Sternwarte

Eine Sternwarte (oder ein Observatorium v. lat.: observare = beobachten) ist heutzutage ein Ort mit wissenschaftlichen Instrumenten, oft Teleskopen, für die Beobachtung des Weltraums.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Das Erscheinungsbild einer heutigen Sternwarte ist in der Regel durch eine oder mehrere Kuppeln gekennzeichnet, die einerseits zur Beobachtung geöffnet und in die gewünschte Richtung gedreht werden können, andererseits aber im geschlossenen Zustand das darunter aufgestellte Instrument schützen. Die Instrumente selbst (vor allem die Teleskope) sind zum Schutz vor Erschütterungen auf eigenen, vom übrigen Gebäude getrennten Sockeln montiert. Der Begriff Observatorium wird auch noch für Satelliten, die Teleskope tragen, verwendet. Typischerweise befinden sich mehrere Teleskope bzw. Instrumente auf einem Satelliten, die meist alle dasselbe Ziel beobachten, seltener auch getrennt gesteuert werden können.

Eine Sternwarte, die hauptsächlich zum Zweck von Führungen und der Erwachsenenbildung betrieben wird, nennt man auch Volkssternwarte. Ein ähnliches Ziel wie Volkssternwarten verfolgen Schulsternwarten und werden gelegentlich auch gemeinsam betrieben. Weiters gibt es auch Privatsternwarten, die von einzelnen Amateurastronomen oder Vereinigungen betrieben werden, und in Einzelfällen ebenfalls der Öffentlichtkeit Beobachtungsmöglichkeiten bieten. Sternwarten sind nicht mit Planetarien zu verwechseln. In ersteren kann man tatsächliche Objekte beobachten, während letztere die Himmelsobjekte künstlich projizieren.

Im weiteren Sinn werden auch Bauwerke, die durch ihre besondere Konstruktion die Festlegung bestimmter astronomischer Besonderheiten, wie z.B. den Tag der Wintersonnenwende, ermöglichen, als Observatorien bezeichnet. Bei dieser Art von Bauwerken, die zumeist einer vorgeschichtlichen Phase der verschiedensten Kulturen zuzurechnen sind, handelt es sich meist um sogenannte Sonnenobservatorien, da von hier aus vor allem der Lauf der Sonne beobachtet wurde. Siehe z.B. Kreisgrabenanlage von Goseck oder Stonehenge.

Seit geraumer Zeit ist überdies das Interesse auf “mobile” Ausführungen weltweit gewachsen. Mobile Sternwarten wie die in [1]Japan werden zu Bildungszwecken in Schulen und Universitäten genutzt. Dabei wird in einem extra dafür präparierten Fahrzeug (LKW, Hänger, Bus oder dergleichen) ein Teleskop verbaut, welches durch ein Stabilisations- bzw. Entkoppelungssystem mit dem Fahrzeug verbunden wurde und das Teleskop sodann durch eine Kuppel bzw. ein Schiebedach zu Beobachtungszwecken hinausfährt. Ein etwas größeres Projekt beschäftigt sich mit einer Schulungs- und Forschungseinrichtung, welche im Westen von Österreich entstehen soll. Project Sirius Alpha [2] ist ein außerordentlich gewagtes Unterfangen mit einem Entkoppelungssystem[3], jedoch für die Zukunft gewappnet, da viele Einrichtungen [4], die wissenschaftlich genutzt werden, bereits „mobil“ ausgeführt wurden. Hierzu hat der Projektleiter dieser „mobilen Sternwarte“ ein Forum [5] in die Welt gerufen, welches den Trend solcher Einrichtungen aufzeigt. In Zukunft wird mehr Augenmerk solchen Innovationen gewidmet werden und es gilt, die Nutzer solcher dafür zu sensibilisieren.

Geschichte

Megalith-Observatorium in Nabta-Playa
Megalith-Observatorium in Nabta-Playa
Stjerneborg
Stjerneborg

Die derzeit als ältestes datiertes Observatorium der Vorgeschichte geltende Anlage ist eventuell die Kreisgrabenanlage von Goseck aus dem 5. Jahrtausend v. Chr.. Der Megalith-Kreis in Nabta-Playa in der Nubischen Wüste könnte auch in diese Zeit fallen. Andere Anlagen stammen aus Zeiten ab ca. 3000 v. Chr. (Stonehenge). Das Cheomseongdae-Observatorium in Korea ist das älteste im Fernen Osten. China hat eine lange Tradition im Bau von Observatorien. In der Tang-Dynastie wurden 20 Sonnenobservatorien für die Erstellung des Da Yan Kalenders 729 A.D. errichtet, wobei 10 Observatorien entlang des 114. Grades östlicher Länge von Zentralasien bis Hue verteilt wurden, um die Kugelgestalt der Erde zu überprüfen. Die Yuan-Dynastie ließ für den Shou Shi Kalender 1281 27 Großobservatorien erbauen, wobei das Gaocheng-Observatorium nahe Dengfeng in der Henan-Provinz noch gut erhalten ist. In Peru befindet sich das 2300 jahre alte Chanquillo-Observatorium, das aus 13 Türmen auf einem Berggrat besteht.

Im Spätmittelalter und der Zeit danach entstanden die ersten Vorläufer der „klassischen“ Sternwarten. Sie beheimateten Instrumente zur Vermessung von Sternörtern, z.B. Quadranten oder Astrolabien. Beispiele sind das Observatorium Rasad-e Khan von Nasir Al-din al-Tusi, die Sternwarte des Ulug Beg, Schloss Uranienborg und Stjerneborg, die Sternwarten Tycho Brahes oder die Jantar Mantars des Maharajas Jai Singh II..

Nach Erfindung des Teleskops 1608 entstanden dann die ersten Sternwarten im heutigen Sinne. Diese waren zunächst Teile physikalischer Kabinette, wie sie von Adligen und anderen Gönnern nach und während der Aufklärung unterhalten und gefördert wurden. Es handelte sich oft um ausgebaute Dachgeschosse, angebaute Türme oder dergleichen. Eigenständige Sternwartenbauten wurden oft als Türme ausgeführt, wie die Mannheimer Sternwarte. In diese Zeit fällt auch zum Beispiel der Bau des Royal Greenwich Observatory 1675. Die erste Sternwarte, bei der die Instrumente in ein ebenerdiges Gebäude gestellt wurden, war die Seeberg-Sternwarte, die 1790 in Betrieb genommen wurde. Die erste Schulsternwarte Deutschlands wurde 1872 im ostsächsischen Bautzen gegründet.

Für die Qualität der Beobachtung ist ein möglichst dunkler Himmel wichtig. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Sternwarten mit konkurrenzfähiger Forschung nahe oder sogar in Städten die Regel, oft auch um dem Geldgeber, im allgemeinen dem lokalen Fürstenhof, nahe zu sein. Das Anwachsen der Städte und der damit verbundene Lichtsmog, der die Beobachtungen in zunehmendem Maß beeinträchtigte, führte im 20. Jahrhundert zu einem Ausweichen in immer abgelegenere und vom Lichtsmog noch nicht betroffene Gebiete wie etwa in Gebirgen, zunächst in näher gelegene Gebirge wie die Pyrenäen oder die Alpen und schließlich in Gebiete weit abseits größerer Ansiedlungen und mit klarer und ruhiger Luft, wie etwa auf dem Mauna Kea auf Hawaii oder in der Atacama-Wüste in Chile.

Gleichzeitig ermöglichte der technologische Fortschritt die Anfertigung immer größerer Teleskope, die immer schwächere Lichtmengen auffangen können und so Beobachtungen in immer größere Tiefen des Weltalls erlauben. Auch diese Instrumente gelangen durch die natürliche Unruhe der Luft an Grenzen. Leistungsfähige Adaptive Optiken sind zwar in der Lage, diesen Nachteil fast vollständig zu korrigieren, aber üblicherweise nur in sehr kleinen Bildfeldern. Ein Ausweg bot sich in der Konstruktion von Weltraumteleskopen, die Beobachtungen außerhalb des störenden Einflusses der Atmosphäre ermöglichen wie etwa das Hubble-Weltraumteleskop. Darüber hinaus wurden Weltraumteleskope entwickelt, um Beobachtungen in Spektralbereichen zu ermöglichen, die vom Boden aus unzugänglich sind, wie etwa im fernen Infrarot oder im Bereich der Röntgenstrahlung.

Einzelne Sternwarten und Observatorien

Vor- und frühgeschichtliche Bauten (Auswahl)

Sternwarten in Deutschland (Auswahl)

Forschungsinstitute

Historische Aufnahme der Sternwarte Sonneberg
Historische Aufnahme der Sternwarte Sonneberg

Volkssternwarten

Regiomontanus-Sternwarte Nürnberg, Volkssternwarte von 1930
Regiomontanus-Sternwarte Nürnberg, Volkssternwarte von 1930
Fritz-Weithas-Sternwarte in Neumarkt
Fritz-Weithas-Sternwarte in Neumarkt

Sonstige Sternwarten


Sternwarten in Österreich (Auswahl)

Sternwarten in der Schweiz (Auswahl)

Historische Sternwarten (Auswahl)

Andere Sternwarten (Auswahl)

Im Luftraum (Auswahl)

Im Weltall (Auswahl)

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
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