Steinmann oder Steinmännchen (mundartlich in Bayern und Tirol auch Stoamandl, englisch cairn) nennt man eine Wegmarkierung, die in unübersichtlichem oder schwer begehbarem Gelände – wie Hochgebirge und Wüsten – die Orientierung erleichtern soll. Steinmännchen sind oder waren in allen besiedelten Gebieten der Erde verbreitet. In verschiedenen Kulturen sind mit ihnen weitere, oft religiöse Gebräuche verbunden. Diese Markierungen sind jedoch von den ähnlich aussehenden Steingräbern zu unterscheiden, die im Englischen ebenfalls Cairn genannt werden.
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Obwohl heute in den Alpen durch die Alpenvereine viele Steige mit Farbmarkierungen und Schildern bezeichnet sind, gibt es auch noch zahlreiche Steige, Wege und Übergänge, die lediglich mit wenigen Steinmännern markiert sind (z. B. im Karwendel).
Große Steinmänner werden oft auch als Gipfelzeichen anstelle eines Gipfelkreuzes errichtet, da sie sich aus den vorhandenen Steinen aufrichten lassen, und zeigen das Erreichen des Gipfels an. Bisweilen sind sie mit Zement verfestigt und tragen eine Gedenktafel für Gefallene oder Verunglückte. An manchen Stellen in den Alpen findet man regelrechte Steinmännerversammlungen, die nicht mehr der Orientierung dienen, sondern eher Land Art bilden (z. B. am Schafreuter im Karwendel, am Beiljoch in den Stubaier Alpen, dem Auenjoch im Sarntal und den Luibisböden, einem aufgegebenen Almgebiet im mittleren Pitztal). An letzteren Orten treten zudem auch sogenannte Steinfrauen auf, die sich von den Männern durch eingebaute Steinplatten unterscheiden, die Arme darstellen sollen.
Auch manche auf Gipfeln gelegene Vermessungspunkte werden mit Steinmännern signalisiert, wenn sie schwierig zu erreichen sind und eine Zielgenauigkeit von etwa 10 cm ausreicht. Sie müssen mindestens 1 Meter, besser 2 m hoch sein, um weit genug und auch bei schlechtem Kontrast sichtbar zu sein. Eine solche Steinpyramide aus Bruchsteinen möglichst symmetrisch zu bauen, erfordert einige Stunden Arbeit.
In den Gebirgen Vorderasiens und Südamerikas sind auch zahlreiche Punkte im Grundlagennetz erster Ordnung mit Steinzeichen markiert, um den Aufwand beim Bau von Vermessungspfeilern zu sparen. Für die vermessungstechnischen Bedürfnisse in Entwicklungsländern reicht die erzielbare Genauigkeit im Regelfall aus.
Meist besteht ein Steinmann aus annähernd kegel-förmig aufgeschichteten, größeren Steinen – mindestens drei, da drei aufeinander liegende Steine als Zufallsergebnis von Naturkräften unwahrscheinlich sind. zylinder-förmige Bauten gibt es auch, sie sind aber weniger stabil.
Die Höhe kann 0,50 bis 1,50 Meter erreichen, an markanten Stellen auch mehr. Heute helfen Steinmänner vor allem Freizeitwanderern, den rechten Weg zu finden. In früheren Zeiten, als es in diesen Gegenden noch kaum Straßen und nur Fuhrwerke gab, kennzeichneten sie jedoch alte Pfade von Dorf zu Dorf bzw. Passwege über Gebirgskämme. Vor allem bei Nebel und dichter Bewölkung, wenn das umliegende Gelände verhüllt und für die Orientierung untauglich wurde, oder bei Schneelage waren sie oft lebenswichtig – zumal manche Pfade die einzigen sicheren Übergänge waren, die man keinesfalls verfehlen durfte. Generationen von Einheimischen haben die Steinmänner instand gehalten.
Einer norwegischen Überlieferung zufolge sollte der Wanderer auf jeden Steinmann einen Stein legen, um unbehelligt von Trollen zu bleiben. Auch heute noch sind Wanderer angehalten, zumindest bei teilweise abgetragenen oder beschädigten Steinmännern (nicht nur jene auf den Gipfeln der Berge) mit einem oder mehreren Steinen zur Erhaltung der Wegzeichen beizutragen.
Bei den Inuit in der Arktis haben Inuksuk, (Steinmännchen in Inuktitut, der Sprachfamilie kanadischer Inuits genannt) vielfältige Markierungsfunktionen an und auf bedeutende Orte.
Ein Inuksuk mit zwei getrennten Beinen an einem Ufer zeigt einen befahrbaren Kanal an, ein Inuksuk an einem See verweist auf gute Fischgründe, an der markierten Stelle und so weit im See, wie das Steinmännchen vom Ufer entfernt ist.
Bemerkenswert ist die Verwendung von Inuksuk als „Helfer“ bei der Jagd auf Rentiere. Die Inuit bauten Reihen von Steinmännchen mit „Haaren“ aus Rentierflechten; von wenigen Menschen aufgescheucht, wurden die Tiere dadurch direkt auf die Rotte der Jäger zugetrieben, so dass auch kleine Jagdgemeinschaften im weitgehend offenen Gelände schnelle Huftiere erlegen konnten.
Ein Inuksuk ist auch das Logo der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver, Kanada.
Der Dominikanermönch Felix Fabri beobachtet 1483 auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land und zum Berg Sinai:
„Der Steinhaufen auf dem Gipfel war aber ein Wegzeiger, denn überall in der Wüste sind auf Bergspitzen Steinhaufen aufgeschichtet, mit denen man anzeigt, durch welche Täler man gehen muss; und wenn es diese Zeichen nicht gäbe, könnte niemand durch die Wüste ziehen, weil die meisten größeren Täler nicht durchgängig sind, sondern sich an den Enden schließen, und so wäre man, nachdem man dem Talverlauf folgend drei oder vier Tage lang gewandert ist, schließlich zur Umkehr gezwungen. So ist es auch bei einem klippenreichen Meer; an ihm stellt man auf Anhöhen Steinhaufen als Seezeichen auf; und wenn es diese nicht gäbe, würden viele Schiffe, die ihren Kurs auf die Klippen nehmen, auf Sandbänke laufen oder in Strudel geraten. So würden auch hier viele Menschen umkommen, wenn diese Zeichen nicht auf den Bergen stünden.“
– Felix Fabri (aus dem Lateinischen übersetzt von Herbert Wiegandt)
In der Volksmythologie Tibets und auch in der alten vorbuddhistischen Religion Bön als auch im buddhistisch geprägten Volksglauben, der auch in benachbarten Gebieten, wie dem Ladakh und Zanskar, verbreitet ist, haben Steinmännchen neben der ursprünglichen Funktion als Wegmarkierung eine religiöse Bedeutung erhalten.
Zu unterscheiden ist dabei zwischen den Lhadhos und den Lhadses:
Sowohl Lhathos wie Lhadses sind oft mit einzelnen oder Sammlungen von Mani-Steinen verbunden.
Daneben gibt es in der selben Region noch die Obo genannten Steinsetzungen, die der lamaistischen Tradition Tibets und der Mongolei entstammen.
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