Stenz (maskulin der Stenz, Genitiv hochsprachl. des Stenzes, umgangssprachl. des Stenz) ist ein Wort aus dem Rotwelschen, der Sprache der Gauner und fahrenden Leute, und bedeutet ursprünglich "Stock, Wanderstab". Im Rotwelschen und in der deutschen Umgangssprache sind daneben weitere Bedeutungen und Ableitungen aufgekommen. Als Wurzel wird stemmen oder ein älteres stenzen in der Bedeutung "stoßen" angenommen. Nicht verwandt ist Stenz als Kurzform des Namens Konstantin.
Inhaltsverzeichnis |
In Rotwelsch ist Stenz seit dem frühen 19. Jh. und in der Form Stems seit 1726 in der Bedeutung "Stock, Wanderstab" belegt. Bei den Fahrenden Handwerkern versteht man darunter besonders den knotigen, verdrehten Wanderstock, der seine Form dadurch erhält, daß er durch eine parasitäre Schlingpflanze, das Geißblatt, während des Wachstums deformiert wird. Er dient als Wanderstock und als Schlagwaffe. Der Stenz hat seine charakteristische Form auch durch einheimische Schlingpflanzen wie z.B. den Knöterich. Der Knöterich windet sich in jungen Jahren eines Baumes oder Astes um selbigen. Da der Knöterich nicht dehnbar ist, bekommt der Baum beim Wachstum die typischen Auswülstungen. Deshalb ist ein Stenz auch vorwiegend an Flussläufen zu finden, Stellen an denen Schlingpflanzen bevorzugt wachsen. In den Kreisen des fahrenden Handwerks gilt die Ansicht, daß man einen echten Stenz nicht finden kann, sondern daß der Stenz seinen Besitzer wählt und findet.
Als Metonymie übertragen vom Stock auf dessen Träger bedeutet Stenz sowohl im Rotwelschen wie auch in einigen deutschen Mundarten "Zuhälter" (z.B. Kölnische und Zürcher Umgangssprache), bzw. "Mann, der sich im Rotlichtmilieu bewegt und entsprechend kleidet", oder allgemeiner "Geck, eitler Mensch, Weiberheld". Das Bild des urbanen Münchener Stenzes wurde in jüngerer Zeit geprägt durch die legendäre Fernsehsehserie "Monaco Franze - Der ewige Stenz" (1982) mit dem inzwischen verstorbenen Schauspieler Helmut Fischer in der Hauptrolle des Franz Münchinger. Der Regisseur der Serie, Helmut Dietl, definierte den Stenz folgendermaßen:[1]
In der Bedeutung "Zuhälter, Dealer, Gangster" ist Stenz auch in der Sprache des Deutschrap gebräuchlich geworden, so besonders in den Songtexten des Labels German Dream und der dort vertriebenen Stenz Music von Eko Fresh.
Im Rotwelschen (belegt 1922 in der Form G'stens) und in der Wiener Umgangssprache (Gschdends, Gstänz) bezeichnet das Wort auch das männliche Geschlechtsorgan, abgeleitet von der Person des Stenzes und ihrer Beziehung zur Weiblichkeit, oder als obszöne Zweitbedeutung zu "Stock" (vgl. Prügel), oder auch aus den Verben stemmen (wienerisch schdemman) oder stanzen in deren obszöner Zweitbedeutung für die Ausübung des Geschlechtsverkehrs.
Vom Stock (als Schlaginstrument) oder von seinem Träger (und dessen milieubedingten Verhaltensweisen) abgeleitet ist im Rotwelschen und in einigen Mundarten das Verb stenzen in den Bedeutungen "schlagen" und "stehlen", besonders "Obst stehlen", gebräuchlich und deshalb zuweilen auf das Abschlagen des Obstes mit einem Stock zurückgeführt. Im Westfälischen soll stenzen die Bedeutung "müßiggehen, Vergnügungen nachgehen" (im Ggs. zu "arbeiten") haben und kann dann eventuell ebenfalls aus der Person des Stenzes abgeleitet werden.
Im Ruhrgebiet, besonders in Essen, soll stenzen auch in der Bedeutung "trinken" (wir gehen einen stenzen) und das Nomen Stenz als Neutrum in der Bedeutung "Trunk, Umtrunk" (ich lad dich auf ein Stenz ein) sowie als Trinkgruß zum Anstoßen gebräuchlich sein, ferner Stenz als Grußwort auch in Mittelfranken. Ob auch in allen diesen Fällen eine Beziehung zum Stenz als Stock oder zum Trinken als spezifischer Tätigkeit seines Trägers hergestellt werden kann, ist nicht sicher, die unten genannten Wörterbücher verzeichnen diesen Sprachgebrauch jedenfalls nicht.