Stift Quedlinburg

Die ehemaligen Stiftsgebäude in Quedlinburg
Die ehemaligen Stiftsgebäude in Quedlinburg
Schlossansicht von 956 (Recognitionszeichen MGH DD O. I, 184)
Schlossansicht von 956 (Recognitionszeichen MGH DD O. I, 184)

Das Stift Quedlinburg wurde 936 auf Fürsprache von Königin Mathilde von ihrem Sohn Otto I. dem Großen auf dem Burgberg von Quedlinburg gegründet. Es war seinem Charakter nach ein königliches Familienstift und kam nach seiner Gründung durch reiche Beschenkung zu baldiger Blüte. Die Hauptaufgabe bestand in der Memoria, also im Totengedenken für den verstorbenen König Heinrich I.

Das „Kaiserlich freie weltliche Reichsstift Quedlinburg“, wie es bis zu seiner Auflösung 1802 offiziell genannt wurde, war eine Gemeinschaft unverheirateter Töchter hochadliger Familien, die in diesem Frauenstift ein gottgefälliges Leben führen wollten. Der Begriff „weltlich“ im Namen ist dabei als Gegensatz zu „klösterlich“ zu verstehen.

Die größten und berühmtesten Frauenstifte dieser Art waren die Stifte in Essen, Gandersheim, Gernrode, Köln und Herford. In dem letztgenannten Stift wurde die junge Königin Mathilde, von ihrer Großmutter, die dort Äbtissin war, erzogen.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit waren die Frauenstifte wichtige Zentren, um unverheiratete adlige Frauen und Witwen zu versorgen. Die Stiftsdamen waren häufig gelehrt und verrichteten kunstfertige Handarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Kirchenbau

Siehe Stiftskirche St. Servatii

Äbtissinnen

Siehe Liste der Äbtissinnen von Quedlinburg

Schenkungen an das Damenstift

In den ersten Jahrzehnten nach Gründung des Damenstiftes werden zahlreiche Schenkungen, ibs. durch das sächsische Königshaus, verzeichnet. Alle später beschriebenen Wüstungen aus der unmittlebaren Umgebung gehören dazu, aber auch weit entfernte Orte, wie das 170 km entfernte Soltau, das Otto I. 936 schenkte. Hier eine chronologisch sortierte Auswahl:

Die dem heiligen Michael geweihte Kirche neben der Klause Volkmarskeller (bei Blankenburg/Harz) wurde 956 von Otto I. dem Stift Quedlinburg geschenkt. 974 kam der Ort Duderstadt im südöstlichen Niedersachsen an das Stift Quedlinburg, das ihn 262 Jahre verwaltete. Das Dorf Breitenfeld bei Duderstadt gehörte bis zur Auflösung des Damenstiftes zu Quedlinburg.[1] Die erste urkundliche Erwähnung von Potsdam erfolgte in der Schenkungsurkunde Kaiser Otto III. am 3. Juli 993. Das Diplom markiert einen Wendepunkt in der Wiedergewinnung ostelbischer Gebiete, denn aufgrund des Slawenaufstandes von 983 war die ostfränkische Herrschaft wieder bis an die Elbe zurückgedrängt worden. Im Jahre 999 kam die provincia Gera in den Besitz des Stiftes Quedlinburg, dessen Äbtissin 1209 die Vögte von Weida als Verwalter des Gebietes einsetzte. Otto I. schenkt: 936 25 Orte, 937 zwei Orte, 944 ein Ort, 946 zwei Orte, 954 ein Ort, 956 elf Orte, 961 sieben Orte. Otto II. schenkt 974 fünf Orte, 979 ein Ort, 985 fünf Orte. Otto III. schenkte 992 drei Ortte, 993 zwei Orte, 995 vier Orte, 999 ein Ort. Später kamen insgesamt noch über 150 Orte hinzu.[2]

Siehe auch: Domschatzkammer Quedlinburg

Literatur

Jan Gerchow (Hrsg.): Essen und die sächsischen Frauenstifte im Frühmittelalter, Essener Forschungen zum Frauenstift 2, Essen 2003.

Quellen

  1. Vgl. die Lehnsurkunden im digitalisierten Stadtarchiv von Duderstadt unter: http://www.archive.geschichte.mpg.de/duderstadt/
  2. Vgl. die Aufstellung bei Manfred Mehl: Die Münzen des Stiftes Quedlinburg. Hamburg, 2006, S. 42-49.

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