Die Symmetrieminute ist die Minute, zu der sich Züge der gleichen Linie bei Vorliegen eines Taktfahrplanes begegnen (kreuzen), an der also der Fahrplan von Richtung und Gegenrichtung „gespiegelt“ wird.
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Im Bahnverkehr in Deutschland, Österreich und insbesondere in der Schweiz liegt bei Stundentakt die Symmetrieminute (auch Taktknoten genannt) auf fast allen Strecken einheitlich kurz vor 59 und 29, also 1 bis 1,5 Minuten vor der vollen und halben Stunde, auf zweistündlich verkehrenden Linien einheitlich nur kurz vor der vollen Stunde.
So werden z.B. in Mannheim beim Taktknoten zur halben Stunde die zweistündlichen ICE-Linien 11 und 12 einerseits, sowie 42 und 43 andererseits stündlich getauscht, und zwar in der Weise, dass Züge der gleichen Linie auf ihrem jeweiligen Laufweg sich stets kurz vor der vollen Stunde begegnen.
Am augenfälligsten ist diese einheitliche Symmetriezeit auf eingleisigen Strecken, wo die Züge in der Ausweiche zur Minute 58 ankommen und zur Minute 59 weiterfahren.
Die Tschechische Bahn hat auf denjenigen Strecken, auf denen ein Taktfahrplan besteht, z.B. Prag-Cheb, exakt dieselbe Symmetrieminute. Dagegen ist in manchen anderen europäischen Ländern, z.B. in Belgien, die Symmetriezeit genau zur vollen Stunde, siehe die Animation am Ende dieses Artikels.
Nützlich für den Fahrgast ist die Kenntnis der Symmetrieminute insofern, da er bei bekannter Ankunftsminute diese lediglich von 57 (Rechenformel: 58,5 x 2 - 60 = 57) abziehen muss, um die Abfahrtsminute in der Gegenrichtung -außerhalb der Schweiz zumindest näherungsweise- zu erhalten. Dies erleichtert und beschleunigt auf umfangreichen Abfahrtstafeln v.a. in größeren Bahnhöfen das gezielte Auffinden der exakten Abfahrtszeit erheblich.
Bei einem 2-Stunden-Takt ist zusätzlich zu beachten, dass bei einer Ankunft zur geraden Stunde (z.B. 14:21) die Abfahrt der Gegenrichtung stets bei der ungeraden Stunde (z.B. 15:36) zu suchen ist und umgekehrt. Eine seltene Ausnahme davon ist der winterliche 2-Stunden-Takt des Molli, da hier die Symmetriezeit 28,5 ist.
In 3-Minuten-Schritten ergibt dies für einen 1-Stunden-Takt folgende Tabelle:
| Ankunftsminute | Abfahrtsminute Gegenrichtung | |
| 00 | 57 | |
| 03 | 54 | |
| 06 | 51 | |
| 09 | 48 | |
| 12 | 45 | Begegnung um 13,5 bzw. 43,5 bei 30-Minuten-Takt |
| 15 | 42 | |
| 18 | 39 | |
| 21 | 36 | |
| 24 | 33 | |
| 27 | 30 | Begegnung um 28,5 bei 60-Minuten-Takt |
| 30 | 27 | |
| 33 | 24 | |
| 36 | 21 | |
| 39 | 18 | |
| 42 | 15 | Begegnung um 43,5 bzw. 13,5 bei 30-Minuten-Takt |
| 45 | 12 | |
| 48 | 09 | |
| 51 | 06 | |
| 54 | 03 | |
| 57 | 00 | Begegnung um 58,5 bei 120- und 60-Minuten-Takt |
Die Summe ist in jeder Zeile 57. In theoretischen Abhandlungen wie auch in Fahrgastzeitschriften wird häufig ein um 3 Minuten zu hoher Wert angegeben, was entgegen der Praxis einer Symmetriezeit zur vollen Stunde entsprechen würde.
Das Konstruktionsprinzip der einheitlichen Symmetrieminute ermöglicht auch erst die Symmetrie der Umsteigezeiten auf andere Linien und ist damit Voraussetzung für eine hohe Akzeptanz von Umsteigeverbindungen bei den Fahrgästen, die nur erreicht werden kann, wenn Umsteigezeiten in beiden Richtungen kurz sind.
Abweichungen von der einheitlichen Symmetrieminute machen sich bei Umsteigebeziehungen sogar mit dem Faktor 2 bemerkbar. Ein markantes Beispiel hierfür ist die S-Bahn Salzburg: Die S1 (Salzburger Lokalbahn) hat 52,5 als Symmetrieminute, weicht also um 6,5 Minuten von der Regel ab. Folge hiervon ist, dass die Umsteigezeiten am Salzburger Hauptbahnhof auf andere Linien in der einen Richtung um 13 Minuten länger sind als in der Gegenrichtung.
Anders als in der Schweiz mit häufig "fliegenden Begegnungen" fahren in Deutschland auf eingleisigen Strecken Züge niemals gleichzeitig in eine Ausweiche ein, sondern etwa vier Minuten zeitversetzt. Das hat zur Folge, dass nur der eine Streckenteil die übliche Symmetriezeit hat, der andere Teil dagegen eine um zwei Minuten frühere oder selten auch zwei Minuten spätere, so z.B. auf der Strecke Bad Steben - Hof:
Von Bad Steben bis Selbitz gilt die übliche Symmetrieminute, von Selbitz bis Hof liegt sie dagegen etwa zwei Minuten später, wodurch die Umsteigezeit in Hof zu den anderen Linien vier Minuten kürzer ist als in Gegenrichtung.
Die Nederlandse Spoorwegen hatten vor dem 10. Dezember 2006 zwar schon einen Taktfahrplan, dessen Anfänge bis 1934 zurückreichen, jedoch eine von anderen europäischen Ländern stark abweichende Symmetriezeit, die bei Minute 46 war, was sich an der Zeitlage des CityNightLine Amsterdam - Garmisch-Partenkirchen auf niederländischem Gebiet heute noch erkennen lässt.
Auch heute noch gibt es einzelne Bahnstrecken mit größeren Abweichungen, so die Mariazellerbahn, die Bayerische Oberlandbahn und die schon erwähnte Salzburger Lokalbahn.
Auf der Stammstrecke der Münchner S-Bahn liegt die Symmetriezeit zwei Minuten später als üblich, also eine halbe Minute nach :00. Die folgende vereinfachte Darstellung ist eine „Momentaufnahme“ eines solchen Zeitpunktes, aufgrund des 20-Minuten-Taktes ebenso zu den Minuten 20,5 und 40,5 gültig.
(S2)
(S4)
(S5) (in Klammern Verstärkerzüge)
(S2)
(S4)
(S5) (in Klammern Verstärkerzüge)
Von links nach rechts, also von West nach Ost: Die Züge der S4 begegnen sich soeben an der Hackerbrücke, zeitgleich (im Berufsverkehr) ist Kreuzung der Verdichterzüge der S2 zwischen Hauptbahnhof und Karlsplatz. Gleichzeitig treffen sich etwa am Marienplatz die Züge der S8, am Isartor S1, am Rosenheimer Platz S5.
Jeweils um 10 Minuten versetzt gilt dies entsprechend für die anderen fünf Trassen.
Die Symmetriezeit in Belgien ist vom mathematischen Standpunkt die logischste: genau zur vollen (und halben) Stunde:
Anhand obiger Animation lässt sich auch erkennen, dass die Bildung von Umlaufverbünden betriebliche Vorteile bieten kann. Bei einem angenommenen 2-Stunden-Takt auf der blauen Linie ergibt sich an der „südöstlichen“ Endstation eine Stehzeit von 1 Stunde. Auf der gelben Linie ist dies sogar an beiden Endstationen der Fall, da ja in deren Streckenmitte der Taktknoten zu jeder zweiten vollen Stunde wahrzunehmen ist. Verknüpft man nun beide Linien an ihrer gemeinsamen Endstation zu einem Umlaufverbund (auch Linienverbund oder Linienwechsel genannt), lässt sich ohne Verschlechterung des Angebots ein Fahrzeug einsparen.
Auch auf Straßenbahn- und Busnetzen gibt es aus Gründen der Optimierung immer häufiger solche Umlaufverbünde, auch mit mehr als zwei Linien, so z.B. in Kassel und Nürnberg. Durch die Technik der Matrixanzeige von Linie und Ziel wird dies begünstigt, da das früher nötige aufwändige Wechseln von Schildern entfällt.