Streckung (Tragfläche)

Schwache Streckung an den Flügeln einer Cessna 175c
Schwache Streckung an den Flügeln einer Cessna 175c

Die Streckung ist eine Kenngröße für die Schlankheit eines Tragflügels. Sie ist definiert als das Verhältnis des Quadrats der Spannweite zur Flügelfläche oder alternativ auch als Verhältnis von Spannweite zur mittleren Tragflügeltiefe :

 \Lambda = \frac{b^2}{A} oder alternativ  \Lambda = \frac{b}{t}
mit
Λ: Streckung
b: Spannweite
A: Flügelfläche
t: mittlere Tragflügeltiefe

Der Kehrwert der Streckung wird als Seitenverhältnis bezeichnet.

Hohe Streckung bei einer Boeing B-52
Hohe Streckung bei einer Boeing B-52

Eine hohe Streckung verringert den relativen Anteil des durch Endwirbel hervorgerufenen induzierten Widerstands am Gesamtwiderstand der Tragfläche und verbessert dadurch deren aerodynamische Güte. Da die zur Widerstandsreduzierung theoretisch wünschenswerten extrem schlanken Flügel in der Fertigung teuer sind und Probleme bei mechanischer Stabilität und Manövrierbarkeit aufwerfen würden, werden heute zur Reduzierung des induzierten Widerstands auch aerodynamische Hilfsmittel wie Winglets eingesetzt. Je größer die Streckung ist, umso geringer ist der erfliegbare geometrische Anstellwinkel, was der Größe der Streckung eine natürliche Grenze setzt.

Die Streckung eines Tragflügels hat einen großen Einfluss auf den induzierten Widerstand (aber nur gültig für den Unterschall). Eine größere Streckung führt zu einer Verringerung des induzierten Widerstands. Was besonders wichtig ist bei Flugzeugen, die mit einem hohen Auftriebsbeiwert betrieben werden. Im Überschall gilt dies nicht mehr, wodurch hier auf eine hohe Streckung verzichtet werden kann. Durch eine geringe Streckung kann man im Überschallbereich die aerodynamischen Werte eines Tragflügels fast vollkommen von der Machzahl entkoppeln. Das beste Beispiel hierfür ist der Delta-Tragflügel.

Schlanke Flügel mit hoher Streckung findet man z. B. bei Segelflugzeugen. Auch der schlanke Flügel einer Möwe hat eine hohe Streckung, während sie bei einer Krähe mit großer Flügeltiefe deutlich kleiner ist.

Literatur

  • Götsch, Ernst - Luftfahrzeugtechnik, Motorbuchverlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02006-8
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