Steuerungstechnik ist die Technik von Einrichtungen, die nach einem vorgegebenen Plan technologische Prozesse beeinflussen. Wenn deren Zweck durch Steuerung selbsttätig erfüllt wird, handelt es sich um Automatisierung.
Das folgende Schema zeigt die wesentlichen Komponenten von steuerungstechnischen Einrichtungen und ihren Informationsfluss:
_____________ _____ ______
|\ | |\ | | |
| \ Sensoren | >>>> | \ | >>>> | |
| \ _______| |____\| | |
| | | |
Technologischer Inform. Informationsverarbeitung
Prozess Wandler (Steuergerät)
| | ______ _____ | |
| / | | /| | |
| / Aktoren | <<<< | / | <<<< | |
|/____________| |/____| |______|
Inhaltsverzeichnis |
Der generelle Zweck technologischer Prozesse ist das Umformen und Transportieren von Material, Energie und Information, wozu über geeignete technische Einrichtungen Energie eingesetzt und gewandelt wird. Steuerungstechnische Einrichtungen, auch Steuerungen genannt, beeinflussen die eingesetzte Energie mit Hilfe von Informationen, die sie im Sinne des Prozessziels verarbeitet haben.
Sequenzielle Steuerungen(Logiksteuerung):Ablauf nach logischen Entscheidungen
z.B: wenn dieser Zustand auftritt, wird dieser Zustand ausgegeben
Zeitprogramm Steuerung: Ablauf der Ereignisse in einem gewissen Zeitschema
z.B.: Verkehrsampel
Wegprogramm Steuerung: Ablauf der Ereignisse nach einem gewissen Wegschema
z.B.: CNC-Fräsen-/Drehprogramm
Proportional Steuerung: Diese Steuerung bedeutet, dass der Eingang und Ausgang beliebieg viele Zwischenwerte in einem bestimmten Bereich annehmen darf. Eingang und Ausgang müssen aber nicht zwingend mathematisch proportional sein. Jedenfalls gilt zu jedem Eingangswert gehört genau ein zugehöriger ausgangswert.
z.B.: ein Ventil öffnet erst, wenn ein gewisser Druck anliegt, oder unterschritten wird
mechanische Steuerung: z.B.: Lenkgetriebe, Zylinderschlüssel
elektrische Steuerung: z.B.: Kontakte + Relais
pneumatische/hydraulische Steuerungen
elektronische Steuerungen: z.B.:Logikschaltung
SPS (Speicher Programmierbare Steuerung): z.B.: Microcontroller (letztere werden eher zur kontinuierlichen Regelung eingesetzt)
Die Bindeglieder zwischen steuerungstechnischen und prozesstechnischen Einrichtungen sind Sensoren und Aktoren (auch Aktuatoren genannt). Sensoren wandeln Prozesszustände in Informationen um und sind dadurch Informationsquellen. Dagegen sind Aktoren Informationssenken. Sie wandeln informationstragende Energie in Prozessenergie um. (In dieser Betrachtungsweise wird der Informationscharakter der eingesetzten Energie betont, um den Aktor als funktionales Gegenstück zum Sensor erscheinen zu lassen.)
Die von Sensoren abgegebenen Informationen werden so gewandelt, dass sie sich für den jweiligen Übertragungsabschnitt eignen und vom informationsverarbeitenden Gerät (Steuergerät) akzeptiert werden. Das gleiche gilt sinngemäß für Informationen, die vom Steuergerät ausgegeben und zu einem Aktor übertragen werden.
Prozesszustände sind zweiwertig (binär), wenn sie sich durch eine Aussage, wie Gegenstand vorhanden/nicht vorhanden, angeben lassen. Dagegen sind sie kontinuierlich, wenn sie durch eine reelle Zahl abgebildet werden können, z. B. Temperatur = 65,5 °C. Binäre Prozesszustände werden von Sensoren in binäre Informationen verwandelt. Ein kontinuierlicher Prozesszustand wird vom Sensor in eine analoge Information umgesetzt. Wenn das Steuergerät den Zahlenwert der analogen Information benötigt, ist eine Analog/Digitalwandlung erforderlich. Das umgekehrte gilt für Aktoren.
Steuerung ist von Regelung zu unterscheiden.
Eine Steuerung berücksichtigt nicht den Zustand der zu steuernden Größe. Eine Veränderung dieser Größe aufgrund einer Störung wird nicht berücksichtigt. Aufgrund der nicht vorhandenen Rückführung der IST-Größe wird in der Technik von einem "offenen Regelkreis" gesprochen
Beispiel: Ein Gleichstrommotor wird mit einem Vorwiderstand so eingestellt, dass er im Leerlauf 1000 U/min läuft. Tritt eine Last auf, sinkt die Drehzahl. Der Elektromotor ist in diesem Fall gesteuert.
Wenn die Aufgabe besteht, einen bestimmten Wert einer physikalischen Größe wie Druck oder Temperatur herzustellen, wird jedoch in vielen Fällen ein Istwert entstehen, der vom Sollwert abweicht, weil Störungen einen Einfluss ausüben.
Dazu erfolgt eine Regelung: Der ISTwert (z.B. eine physikalische Größe) wird mit einem Sensor erfasst . Der Regler erkennt die Abweichung des Istwerts vom Sollwert und wirkt so auf einen Aktor ein, dass die Störeinflüsse ausgeglichen werden. Die Wirkung des Aktors über die physikalische Größe und den Sensor auf das Regelgerät ist eine Rückkopplung. Solche Anordnungen gehören zum technischen Wissensgebiet der Regelungstechnik. Das Kennzeichen geregelter Prozesse ist die geschlossene Wirkungskette, der geschlossene Regelkreis.
Beispiel: Der im Beispiel zur "Steuerung" verwendete Gleichstrommotor wird zusätzlich mit einen Drehzahl-Sensor und einem Stromrichter ausgestattet, die bei Drehzahlabfall den in den Motor fließenden Strom erhöhen und bei Drehzahlüberschreitung reduzieren.
Damit der Istwert mit der geforderten Genauigkeit und Charakteristik dem Sollwert folgt, muss das Regelgerät die angemessene Regelantwort geben, die maßgeblich auch von der Trägheit beeinflusst wird, mit der der Istwert auf den Aktor reagiert (Zeitverhalten der Regelstrecke). Manchmal genügt es, wenn grobe Istwertschwankungen im zeitlichen Mittel dem Sollwert entsprechen. In anderen Fällen ist höchste Regelgüte gefordert.
Technisch verwandt sind Regelungen mit Steuerungen auch, weil sie wie diese mit Hilfe von Aktoren, Sensoren, Wandlern und informationsverarbeitenden Geräten auf technologische Prozesse einwirken. Auch sind Regelungen gerätetechnisch oft in Steuerungen eingebettet. Der große Unterschied besteht in der speziellen Aufgabenstellung, deren Lösung eine Rückkopplung verlangt, was zu einer völlig anderen Informationsverarbeitung führt.
In der deutschen Umgangssprache werden Regelung und Steuerung häufig nicht genau unterschieden. In der englischen Literatur wird sowohl für Regelung als auch für Steuerung das Wort "control" verwendet. Bei Übersetzungen wird dieses Wort oft mit "Steuerung" übersetzt. Im Englischen wird die genaue Bedeutung jedoch nur dann ersichtlich, wenn ausdrücklich von einer "open loop control" (Steuerung) oder "closed loop control" (Regelung) gesprochen wird, sonst ist die Kenntnis des Kontextes für die richtige Übersetzung als "Steuerung" oder "Regelung" erforderlich.
In steuerungstechnischen Einrichtungen werden Informationen übertragen und verarbeitet. Überwiegend ist der Informationsträger elektrische Spannung, seltener hydraulischer oder pneumatischer Druck.
Die Information über einen binären Prozesszustand kann wahr sein oder falsch. Eine wahre Information wird mit 1 und eine falsche mit 0 bezeichnet, z. B. Taste gedrückt = 0 bedeutet: Taste ist nicht gedrückt, die Information ist also falsch. Die beiden Wahrheitswerte 0 und 1 von binären Informationen werden durch definierte Zustände eines Informationsträgers abgebildet, z. B. 0 entspricht 0 V, 1 entspricht 24 V. Ein Wahrheitswert wird vereinfacht auch als Zustand (des Informationsträgers) bezeichnet.
Analoge Informationen aus kontinuierlichen Prozesszuständen werden zur Regelung, zur Anzeige oder zur Überprüfung von Grenzwerten benötigt. Eine Grenzwertprüfung von physikalischen Größen führt zu der binären Information: Grenzwert erreicht/nicht erreicht.
Steuern durch Verknüpfen bedeutet, dass jeder möglichen Kombination der von Sensoren gelieferten Wahrheitswerte (Eingänge) der Wahrheitswert eines Aktors (Ausgang) entsprechend dem Steuerungszweck zugeordnet wird. Dargestellt werden diese Zuordnungen in einer Verknüpfungstabelle. Nach einer möglichen Vereinfachung kann das Ergebnis direkt zur Konstruktion des Steuergerätes dienen.
Dieses Vorgehen soll anhand des folgenden Beispiels näher betrachtet werden:
Die Problemstellung des Beispiels verlangt Speicherverhalten, so dass in der verknüpfungstabelle neben den Sensoren (E1 und E2) auch der Aktorzustand selbst als Eingang hinzugefügt werden muss (E3). Dadurch erhält die Tabelle 23 = 8 Zeilen.
| Zeile | Ruftaste gedrückt | Rückstelltaste gedrückt | Meldung ein | -- | Meldung ein |
| _ | E1 | E2 | E3 | -- | A1 |
| 1 | 1 | 1 | 1 | -- | 1 |
| 2 | 1 | 1 | 0 | -- | 1 |
| 3 | 1 | 0 | 1 | -- | 1 |
| 4 | 1 | 0 | 0 | -- | 1 |
| 5 | 0 | 1 | 1 | -- | 0 |
| 6 | 0 | 1 | 0 | -- | 0 |
| 7 | 0 | 0 | 1 | -- | 1 |
| 8 | 0 | 0 | 0 | -- | 0 |
Aus den Zeilen 1 bis 4 ist zu erkennen, dass bei gedrückter Ruftaste (E1 = 1) immer die Anzeige leuchtet (A1 = 1), die beiden Eingänge E2 und E3 also keine Rolle spielen. Die Zeilen 5 und 6 zeigen, dass die Rückstellung (A1 = 0) von Eingang E3 unabhängig ist. In den Zeilen 7 und 8 steckt das Speicherverhalten der Steuerung: Die Leuchtanzeige behält ihren (alten) Zustand bei (A1 = E3), wenn beide Taster über eine der Zeilen 3, 4, 5, 6 in den Zustand 0 kommen.
Daraus ergibt sich: Die Leuchtanzeige leuchtet nur, wenn die Ruftaste gedrückt ist, oder wenn die Rückstelltaste nicht gedrückt ist und die Leuchtanzeige leuchtet. (Diese intuitiv gefundene Vereinfachung hätte auch durch mathematische Verfahren ermittelt werden können.)
Üblich sind die folgenden Darstellungen dieser Aussage:
A1 = E1 v ( 'E2' & E3)
____________________________
| ______ |
E3 |____| | ______ |
| & |______| | |
E2-----O| | | | |
|______| | >=1 |__|____A1
| |
E1____________________| |
|______|
_________________________
| |__
/---E1 /---E2
/ /
| |
| |
| /---- E3
| / |
|________| |
__|__ |
|_____|--------A1
|
____________|____________
Während der Logikplan an eine Schaltung aus elektronischen Schaltgliedern angelehnt ist, unterstützt der Kontaktplan den Aufbau der Steuerung mit Hilfe von Relais.
Bei gesteigerter Komplexität gegenüber dem Beispiel und insbesondere bei Rückführung von Ausgängen auf Eingänge, spricht man von endlichen Automaten, die in einem eigenen Wissensgebiet, nämlich der Theorie der endlichen Automaten, behandelt werden.
Dagegen sind die einfachsten Tabellen die der Grundverknüpfungen, mit denen, wie im Beispiel gezeigt, komplexere Tabellen beschrieben werden können. Die untenstehende Tabelle hat 2 Eingänge und daher 4 Zeilen. Es sind mit den Ausgängen A1 bis A3 die 3 wichtigsten Verknüpfungen dargestellt. Eine Tabelle mit 2 Eingängen kann maximal 16 Ausgänge und damit 16 mögliche Verknüpfungen haben, wovon 8 die Negationen der anderen sind.
| _ | _ | -- | UND | ODER | EXCL-ODER |
| _ | _ | -- | AND | OR | XOR |
| E1 | E2 | -- | A1 | A2 | A3 |
| 0 | 0 | -- | 0 | 0 | 0 |
| 0 | 1 | -- | 0 | 1 | 1 |
| 1 | 0 | -- | 0 | 1 | 1 |
| 1 | 1 | -- | 1 | 1 | 0 |
Die logische Aussage der UND- bzw. ODER-Verknüpfung ist auch auf mehr als zwei Eingänge anwendbar, z. B. "Wenn E1 UND E2 UND E3 usw. = 1, folgt A1 = 1".
Die Tabelle mit einem Eingang kann nur eine sinnvolle Verknüpfung haben, die Negation.
Für die Grundverknüpfungen gibt es genormte Symbole, wobei sich die US-amerikanischen von denen nach DIN unterscheiden.
| UND | ODER | EXCL-ODER | NICHT |
Viele Entwickler gehen bei einfachen Steuerungen nicht den Weg über Verknüpfungstabellen, sondern erstellen Pläne mit Verknüpfungssymbolen und nehmen evtl. Redundanzen in Kauf.
Computer sind universelle Geräte der Informationsverarbeitung, die sich hervorragend als Steuergerät eignen. Man findet sie je nach Aufgabe als Controller, als speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) oder als Industrie-PC (IPC). Während der SPS-Programmierer Logik- und Kontaktpläne oder auch spezifische Anweisungen eingeben kann, werden Controller und IPC mit üblichen Programmiersprachen programmiert. IPCs können mit geringstem Aufwand umfangreiche Zusatzfunktionen wie Visualisierungen, Protokollierungen und Statistiken bereitstellen.
Kessel ________________________________________________ | Brenner aus _______| | | | ___ | | Solltemp. = max (T1, T2) | | | Isttemp. < Solltemp. ? | | | ja | nein | | | Brenner ein | Isttemp. > Solltemp. + 5 ? | | | | nein | ja | | | | | Brenner aus | | | Warte 10 s ___| | | Wiederhole | |________________________________________________|
Heizkreis Raumheizung Globale Variable T1 ________________________________________________ | Pumpe aus, T1 = 0 _______| | | | ___ | | Außentemp. > 17 °C ? | | | ja | nein | | |Pumpe aus| Außentemp. < 16 °C? | | | T1 = 0 | nein | ja | | | | | T2 > 0 ? | | | | | nein | ja | | | | |T1= f(Außentemp.)|Pumpe aus| | | | | Pumpe ein | | | | Warte 10 s ___| | | Wiederhole | |________________________________________________|
Heizkreis Warmwasser Globale Variable T2 ________________________________________________ | Pumpe aus, T2 = 0 _______| | | | ___ | | Isttemp. < Solltemp. ? | | | ja | nein | | |Pumpe ein| Isttemp. > Solltemp + 5 ? | | | T2 = Max| nein | ja | | | | | Pumpe aus, T2 = 0 | | | Warte 10 s ___| | | Wiederhole | |________________________________________________|
Ebenso wie die meisten technologischen Prozesse sind ausgeführte Programme Abläufe. Abläufe benötigen Zeit. Nur Hard- und Software, die auch im ungünstigsten Fall synchron zum Prozess arbeiten kann, ist als Steuergerät geeignet und wird als echtzeitfähig bezeichnet. Im engeren Sinn bedeutet Echtzeit jedoch, dass Hard- und Software eines Rechners für diesen Zweck besonders ausgelegt sind. Rechner, die steuern, dürfen nie überlastet sein.
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