Stiftskirche St. Peter (Bad Wimpfen)

Stiftskirche St. Peter vor der Kulisse der Stauferpfalz Bad Wimpfen
Stiftskirche St. Peter vor der Kulisse der Stauferpfalz Bad Wimpfen
Stiftskirche vom Riesenrad des Wimpfener Talmarkts
Stiftskirche vom Riesenrad des Wimpfener Talmarkts
Stiftskirche 1846
Stiftskirche 1846

Die Stiftskirche St. Peter in Bad Wimpfen ist die Kirche eines mittelalterlichen Ritterstifts und gilt als eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Gotik.

Geschichte

Die Kirche wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 965 als Besitz des Bistums Worms erwähnt, bestand vermutlich aber schon seit dem 7. Jahrhundert als Teil eines Klosters. Die Wandlung in ein weltliches Chorstift datiert vermutlich ebenfalls in die Zeit des Bischofs Hanno von Worms (950–978). Wie die meisten Ritterstifte diente die Einrichtung der Versorgung nachgeborener Söhne von Adligen, denen aufgrund der Erbfolge keine Gebietsherrschaft zufiel und die aus diesem Grund zumeist hohe geistliche Ämter anstrebten. Die adligen Chorherren legten üblicherweise keine Gelübde ab, führten keine strenge Lebensweise und gaben ihr Stiftsleben auch häufig wieder auf, wenn sie anderweitig zu Wohlstand oder Gütern gekommen waren. Ein Stiftsprobst ist urkundlich erstmals 1068 belegt.

Im 13. Jahrhundert war die Kirche stark verfallen und wurde ab 1269 durch Richard von Dietensheim gemeinsam mit dem Stiftsgebäude neu erbaut, wobei nur wenige Bauteile des frühromanischen Vorgängerbaus erhalten blieben. Der neue Hauptbau wurde dabei von einem Steinmetz aus Paris im damals neuen Stil der Gotik errichtet. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Kirche nach Norden hin um einen Kreuzgang erweitert. Um 1480 wurde die gewölbte Decke über dem Kirchenschiff vollendet, womit die Kirche im Wesentlichen ihre heutige Gestalt als dreischiffige Basilika mit zwei Türmen erreicht hatte.

Die frühen gotischen Merkmale der Kirche werden oft mit baulichen Merkmalen von Notre Dame in Paris und dem Straßburger Münster verglichen, die ebenfalls als frühe gotische Bauwerke um dieselbe Zeit entstanden sind.

Der nördliche Anbau der Kirche wurde ab 1488 von den Stiftsherren bewohnt. Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden um die Kirche die alte und neue Dechanei, die heute das Ensemble abrunden.

Im Vorgriff auf den Reichsdeputationshauptschluss, der das Ritterstift Hessen-Darmstadt zusprechen sollte, ergriffen hessische Truppen im September 1802 Besitz von dem Stift. Erst im Anschluss daran erwarb Hessen auch den Rest der ehemaligen Reichsstadt Wimpfen, die zunächst an Baden gefallen war. 1947 wurde das Stift mit den vertriebenen Benediktinermönchen der Abtei Grüssau neu besetzt, wobei bis 2006 wegen Überalterung und Mitgliederschwund das Klosterleben in St. Peter abermals erlosch.

Die Kirche wurde in den Jahren nach 2000 umfangreich saniert. Nach Abschluss der mehrjährigen Arbeiten ist die schmuckvolle Fassade seit 2006 erstmals wieder ohne Bauzäune und Gerüst zu bewundern.

Kreuzgang

Nördlich der Kirche befindet sich ein dreiflügeliger gotischer Kreuzgang mit Maßwerkfenstern. Anstelle eines vierten Flügels stellt die Kirchenwand damit die südliche Begrenzung des Kreuzgangs dar. Der Ostflügel ist vermutlich der älteste der Flügel und datiert aus dem späten 13. Jahrhundert. Er ist außergewöhnlich breit und war vermutlich als Begräbnishalle für die Stiftsherren geplant. Das Maßwerk aus Sandstein ist relativ wuchtig und weist feine Blattwerkverzierungen auf. Der Nordflügel wurde vermutlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts anschließend an den Ostflügel errichtet. Er ist nicht ganz so breit, das Maßwerk ist schlanker und der Blattschmuck einfacher. Der Westflügel schließlich ist formal der einfachste der drei Flügel und wurde um 1400 auf den Fundamenten eines älteren Vorgängerbauwerks errichtet. In die Wände des Kreuzgangs sind zahlreiche historische Grabplatten von Stiftsherren eingelassen, außerdem sind Fragmente von gotischen Wandgemälden erhalten. Im Innenhof befindet sich ein historischer Brunnen.

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