Die Stiefografie, auch Rationelle Stenografie genannt, ist ein Stenografiesystem, das von dem Parlamentsstenografen Helmut Stief nach rationellen Gesichtspunkten in acht Jahren Arbeit entwickelt wurde. Sie soll laut Stiefs Aussagen in einem Viertel der Zeit erlernbar sein, die für das Erlernen der Deutschen Einheitskurzschrift nötig wären. Aus diesem Grund stellte er nur 24 Zeichen für Konsonanten und Konsonantenverbindungen unter Berücksichtigung statistischer Lauthäufigkeit auf.
Die Stiefografie verwendet verschieden geformte Abstrichzeichen für Konsonanten, während die Vokale durch die Art der Verbindung zwischen zwei Konsonantenzeichen (enge oder weite Verbindung, Höher- oder Tieferstellung des folgenden Zeichens) symbolisch dargestellt werden. Auf die Druckverstärkung als Unterscheidungsmöglichkeit wird dabei im Gegensatz zur Deutschen Einheitskurzschrift verzichtet. Satzzeichen werden größtenteils durch verschiedenbreite Wortabstände ersetzt.
Die Grundschrift enthält keine Kürzel. Eine Aufbauschrift erlaubt die Abkürzung häufiger Lautfolgen (Artikel, Pronomen, Präfixe, Suffixe) durch einfachere Zeichen. Mithilfe der Stiefografie-Variante „Links-Steno“ sollen auch Linkshänder die Kurzschrift ohne Nachteile gegenüber Rechtshändern nutzen können.[1]
Zur Verbreitung dieser Kurzschrift wurde in Hanau 1973 die Vereinigung Rationelle Stenografie e. V. gegründet, welche bis heute Schriftfernkurse anbietet. Mit dem Rückgang der Stenografie in Deutschland gelangte auch die Stiefografie zu keiner größeren Verbreitung.