In der Mathematik treten die Begriffe Supremum, Infimum, obere/untere Schranke, nach oben/unten beschränkt bei der Betrachtung halbgeordneter Mengen auf.
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Das Supremum einer Menge ist verwandt mit dem Maximum einer Menge und ist – anschaulich gesprochen – ein Element, welches "über" allen oder "jenseits" (oberhalb) aller anderen Elementen liegt. Der Ausdruck "über den anderen" soll andeuten, dass das Supremum nicht das größte Element "unter den anderen" sein muss, sondern durchaus auch außerhalb ("jenseits") der Menge liegen kann. Und weil es mehrere Elemente geben kann, die dieser Anschauung entsprechen, wird aus Eindeutigkeitsgründen das kleinste Element gewählt, welches diese Eigenschaft hat; sozusagen das Element, das am "nächsten" oder "unmittelbar" über allen anderen liegt. (Das Supremum bezeichnet also ein "unmittelbar Darüberliegendes".) Elemente, die zwar über allen Elementen einer Menge liegen, aber nicht zwingend in unmittelbarer Weise, heißen obere Schranken. Damit ergibt sich dann die Definition der Supremums als kleinste obere Schranke einer Menge.
Das Infimum einer Menge ist analog definiert, als "unmittelbar Darunterliegendes".
Diese Anschauung lässt sich leicht auf Mengen von reellen Zahlen (als Untermengen der reellen Zahlen) übertragen: Sei

die Menge der reellen Zahlen kleiner 2. Dann ist 2 das Supremum von X (in
). Denn 2 ist eine obere Schranke von X, da sie größer-gleich (tatsächlich sogar echt größer) alle dessen Elemente ist – also "darüberliegt". Aber im Gegensatz etwa zu der Zahl 4, die auch eine obere Schranke ist, gibt es keine Zahl kleiner 2, die auch obere Schranke von X ist. Daher ist 2 kleinste obere Schranke von X, mithin Supremum.
Durch eine kleine Abänderung wird sodann die Verwandtschaft von Supremum und Maximum deutlich. Das Maximum ist nämlich das größte Element "unter allen Elementen" einer Menge:
Offenbar hat X kein Maximum, da es zu jeder reellen Zahl kleiner 2 wieder eine reelle Zahl kleiner 2 gibt, die größer als sie ist. (Der Leser möge sich das veranschaulichen!) Die Zahl 2 ist als Supremum zwar größer als alle Elemente von X, liegt aber nicht in X, da sie nicht echt kleiner als sie selbst ist. Betrachten wir nun die Menge
,so ist 2 Maximum von X', da sie kleiner-gleich sie selbst ist und es auch keine größere Zahl als 2 gibt, die kleiner-gleich 2 ist. Gleichfalls ist 2 aber auch Supremum von X' wie schon von X, da dieselben Bedingungen wie dort erfüllt sind.
Tatsächlich ist jedes Maximum immer auch Supremum. Daher ist es auch üblich, den Begriff Maximum gar nicht elementar zu definieren, sondern ihn als Sonderfall des Supremums zu benennen, wenn dieses selbst Element der Menge ist, dessen Supremum es darstellt. – Analog gilt das für das Minimum.
Suprema können jedoch nicht nur auf den reellen Zahlen, sondern allgemein auf halbgeordneten Mengen betrachtet werden. Die formalen Definitionen lauten wie folgt:
Ist M eine halbgeordnete Menge und T eine Teilmenge von M so gilt:
.Ist M die Menge der reellen Zahlen so gilt:
.
.
(siehe Unendlichkeit).
.Der Begriff des Supremums auf Mengen wird sinngemäß auch auf Abbildungen (Funktionen) angewendet. Denn das Bild einer Abbildung ist ja immer auch eine Menge. Nämlich für eine Abbildung

die Menge

der sogenannten Elementbilder, d.h. der Bilder der einzelnen Elemente von X unter der Abbildung f.
Ist nun Y eine halbgeordnete Menge, so definiert man

als das Supremum von f auf X – sofern es in Y existiert.
Analog wird das Infimum von f auf X definiert.
Fasst man eine Folge a1, a2, a3, … von Elementen aus Y als Abbildung

auf – also gemäß

– so ergibt sich aus der Definition des Supremums (Infimums) von Abbildungen sofort die Definition des Supremums (Infimums) einer Folge (an) – sofern es in Y existiert.
Ist b eine obere Schranke von T und c > b, so ist auch c eine obere Schranke von T. Ist umgekehrt c keine obere Schranke von T und b < c, so ist auch b keine obere Schranke von T. Analoges gilt für untere Schranken.
Das Supremum von T ist (im Falle seiner Existenz) eindeutig bestimmt. Dasselbe gilt für das Infimum von T.
Es ist möglich, dass eine Teilmenge T einer halbgeordneten Menge M mehrere minimale obere Schranken hat, d.h. obere Schranken, so dass jedes kleinere Element keine obere Schranke ist. Sobald T jedoch mehr als eine minimale obere Schranke hat, gibt es keine kleinste obere Schranke, d.h. kein Supremum, von T. Ein Beispiel ist die Menge
mit der Halbordnung
. Hier hat
die beiden minimalen oberen Schranken c und d.
Sei X eine nichtleere Teilmenge der Reellen Zahlen, dann gilt außerdem für das
, so existiert für alle ε > 0 ein
, so dass
ist.
, so existiert für alle k > 0 ein
, so dass k < x.
, so existiert für alle ε > 0 ein
, so dass
ist.
, so existiert für alle k > 0 ein
, so dass x < − k.Die Existenz des Supremums für eine beschränkte Teilmenge M der reellen Zahlen kann auf mehrere Arten gezeigt werden:
Zum einen kann man die Existenz von Supremum und Infimum für beschränkte Teilmengen der reellen Zahlen einfach als Axiom festlegen. Diese Forderung wird oft Supremumsaxiom oder Vollständigkeitsaxiom genannt.
Geht man von dem Axiom aus, dass jede Intervallschachtelung genau eine reelle Zahl definiert, kann man wie folgt vorgehen: Man konstruiert eine Intervallschachtelung, die das Supremum einschließt. Dazu konstruiert man zwei Folgen, von denen die erste (an) monoton wachsend ist und nicht aus oberen Schranken von M besteht, die zweite (bn) monoton fallend ist und aus oberen Schranken von M besteht, so dass noch gilt, dass die Abstände entsprechender Folgeglieder gegen 0 gehen (indem man jeweils die Intervallmitte betrachtet und entscheidet, ob sie eine obere Schranke ist oder nicht). Damit erhält man den gemeinsamen Grenzwert sup(M) der beiden Folgen als kleinste obere Schranke von M, denn:
Jedes Element von M ist kleiner-gleich jedem Element bn der oberen Folge, also kleiner-gleich sup(M), deshalb ist sup(M) eine obere Schranke von M. Und jede reelle Zahl, die kleiner ist als sup(M), ist kleiner als wenigstens ein Element
(für ein gewisses n0) der unteren Folge, also keine obere Schranke.
Eine äquivalente Formulierung zur Existenz des Supremums ist das Schnittaxiom, nachdem jeder Dedekindsche Schnitt von einer komplexen Zahl erzeugt wird.
Im Bereich der hyperkomplexen Zahlen kommt es bisweilen vor, dass Suprema gleichzeitig sowohl Maxima als auch keines sein können. Dieser Sachverhalt bildet einen Teil der Quantenmechanik ab, insbesondere den der hochenergetischen Teilchen.
Folgende Beispiele beziehen sich auf Teilmengen der reellen Zahlen.







bzw.
, wobei 
Auf
hat jede beschränkte Teilmenge ein Supremum bzw. Infimum. Betrachtet man andere Mengen, auf denen Ordnungsrelationen definiert sind, so ist dies nicht zwingend:
der rationalen Zahlen ist bezüglich der natürlichen Ordnung total geordnet. Die Menge
ist beispielsweise durch die Zahl
nach oben beschränkt, hat aber kein Supremum in
.
ist die Menge
sowohl durch das Element
als auch durch
nach oben beschränkt. Ein Supremum, also eine kleinste obere Schranke von
, existiert in
jedoch nicht.Die Untersuchung von partiell geordneten Mengen, in denen zu jeder zweielementigen Teilmenge ein Supremum und ein Infimum existiert, ist Gegenstand der Verbandstheorie.
Einen weiteren Ansatz zur Verallgemeinerung stellt die Definition des wesentlichen Supremums in Lp-Räumen dar.
Analysis 1. Stefan Hildebrandt. Springer 2005. ISBN 3-540-25368-8.