Stratifikation (engl. stratification) bezeichnet in der Ökologie die vertikale Schichtung eines Lebensraumes ("Stockwerkbau"). Sie beschreibt die Schichten (pl. Straten; sing. Stratum) der Vegetation, welche im Wesentlichen durch die unterschiedlichen Wuchshöhen der Einzelpflanzen bestimmt wird. Die einzelnen Schichten werden von verschiedenen tierischen und pflanzlichen Lebensgemeinschaften (Stratozönosen) besiedelt.
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Es wird in Wurzel-, Boden-, Kraut-, Strauch- und Baumschicht unterschieden. Die Vegetationsschichtung wird vor allem durch die Wuchshöhen der einzelnen Pflanzen bestimmt, wobei die verschiedenen Elemente gleitende Höhenabfolgen bilden können. Die eigentliche Schicht wird durch den Höhenbereich gekennzeichnet, in dem sich die Hauptmenge der Photosyntheseorgane (vorwiegend Blätter) befindet. Hochwüchsige Arten haben einen Teil ihres Sproßsytems in den darunter liegenden Schichten. Nach der oberirdischen Schichtung gibt es auch eine solche des Wurzelraumes. Im weitesten Sinne kann man noch die Schichtung der Diasporen im Boden zur Vertikalstruktur rechnen. Die Pflanzen einer Schicht besonders der selben Lebensform und ähnlicher Wurzelverteilung stehen in enger Wechselwirkung und sind meist starke Konkurrenten um Raum, Licht, Wasser und Nährstoffe. Die Schichtung einer Pflanzengesellschaft ist das Ergebnis von langen Auslese- und Anpassungsprozessen. Durch die Ausbildung verschiedener Schichten wird ein gegebener Lebensraum besser ausgenutzt. Stark vertikal geschichtete Lebensräume gelten als recht stabile Ökosysteme. Umgekehrt gilt es nicht, denn auch einige wenig geschichtete Vegetationstypen, wie beispielsweise Röhrichte, können sehr stabil sein. Die Schichten eines Bestandes stehen in enger Wechselbeziehung und bedingen sich teilweise gegenseitig. Dies geschieht häufig über die Veränderung des Kleinklimas durch die höheren Schichten, wobei dem Lichtfaktor besondere Bedeutung zukommt.
Neben der Überlagerung verschiedener auf gleicher Bodenoberfläche wachsender Pflanzen, gibt es noch ein seitliches Ausgreifen höherer Schichten in benachbarte Pflanzenbestände., beispielsweise an Wald und Gebüschrändern. Die besondere Vegetationsstruktur bedingt die Ausbildung bestimmter Vegetationstypen wie Mantel- und Saumgesellschaften.
Diese Vegetationsschicht beginnt ab etwa fünf Meter und umfasst den obersten aus Phanerophyten bestehenden Teil einer Höhe schon seine Krone, wo der andere noch den Stamm hat. Als Abschluss nach oben bilden die Kronen der verschiedenen Baumarten ein mehr oder weniger geschlossenes Kronendach. Diese Schicht schafft in Wäldern besondere ökologische Bedingungen in den darunter liegenden Schichten. Durch die Dichte des Baumbestandes wird die Strahlung im Inneren des Waldes bestimmt. Starke Niederschläge werden durch die Baumkronen abgemildert und das Regenwasser langsam nach unten geleitet. Die Baumschicht lässt sich noch weiter in die obere (Kronenschicht) und untere Baumschicht unterteilen.
Die Vegetationsschicht der Sträucher in einem Lebensraum mit Wuchshöhen zwischen eineinhalb bis etwa fünf Metern wird als Strauchschicht bezeichnet. Junge nachwachsende Bäume werden in diese Schichten aufgenommen. Unterschieden werden können die erste und zweite Strauchschicht (niedrige und hohe Sträucher). Die Strauschschicht braucht Sonne und nur wenig Feuchtigkeit im Gegensatz zur Moosschicht welche hingegen viel Feuchtigkeit benötigt.
Die Krautschicht (auch als Feldschicht bezeichnet) ist jene der nicht verholzenden, an den Boden gebundenen Vegetation mit Wuchshöhen bis zirka eineinhalb Metern. Die Krautschicht setzt sich aus verschiedenen krautige Pflanzen, Gräsern und Zwergsträuchern (Hemikryptophyt, Geophyt, Therophytund Chamaephyt und Jungpflanzen der Gehölze zusammen. In Wäldern erscheinen zunächst Frühblüher bevor sich das Kronendach schließt. Danach steht den Pflanzen nur noch wenig Licht zur Verfügung. Es kommen dann Pflanzen zur Blüte, welche an diese Bedingungen angepasst sind. Im Grünland sind nur Moos- und Krautschichten entwickelt. Gelegentlich existieren, meist bei einer Verbrachung, Strauchschichten im Übergang zu einer Bewaldung (Sukzession).
Unmittelbar auf der Oberfläche befindliche Vegetation bis etwa 0,15 Meter wird als Moosschicht, Boden- oder Kryptogamenschicht bezeichnet. Auf dem Boden befindet sich zunächst eine Schicht mit abgestorbenem pflanzlichen und tierischen Material (Streuschicht). In dieser Schicht und den darunter liegenden oberen Zentimetern des Oberbodens leben unzählige kleine und kleinste Bodenlebewesen wie Bakterien, Pilze, Algen und Mikroorganismen, welche die abgestorbenen organischen Substanzen zersetzen und dem Boden wieder zuführen. Stellenweise ist der Boden mit Flechten und Moosen bewachsen.
Der unterirdische Bereich eines Pflanzenbestandes wird als Wurzelschicht bezeichnet. Sie umfasst die Pflanzenwurzeln und abgewandelte Sprossteile wie Rhizome, Zwiebeln oder Knollen.
Eine spezielle Schichtung ergibt sich in Gewässern. In Anpassung an die Lebensformen der Wasser- und Sumpfpflanzen lassen sich folgende Schichten unterteilen:
Die stockwerkartig aufgebaute Vegetation bedingt aufgrund der vertikalen und horizontalen Gliederung eine Strukturierung des Pflanzenbestandes, welche Lebensräume mit Habitateigenschaften wie Wohn- und Aufenthaltsmöglichkeiten, Verstecke, Nahrungs- und Ernährungsmöglichkeiten und/ oder ein geeignetes Kleinklima für Lebewesen schafft. Je strukturierter ein Bestand ist, desto mehr ökologische Nischen stehen der Lebewelt zur Verfügung. Am vielfältigsten ist die Stratifikation in tropischen Regenwäldern. Dementsprechend ist die Artenvielfalt in Äquatornähe sehr hoch.