Sumerische Religion

Die sumerische Religion enthält verschiedene Erzählungen, unter anderem die von Adapa und den Südwind-Mythos. Sie gilt als Ur-Religion der Region Mesopotamien und inspirierte unter anderem auch die Kanaaniter (Vorläufer der Hebräer in der Region des späteren Palästina) sowie die Akkader, Babylonier, Assyrer, Hethiter, Hurriter, Ugariter und Aramäer.


Inhaltsverzeichnis

Religion, Mythologie und der sumerische Pantheon

  • Adapa ist die Erzählung von einem Mann, dem die Möglichkeit zur Unsterblichkeit geboten wird. Hierzu muss er lediglich Speisen und Getränke der Götter zu sich nehmen, die ihm von Tammuz und Ningishzida im Auftrag von An angeboten werden. Doch da ihm sein Gott Enki geraten hat, davon nicht zu essen, weil er sonst sterben würde, verweigert er beides. Enki gibt seinem Anhänger Adapa stattdessen große Weisheit und magische Kräfte. Der Gott An ist verärgert, als er davon Kenntnis erhält. (Vergleiche auch die Motive der griechischen Prometheus-Sage, in der Prometheus den Göttervater Zeus verärgerte, weil er den Menschen das Feuer bringt.)
  • In der babylonischen Fassung der Sintflut warnt der Gott Enki je nach Fassung den Menschen Ziusudra, Atrahasis oder Utnapischtim vor einer Flut, die alles menschliche Leben vernichten wird, und rät ihm, ein Schiff zu bauen. (In der biblischen Fassung spricht der Gott Jahwe/Elohim direkt zu Noach.) Die Situation wird durch einen Verschwiegenheits-Eid, den Enki den anderen Göttern schwören musste, verkompliziert, sodass Enki mit der List, nur gegen eine Schilfwand des Hauses, in dem der Mensch schläft, zu sprechen, seine Verpflichtung erfüllt und dennoch den Menschen Kenntnis von der Flut verschafft. Daraufhin reißt der Mensch sein Haus ein und baut daraus ein Boot, mit dem er dann sein Leben und das seiner Familie rettet. (Shurrupak im unteren Mesopotamien wird im Gilgamesch-Epos als die Stadt angegeben, in der Utnapishtim wohnte. Aufgrund von Sedimenten ist im Bereich 4. bis 3. Jahrtausends v. Chr. eine Flut um den Fluss Euphrat herum bekannt.)
  • Der Gott Enki (En-ki bedeutet "Herr der Erde"), mit Beinamen "Herr der List" oder "Herr von Eridu", der Gott der Weisheit und des Wissens, ist der Gott der Geheimnisse und wird auch mit Ea oder Ia bezeichnet (möglicher Bezug zu Iah/Yah?). Sein Thron soll sich unter der Erde bei Abzu/Apsu in Eridu (in der Region des unteren Mesopotamien) befinden, wobei aus am Thron angebrachten Gefäßen zwei Wasserströme entspringen. Er wurde auch als Grundwasser- und Quellengottheit verstanden (das salzhaltige Wasser des Meeres wird als separate Einheit gesehen).
    Enki manipuliert bzw. betrügt und hintergeht sowohl andere Götter wie auch die Menschen für seine Zwecke - und entspricht somit dem Trickster der indianischen Mythen. So wird Enki zugeschrieben, die Ursprache der Menschen mit einem so genannten nam-shub verwirrt und so das Ende eines goldenen Zeitalters bewirkt zu haben. Die Geschichte findet sich später und in neuer Form in der Bibel als babylonische Sprachverwirrung beim "Turmbau zu Babel" wieder.
  • Im Gegensatz dazu bringt der Gott Enlil den Menschen die Sprache bei. Als seine Heimat werden die Länder der Shubur-Hamazi, der polyglotten Sumerer, Ur, und das Land der Martu benannt.
  • Inanna, "die Königin des Himmels", wird jedes Frühjahr durch eine Heirats-Zeremonie geehrt. Der König stellt dabei den menschlichen Ehegatten Tammuz dar, der mit einer Priesterin zusammenkommt, welche als eine Personifikation der Göttin gilt. Damit wird Inannas Wohlwollen gewährleistet, was eine gute Ernte und den Schutz vor Feinden garantiert.
  • Anunna. Die älteste Schicht der sumerischen Götterwelt stellen wohl die Anunna oder Anunaki dar. So glaubten die Sumerer der Ackerbau, sowie Viehzucht und Webkunst seien von dem heiligen Berg Du-Ku zu den Menschen gebracht worden. Dort lebten die Anunna-Götter. Sie waren einst Götter aus einer sehr alten Zeit ohne individuelle Namen.

Sumerische Religion und die Bibel

Es finden sich folgende Themen und Schemata mit besonders deutlicher Bibel-Entsprechung, insbesondere in den Büchern von Moses:

  • Erschaffung der Welt (Schöpfungsmythos),
  • Erschaffung der Menschheit,
  • Wege der Erschaffung (durch das Wort und durch Herstellung),
  • die Welt und ihre Ordnung,
  • die Idee eines persönlichen Gottes,
  • göttliche Vergeltung und Naturkatastrophen,
  • die Plagen,
  • das Paradies,
  • der Tod und die Unterwelt,
  • das "Kain-und-Abel"-Motiv,
  • das Turmbau zu Babel-Motiv,
  • die Sintflut und die Arche Noah,
  • das Ijob-Motiv,
  • sowie Angelegenheiten des Gesetzes, der Ethik und Moral.

Quellen

Kenntnis von der sumerischen Mythologie haben wir durch einige sumerische Tontafelfunde aus diversen Siedlungshügeln (Tells) und Ruinenstätten Südmesopotamiens, sowie den babylonischen und akkadischen Keilschrifttafelfunden.

Siehe auch

Literatur

  • Samuel Noah Kramer: History Begins at Sumer, Twenty-seven 'Firsts' in Man's Recorded History. Doubleday Anchor Books, Garden City-New York 1956, 1959, University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1981. ISBN 0-8122-7812-7
  • Samuel Noah Kramer, John Maier: Myths of Enki, the Crafty God. Oxford University Press, New York-Oxford 1989. ISBN 0-19-505502-0
  • Helmut Freydank u.a.: Lexikon Alter Orient. Ägypten * Indien * China * Vorderasien, VMA-Verlag, Wiesbaden 1997 ISBN 3-928127-40-3
  • Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes. Kulte, Mythen, Epen, Artemis & Winkler, Stuttgart 2004 ISBN 3760823068

Fantasy

Eine Verarbeitung der Legenden um Enki und Inanna in einem modernen Roman findet sich in "Snow Crash" von Neal Stephenson. Dort wird Enki unter anderem als Gott der Hacker dargestellt.

Im fiktiven Necronomicon von H.P. Lovecraft finden die sumerischen Gottheiten als Grundlage eines magischen Systems Erwähnung.

  • H. P. Lovecraft: The History of Necronomicon. West Warwick, RI 1980, 1994. ISBN 0318047152

Hal Duncan verarbeitet die Geschichte von Inanna und Dumuzi in seinem Roman "Vellum".

Weblinks

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