Streitkräfte der Vereinigten Staaten

Streitkräfte der Vereinigten Staaten
United States Armed Forces
Militärische Stärke nach Personen
Wehrfähigkeitsalter Vollendetes 18. Lebensjahr, Verpflichtung ab dem vollendeten 17. Lebensjahr mit Zustimmung der Eltern möglich.[1]
Verfügbare wehrfähige Bevölkerung Insgesamt (Männer und Frauen; Alter 15–49): 134.813.023 (2005; Schätzung)[1]
Verfügbare wehrtaugliche Bevölkerung Insgesamt (Männer und Frauen; Alter 15–49): 109.305.756 (2005; Schätzung)[1]
Anzahl Personen, die jährlich das Wehrfähigkeitsalter erreichen Insgesamt (Männer und Frauen; Alter 15–49): 4.180.074 (2005; Schätzung)[1]
Mannstärke (ohne Reserve) 1.370.296[2]
Wehretat
Ausgaben $ 410,6 Milliarden (Fiskaljahr 2006; Schätzung)[3]
Anteil am BSP 3,7 % (Fiskaljahr 2006; Schätzung)
Ausgaben pro Kopf $ 935,64 (3. Rang) [4]

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten (auf engl. offiziell: United States Armed Forces, inoffiziell meist US military) sind das schlagkräftigste und in Zahlen (nach der chinesischen Volksbefreiungsarmee) zweitgrößte Militär der Welt. Sie gliedern sich in fünf hierarchisch aufgebaute Teilstreitkräfte und stellen eine feste Größe der US-amerikanischen Außenpolitik dar. Die Streitkräfte der USA bestehen aus etwa 1,37 Millionen Aktiven und knapp 860.000 Reservisten, mit allen Abteilungen der Reserve ergab sich im Haushaltsjahr 2004 eine Stärke von knapp 2,58 Millionen Mann.[5] Zusätzlich verfügen sie über etwa 667.000 zivile Mitarbeiter.[6] Oberbefehlshaber ist der Präsident der Vereinigten Staaten, während die zwei Kammern im Kongress die demokratische Kontrolle ausüben. Die älteste Teilstreitkraft ist das Heer, welches 1775 gegründet wurde, die jüngsten sind die Luftstreitkräfte von 1947.

Die Schlagkraft der Streitkräfte der USA fußt auf einem großen, aber proportionierten Budget, aus dem die größten Anteile in Aufklärung, Information, Ausrüstung und Technologie fließen. Entwicklungen im Militär der USA sind für die Partner in der NATO, deren führendes Mitglied die Vereinigten Staaten sind, und andere Verbündete wegweisend.

Die Stärke des Militärs orientiert sich seit jeher an der Bedeutung, die sich die USA außenpolitisch beimaßen, sodass Streitkräfte und Diplomatie eine parallele Entwicklung durchliefen. So war das Militär sowohl durch dutzende Interventionen im Ausland als auch durch seine abschreckende Wirkung für den Aufstieg des Landes zur Supermacht und für den Erhalt dieses Status über den Kalten Krieg hinaus verantwortlich. Der militärische Vorsprung der Vereinigten Staaten hat neben dem weltweiten Zerfall staatlicher Strukturen das Auftreten asymmetrischer Kampfformen begünstigt, die die US-Streitkräfte vor neue strategische Herausforderungen stellen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hauptartikel: Militärgeschichte der Vereinigten Staaten

Vor und während der Gründung der Vereinigten Staaten entstanden quasi-militärische Gruppierungen aus schlecht ausgebildeten Milizen unter dem Kommando der Bundesstaaten. Ein Beschluss des Kontinentalkongresses sah die Gründung einer Kontinentalarmee vor, in der diese zusammengefasst werden sollten. Diese Streitkraft gewann den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unter dem Kommando von George Washington, wurde jedoch in Anlehnung an die Ideale der Revolution danach wieder aufgelöst.

Mit der Zeit wurde die Notwendigkeit eines stehenden Heeres sowie einer Marine offensichtlich. Die Bestellung mehrerer Fregatten im Jahr 1794 war die faktische Geburtsstunde der US-Marine. Das Heer fasste ein weiteres Mal die desorganisierten und schlecht ausgebildeten Kontingente der State militias zusammen, um ihre Stärken zu bündeln und ihre Schwächen zu bereinigen.

Zwischen der Gründung der USA und dem Sezessionskrieg siegten amerikanische Streitkräfte im amerikanisch-tripolitanischen Krieg an der nordafrikanischen Küste, im Britisch-Amerikanischen Krieg und ermöglichten die territoriale Ausdehnung der USA zum Südwesten hin. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges wurden mehrere Einheiten Teil des konföderierten Militärs, darunter einige der fähigsten Generäle. Der Krieg kostete 600 000 Menschen das Leben und dauerte vier Jahre, bis die Unionsarmee den endgültigen Sieg errang.

In der Zeit zwischen dem Bürgerkrieg und den 1890ern nahm die Bedeutung des Militärs ab, auch wenn im Zuge der stetigen West-Erweiterung der USA Einheiten der Army gegen Indianer kämpften. Zur Zeit des Jahrhundertwechsels kehrte sich dieser Trend jedoch wieder um, als die Machtfülle der USA zuzunehmen begann, was die endgültige juristische Trennung von polizeilichen und militärischen Kompetenz erforderlich machte. Die Armee kämpfte 1898 im Spanisch-Amerikanischen Krieg und auf den Philippinen. Hinzuzurechnen sind ebenfalls Dutzende Interventionen nach der Monroe-Doktrin in Lateinamerika und die Entsendung der Great White Fleet durch den Präsidenten Theodore Roosevelt zur Demonstration des neuen nationalen Selbstbewusstseins. Mit dem Militia Act von 1903 wurde die Nationalgarde gegründet.

Im Jahre 1917 traten die Vereinigten Staaten als Reaktion auf den ausufernden uneingeschränkten U-Boot-Krieg des Deutschen Kaiserreiches in den Ersten Weltkrieg ein und leisteten vor allem durch gewaltige Mengen an Nachschub einen entscheidenden Beitrag zu seinem Ausgang. Im Zuge des amerikanischen Isolationismus in der Zwischenkriegszeit wurden weite Teile des US-Militärs zurückgeführt, jedoch z. T. bereits im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wieder ausgehoben.

Aufgrund des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor traten die Vereinigten Staaten 1941 gegen alle Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg ein. An der Westfront nahmen die Streitkräfte an der Rückeroberung weiter Teile Nordafrikas und Westeuropas teil und stellten wie im Ersten Weltkrieg eine Materialüberlegenheit an Waffen, Truppen und Nachschub her, die den Alliierten das Niederringen des Deutschen Reiches erleichterten. Nur so war z. B. den Westalliierten die Eröffnung einer zweiten Front in der großangelegten, erfolgreich begangenen Landung in der Normandie möglich. Im Pazifik drängten sie fast ohne fremde Unterstützung die Truppen des japanischen Kaiserreiches in einem mühevollen Ringen um viele Inseln zurück. Die japanische Kapitulation erzwangen die USA durch den Einsatz zweier Atombomben, in deren Besitz sie sich als erste Nation der Welt seit 1944 befanden, um eine verlustreiche Invasion der japanischen Hauptinseln zu vermeiden.

Bereits in der Endphase des Zweiten Weltkrieges bahnten sich die bevorstehenden Spannungen des Kalten Krieges an. Die staatskritische Tendenz der Gesellschaft der Vereinigten Staaten, die eine Verkleinerung des Militärs nach dem Ende großer Kriege selbstverständlich gemacht hatte, wich der Furcht vor der Ausbreitung des Kommunismus, sodass amerikanische Truppen in großer Zahl im Ausland stationiert wurden.

Über 40 Jahre hinweg sollte der 1947 beschlossene National Security Act die tiefgreifendste Militärreform darstellen. Viele Behörden und Einheiten, die im gerade abgeschlossenen globalen Konflikt mit der Maßgabe ein möglichst zügiges Funktionierens gegründet worden waren, wurden nun zusammengefasst oder reformiert. Waren die Lufteinheiten im Zweiten Weltkrieg Einheiten des Heeres, so stellte das Gesetz sie den anderen Streitkräften unter dem Dach der United States Air Force gleich. Wichtigste Neuerung war darüber hinaus die Schaffung eines zentralen Auslandsgeheimdienstes, dem im Laufe des Kalten Krieges ein ganzes Netzwerk an Geheimdiensten mit speziellen Kompetenzen zuarbeiten sollte. Ebenso beinhaltete das Gesetz die Schaffung streitkräfteübergreifender Generalstäbe und Ministerien.

Mit dem Aufkommen des Kalten Krieges entzündete sich eine Debatte um die Strategie der Streitkräfte. Führende Offiziere der Air Force vertrauten auf Kernwaffen als konventionelle Offensivmittel und verlangten massive Ausgaben im Bereich der strategischen Bomber. Demgegenüber verwies die Marine auf die Erfolge der Dominanz zur See im Zweiten Weltkrieg. Die Stornierung eines bestellten Flugzeugträgers durch Verteidigungsminister Louis Johnson, der die Luftstreitkräfte bevorzugte, führte zum Aufstand der Admirale.

Tatsächlich blieben beide Teilstreitkräfte während des Kalten Krieges überwiegend gleichberechtigt, obwohl die strategische Initiative in der Luft zu einem immer wichtigeren Moment der amerikanischen und westlichen Militärdoktrin wurde. Die United States Air Forces in Europe (USAFE) leisteten einen großen Beitrag zur Abschreckung der Sowjetunion und wurden aufgrund der geostrategischen Lage Europas zu einem zentralen Drehkreuz amerikanischer Militäroperationen in aller Welt. Auf dem Höhepunkt ihrer Stärke unterstanden 60 000 Luftwaffenangehörige den USAFE.

Obwohl es zu keiner direkten Konfrontation mit der Sowjetunion kam, kämpften amerikanische Soldaten in mehreren Stellvertreterkriegen zwischen den beiden Machtblöcken. Während der drei Jahre dauernde Koreakrieg, in dessen Folge ein bedeutender Anteil der US-Streitkräfte in Südkorea stationiert wurden, mangels eines erfolgreichen Abschlusses fast in kollektive Vergessenheit geriet, verursachte der letztendlich verlorene Vietnamkrieg weitreichende militärische und soziale Veränderungen. Einschneidendstes Beispiel war die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 1973. Für knapp zwei Jahrzehnte verhinderte das Trauma des Krieges in Südostasien größere Operationen des US-Militärs.

In den 1980er Jahren kämpften amerikanische Truppen in den Operationen Just Cause in Panama und Urgent Fury auf Grenada. In Libanon begründete der Tod von 239 Marines und der darauffolgende Abzug ausländischer Truppen den Beginn des dortigen Bürgerkriegs. Der Goldwater-Nichols Act von 1986 reorganisierte das Militär und beendete erfolgreich die ausufernden Rivalitäten zwischen den Streitkräften. Nach dem Zerfall der Sowjetunion setzten Kürzungen, Rationalisierungen und Standortschließungen ein. Dennoch bestritt das US-Militär Einsätze. Die Befreiung Kuwaits im Verbund mit knapp 30 anderen Ländern, die innerhalb von vier Tagen zur völligen Zerschlagung der Streitkräfte des Irak bei minimalen Verlusten der Koalition führte, demonstrierte die militärische Vormachtstellung der USA. Der Einsatz in Somalia experimentierte mit der Nutzung von Militäreinheiten zur Stabilisierung schwacher bzw. zur Errichtung handlungsfähiger Nationalstaaten. Er endete jedoch mit der Niederlage in der Schlacht von Mogadischu, die das US-Militär mit den Taktiken von Guerillas konfrontierte. Daneben intervenierte das US-Militär in mehreren kleineren Einsätzen wie im Kosovo und in Haiti.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA gaben eine strategische Neuorientierung vor, die sich z. B. in der Transformation der US Army und der Kündigung des Comanche-Programms niederschlugen. Das Verteidigungsbudget stieg auf ein nach dem Kalten Krieg bisher ungekanntes Niveau. Noch im Jahre 2001 marschierten die USA in Afghanistan ein und im März 2003 in den Irak. Während die Feldzüge militärisch erfolgreich verliefen, erweist sich die Befriedung der Einsatzgebiete als schwierig.

Kriegsopfer

Gefallene

In absoluten Zahlen waren der Zweite Weltkrieg, der Sezessionskrieg, der Erste Weltkrieg, und der Vietnamkrieg die verlustreichsten Kriege der Vereinigten Staaten (in absteigender Reihenfolge). In diesen Kriegen fielen durch direkte Feindeinwirkung 292 131, 184 594 (beide Bürgerkriegsparteien zusammengenommen), 53 513 respektive 47 369 Soldaten. Die Reihenfolge bleibt bestehen, wenn die „anderen“ Todesursachen wie Seuchen, Verwundungen mit Todesfolge oder friendly fire hinzugerechnet werden.[7]

Die stärkste Todesrate in relativen Zahlen verzeichneten die USA im Sezessionskrieg. Kein anderer Krieg war für die Streitkräfte beider Seiten so verheerend wie dieser. 4,8 % aller Soldaten auf beiden Seiten fielen während der Kampfhandlungen, eine Rate, die nie wieder erreicht wurde. Dabei fielen mit 7 % bei der Armee der Südstaaten fast doppelt so viele Soldaten wie bei der Union.[7]

Von ähnlicher Härte geprägt, gemessen an der Gefallenenquote, waren der Unabhängigkeitskrieg und der Krieg gegen Mexiko, bei denen mit 4 435 respektive 1 733 Soldaten jeweils 2,2 % der Truppe im Gefecht getötet wurden. Allerdings reichte ihre Intensität nicht an die des Zweiten Weltkrieges heran, in dem durchschnittlich 6 700 Mann pro Monat und insgesamt 1,8 % der Truppe fielen.[7]

Verwundete

Bei den Verwundeten der Kriege mit amerikanischer Beteiligung seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist prozentual ein Rückgang zu verzeichnen. Im Amerikanisch-Mexikanischem Krieg und im Sezessionskrieg fiel ein Viertel, bei den Südstaaten fast ein Drittel der Truppe wegen Verwundungen aus.[7]. Alle anderen großen Kriege einschließlich des Zweiten Weltkrieges verursachten Verwundungsquoten zwischen 5 % und 7 %. Danach verringerte sich in Korea und Vietnam die Quote auf 2,4 %.

Nach dem Vietnamkrieg fiel die Verwundungsquote auf bisher unbekannte Werte. Diese Tendenz lässt sich mit der allgemeinen medizintechnischen Entwicklungen und dem bewusst erhöhten Aufwand der US-Streitkräfte hinsichtlich der Truppenfürsorge erklären, die wiederum in der Professionialisierung des Militärs begründet liegt.

Die Chance eines amerikanischen Soldaten, im Kampf getötet zu werden oder an im Kampf zugezogenen Verletzungen zu sterben, ist in der Besetzung des Irak geringer als je zuvor, obwohl eine medizinische Evakuierung durch das meist urbane Kampfgebiet erschwert wird. Dies liegt vor allem an der Erfindung sogenannter Forward Surgical Teams[8][9]. Dies sind mobile und gut ausgerüstete Ärzteteams in Alarmbereitschaft, die eine vollwertige medizinische Versorgung bis zu einer stationären Unterbringung des Verwundeten gewährleisten können. Durch diese Behandlungsteams, die auch vor Ort operieren, konnte die Wahrscheinlichkeit, eine Verwundung zu überleben, von 75 % im Vietnamkrieg auf 90 % zum Jahresende 2004 angehoben werden.[10]

Gedenkflagge für Soldaten, die sich im Status „Missing In Action“ befinden oder Kriegsgefangene sind.
Gedenkflagge für Soldaten, die sich im Status „Missing In Action“ befinden oder Kriegsgefangene sind.
Vermisste

Seit 1945 gelten ungefähr 88.800 amerikanische Soldaten auf der ganzen Welt als vermisst[11], davon knapp 78.000 allein im Zweiten Weltkrieg[12]. Mit der zunehmenden Verkleinerung und Professionalisierung der Streitkräfte, einhergehend mit einem ständigen steigenden Aufwand, den Verbleib sogenannter MIAs (Missing in Action) zu klären, sanken diese Zahlen für die Konflikte nach dem Zweiten Weltkrieg auf jeweils wenige Tausende: für den Koreakrieg auf 4.245[13]und für den Vietnamkrieg auf 2.338[14]. Im Golfkrieg 1991 waren es 52, von denen vor allem der Fall Michael Speichers bekannt wurde[15][16]. Die Suche nach vermissten Soldaten aller Teilstreitkräfte ist Aufgabe des Joint POW/MIA Accounting Command, einer Arbeitsgruppe des Verteidigungsministeriums.

Kriegsverbrechen

Soldaten der Vereinigten Staaten haben in mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen Kriegsverbrechen begangen, die durch die zunehmende mediale Behandlung des Krieges sowie durch den verkündeten Anspruch der US-Streitkräfte, möglichst „saubere“ Kriege zu führen, öffentlich wurden. In dieser Hinsicht stach der Vietnamkrieg mit dem Massaker von My Lai heraus. Den massiven Einsatz von Napalm symbolisierte das Bild des mit Verbrennungen übersäten Mädchen Phan Thị Kim Phúc welches zur völkerrechtlichen Ächtung des Kampfstoffes im Jahre 1980 beitrug, der sich die USA nicht anschlossen. Aus dem Koreakrieg wurde das Massaker von Nogeun-ri bekannt. Auch während des Irak-Krieges bzw. während der Besetzung des Irak wurden immer stärkere Vorwürfe gegen US-Soldaten laut. Von den bestätigten Vorfällen erlangten der Abu-Ghureib-Folterskandal sowie das Massaker von Haditha traurige Berühmtheit. Die Rolle der Streitkräfte in den Indianerkriegen ist demgegenüber nicht so weit aufgearbeitet, obwohl Ereignisse wie z. B. das Massaker bei Wounded Knee grundsätzlich vollständig dokumentiert sind.

Auftrag

Schutzobjekt und Legitimationsurkunde der Streitkräfte: Die Verfassung der Vereinigten Staaten
Schutzobjekt und Legitimationsurkunde der Streitkräfte: Die Verfassung der Vereinigten Staaten

Juristische Auftragsdefinition

Der Auftrag der Streitkräfte der Vereinigten Staaten ist der Schutz der Verfassung der USA, deren zentrale Werte republikanisch-demokratische Prinzipien sind. Abgegrenzt wird der Inhalt dieses Schutzauftrags über die Verfassung hinaus durch die War Powers Resolution, ein Bundesgesetz. Im außenpolitischen System der USA, in dem v. a. die Exekutivlastigkeit der Verfassung ausdrückt, sind zahlreiche Institutionen verankert, die den Präsidenten bei der Ausübung des Oberbefehls beraten.

Verfassungsrechtlicher Auftrag

Laut Artikel II, Abschnitt 2, Absatz I, Satz 1 der Verfassung ist der Präsident „[...] Oberbefehlshaber der Armee und der Flotte der Vereinigten Staaten und der Miliz der Einzelstaaten, wenn diese zur aktiven Dienstleistung für die Vereinigten Staaten auf gerufen[sic!] wird[...]“[17]. „Das Recht, [anderen Nationen] den Krieg zu erklären“, hat gemäß Artikel I, Abschnitt 8, Satz 111 jedoch nur der Kongress, der einen Krieg mit einer Zweidrittelmehrheit beider Häuser absegnen muss. Diesem Satz folgen Bestimmungen, die seine Finanzhoheit gerade in militärischen Fragen verdeutlichen: ihnen zufolge bestimmt der Kongress allein darüber, „Armeen aufzustellen und zu unterhalten; die Bewilligung von Geldmitteln hierfür soll jedoch nicht für länger als auf zwei Jahre erteilt werden;“ (Satz 12) „eine Flotte zu bauen und zu unterhalten;“ (Satz 13), „Reglements für Führung und Dienst der Land- und Seestreitkräfte zu erlassen;“ (Satz 14).

Obwohl die Philadelphia Convention die Verfassung der USA im Geiste einer friedlichen Entwicklung des Menschen entwickelte, ist das Militär der USA nicht per Definition dem internationalen Frieden und weltweiter Stabilität verpflichtet.

Bundesgesetz

Die Verfassung ist nach den Gewohnheiten des common law, der angelsächsischen Rechtstradition, allgemein gehalten, sodass in der Vergangenheit Bundesgesetze die Verantwortung für die Landesverteidigung ausdifferenzierten. Gerade nach dem Koreakrieg gingen Präsidenten dazu über, Einsätze der Streitkräfte als Polizeiaktionen zu deklarieren, was die unbedingte Kriegserklärungskompetenz der Legislative aushöhlte. Daher beschloss der Kongress 1973 durch Überstimmung des Vetos des damaligen Präsidenten Nixon die War Powers Resolution. Sie legte fest, dass der Präsident den Kongress binnen 48 Stunden über die Aufnahme jeglicher kriegerischer Handlungen zu informieren hat. Der Einsatz muss nach 60 Tagen beendet sein, bevor der Präsident eine Verlängerung um weitere 30 Tage beantragen muss. Diese kann der Kongress in dringenden Ausnahmefällen gewähren, bevor er zu einer formalen Kriegserklärung übergehen muss.

Das Posse Comitatus-Gesetz schließt Einsätze des Militärs im Inland aus.

Vereidigung

Bis auf den Text können die Formalitäten der Vereidigung variiert werden. Häufig finden sie am Rande von Sportereignissen statt, es können auch Kleingruppen vereidigt werden.
Bis auf den Text können die Formalitäten der Vereidigung variiert werden. Häufig finden sie am Rande von Sportereignissen statt, es können auch Kleingruppen vereidigt werden.

Alle Mitglieder der Streitkräfte werden auf die Verfassung der USA vereidigt. Der Gelöbnistext für Offiziere, die ihr Patent erhalten haben, unterscheidet sich vom Eid aller anderen einberufenen Soldaten. Die heutige Fassung des Einberufungseides wurde am 5. Mai 1960 verabschiedet und lautet[18]:

„I, [Name der zu vereidigenden Person], do solemnly swear [alternativ: affirm] that I will support and defend the Constitution of the United States against all enemies, foreign and domestic; that I will bear true faith and allegiance to the same; and that I will obey the orders of the President of the United States and the orders of the officers appointed over me, according to regulations and the Uniform Code of Military Justice. So help me God.

Title 10, US Code

zu dt.:

„Ich, [Name der zu vereidigenden Person], schwöre feierlich [alternativ: versichere], dass ich die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen alle Feinde schützen und verteidigen werde, ob fremd oder heimisch; dass ich zu derselben wahre Treue und Loyalität bewahren werde; und dass ich den Befehlen des Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie der über mir berufenen Offizieren gemäß dem Uniform Code of Military Justice [Anm.: englische Bezeichnung für das US-amerikanische Wehrrecht ] Folge leisten werde, so wahr mir Gott helfe.“

Zehntes Buch des Bundesrechts der Vereinigten Staaten

Zivile Kontrolle

Durch die Aufteilung des Oberbefehls über die Streitkräfte einerseits sowie die Budgethoheit und das Kriegserklärungsrecht andererseits auf die Exekutive respektive Legislative konnte sich eine lang anhaltende Tradition der zivilen Kontrolle über die Armee etablieren. Eine verlässliche zivile Kontrolle setzte jedoch erst im 19. Jahrhundert ein; zuvor hatte es immer wieder Aufsässigkeiten seitens der Truppe der Politik gegenüber gegeben.

George Washington gilt in den USA als einer der Begründer der politischen Kontrolle über das Militär.
George Washington gilt in den USA als einer der Begründer der politischen Kontrolle über das Militär.

Eine dramatische Zuspitzung erlebte der Konflikt zwischen Militär und Politik am Ende des Revolutionskrieges während der sogenannten Newburgh-Verschwörung. Der Kontinentalkongress war am Ende des Krieges seit Monaten nicht in der Lage, seine Armee zu bezahlen, sodass einige hochrangige Offiziere einen Putsch planten. In Newburgh (New York) sollte George Washington den Briten, die noch über gewisse Angriffskapazitäten verfügten, die Kapitulation abringen. Als Washington die Missstimmung seiner Untergebenen bemerkte, soll allein eine Ansprache - zusammen mit seinem abgekämpften Zustand, der von seinen Anstrengungen gezeugt haben soll - seine Untergebenen von ihrem Putsch abgebracht haben. Obwohl der Verlauf des Aufeinandertreffens bis heute nicht restlos geklärt ist, fügte sich der Mythos, der es zu umranken begann, zusammen mit dem später verfassten Vereidigungstext als verfassungspatriotisch-kulturelles Element in die zivile Kontrolle ein, als deren Begründer Washington gilt.

Nach mehreren kleineren Umsturzansätzen drohte der Republik dann wieder im Sezessionskrieg Gefahr, als breite Volksmassen angesichts der drohenden Unionsniederlage die strenge Kontrolle einer Militärdiktatur anriefen. Die Demokraten versuchten darüber hinaus 1863, den noch dienenden General Ulysses S. Grant als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Der populäre Grant weigerte sich jedoch und wurde erst als Pensionär 1868 zum Präsidenten gewählt.[19] Diese prekären Konflikte führten neben einer tendentiellen Staatskritik bis zum Zweiten Weltkrieg immer zu einer Verkleinerung des Militärs nach Kriegseinsätzen.

Im 20. Jahrhundert verfestigte sich die Tradition der zivilen Kontrolle. Vor allem Kritiker aus dem liberalen bis linksgerichteten Spektrum weisen jedoch auf die zeitweilig vorherrschende Parteibindung höherer Offiziere an die Republikaner von bis zu 70 % [20] sowie die Warnung Dwight D. Eisenhowers auf das mögliche Erstarken eines militärisch-industriellen Komplexes hin.

Verteidigungspolitische Institutionen und Gewohnheiten

Die überwiegend allgemeinen Bestimmungen der Verfassung haben zur Folge, dass in ihr im Gegensatz zum deutschen Grundgesetz kein einziges Ministerium erwähnt ist. Bis auf die Beschränkung, dass völkerrechtliche Abkommen der Ratifizierung durch den Kongress bedürfen, ist der Präsident in der Gestaltung der Außenpolitik frei. Dennoch gilt der Verteidigungsminister als eins der wichtigsten Kabinettsmitglieder, welches bisher noch von keinem Präsidenten ausgelassen wurde.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich jedoch ein immer verzweigteres Netzwerk an Gremien herauskristallisiert, aus deren Sachkompetenz Präsident, Verteidigungsminister und hohe Offiziere schöpfen können. Die wichtigsten Einrichtungen, wie zum Beispiel der Nationale Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten entstanden überwiegend aufgrund der beiden großen Reformgesetze von 1947 oder 1986. Die politische Opposition versucht meist, über die Ausschüsse der Parlamentskammern Einfluss auf die Meinungsbildung in verteidigungspolitischen Fragen Einfluss zu nehmen. Daneben hat sich in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzenten ein mit Militär, Politik, Medien, Firmen und Universitäten verknüpftes Netzwerk an Analysten und Denkfabriken herausgebildet, das fester Bestandteil der amerikanischen Politik geworden ist.

Tagespolitisch betrachtet leitet sich aus den beiden übergeordneten Gesetzestexten Verfassung und War Powers Resolution die wegweisende Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten ab, eine Doktrin an der Schnittstelle zwischen Militär und Politik. Ihre strategischen Anweisungen beziehen die Streitkräfte dann aus der ihr untergeordneten, rein militärischen Nationalen Verteidigungsstrategie. Deren Bedeutung ist daran messbar, dass jeder Präsident zu Beginn seiner Amtszeit eine aktualisierte Fassung ausarbeiten muss, die in der Öffentlichkeit unter seinem Namen bekannt wird, z. B. die sogenannte Bush-Doktrin. Die Schwerpunkte der aktuellen Nationalen Verteidigungsstrategie liegen zur Zeit auf dem Kampf gegen den globalen Terrorismus, die Sicherung nationaler Interessen sowie für die USA existenzieller Ressourcen.

De facto ist der Verteidigungsminister über die National Command Authority in seinem Ministerium in den Oberbefehl des Präsidenten eingebunden.

Militärdoktrin

Die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten ist allein aufgrund der Vielzahl an strategischen Veröffentlichungen eine der vielschichtigsten überhaupt. Gesetzlich vorgeschrieben ist der im Vierjahrestakt herausgegebene Quadrennial Defense Review (QDR, oft mit Jahreszahl angegeben), neben der wichtigsten strategischen Publikation stellt er einen Bericht an Öffentlichkeit und Parlament dar.

Geostrategische Ausgangslage

Lage der Vereinigten Staaten
Lage der Vereinigten Staaten

In geographischer Hinsicht sind die USA von zwei Partnern, Kanada und Mexiko, sowie zwei Ozeanen umgeben. Diese in der Luft zu sichern und Störungen wie potentielle Angreifer oder Piraten zu bekämpfen, um den uneingeschränkten Zugang zu den Verbündeten in Europa, Ostasien (Japan und Südkorea) und Ozeanien (Australien und Neuseeland) zu sichern, ist für den Geltungsanspruch der Vereinigten Staaten von zentraler Bedeutung. Daraus ergeben sich die strategischen Prioritäten der Streitkräfte untereinander. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist daher die Luftüberlegenheit für jede militärische Intervention der USA entscheidend. Die US Navy operiert in Trägerverbänden, welche die Weltmeere überwachen. Das Marine Corps kann dadurch ungehindert intervenieren, sollte es nötig sein. Für längere Operationen am Boden kann dann die Army mobilisiert werden. Dieser kaskadenartige Aufbau militärischer Stärke an jedem Punkt der Erde soll zügiger als bei möglichen Gegnern ablaufen. Daher ist auch Geschwindigkeit ein entscheidendes Moment in diesem Prozess.

Doktrin

Hierarchisches Organigramm der Militärdoktrin der USA unter dem Primat der Politik.
Hierarchisches Organigramm der Militärdoktrin der USA unter dem Primat der Politik.

Geschichte

Der latente antieuropäische Affekt der Vereinigten Staaten hielt auch in der Militärdoktrin der USA Einzug und richtete sich gegen die Anwendung europäischer Taktiken, die sich auf amerikanischem Boden nur eingeschränkt entfalten konnten. Die Debatte über die zukünftige politische Organisation der Vereinigten Staaten, bei der sich die Föderalisten letztendlich gegen die Zentralisten durchsetzten, verhinderte über lange Zeit die Ausarbeitung einer eindeutigen militärischen Strategie, sodass viele Konzepte im Fluss blieben und ungenau waren.[21]

Im Bürgerkrieg mangelte es den Streitkräften beider Seiten durch ständige Reorganisation der Truppen an ausgefeilten Strategien. Feststehend war das Konzept der „Annihilation“, die von Ulysses Grant stammte, und einen Angriff mit zahlenmäßig und technologisch überlegener Truppen vorsah. Darüber hinaus bot der Sezessionskrieg aufgrund seiner chaotischen Verlaufs, der häufig Greueltaten und Disziplinlosigkeiten begünstigte, vielen Kommandeuren die Möglichkeit, ihre Führungsqualitäten zu entfalten. Demgegenüber verwertete die militärische Führung die Erkenntnisse des Bürgerkriegs.

Die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten stand angesichts des erwarteten Sieges im Zweiten Weltkrieg bereits vor dessen Ende zur Diskussion. Die Continental-Maritime Debate, also die Frage, ob der Kontrolle der Meere oder der Bereitstellung von Landstreitkräften größeres Gewicht beigemessen werden sollte, polarisierte die militäriische Führungsschicht.

Grundsätzlich war „[d]ie amerikanische Idee der Kriegführung [...] nach dem Bürgerkrieg bis hin zum Vietnam-Krieg[sic!] offensiv [...]. Jeder Krieg, den die USA abseits des amerikanischen Kontinents führen konnten oder mussten, war idealerweise ein Angriffskrieg.“[21]

Derzeitiger Stand

Die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten ist vom Transformationsprozess gekennzeichnet, als der damalige Generalstabschef John Shalikashvili im Jahre 1996 mit der Veröffentlichung des Strategiepapiers Joint Vision 2010 konzeptionellen Beginn einläutete. Den Anstoß zur Umsetzung der in Joint Vision 2010 enthaltenen Ideen lieferte das im Jahr 2000 veröffentlichte Strategiepaper Joint Vision 2020, welches eine „Überlegenheit auf breiter Front“ (engl.: Full-spectrum dominance) für die Streitkräfte einforderte. Dazu bedarf es vierer gleichzeitig gültiger operativen Einsatzkonzepte: „überlegene Beweglichkeit der Verbände, präzise und zeitkritische Bekämpfung von Zielen sowie umfassender Schutz der Truppen gegen Angriffe jeglicher Art.“[22] Die Terroranschläge des 11. September vergrößerten die politische und wirtschaftliche Investitionsbereitschaft in den Transformationsprozess, dessen strukturelle Änderungen bis 2008 abgeschlossen sein sollen.

Angesichts der herausfordernden taktischen Situation im Irak gingen die Streitkräfte allerdings noch unter Donald Rumsfeld von der Machbarkeit einer Beteiligung an bis zu 4 Kriegseinsätzen ab und erklärten ihren Unwillen, in Zukunft Instrumente eines ideologisch motivierten Regierungswechsels (regime change) zu sein.[23] Unter Bill Clinton]] galt ebenfalls eine Doktrin der parallelen Kriegsführung. Das Major Theater War-Konzept verlangte den Einsatz in zwei Kriegsgebieten, wobei die asymmetrische Kriegsführung mangels verteidigungspolitischer Aktualität und Einsicht nicht berücksichtigt wurde.

Feststehende Ergebnisse der amerikanischen Transformation sind der Umbau des Heeres in eine mobile Interventionsstreitkraft sowie die Abkehr von der im Vergleich zentralistischen plattformorientierten Kriegsführung des kurzen 20. Jahrhundert, die die Doktrin nach der Einsetzbarkeit Schlagkraft essentieller Waffenplattformen ausrichtete. Im Gegensatz dazu sollen bei der nun eingeführten netzwerkorientierten Kriegsführung, im englischen Original Network-Centric Warfare genannt, vielmehr Informationen anstatt Einheiten verschoben werden. Gleichzeitig findet eine Vernetzung aller beteiligten Einheiten, Befehlsstände und Kommandeuere statt. Hierbei kommt das Metcalfesche Gesetz zum Tragen, sodass die Kriegskosten proportional zur Anzahl der Knotenpunkte, der Nutzen in Form von Geschwindigkeit hingegen exponentiell ansteigt. [24]. Wegen der gleichzeitigen Verlagerung von Entscheidungskompetenzen, die der verstärkte Informationsfluss ermöglicht hat, orientiert sich NWC an der Befehlstaktik der Wehrmacht. Die der Auftragstaktik ähnelnde Maneuver Warfare der Marines wurde entsprechend erweitert und an NWC angepasst. Das Netzwerk, das die Streitkräfte untereinander kommunizieren lässt, wird Global Information Grid genannt.

Auch nach mehreren Jahren der Diskussion ist die Frage, an welcher Bedrohung sich das Militär orientieren soll, nicht geklärt. Diese Debatte zwischen zwei strategischen Denkschulen entbrannte nach den Terroranschlägen am 11. September 2001, mit deren Verübung das gerade erschienene erste QDR des Jahrtausends hinfällig wurde. Eine Denkschule befürwortete die endgültige Abkehr von schweren Waffen und massiven Verbänden, um den von der Bush-Regierung ausgerufenen Kampf gegen den Terror auch militärisch führen zu können, während ihre Kontrahenten das militärische Erstarken der Volksrepublik China anmahnten. Beide Seiten werfen einander die Missachtung der tatsächlichen Bedrohung vor.[25]

Die endgültige Festlegung ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil von ihr fundamentale Entscheidungen über Ausbildung, Taktiken und die kostenintensive Beschaffung von neuer Ausrüstung für mehrere Jahrzehnte ausgehen.

Gliederung

Die US Army verfügt über rund 7 500 M1 Abrams-Kampfpanzer
Die US Army verfügt über rund 7 500 M1 Abrams-Kampfpanzer
Der „Tarnkappenbomber“ B-2 der US Air Force kostet über 2 Mrd. US-Dollar pro Stück.
Der „Tarnkappenbomber“ B-2 der US Air Force kostet über 2 Mrd. US-Dollar pro Stück.
Die elf Flugzeugträger der US Navy bilden eine weltweite Operationsgrundlage.
Die elf Flugzeugträger der US Navy bilden eine weltweite Operationsgrundlage.
Die konsequent rot-weiße Lackierung ist das Markenzeichen der US Coast Guard.
Die konsequent rot-weiße Lackierung ist das Markenzeichen der US Coast Guard.

Teilstreitkräfte

Die USA verfügen über fünf Teilstreitkräfte, in ihrer Gesamtheit Armed Forces genannt. Drei von ihnen, nämlich die Luftstreitkräfte, das Heer und die Marine, verfügen über ein eigenes Ressort im Pentagon, dem Verteidigungsministerium der USA. Die Marineinfanterie untersteht aufgrund ihrer besonderen Abhängigkeit von der US Navy ebenfalls dem Department of the Navy (DoN). Die Küstenwache untersteht aufgrund ihrer überwiegend nichtmilitärischen Aufgabenstellung in Friedenszeiten dem zivilen Heimatschutzministerium, auch wenn sie per Gesetz als Teilstreitkraft gilt. Im Falle einer Kriegserklärung oder eines Präsidentenerlasses wird sie dem Department of the Navy des Pentagon unterstellt, bis der Präsident ihr diese Oberaufsicht wieder entzieht. Trotz der Funktionsweise als Streitkraft insgesamt sind die amerikanischen Teilstreitkräfte ungewöhnlich autark. In ihren Strukturen ähneln sich die einzelnen Teilstreitkräfte sehr, was die Kompatibilität untereinander erhöht.

Heer

Das Heer der USA ist die United States Army. Sie hat eine Mannstärke von ca. 485 000. Charakteristisch für die Army sind die rein rechnerisch vollständige Durchmotorisierung, die Betonung von Kommandomissionen und Spezialeinheiten sowie das Gefecht der verbundenen Waffen bereits innerhalb der Streitkraft. Die Heeresfliegerei besteht nur aus Hubschraubern. Durch ihre Wurzeln in der Amerikanischen Revolution ist sie die älteste der nationalen Teilstreitkräfte.

Luftstreitkräfte

Die United States Air Force (USAF) ist mit rund 375.000 Soldaten und rund 14.100 Fluggeräten[26] die stärkste Luftstreitkraft der Welt und strategisches Kernstück der US-Streitkräfte. Sowohl offensive als auch defensive Großoperationen gehen meist von der Air Force aus. Ihr Anteil am gesamten Verteidigungsbudget ist mit ca. 30% der größte. Auch die Weltallstrategie wurde ihr übertragen. Die Geschichte der militärischen Luftfahrt begann in den USA im Jahre 1907. Erst 1943 wurde die Air Force eine eigenständige, den anderen gleichgestellte Teilstreitkraft und entwickelte im Laufe des Kalten Krieges ihre herausragende Rolle.

Marine

Die Marine der USA, die United States Navy (USN), verfügt über 380 000 Mann und ist damit zahlenmäßig die größte Kriegsmarine der Welt. Sie umfasst darüber hinaus 300 Schiffe und 4 000 Fluggeräte in fünf Flotten. Aufgrund der geographischen Lage der USA, die von zwei Ozeanen umgeben sind, ergibt sich für die zweitälteste Streitmacht eine besondere strategische Bedeutung. Große Anerkennung wurde ihr während des Zweiten Weltkrieges zuteil und Präsident Ronald Reagan wollte sie in den 1980ern auf über 600 Schiffe vergrößern.

Marineinfanterie

Militärisches, mediales und populärkulturelles Aushängeschild der USA ist die Marineinfanterie, das United States Marine Corps (USMC). Ihre 172 000 Soldaten sind in Expeditionsstreitkräfte, sogenannte Marine Expeditionary Forces, eingeteilt und kommen in der Offensive oft als erste zum Einsatz. Die Marines sind von der Navy abhängig, verfügen aber im Gegensatz zu den anderen Teilstreitkräften über fast alle Waffengattungen. Bereits ihre Gründung in einer Kneipe in Philadelphia war ungewöhnlich und wurde Teil ihres Ethos, ihre Bedeutung wuchs vor allem durch den Pazifik- und Koreakrieg.

Küstenwache

Die United States Coast Guard ist die Küstenwache der USA. Ihre 38 000 Mann sind mit den Aufgaben Katastrophenschutz, Kriminalitätsbekämpfung zur See sowie Umweltschutz betraut. Sie arbeitet jedoch eng mit den Teilstreitkräften zusammen und verfügt über begrenzte militärische Kapazitäten. Sie entstand 1915 aus verschiedenen küstenschützenden Behörden. Durch die Furcht vor Terroranschlägen und die Nähe der USA zu südamerikanischen Drogenanbaugebieten ist die Belastung der Küstenwache in den letzten Jahren stetig gestiegen.

Unterstützungseinheiten

Ein Großteil des US-Militärs ist mit Aufgaben betraut, die nicht oder ausschließlich indirekt zur Beeinflussung des Kampfgeschehens beitragen. Insofern ist eine breite Streitkräftebasis vorhanden, die aber nicht im Sinne des Begriffs bei der deutschen Bundeswehr in einer einzigen Behörde institutionalisiert und von dieser verkörpert wird.

Auch ein zentraler Sanitätsdienst wie bei der Bundeswehr existiert nicht. Die medizinische Versorgung obliegt den Streitkräften, wobei das Marine Corps und die Küstenwache hier wie bei anderen Angelegenheiten Zugang zu den Einrichtungen der Navy haben. Die Oberaufsicht über die Sanitätsdienste der Streitkräfte der Vereinigten Staaten haben die Surgeons General (zu dt. ungefähr: „Generalchirurg“ oder „Generalschiffsarzt“), deren Rang jeweils der eines Drei-Sterne-Generals ist.[27]

Informationsbeschaffung

Wappen der Defense Intelligence Agency.
Wappen der Defense Intelligence Agency.

Viele Regierungsbehörden der Vereinigten Staaten arbeiten mit den Streitkräften zusammen oder sind Teil von ihnen. Dabei sticht vor allem die komplexe Struktur der Geheimdienste der USA hervor, deren Ausgestaltung sich in einigen Fällen als hinderlich erweist.

Alle Streitkräfte verfügen über einen eigenen Geheimdienst. Beim Heer ist dies die United States Army Intelligence, bei der Marine das Office of Naval Intelligence. Die Luftstreitkräfte verfügen über die Air Intelligence Agency, das Marine Corps über die Marine Corps Intelligence Activity und die Küstenwache über die Coast Guard Intelligence. Ihnen übergeordnet ist die Defense Intelligence Agency, die gleichzeitig als militärischer Teil des allgemein bekannten Auslandsgeheimdienstes Central Intelligence Agency (CIA) fungiert.

Um den Anspruch der geltenden Militärdoktrin auf ein möglichst großes Informationsangebot erfüllen zu können, unterhält das Verteidigungsministerium eine gewisse Anzahl von Nachrichtendiensten, die sich einzelnen Aspekten der Informationsbeschaffung widmen. Dabei bedienen sie sich sowohl offen zugänglicher sowie geheim beschaffter Informationen. Die National Geospatial-Intelligence Agency ist im Bereich der geographischen Aufklärung tätig. Das National Reconnaissance Office konstruiert die amerikanischen Aufklärungssatelliten, die später per Rakete ins All transportiert werden.

Der bekannteste militärische Nachrichtendienst der USA ist die National Security Agency. Sie fokussiert sich auf die weltweite Überwachung von Telekommunikation. Täglich wertet die Behörde zehntausende von E-Mails, Telefonaten und anderen Übermittlungen in Bezug auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten aus. Sie unterhält selbst mehrere Unterbehörden. Auf die Finanzierung und Koordinierung zukunftsträchtiger Forschungsprojekte konzentriert sich die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA).

Fürsorge

Traditionell nimmt die Truppenfürsorge einen hohen Stellenwert ein. Dies beruht auf der Überzeugung, dass eine gute Versorgung die Motivation der Soldaten stärkt. Zur Unterhaltung der weltweit stationierten Soldaten (s. u.) betreibt das Department of Defense eine eigene Unterbehörde, Armed Forces Entertainment (AFE) genannt. Diese veranstaltet Vorführungen aller Art und arbeitet mittlerweile mit den United Service Organizations, einer Freiwilligenorganisation zusammen, die sich ebenfalls für die Stärkung der Moral amerikanischer Soldaten im Ausland einsetzt.

Logo des American Forces Network.

Mit American Forces Network wird ein Medienzusammenschluss bezeichnet, der Soldaten im Ausland primär mit Nachrichten versorgen soll. Durch die jahrzehntelange Verankerung an ihren Standorten hat sich das Angebot mittlerweile zu einer vielfältigen Informations- und Unterhaltungsplattform ausgeweitet.

Handelskette der US-Streitkräfte, ebenfalls weltweit präsent, ist der Army & Air Force Exchange Service. Sie beliefern die PX Stores, die in vielen Stationierungsländern über die Grenzen der Militärbasen hinaus bekannt sind, auch wenn nur Militärangehörige und deren Familien dort einkaufen dürfen. Eine Ursache dafür ist, dass der AAFES keine Erträge erwirtschaften darf, da er vom Militärbudget der USA, also von Steuergeldern, mitfinanziert wird. Das Konzept des PX Stores wurde von mehreren anderen global aktiven Militärs übernommen, z. B. von den Streitkräften des Vereinigten Königreichs oder der Bundeswehr.

Stärke

Kampfkraft und deren Entfaltung

Das Militär der Vereinigten Staaten ist hinsichtlich der Kampfkraft, die es weltweit in einer sehr hohen Geschwindigkeit aufbauen und wenn notwendig, langfristig aufrechterhalten kann, einzigartig. Auch wenn es Partnern innerhalb der NATO, sowie den Streitkräften Russlands, Chinas und Indiens möglich ist, militärische Übersee-Expeditionen zu unternehmen, so sind die Vereinigten Staaten als einzige Nation in der Lage, kurzfristig einen größeren regionalen Krieg außerhalb des kontinentalen Festlandes auf einem anderen Kontinent zu führen. Entsprechend wird daraus ein doktrinaler Anspruch abgeleitet. Die USA sind darüber hinaus eine der wenigen Nationen, die eine gewisse Anzahl an Atomwaffen unterhalten. Als einziges Land sind sie zu einem offensiven Einsatz dieser Waffen bereit (Atomarer Erstschlag).

Um weltweit einsetzbar zu sein, investieren die USA einen beträchtlichen Teil ihres Militärbudgets in logistische Kapazitäten, was den Aufbau an Kampfkraft je nach Bedarf garantiert. Die US Air Force unterhält eine große Flotte von C-5 Galaxy-, C-17 Globemaster III- und C-130 Hercules-Transportflugzeugen. Das US Marine Corps, verfügt über sieben sogenannte Marine Expeditionary Units (MEU) zur See. Diese Marineexpeditionseinheiten, die jeweils etwa 2.200 Mann stark sind, werden von den Atlantik und Pazifikflotten der US Navy im Rahmen der Fleet Marine Force, einem verbundenen Kommando der beiden Teilstreitkräfte, transportiert. Die Flotte der USA mit ihren elf Flugzeugträgern und entsprechenden Trägerkampfgruppen ermöglichen zusammen mit einer Doktrin der Konzentration der Kampfkraft eine angemessene Reaktion auf Gefahren.

Die US Army ist nicht so mobil wie das US Marine Corps. Im Hinblick auf die zu erwartenden Aufgaben der Army im 21. Jahrhundert hat der ehemalige Stabschef der US Army, General Schoomaker eine Umstrukturierung von gegenwärtig 37 auf 48 Brigaden mit einer stärkeren Betonung der Möglichkeit, die Kampfkraft zu konzentrieren und umzulenken, angekündigt. Dennoch bleiben die Aufgaben von Army und Marine Corps (zum Teil höchst) unterschiedlich.

Die weltweit mobilisierbaren Kräfte begründen ein historisch bisher einmalige militärische Machtfülle. Der linksliberale Publizist Gregg Easterbrook, dessen Schriften regelmäßig in mehreren Tageszeitungen und landesweiten Zeitschriften erscheinen, umschreibt sie folgendermaßen[28]:

„Das amerikanische Militär ist zur Zeit das stärkste, das die Welt je gekannt hat, sowohl in absoluten wie in relativen Maßstäben; [es ist] stärker als die Wehrmacht im Jahre 1940, und stärker als die Legion auf dem Höhepunkt römischer Macht.“

Truppenstärke

Um der Überdehnung des Militärs entgegenzuwirken, hat Verteidigungsminister Robert Gates George W. Bush einen Vorschlag zur Vergrößerung der Streitkräfte um 92000 Mann auf knapp 1,45 Millionen Soldaten unterbreitet. Von dieser Anzahl sollen 65 000 auf die Army, der Rest auf das Marine Corps entfallen. Die Erweiterung soll bis 2012 anhalten und kehrt den letzten Truppenabbau von Donald Rumsfeld aus dem Jahr 2001 (vor den Anschlägen des 11. September) um, der knapp 40 000 Stellen abbaute[29]. Gates gab damit der immer stärker werdenden Kritik an der Politik seines Vorgängers Recht. Diese bestritt v. a. Rumsfelds Vertrauen in Technik als alleiniges Mittel zum alleinigen Kriegs- und Besatzungsabschluss[30].

Die Überdehnung der Streitkräfte hat ebenfalls die erste Truppenverstärkung seit dem Kalten Krieg zur Folge. Seit dem Vietnamkrieg war die Anzahl der aktiven Soldaten rückläufig. Befanden sich 1970 unter Richard Nixon 3 064 760 Soldaten im Dienst, so waren es zehn Jahre später unter Jimmy Carter 2 050 627. Diese Zahl blieb bis zum Ende des Ost-West-Konflikts stabil, danach setzte jedoch eine starke Rationalisierung ein, die sich bis zu den Anschlägen des 11. September 2001 hielt[31].

Budget

Im Vergleich der Rüstungsausgaben verschiedener Länder befinden sich die USA auf dem ersten Platz.
Im Vergleich der Rüstungsausgaben verschiedener Länder befinden sich die USA auf dem ersten Platz.

Die jährlichen Ausgaben für den Unterhalt der Streitkräfte liegen in der Amtszeit von George W. Bush bei durchschnittlich knapp $ 400 Milliarden (ca. 329 Milliarden), wobei sie bis auf eine Senkung um ein halbes Prozent im Jahre 2005 stetig gestiegen sind. Im internationalen Vergleich liegen die USA mit diesem Volumen auf dem ersten Platz, gefolgt von Japan (46,9 Mrd. USD) und Großbritannien (51,1 Mrd. USD).[32] Der Anteil der USA an den weltweiten Militärausgaben bewegt sich bei 40 Prozent. Zwischen 2001 und 2004 verzeichnete der Wehretat der USA eine dreißigprozentige Zunahme von 324 auf 455 Milliarden Dollar.[33]

Obwohl der Präsident dem Kongress jährlich ein öffentlich einsichtiges Budget vorschlägt, ist die Finanzierung des Militärs intransparent, da viele als zivil deklarierte Ausgaben auch militärisch genutzt werden. So bezieht die Begrifflichkeit military budget die Ausgaben des Energieministeriums für die Lagerung und Instandhaltung der nationalen Atomwaffen mit ein, während der Begriff defense budget dies nicht tut. Zudem werden viele Operationen und Beschaffungen mit den Nachrichtendiensten kofinanziert. Im defense budget enthalten sind auch nicht die Kosten für laufende Großeinsätze wie z. Z. im Irak und in Afghanistan, die gesondert aufgeführt werden.

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat das Militärbudget der USA nicht mehr den zwanzigsten Anteil des Bruttoinlandsprodukts überschritten und gilt somit als volkswirtschaftlich tragbar. Seinen prozentualen historischen Höchststand erreichte es im Fiskaljahr 1944 mit 37,8 % des BIP. Im Koreakrieg erreichte der Etat nicht einmal 15 % und im gesamten Vietnamkrieg wurde zu keinem Zeitpunkt mehr als ein Zehntel des BIP für das Militär aufgewendet. Nach immer weitergehenden Kürzungen mit einem Nachkriegstiefstand von 3 % in den Jahren 1999 − 2001 hob die Bush-Regierung das Budget auf 3,9 % des BIP im Jahr 2006 an. Vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg bewegten sich die Militärausgaben traditionell auf sehr niedrigem Niveau. Trotz eines vorangehenden Modernisierungsprogramms betrugen sie noch 1940 1,7 %[34].

Die Wehrausgaben der USA überschritten 2004, inflationsbereinigt und gemessen am Stand des US-Dollars wieder die Ausgaben von 1989 und die Ausgaben von 2005 die von 1988.[35].

Diese Relationen führen v. a. Befürworter des Militärbudgets an. Gegner, wie beispielsweise Quäkervereinigungen, messen die von ihnen kritisierte Maßlosigkeit des US-Militärhaushalt meist an seinem Anteil an den Gesamtausgaben der Regierung. Den Betrieb der Atomstreitkräfte sowie die Kosten für die Kriegseinsätze mit eingerechnet, beträgt der Anteil an militärischen Aufwendungen über 40 % des Regierungsetats[36]. Darüber hinaus wird die absolute Höhe des Verteidigungsetats, der den der gesamten restlichen Welt übersteigt, als unproduktiv oder gar unmoralisch verworfen.

Organisation

Veranschaulichte Befehlskette der US-Streitkräfte
Veranschaulichte Befehlskette der US-Streitkräfte

Im Folgenden werden die vertikale Führung, das heißt die Befehlskette, in absteigender Reihenfolge, sowie die horizontale Führung, das heißt die ministeriale, die geographische und die funktionale Struktur des US-Militärs erläutert.

Vertikale Befehlskette

Zivile Führung

Gemäß der Verfassung der Vereinigten Staaten ist der Präsident der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. An der Schnittstelle militärischer Aktionen mit der amerikanischen Diplomatie berät der Nationale Sicherheitsrat den Präsidenten. Der Präsident entscheidet in der Praxis vor allem über den Einsatz von Soldaten, die fachliche Ausgestaltung dieses Kommandos übernimmt der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, der nicht zwingend militärischer Herkunft sein muss.

Der Präsident wird in der tagespolitischen Führung der US-Streitkräfte durch den Verteidigungsminister unterstützt. Diesem obliegen die Umsetzung der Anordnungen des Präsidenten und die Führung des US-Verteidigungsministeriums. Ihm selbst unterstehen Ressorts für die einzelnen Streitkräfte.

Sowohl der Präsident als auch der Verteidigungsminister werden in Fragen der Verteidigung und der Nationalen Sicherheit vom Vereinigten Generalstab (Joint Chiefs of Staff) beraten.

Militärische Führung

In Übereinstimmung mit dem Goldwater-Nichols Act, der 1986 erlassen wurde und die Organisationsstruktur der gesamten Streitkräfte und des Verteidigungsministeriums nachhaltig veränderte, bilden die vier Befehlshaber der einzelnen Teilstreitkräfte zusammen mit seinem Vorsitzenden und dessen Stellvertreter den Vereinigten Generalstab. Die Befehlskette hingegen verläuft vom Präsidenten über den Verteidigungsminister zu den einzelnen Kommandeuren der Unified Combatant Commands (UCC).

Gegenwärtig bestehen insgesamt neun derartige UCCs: Fünf haben regionale, vier funktionale Aufgabenbereiche. Jede Teilstreitkraft ist dafür verantwortlich, den Befehlshabern dieser Kommandos eine ausreichende Zahl von Truppen für den Einsatz zur Verfügung zu stellen.

Im Groben reicht die Befehlskette dann absteigend vom Offizierskorps (Officers) über die Unteroffiziere (Non-commissioned officers) zu den Mannschaftsgraden (Enlisted ranks).

Generalstab

Hauptartikel: Joint Chiefs of Staff

Der versammelte Generalstab der Vereinigten Staaten im November 2002.
Der versammelte Generalstab der Vereinigten Staaten im November 2002.

Die vier Stabschefs der Teilstreitkräfte, der Vorsitzende sowie sein Stellvertreter bilden den Vereinigten Generalstab der Streitkräfte der USA, Joint Chiefs of Staff genannt.

Posten Rang und Name
Vorsitzender der Vereinten Stabschefs Gen. Peter Pace (USMC)
Stellvertretender Vorsitzender Adm. Edmund P. Giambastiani (USN)
Chief of Staff of the Army Gen. George W. Casey, Jr. (USA)
Chief of Naval Operations Adm. Michael G. Mullen (USN)
Commandant of the Marine Corps Gen. James T. Conway (USMC)
Chief of Staff of the Air Force Gen. T. Michael Moseley (USAF)

Rangstruktur

Die Rangstruktur der Streitkräfte der USA ist vollständig in die der NATO integriert. Trotz unterschiedlicher Bezeichnungen ist jeder Rang anhand seiner Soldstufe eindeutig zuzuordnen und mit dem entsprechenden NATO-Rangcode mit anderen Streitkräften vergleichbar.

Offiziere

Offizierspatente vergibt der US-Senat nach eingehender Prüfung. Im Gegensatz zu anderen Ländern entscheiden keine anderen Faktoren als Fähigkeiten und erbrachte Leistungen über die Aufnahme in das Offizierskorps. Bei der jährlichen Beförderungsrunde darf die dafür eingesetzte Kommission jedoch Schwerpunkte auf bestimmte Bereiche legen, in denen dann überproportional viele Soldaten befördert werden.

Die US-Streitkräfte rekrutieren ihre Offiziere aus vielfältigen Quellen. Der meistgenutzte Weg ist der über eine von mehreren dafür eingerichteten Militärakademien, darunter die US Military Academy, die US Naval Academy, sowie die US Air Force Academy. Darüber hinaus besteht für Absolventen eines College die Möglichkeit am Reserve Officer Training Corps-Programm (ROTC) teilzunehmen und nach dem Abschluss in den aktiven Dienst einzutreten. Hierbei ist zwischen der Einweisung als aktiver und als Reserveoffizier zu unterscheiden, daher dauert die Officer Candidate School (zu dt. etwa: „Offizieranwärterschule“) wesentlich länger als die Kurse des ROTC-Programms. Personen, die im zivilen Leben bereits bestimmte Berufe ausüben, können in ihrem Berufsfeld ohne Weiteres zu Offizieren ernannt werden, sind wegen ihrer fachorientierten Ernennung von einem Kommando ausgeschlossen. Dies betrifft zumeist die Verwendungen als Anwalt, Ingenieur oder Arzt.

Feldbeförderungen, Battlefield Commission genannt, sind vergleichsweise selten. Über eine solche Beförderung müssen sich mehrere Offiziere einig sein.

Regelungen zur Generalität

Das Dienstrecht der Streitkräfte (US Code Title 10 Section 525[37]) limitiert die absolute Anzahl von aktiven Offizieren im Dienstgrad Lieutenant General und General. Insgesamt ist die Anzahl der Generalität auf 302 Offiziere für die US Army, 216 für die US Navy, 279 für die US Air Force, 80 für das US Marine Corps, sowie zwei für den United States Public Health Service (Assistant Secretary for Health und den Surgeon General of the United States) begrenzt. Für die Army, Navy und Air Force gilt dabei, dass nicht mehr als 15,7 % der aktiven Generalität höherrangig als ein Major General sein und nicht mehr als 25 % den Dienstgrad General führen dürfen. Dies entspricht elf Generälen für das Heer, acht Admirälen für die Marine, zehn Generälen für die Air Force und drei Generälen für die Marineinfanterie.

Viele dieser Vier-Sterne-Ränge sind dabei für bestimmte Posten reserviert. So sind in der Army und in der Air Force jeweils der Chief of Staff und der Vice Chief of Staff Generale, in der Marine sind der Chief of Naval Operations und der Vice Chief of Naval Operations jeweils Admirale. Im Marine Corps tragen der Commandant of the Marine Corps und der Assistant Commandant den Dienstgrad eines Generals. Zudem sind der Commandant of the Coast Guard und der Assistant Secretary for Health [38] ein Admiral.

Das Gesetz lässt jedoch zahlreiche Ausnahmen zu. So fallen Offiziere, die als Vorsitzende des Generalstabs oder als deren Stellvertreter dienen, aus der Prozentregelung für ihre Teilstreitkraft heraus. Zusätzlich gesondert behandelt werden die Offiziere, die in teilstreitkräfteübergreifenden Positionen dienen. So fallen die Unified Combatant Commanders und der Kommandierende General der US-Streitkräfte in Korea aus der Begrenzung für Generäle heraus, zählen jedoch für die Prozentregelung für Generalleutnants. Außerdem kann der Präsident die Begrenzungen für einzelne Teilstreitkräfte verändern, wenn er bei einer anderen Teilstreitkraft jene Änderungen kompensiert. Schlussendlich hat der Präsident auch die Möglichkeit, die genannten Begrenzungen in Kriegszeiten oder in Zeiten des nationalen Notstandes zu ignorieren.

Ruhestandsregelungen

Offiziere müssen entweder nach fünf Jahren im Dienstgrad General/Admiral oder nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand gehen, je nachdem, was später zutrifft. Zudem kann die Dienstzeit vom Präsidenten um fünf Jahre, bis maximal zum 62. Lebensjahr des Offiziers, verlängert werden. Alle Offiziere müssen im Monat nach ihrem 62. Geburtstag in den Ruhestand gehen, jedoch kann der Präsident bis zu zehn eigentlich pensionsfähige Offiziere bis zu ihrem 64. Geburtstag im Dienst belassen.

Da die Dienstgrade Lieutenant General und General nur temporär vergeben werden, muss der Offizier einen angemessenen Posten bekleiden. Tut er dies nicht, muss er innerhalb von 60 Tagen in den Ruhestand gehen oder degradiert werden.[39] Wenn die Regierung einen Offizier für eine Position vorgesehen hat, die noch nicht frei ist, muss sie ihn auf einem angemessenen Posten „parken“. Zu diesen Posten gehören z. B. für Lieutenant Generals, die zur Beförderung zum General vorgesehen sind der Direktor des Joint Staff, sowie die Direktoren J-3 und J-5 des Joint Staff. Generäle die für eine spätere Verwendung „geparkt“ werden müssen, werden als Vizegeneralstabschef ihrer Teilstreitkraft oder als Kommandierender General des US Southern Command eingesetzt. Einige kurzzeitige Ernennungen weg von diesem Posten deuten dabei an, dass das Southern Command ein häufig genutzer Dienstweg in diesem Verfahren zu sein scheinen. (Wesley Clark, nach 12 Monaten zum Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) ernannt; Peter Pace, nach 12 Monaten zum Vice Chairman of the Joint Chiefs of Staff; Bantz J. Craddock, nach 20 Monaten zum SACEUR ernannt).

Unteroffiziere

Unterhalb des Offizierskorps wird im englischen Sprachraum zunächst nicht differenziert und alle Ränge zunächst als enlisted zusammengefasst. Jedoch wird ab einem bestimmten Dienstgrad nicht nur von enlisted personnel, sondern von den Non-commisioned officers (NCO, dt. „Offizier ohne Patent“) gesprochen.

Nach ihrer Verpflichtung durchlaufen die Rekruten ihre Grundausbildung, gefolgt von der technischen Spezialausbildung, die die Rekruten in einem Pendant zum deutschen militärfachlichen Dienst weiterbildet.

In der Frage der Unteroffiziere, den Non-commisioned officers, weichen die Teilstreitkräfte voneinander ab. Army und Marine Corps klassifizieren im Gegensatz zu den anderen Streitkräften bereits den Rang des Corporal als Unteroffiziersdientsgrad. Die Petty-Officer-Dienstgrade 3. bis 1. Klasse der Navy und der Coast Guard reichen in den Bereich der Stabsunteroffiziere (Staff/Senior Non-commisioned officer) hinein.

Warrant Officer

Bis auf die Air Force, in der es diese Laufbahn nicht gibt, sind in den US-Streitkräften Warrant Officer mit dem Erreichen des Dienstgrads Chief Warrant Officer technisch gesehen Offiziere, da sie, genauso wie Offiziere, eine Vereidigung durch den US-Präsidenten erfahren. Jedoch bilden sie eine eigene Laufbahn. Sie erhalten ähnliche Privilegien und Verantwortung wie die Offiziere. Jedoch sind sie Spezialisten ihres Aufgabenbereichs und können im Kampf, im Gegensatz zu Offizieren, keine Truppen befehligen, sondern üben nur Befehlsgewalt in ihrem Spezialgebiet aus. Sie sind mit Fachoffizieren des militärfachlichen Dienstes der Bundeswehr zu vergleichen.

Horizontale Führungsstruktur

Wehrressorts

Unterhalb der Ministerialebene ist das Verteidigungsministerium dreigeteilt: Da das Marine Corps organisatorisch der Navy beigeordnet ist und die Küstenwache dem Heimatschutzministerium untersteht, verbleiben neben der Marine das Heer und die Luftstreitkräfte, denen jeweils eine Abteilung zugeteilt ist. Dabei lässt sich deren Titulierung als Department nicht wie üblich mit dem deutschen Begriff „Ministerium“ wiedergeben, da ihre Secretairies dem Verteidigungsminister nicht gleichgestellt sind. Treffender ist ihre Umschreibung als Ministerialressort und die Titulierung der Secretairies als Staatssekretäre.

Abteilungen des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten:

Regionale Kommandos

Areas of responsibility: Die Regionalkommandobereiche der US-Streitkräfte
Areas of responsibility: Die Regionalkommandobereiche der US-Streitkräfte
Sicherheitspolitische Kommandokette der Vereinigten Staaten
Sicherheitspolitische Kommandokette der Vereinigten Staaten

Um dem Anspruch aller amerikanischen Teilstreitkräfte gerecht zu werden, „jederzeit und überall“[40] einsatzbereit zu sein, der sich aus ihrer herausragenden militärischen Stärke entwickelte, existiert eine geografische Einteilung in fünf Regionalkommandos, so genannte Unified Combatant Commands, die überall auf der Welt in ihrem Zuständigkeitsbereich agieren und von denen die meisten in Übersee stationiert sind. Ihnen sind die Regionalkommandos der einzelnen Teilstreitkräfte untergeordnet, die sich immer am selben Standort befinden. So sind dem USCENTCOM z. B. ARCENT (Army Forces Central Command), CENTAF (Central Command Air Forces), MARCENT (Marine Forces Central Command), NAVCENT (Naval Forces Central Command) und SOCCENT (Special Operations Command Central) unterstellt.

Die Namensgebung der UCCs kann für Außenstehende irreführend sein, denn die hinter den Akronymen zu vermutende befohlene Region entspricht nicht genau der genannten geographischen Region. Die territoriale Einteilung wurde stark nach Verfügbarkeit von Truppen für einen Krisenfall und nach Logistikgesichtspunkten gewählt.

Das derzeit wichtigste Regionalkommando ist das United States Central Command (USCENTCOM). Es steuert sowohl die Besetzungen im Irak wie in Afghanistan. Das Kommandogebiet von CENTCOM reicht von Ägypten bis Pakistan und in Nord-Süd-Ausdehnung von Kasachstan bis Äthiopien und umfasst somit auch den Nahen Osten. Eine vorgeschobene Kommandobasis für das USCENTCOM wurde nach dem 11. September 2001 in der Nähe Dohas in Katar, eingerichtet, während der ursprünliche Standort die MacDill Air Force Base bei Tampa in Florida ist.

Das United States Northern Command (USNORTHCOM) hat seinen Sitz auf der Peterson Air Force Base bei Colorado Springs im Bundesstaat Colorado. Die territoriale Zuständigkeit des NORTHCOM dehnt sich von Alaska, über das es zusammen mit dem Pacific Command verfügt, bis nach Puerto Rico in der nördlichen Karibik aus und umfasst neben dem Staatsgebiet der USA noch Kanada und Mexiko. Damit verfügt es über dasselbe Kommandogebiet wie das North American Aerospace Defense Command, einem in amerikanisch-kanadischer Kooperation betriebenes Luftraumverteidigungskommando für Nordamerika. Dieses ist am selben Standort beheimatet wie das NORTHCOM und de facto mit ihm zusammengefasst. Derzeit ist NORTHCOM mit der Unterstützung diverser Aufträge des US-Heimatschutzministeriums betraut, beispielsweise den Aufbauarbeiten infolge des