zeigte allerdings bald Bestrebungen nach Unabhängigkeit von den Umayyadenkalifen in Damaskus, als er Egilona, die Witwe von König Roderich heiratete. Er wurde aber im Auftrag des Kalifen bald ermordet. In der Folgzeit wechselten die Statthalter in schneller Folge. Dennoch gelang es den Muslimen 729 über die Pyrenäen vorzustoßen und Septimanien in Südfrankreich mit Narbonne und Nîmes zu erobern. Die muslimischen Raubzüge wurden nun in das Frankenreich bis nach Aquitanien, die Provence und Burgund (725) ausgeweitet. Erst mit der Niederlage der Muslime unter Abd ar-Rahman al-Ghafiqi (730–732) bei Poitiers gegen die Franken unter Karl Martell (732) flauten die Raubzüge in das Frankenreich langsam ab. Auch auf der Iberischen Halbinsel gab es erste Rückschläge als sich der christliche Widerstand unter Pelayo in Asturien sammelte. Mit der Niederlage in der Schlacht von Covadonga (722) konnte die Bildung eines christlichen Reiches in Nordspanien nicht mehr verhindert werden, auch wenn die Kämpfe weiter andauerten.
Die innere Entwicklung von Andalusien war von Unruhen und Machtkämpfen geprägt. Grund waren die Machtkämpfe zwischen Nord- und Südarabern betreffs der Verteilung der eroberten Gebiete. Außerdem fühlten sich die Berber, die an der Eroberung des Westgotenreichs teilgenommen hatten benachteiligt, da ihnen die Ansiedlung im fruchtbaren Süden verwehrt wurde und sie zur Grenzverteidigung in den Norden abgeschoben wurden. Erschwert wurde diese Konstellation noch dadurch, dass Andalusien dem Statthalter von Ifriqiya unterstand.
Wie in Ifriqiya (siehe: Aufstand des Maysara) führte auch in Andalusien diese Benachteiligung der Berber zu einem großen Aufstand (741–746). Dieser konnte nur durch die Entsendung eines arabischen Heeres aus Syrien unterdrückt werden. Die Spannungen zwischen Arabern und Berbern sollten die Politik in Andalusien aber weiter bis ins 11. Jahrhundert beherrschen. Erhebliche Bedeutung kommt dem Aufstand deshalb zu, da durch den Abzug der Berbertruppen nach Süden die Etablierung des christlichen Königreichs Asturien in Nordspanien erheblich begünstigt wurde.
Unter dem 18. Statthalter Yusuf al-Fihri (747–756) gelang eine weitgehende Befriedung des Landes indem er sich bei der Verwaltung vor allem auf Familienangehörige stützte. Der Aufstieg von Yusuf al-Fihri wurde auch durch den Sturz der Ummayyaden und dem Machtvakuum im Kalifat nach dem Aufstieg der Abbassiden begünstigt. Allerdings konnte der Verlust von Septimanien an die Franken unter Pippin I. nicht verhindert werden. Dadurch wurden die Pyrenäen die Nordgrenze der muslimischen Herrschaft in Europa.
Die Bildung einer Dynastie durch Yusuf al-Fihri wurde durch die Landung des letzten Umayyaden Abd ar-Rahman I. in Andalusien verhindert. Ihm gelang 756 der Sturz von al-Fihri und die Gründung des Emirats von Córdoba. Unter den Umayyaden von Córdoba (756–1031) entwickelte sich Andalusien in der Folgezeit zu einem bedeutenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der islamischen Welt.
Adelung-1793: Statthalter, der
Brockhaus-1809: Statthalter · Andalusien
Brockhaus-1837: Statthalter · Andalusien
Brockhaus-1911: Statthalter · Andalusien
DamenConvLex-1834: Andalusien (Geographie)
Herder-1854: Statthalter · Andalusien
Meyers-1905: Statthalter · Lord-Statthalter · Andalusien
Pierer-1857: Statthalter · Nieder-Andalusien · Andalusien · Neu-Andalusien