Das Stift Reichersberg ist ein Kloster der Augustiner-Chorherren (CanReg). Es liegt am Inn im oberösterreichischen Reichersberg.
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Das Kloster wurde 1084 durch Dietburga und Wernher von Reichersberg gegründet. Sie wählten als Patron den Heiligen Erzengel Michael. Eine Gründungsurkunde besteht für das Stift nicht, es wurde auch in späterer Zeit keine „nachträglich angefertigt“, wie es damals oft geschah. Erste Aufzeichnungen des Stifts beginnen Mitte des 12. Jahrhunderts.
Der einzige Sohn der Stifter namens Gebhard verstarb früh. Das nun kinderlose Paar wandelte die bisherige Burg Reichersberg in ein Kloster um, was Wernhers Bruder sehr enttäuschte, da dieser auf das Erbe gehofft hatte. Aus diesem Streit heraus war die Existenz des Klosters mehr als einmal vom Scheitern bedroht. Zum Kloster gehörten auch Gebiete außerhalb, zum Beispiel ein Weinberg in Aschbach a. d. Donau und Besitz am Millstättersee.
Das Gebiet lag damals im Gebiet der Diözese Passau, aber auch im Einflussbereich des Salzburger Erzbischofs. Der Stifter Wernher war mit dem Salzburger Erzbischof Gebhard von Helfenstein verschwägert und bat diesen noch im Exil befindlichen (bis 1086) um Schutz für seine Gründung. Wernher bot an, dass das Kloster direkt dem Salzburger Vogt unterstehen solle und nicht etwa einem Untervorgt. Vor allem in 12. Jahrhundert konnte der Adel über die Herrschaft in Erbvogteien seine Macht ausbauen und daher gewann diese Bedingung für die Schreiber der Reichersberger Chronik wohl an Bedeutung.
Welche Glaubensgruppe zu Beginn im Kloster tätig war ist nicht bekannt, die Chronik aus dem 12. Jahrhundert spricht von Kanonikern nach Regeln des Heiligen Augustinus, aber dies ist wie ihre Herkunft nicht gesichert. Wernher trat selbst bei und starb vermutlich vor 1086, erst um 1470 wurde für die Stifterfamilie ein Grabmal errichtet.
Nach dem Tod Wernhers wurden die Chorherren mehrmals vertrieben, der erste bekannte Propst Berwin (1110-1116) kehrte aus diesem Grund mit einem Teil der Chorherren nach Sachsen zurück. Auch der zweite Propst Gottschalk (1122-1132) konnte sich nicht halten, aber immerhin 1126 die Stiftskirche des Heiligen Erzengels Michael einweihen.
Erst Propst Gerhoch (1132-1169) konnte das Stift zur ersten Blüte führen. Gerhoch ist schon vor seiner Zeit als Propst als radikaler Theoretiker der Chorherren-Reform bis hin zu Papst Innozenz II. bekannt. Gerhoch verfasste auch mehrere wichtige Werke seiner Zeit. Er wird 1132 vom Salzburger Erzbischof Kondrad I. berufen, um das bedrohte Stift zu bewahren. Es gelingt ihm trotz feindseliger Nachbarn eine solide Grundlage zu schaffen. Dazu gehört zum Beispiel das Chorfrauenkloster, das von 1137 bis ins 15. Jahrhundert bestand. Bei einer Reise nach Rom im Jahre 1142 bat er erfolgreich um päpstlichen Schutz für das Doppelkloster und seine Besitzungen. Bis 1144 wurden auch Streitigkeiten mit Passau beigelegt.
Von Erzbischof Konrad erhält das Stift 1144 Zehnte für das Gebiet der Pfarreien Pitten und Bromberg an der niederösterreichisch-ungarischen Grenze, was bis 1149 genug Geld für eine eigene Kapelle der Chorherren einbrachte. 1153 konnte der Besitz um das nahe Gut Münsteuer erweiter werden und drei Jahre später übertrug der Passauer Bischof Konrad auch die dazugehörige Pfarrei zur seelsorgerischen Betreuung. Der Streit mit Erchenbert von Stein von der nahen Burg Stein um Münsteuer dauerte allerdings bis zur Klärung durch Heinrich den Löwen im März 1156 an.
Einen kaiserlichen Schutzbrief kann Gerhoch im Jahre 1162 von Friedrich I. erbitten, fällt aber bald in Ungnade, da er im Investiturstreit wie der Salzburger Erzbischof Konrad II. auf Seiten des Papstes steht. Nach der Verhängung der Reichsacht über Salzburg plündert Heinrich von Baumgarten, ein Sohn von Erchenbert, zuerst am 27. Oktober 1166 das streitige Lehen Münsteuer zwei Mal und brennt das Stift 1167 nieder. Gerhoch kann erst 1168 zurückkehren und stirbt am 27. Juni 1169 im zwar verwüsteten, aber für die Zukunft gut gerüsteten Stift.
Die relativ kleine romanisch-gotische Kolsteranlage ging 1624 zusammen mit der mittelalterlichen Bibliothek bei einem Brand fast vollständig verloren. Die Klosteranlage wird bis 1695 im Stile des Barock neu errichtet. Im Neubau erhielten die Chorherren Einzelzimmer statt den bis dahin üblichen Gemeinschaftsräumen.
1779 kam das bis dahin bayerische Stift durch die Abtretung des Innviertels im Frieden von Teschen an Österreich und entging damit der Säkularisation.
In der NS-Zeit musste das Stift 1940 bis -45 eine Fliegerschule aufnehmen, wurde aber nicht aufgelöst.
== Stift Reichersberg in der Gegenwart==
Die Klosteranlage gruppiert sich um zwei Höfe. Die Liegenschaften werden von den Chorherren bis heute intensiv genutzt: Ein Gasthof bietet regionale Spezialitäten aus dem Innviertel an. Im Klosterladen sowie der Stiftsvinothek gibt es Spezialitäten aus österreichischen Klöstern. Das Stift produziert selbst Wein verschiedener Rebsorten, Liköre und Edelbrände. Im Stift ist zudem ein Bildungszentrum untergebracht, seit 2004 auch ein Kongress- und Veranstaltungszentrum mit Übernachtungsmöglichkeit. Neben dem jährlich stattfindenden Reichersberger Sommer mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen ist im Stift eine Dauerausstellung zu unbekannten Werken der Bildhauer-Familie Schwanthaler untergebracht. Der Konvent der Chorherren besteht heute (2007) aus 21 Mitgliedern, die in Seelsorge, Schule, Wirtschaft und Gästebetreuung tätig sind.