Stiftung Warentest

Schriftzug der Stiftung Warentest
Organisationsform Rechtsfähige, selbstständige Stiftung
Branche Verbraucherschutz
Sitz Berlin-Tiergarten
Adresse Lützowplatz 11-13, 10785 Berlin
Gründungsdatum 4. Dezember 1964
Umsatz 49 Millionen Euro (2005)
Geografische Lage 52° 30.25′ N, 13° 21.20′ O
Mitarbeiter 283 (2005)
Website Stiftung Warentest
Vorstand Werner Brinkmann
Stiftung Warentest am Lützowplatz in Berlin
Stiftung Warentest am Lützowplatz in Berlin

Die Stiftung Warentest ist eine deutsche Verbraucherschutzorganisation, die mit dem Anspruch der Unabhängigkeit Waren und Dienstleistungen verschiedener Anbieter untersucht und vergleicht.

Sie wurde nach jahrelangen Diskussionen durch einen Beschluss der Bundesregierung vom 16. September 1964 (der Bundestag stimmte am 4. Dezember zu) als selbstständige, rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet und ist hauptsächlich operativ tätig.

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben und Bedeutung

Zu ihren Aufgaben zählt einerseits der Vergleich von objektivierbaren Merkmalen des Nutzwertes, Gebrauchswertes und der Umweltverträglichkeit, andererseits die Aufklärung des Verbrauchers über wirtschaftliche Haushaltsführung sowie gesundheits- und umweltbewusstes Verhalten.

Durch den hohen Bekanntheitsgrad hat die Stiftung mit ihren Bewertungen einen signifikanten Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher. Gute Bewertungen der Stiftung Warentest nehmen oft einen prominenten Platz in der Produktwerbung oder auf Verpackungen ein. Andererseits führen schlechte Bewertungen immer wieder zu Schadensersatzklagen durch die Hersteller – nach Angaben der Stiftung durchschnittlich zehnmal jährlich, wobei sie die meisten davon gewonnen hat und noch nie rechtskräftig zu Schadenersatz verurteilt wurde.

Die Stiftung Warentest finanziert sich durch den Verkauf ihrer Zeitschriften „test“ (Auflage: im Jahresdurchschnitt 560.000 Exemplare) und „FINANZtest“ (276.000), den Verkauf von Büchern und Sonderpublikationen sowie durch Downloaderlöse für "komplett und interaktiv" aufbereitete Testergebnisse im Internet unter www.test.de und durch Bundesmittel. Im Jahr 2006 lagen die Verkaufserlöse bei rund 40,14 Millionen Euro. Dazu kamen 6,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Diese sollen als Ausgleich dafür dienen, dass keine Einnahmen durch Werbeanzeigen in ihren Publikationen erzielt werden dürfen, da diese Anzeigen die Stiftung in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einem Anbieter bringen könnten.

Die monatliche Zeitschrift Öko-Test ist, trotz der Namensähnlichkeit, keine Publikation der Stiftung Warentest.

Testarbeit

Die Stiftung Warentest führt jährlich über 200 vergleichende Warentests und Dienstleistungsuntersuchungen aus fast allen Bereichen des täglichen Lebens durch. Darüber hinaus werden für die Rubrik Neu auf dem Markt neuartige Produkte untersucht und veröffentlicht. Seit 2002 werden wöchentlich Aktionswareangebote vorwiegend von Lebensmitteldiscountern untersucht und zeitnah online veröffentlicht. Seit 2004 werden bei ausgewählten Tests auch Aspekte der sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) bei den Untersuchungen berücksichtigt. Unter der Rubrik Medikamente im Test finden sich Informationen zu über 9000 Arzneimitteln und 175 Anwendungsgebieten.

Die Stiftung Warentest beschäftigt Marktforscher und wissenschaftliche Mitarbeiter, die für die Marktauswahl und die Durchführung der Tests verantwortlich sind. Jedes Untersuchungsvorhaben wird mit dem Kuratorium abgestimmt und in einem Fachbeirat mit externen Vertretern der Verbraucher, der anbietenden Wirtschaft und neutralen Sachverständigen diskutiert. Die Untersuchungen werden nicht durch Mitarbeiter der Stiftung Warentest durchgeführt, sondern weltweit an externe, neutrale Prüfinstitute vergeben. Die Prüfmuster werden anonym im Handel erworben und nicht als Vorserienmodelle oder Prototypen von den Anbietern zur Verfügung gestellt. Die objektiven Prüfergebnisse werden nach der Prüfung und Auswertung durch die Stiftung Warentest und vor der Veröffentlichung an die Anbieter zur Kontrolle und Stellungnahme übermittelt. Redakteure bringen die Testergebnisse in eine lesbare Form. Eine Reihe von Verifizierern ist damit betraut, die Übereinstimmung der Veröffentlichungen mit den Testergebnissen zu überwachen. Neben objektiven Messungen und Erhebungen werden auch häufig subjektive Urteile von geeigneten Testpersonen in die Bewertung von Produkten einbezogen (Konsumentenbefragung).

Die mehr als 2.000 Produkte, welche jedes Jahr für die Tests gekauft werden, kommen, wenn sie das Testverfahren ohne Mängel überstanden haben, viermal jährlich in Berlin zur Versteigerung.

Bisher untersuchte die Stiftung in 4.352 Tests über 78.000 Produkte und dazu 1.387 Dienstleistungen (Stand: Juni 2007).

Organisation

Die Stiftung Warentest ist satzungsgemäß mit drei Organen ausgestattet. Der Vorstand ist im Augenblick der Alleinvorstand Werner Brinkmann. Sein Vorgänger war bis 1994 Roland Hüttenrauch (1928 - 2006). Der Vorstand wird von einem siebenköpfigen Verwaltungsrat berufen und in seiner Tätigkeit überwacht. Vorstand und Verwaltungsrat werden vom 18-köpfigen Kuratorium in allen grundsätzlichen Fragen beraten. Die Stiftung Warentest gliedert sich in die drei Bereiche Untersuchungen, Publikationen und Marketing und Vertrieb und ferner in die Pressestelle und die Abteilungen Grundsatzfragen, Internationales und Leserservice, Controlling und Finanzen, EDV und Innerer Dienst, Recht und Personal und Weiterbildungstests.

Testergebnisse auf www.test.de

Die Webseite der Stiftung Warentest enthält alle Testergebnisse der Stiftung zurückgehend bis Anfang 2000. Dazu aktuelle Meldungen (Rückrufaktionen z. B. von Akkus, neue Gerichtsurteile, Produkte, Tarife und Angebote, Tests von Aktionsware), umfangreiche online-Specials, interaktive Rechner und von 8-10 Tests pro Monat eine kostenlose Kurzfassung mit Ergebnistabellen. Darüber hinaus existieren alle Tests unter der Rubrik komplett+interaktiv in einer interaktiv aufbereiteten Form. So können User unter Mein Urteil die Gewichtung der einzelnen Prüfpunkte nach ihren Bedürfnissen ändern und sich so einen "individuellen Testsieger" ermitteln. Der Abruf dieser Detailergebnisse kostet zwischen 50 Cent und maximal 3 Euro.

Dass die Stiftung Warentest diese Tests im Internet verkauft, hat mehrere Gründe:

  • 1. www.test.de ist - wie alle anderen Publikationen der Stiftung - werbefrei. Anzeigeerlöse fallen damit als Finanzierung aus.
  • 2. Die Stiftung kauft die Testgüter anonym im Handel und lässt sie sich nicht kostenlos von den Anbietern zur Verfügung stellen.
  • 3. Der staatliche Zuschuss, der ursprünglich mit der Begründung gewährt wurde, ein Ausgleich zur Werbefreiheit darzustellen, beträgt mit 6,5 Mio. Euro nur gut 10 Prozent des Gesamtetats der Stiftung. Zum Vergleich: Andere Verlage erzielen rund 2/3 ihres Umsatzes mit Anzeigeerlösen.

Mitarbeit bei anderen Institutionen

Internationale Gemeinschaftstests werden in der Regel mit der Dachorganisation International Consumers Research and Testing (ICRT) in London und meist unter der Federführung der Stiftung Warentest durchgeführt. Zu den größten Partnerorganisationen gehören neben der Stiftung Warentest:

Die Stiftung Warentest kooperiert weiterhin mit den folgenden Organisationen:

Literatur

Weblinks

Quelle:
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