Steinach (Thüringen)

Wappen Deutschlandkarte
Wappen von Steinach
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Steinach hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sonneberg
Koordinaten: 50° 26′ N, 11° 10′ O
Höhe: 500 m ü. NN
Fläche: 26,35 km²
Einwohner: 4545 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96523 (alt: 6406)
Vorwahl: 036762
Kfz-Kennzeichen: SON
Gemeindeschlüssel: 16 0 72 019
Adresse der Stadtverwaltung: Marktplatz 4
96523 Steinach
Webpräsenz:
Bürgermeister: Ulrich Kurtz (GFS)

Steinach ist eine Kleinstadt am Südhang des Thüringer Waldes. Sie ist heute vor allem durch Tourismus und Wintersportanlagen geprägt und ein staatlich anerkannter Erholungsort. Früher war Steinach eine Industriestadt mit Abbau von Eisenerz und dem in die ganze Welt gelieferten Griffelschiefer.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Steinach liegt im Tal der Steinach. Es ist im Nordosten durch den Großen Tierberg begrenzt. Der Kleine Tierberg (Bocksberg) ragt wie ein Horn in die Stadt hinein und ist besiedelt. Im Südwesten wird Steinach durch Lerchen- und Mühlberg begrenzt. Der Fellberg und der Steinheider Berg engen die Ausbreitung der Stadt im Westen bis Nordwesten ein. Im Norden grenzt Steinach an den Göritzberg. In die Steinach münden das Goldbächlein und die Göritz. Im Nordosten, Richtung Haselbach, befindet sich der Wismutteich - ein durch die ehemaligen SDAG Wismut ausgegrabenes Loch, das sich allmählich mit Wasser füllte. Schwimmen ist verboten.

Wappen

Das Wappen zeigt auf beiden Seiten die wichtigsten Industriezweige, die in Steinach etabliert sind oder waren. Auf der Linken sind Schiefergriffel und Schiefertafeln zu sehen, die von Steinach aus in die ganze Welt exportiert wurden. Auf der rechten Seite symbolisieren die übereinander gestapelten Würfel die Spielzeugindustrie in Steinach. In der Mitte fließt die Steinach.

Geschichte

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Blick vom Fellberg (842 m) auf Steinach
Blick vom Fellberg (842 m) auf Steinach
Blick vom Ort auf Peter-Pauls-Basilika-Kirche
Blick vom Ort auf Peter-Pauls-Basilika-Kirche
Peter-Pauls-Basilika-Kirche
Peter-Pauls-Basilika-Kirche
Schule
Schule
Bahnhof
Bahnhof
Fachwerkhaus mit typischer Schieferdeckung
Fachwerkhaus mit typischer Schieferdeckung
Schieferritzmaschine zum Ritzen von Linien in Schiefertafeln, Schiefermuseum
Schieferritzmaschine zum Ritzen von Linien in Schiefertafeln, Schiefermuseum
Schieferbearbeitung, Schiefermuseum
Schieferbearbeitung, Schiefermuseum


  • 1058 - Der Flußname "Steinacha" wird erstmals erwähnt
  • 1519 - Hans Leutheuser, Hammermeister, erhält die Erlaubnis "eyn Zcerennwerk zu Eysenwerk unter dem Dyerberg an der Steinach im Walde" anzulegen
  • 1567 - Steinach wird als Siedlung mit einem Schultheiß geführt
  • 1633 - Die Brüder Claus und Hans Leutheuser errichten unterhalb der Mündung des Rottenbachs den Unterhammer mit Schmiedermühle
  • 1652 - Schul- und Bethaus wird eingeweiht
  • 1660 - Steinach löst sich von Effelder, eine Pfarrstelle wird errichtet und der Friedhof angelegt
  • 1684 - Grundsteinlegung für die alte Kirche (21 Jahre Bauzeit)
  • 1699 - Johann von Uttenhoven aus dem Erzgebirge wird neuer Obersteinacher Hammerherr
  • 1717/18 - Baubeginn für das alte Schloss am Steinheider Berg
  • 1747 - Baubeginn für das neue Schloss, dem "Ottenhof"
  • 1769 - Errichtung der Märbelmühle (Murmelmühle) im Steinachgrund
  • 1771/72 - große Hungersnot, Stillegung des Unterhammers
  • 1793 - Einführung von Hausnummern
  • 1799 - Steinach erhält das Recht zweimal jährlich Jahrmärkte abzuhalten
  • 1806 - französische Truppen werden einquartiert
  • 1816/17 - große Hungersnot
  • 1828 - Gründung des Musikvereins
  • 1832 - erster Postwagen fährt durch Steinach
  • 1848 - Aufstellung einer Bürgerwehr
  • 1850 - Einweihung der Rathausschule
  • 1857 - Gründung des Turnvereins
  • 1866 - Eröffnung der Ortssparkasse
  • 1867 - Stilllegung des letzten Hochofens, Ende des Eisenerzbergbaus
  • 1886 - Eröffnung der Bahnstrecke Sonneberg-Lauscha
  • 1891 - Gründung der freiwilligen Feuerwehr
  • 1899 - Einweihung der Basilikakirche (Architekt: Franz Schwechten)
  • 1901 - Einweihung der Südschule (Architekt: Franz Schwechten)
  • 1911 - Anlegung des Marktplatzes (größter Marktplatz in Thüringen)
  • 1912 - Einweihung der Nordschule
  • 1914 - 1918 - 280 Steinacher sterben im Ersten Weltkrieg
  • 1920 - Die Gemeinde erhält das Stadtrecht
  • 1925 - Einweihung des Rathauses
  • 1928 - Eröffnung des Schwimmbads im Steinbächlein
  • 1934 - Eröffnung des neuen Postamts am Marktplatz (jetzt geschlossen)
  • 1936 - Eröffnung der neuen Sparkasse und der Spielzeugschachtel (Sammlung von in Steinach hergestellten Spielzeugen)
  • 1939 - 1945 - über 300 Steinacher sterben im Zweiten Weltkrieg
  • 1945 - die Stadt wird von Bürgern den amerikanischen Truppen übergeben, um eine sinnlose Zerstörung zu verhindern
  • 1949 - Beginn des Stadionbaus im Steinbächlein (Bauzeit: 8 Jahre)
  • 1954 - Abriss der Rathausschule
  • 1961 - Der Landkreis Sonneberg wird mit Ausnahme Steinachs zum Grenzsperrgebiet erklärt. Steinach hat ca. 8.000 Einwohner.
  • 1963 - Aufstieg der BSG Motor Steinach in die DDR-Fußball-Oberliga
  • 1968 - Ende der Steinacher Schiefergriffelproduktion
  • 1989 - Montagsdemos auch in der Steinacher Kirche
  • 2007 - Steinach und der Nachbarort Lauscha planen, sich zu Steinach-Lauscha zusammenzuschließen.


Politik

Der Stadtrat setzt sich aus Mitgliedern der CDU, PDS, SPD, FDP, Feuerwehrverein e.V. und GFS zusammen.

Wirtschaft

Die Wirtschaft Steinachs ist heute vor allem durch den Tourismus und hier im besonderen Maße durch den Wintersport geprägt. Vor allem die Skiarena auf dem Silbersattel (Fellberg) ist bei vielen Touristen beliebt. Ein weiteres Standbein der Wirtschaft ist die Spielzeugindustrie (Marolin, Plaho, Ogas), sowie eine Eisengießerei (Heunisch-Guss).


Verkehr

Folgt man der Lauschaer Straße in Richtung Norden gelangt man nach Steinheid, Lauscha und schließlich nach Neuhaus am Rennweg. Im Süden führt die Sonneberger Straße nach Blechhammer, Hüttengrund (heute Ortsteile der Gemeinde Oberland am Rennsteig) und schließlich nach Sonneberg. Die Haselbacher Straße führt nach Haselbach, Hasenthal und Eschenthal (heute ebenfalls Ortsteile der Gemeinde Oberland am Rennsteig) und der Alte Hämmerer Weg nach Mengersgereuth-Hämmern. Die Bahn-Linie verläuft längs durch Steinach von Sonneberg nach Lauscha.


  • KiTa "Villa Sonnenschein" in der Ringstraße
  • Südschule an der Julius-Knye-Straße und Kirchstraße
  • Nordschule in der Lauschaer Straße

Ämter

  • Fremdenverkehrsbüro, Dr.-Max-Volk-Straße 21
  • Poststelle, Karl-Friedrich-Weigelt-Straße 5
  • Einwohnermeldeamt, Marktplatz 4
  • Polizeidirektion, Marktplatz 4
  • Standesamt, Marktplatz 4

Freizeit- und Sportanlagen

  • Skiarena Silbersattel ([1]) als größtes Skigebiet Thüringens
  • Steinacher Hochseilgarten ([2])
  • Skiflyer ([3]) als Weltneuheit hier Skispringen miterleben
  • Sporthalle und Kegelbahn im Schottland 27
  • Jugend und Vereinshaus in der Kirchstraße 2
  • Ski- und Snowboardschule am Silbersattel in der Wintersaison
  • Sportplatz

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Sankt-Peter-und-Pauls-Basilika in der Kirchstraße
  • Südschule in der Kirchstraße
  • 11 noch erhaltene Brunnen in verschiedenen Gestaltungen

Museen

  • Schiefermuseum in der Dr.-Max-Volk-Straße Nr. 21, einziges Museum seiner Art, behandelt die Schieferindustrie, sowie die theoretischen Grundlagen des Schiefers
  • Steinacher Spielzeugschachtel in der Dr.-Max-Volk-Straße Nr. 21, als Sammlung der in Steinach hergestellten Spielzeugwaren aus verschiedenen Zeiten

Regelmäßige Veranstaltungen

  • letzter Samstag im April: Fest der Chormusik
  • Anfang/Mitte Juni: Steinacher Brunnenfest (vier Tage)
  • letztes Wochenende im Juni: Vogelsbergfest
  • 3.Wochenende im August: Steinacher Kirchweihe (vier Tage; größtes Volksfest in Südthüringen)
  • letztes Adventswochenende: Steinacher Griffelweihnacht (2Tage)
  • Zweites Wochenende im Dezember: Eröffnung des Thüringer Skiwinters in der Skiarena Silbersattel

Persönlichkeiten

  • Julius Knye, wurde wegen "Hören von Feindsendern" von der Gestapo verhaftet, um der Haft im KZ Buchenwald zu entgehen sprang er in Probstzella beim Umsteigen unter den Zug, seine Frau folgte ihrem Mann und sprang ebenfalls
  • Karl Rexhäuser (1869 - 1935), Kunstmaler und Mitglieder der Königlichen Akademie in München
  • Karl-Friedrich Weigelt (1860 - 1911), Landtagsabgeordneter mit dem Mandat der SPD von 1897 bis 1911
  • Dr. Max Volk (1900 - 1969), Naturwissenschaftler und Heimatforscher, Herausgeber von "Das Silberne Glöcklein und andere Sagen"
  • Horst Queck, deutscher Skispringer


Sonstiges

Der Steinacher Mundart ist die nordöstlichste Variante des Itzgründischen, das am Rennsteig, der eine markante Sprachgrenze ist, ins Südostthüringische übergeht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lief eine Dialektgrenze mitten durch Steinach und trennte das damalige Oberdorf, das eine altböhmisch-sächsische Mundart hatte, vom Unterdorf mit einer fränkischen Mundart. Später kam es zu einer Einheit der unterdörfer und der oberdörfer Sprache und es überwog die fränkische Mundart. Die Steinacher Mundart gehört noch zu den mainfränkischen Dialekten. Als Beispiel für die Mundartdichtung ist hier ein Gedicht über die Spitznamen der Stadt aufgeführt. Der Verfasser ist unbekannt.

Wenn's in unnerä großn Stänich 
käna Spietznama gähm töt, 
wenn ne fast a jedä Haushalt
extra an Spietzname het,
es wöer a Jammä fürsch Finanzamt,
fä dä Post, Gemäh unn Bah.
Doch die Sach is gut geregelt,
stets hängt mä an Spietznama nah.
Kümmt amohl a Luftschnappä
und wäss neh wuh naus wuh nah,
hott bloß Luthard, Greiner, Scheler
unn es is käh Spietznama drah.
Äs is a Plouch! Unn döss Fahdä-
leichta is fä söttä Leut,
schreib iech an Täl Spietznama auf.
Nu oacht amohl gescheit därauf:
Spitzä, Schleifä, Ev unn Bitsch
Heppl, Mappl, Spark unn Litsch,
Bräuä, Polä, Prassler, Summs,
Krack, Kunnsummä, Klohs unn Schnumms,
Schnappä, Blachä, Gückelhah, 
Nickelfritz und Kläna-Mah.
Pumpä, Pfaff unn dä Hannad,
Dahmä, Fönfä, Bachla, Rat,
Dowees, Kertel, Mäureshans,
Idl, Hoarzä, Schott, Brothans,
Beierschheinä, Frützä, Ech,
Abbu, Kutschä, Futt und Blech,
Gehlerschheinä, Dolf unn Vitt,
Tapfä-Waltä, Invalid.
Kaas unn Ziehfritz, Sanderschbeck, 
Süd unn Gräsä, Mödl, Schreck,
Störmä, Schustä, Ali unn Mundl,
Käfmah, Dorfhüttnä unn Kunnl,
Pfopfäbeck, Pfäffäküchlä, Aschebutt unn Fummel,
Speerhackä, Krappelkaspä, Jüdenlang und Gumpel.
Achtela, Anneboar, Gäge unnd Papp,
Vettelä, Ahlä, Deutä und Krapp,
Pimpim, Lampä, Strahlä, Brätt,
Absatz, Hamel, Pudel, Fätt,
Kött unn Struwel, Buchä, Link,
Danel, Spess, Spieß und Fink,
Dackel, Krienetz, Laatsch unn Datsch,
Boarfassä, Meestä, Veit und Pfatsch,
Sandäna, Schiffs- unn Hameräsanda,
Schulmästä, Silbernickel unnd Kantä,
Mienzä, Löttä, Böhlä, Gart,
Peterla, Harings-Paul unn Schoart,
Schlazä, Nixä, Eul undn Kretl,
Kläss unn Mäuslä, Waschgestell,
Humanns-Rott, Frost unn Ziehnä,
Schnabel, Bleifroosch unn dä Wienä,
Anwalt, Saml, Schülzla, Geier,
Töffel, Paulsrott, Ehzee, Leier,
Guggug, Hazog, Preuß unn Sachs,
Stöff und Lässä, Schulalt, Schwamm,
weitä bräng ich kähna zamm.
Unn beinah het ich die vägässn, 
die wuh neh genennt wölln sei,
wie zum Beispiel Stoffl, Rupp,
Steigä, Hellauf, Lafftä, Kupp,
Mühlpöpela, Nousenkönig, Moppä,
Wühlä, Sausä, Steff und Rottä.
Unn nu schließlich ganz zäletzt
wöard Öler, Sock, Lohmä unn Edä nagesetzt.
un ze ölleletzt wäd de Nahmä "EC" noch besetzt.

Kulinarische Spezialitäten

  • "Mählflöckläs-Supp" - eine Suppe mit Gemüse (Möhren, Kohlrabi ...) und Klößchen aus Ei und Mehl
  • "Schnibbl-Supp" - eine Suppe aus frischem "geschnippelten" Gemüse mit Fleischbrühe
  • "Saurä Fläck" - Innereien von diversen Tieren auf eine bestimmte Art und Weise zubereitet
  • "Totä Oma" - Gebackenes Rinderblut, das auch mit Grünkohl verzehrt werden kann
  • "wechn Zamet un Biern" - spezieller, sahnig-glatter Kartoffelbrei, dazu Birnenkompott und zerlassene Butter
  • "Seubää" - gekochte Schweinshaxe, wird meist mit Sauerkraut und Brot verzehrt
  • "Schwammäsupp un Zamet" - Pilzsuppe mit Kartoffelpüree
  • "Öwäschicha Ruhm un Mählflögg" - Kohlrabisuppe mit Mehlflocken (eine Art Semmelklöße)
  • "Faulä Weibäsupp - Gehackte Gerste
  • "Dätschä un Biern - Kartoffelpuffer mit Birnenkompott
  • "Bonnabrüh un Zamet" - geschmeidiger Kartoffelbrei mit Suppe aus grünen Bohnen mit Fleischeinlage

Literatur

  • Dr. Max Volk: Das Silberne Glöcklein und andere Sagen
  • Das Wörterbuch der Steinacher Sprache
  • Alfred Steiner: Schdänichä Wöadäbuch, Verlag: Bürobedarf Eichhorn, Steinach, 1. Auflage, 11/95
  • Luthardt, Emil: Mundart und Volkstümliches aus Steinach, Thüringerwald, und dialektgeographische Untersuchungen im Landkreis Sonneberg, im Amtsbezirk Eisfeld, Landkreis Hildburghausen und in Scheibe, im Amtsgerichtsbezirk Oberweißbach, Landkreis Rudolstadt. Hamburg, Dissertation (1963) - Befindet sich zum Beispiel im Bestand der Bibliothek des Spielzeugmuseums Sonneberg.
Quelle:
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