Die Terroranschläge am 11. September 2001 waren eine Reihe von Selbstmordanschlägen auf zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten, die vom islamistischen Terrornetzwerk Al-Qaida koordiniert und ausgeführt wurden. Die Attentäter entführten zwischen 8.10 Uhr und etwa 9.30 Uhr (UTC-4) vier Verkehrsflugzeuge auf Inlandsflügen, lenkten zwei davon in die Türme des World Trade Centers in New York City und eines in das Pentagon in Arlington, Virginia. Ein weiteres Flugzeug mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nach Kämpfen zwischen Attentätern und Besatzung sowie Fluggästen in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania ab. Bei den Anschlägen kamen insgesamt 2.973 Menschen ums Leben.
Die Anschläge werden in den Vereinigten Staaten mit dem Kürzel „9/11” (nine-eleven) bezeichnet, das die amerikanische Schreibweise des Datums wiedergibt, oder mit „September 11 attacks”. Auf Deutsch werden sie meist als die „Anschläge vom 11. September“ bezeichnet.
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Hauptartikel: Terroranschläge am 11. September 2001/Ablauf
Das erste Anzeichen der Entführungen war das Ausfallen des Transpondersignals von American Airlines Flug 11 um 8.20 Uhr Ortszeit (12:20:40 UTC entspr. deutsche Zeit -2h, somit 14:20:40 deutscher Zeit). Kurze Zeit später wurde durch einen Anruf der Stewardess Madeline Amy Sweeney bei der Bodenkontrolle bestätigt, dass es sich um eine Entführung handelte. Spätere Ermittlungen ergaben, dass die Entführung gegen 8.15 Uhr geschah, als auch United Airlines Flug 175 abhob.
Gegen 8.38 Uhr wurde NORAD, die zentrale Stelle zur Luftverteidigung, über die Vorfälle informiert, verbunden mit der Bitte um eine visuelle Überprüfung von Flug 11 durch Militärflugzeuge. Um 8.45 Uhr, ungefähr zur selben Zeit, zu der auch Flug 175 der United Airlines entführt wurde, starteten zwei F-15. Der abgeschaltete Transponder hinderte die Fluglotsen jedoch, deren Piloten sofort die Position von Flug 11 mitzuteilen.
Um 8.46 Uhr Ortszeit (12:46:40 UTC) flog American Airlines Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers. Zu diesem Zeitpunkt ging man noch von einem Unfall aus. Im Südturm wurden die Menschen durch Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, Ruhe zu bewahren und an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben. 17 Minuten später, um 9.03 Uhr (13.03 UTC) flog das zweite Flugzeug (United Airlines Flug 175) in den Südturm des WTC.
Damit wurde den Behörden klar, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern einen gezielten Angriff handelte. Daraufhin wurden nach und nach alle Zivilflüge in den USA eingestellt und Abfangjäger gestartet, um New York zu schützen.
American Airlines Flug 77 war zwischen 8.50 und 9.00 Uhr entführt worden. Um 9.37 Uhr Ortszeit flog der Jet in das Pentagon und schlug einen Tunnel durch das Gebäude. Die Schäden und das nachfolgende Feuer bewirkten dann gegen 10.10 Uhr den Einsturz der beschädigten Abschnitte.
Als Reaktion auf diesen weiteren Angriff wurden gegen 9.45 Uhr alle Flugzeuge unter Androhung eines Abschusses aufgefordert, den nächstmöglichen Flughafen anzusteuern. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das vierte Flugzeug, United Airlines Flug 93, allerdings schon in der Gewalt der Entführer. Als sein Anschlagsziel werden das Weiße Haus, das Kapitol in Washington oder der Landsitz des US-Präsidenten in Camp David vermutet. Um 10.03 Uhr stürzte es, möglicherweise infolge eines Kampfes zwischen den Entführern und den Geiseln an Bord, in der Nähe von Pittsburgh ab. Entgegen ersten Berichten brachten die Entführer, nicht die Geiseln, das Flugzeug zum Absturz.
Mit zusammen rund 90 m³ Treibstoff wirkten die in das WTC geflogenen Jets wie große Brandbomben. Der Südturm stürzte nach 56 Minuten um 9.59 Uhr, der Nordturm nach 102 Minuten um 10.28 Uhr komplett ein. Knapp dreitausend Menschen, darunter 343 Feuerwehrleute, befanden sich noch in den Türmen und wurden beim Einsturz getötet. Dutzende waren bereits aus den oberen Stockwerken in den Tod gesprungen, da ihnen alle Fluchtwege abgeschnitten waren und sie im Feuer zu verbrennen drohten. Fünf weitere Gebäude des WTC, darunter das benachbarte WTC 7, wurden durch Trümmerschäden und Feuer ebenfalls zerstört, ebenso vier U-Bahnstationen. 23 weitere Gebäude, die das WTC umgaben, wurden zum Teil so schwer beschädigt, dass sie später aufgegeben werden mussten.
In Arlington bei Washington zerstörte der Flugzeugaufprall und das dadurch ausgelöste Feuer einen Flügel des Pentagongebäudes (US-Verteidigungsministerium).
Siehe auch den Artikel: Rettungseinsätze nach den Terroranschlägen
Mit dem Beginn des Rettungseinsatzes hatten die Einsatzkräfte ganz unterschiedliche Probleme zu bewältigen. Zum großen Teil gleichzeitig laufen Aktionen verschiedener Organisationen:
Die Räumung der WTC-Gebäude und des Pentagon rettete vielen Tausenden Menschen das Leben. Bei den weiteren Arbeiten ab 12. September können nur wenige Überlebende in der direkten Nachbarschaft geborgen werden. Aus den Flugzeugen gab es keine Überlebenden.
Seit 2005 werden in den USA vermehrt Diskussionen um gesundheitlichen Spätfolgen bei Rettungskräften und Überlebenden der Anschläge insbesondere in New York geführt. Bis Mai 2002 waren insgesamt etwa 40.000 Personen bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten an Ground Zero beteiligt. Sie und die Menschen, die in dieser Zeit in der Nachbarschaft gearbeitet oder/und gewohnt haben, waren in unterschiedlich hohem Ausmaß einer Atemluft ausgesetzt, die deutlich mit Schadstoffen belastet war. Die Abschätzung der Anzahl des möglicherweise (auf Langzeitfolgen zu beobachten) und des tatsächlich geschädigten Personenkreises, auch der Anwohnerschaft, bis hin zu frühzeitigen Todesfällen durch Lungenkrebs u. a. hat erst begonnen.
Die Interpretation der Passagierlisten der entführten Flugzeuge machte rasch klar, dass es sich bei den Tätern um Islamisten gehandelt hatte. Veröffentlicht wurden jedoch, beispielsweise bei CNN, nur getrennte Opfer- und Täterlisten, welche den jeweiligen Flügen zugeordnet wurden. Die 19 Attentäter sind bekannt, u. a. waren es Mohamed Atta al Sayed und Ziad Jarrah. Muhammad Haidar Zammar gilt als wichtiger Rekrutierer und Khalid Scheich Mohammed und Mohammed Atef als Planer der Anschläge. Die Regierung der USA beschuldigte Osama bin Laden als Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida Auftraggeber der Anschläge zu sein.
Dieser bekannte sich zunächst nicht öffentlich zu den Anschlägen, sondern stritt in einem Interview sogar jede Verbindung ab. Erst im Verlauf des Afghanistankrieges wurde ein umstrittenes Videoband entdeckt, in dem er mit führenden Mitgliedern seiner Gruppe über die Planung der Anschläge sprach. In weiteren Erklärungen und Videobotschaften bekannte er sich dann zu seiner Führungsrolle, zuletzt wenige Tage vor der Wiederwahl von George W. Bush zum US-Präsidenten im November 2004.
Die Terrorgruppe Al-Qaida hat sich etwa seit 1991 – dem Zweiten Golfkrieg der Vereinigten Staaten gegen den Irak und der anschließenden Stationierung von US-Militär in Saudi-Arabien – auf den Kampf gegen „den Westen“ und seine Werte orientiert. Sie sehen die USA als den „großen Satan“, der den „kleinen Satan“ (den Staat Israel) decke, um die islamische Nation zu unterdrücken, zu spalten, ihre Reichtümer auszubeuten und sie an ihrer Einigung und Ausbreitung des Islam zu hindern. Sie sehen den Westen von „Ungläubigen“ und „Kreuzzüglern“ (Juden und Christen) beherrscht. Daraus leiten sie das Recht zum wahllosen Töten von Zivilisten und Bürgern verschiedenster Nationen ab, darunter auch Muslimen in den USA. Einige der Attentäter des 11. September 2001, darunter ihr mutmaßlicher Anführer Mohammed Atta, lebten zuvor als Studenten in Hamburg. Dort wurden die Anschläge auf das WTC und das Pentagon angeblich geplant. Nach ihrer Einreise in die USA absolvierten sie dort eine verkürzte Pilotenausbildung. Sie waren dem FBI teilweise bis zu zwei Jahre vor den Anschlägen bekannt und wurden zeitweise überwacht.
Die Anschläge vom 11. September 2001 waren nicht die ersten Anschläge der Al-Qaida gegen US-amerikanische Ziele. Bereits in den Jahren zuvor griff ein Selbstmordattentäter das Kriegsschiff USS Cole (DDG-67) im Jemen an; es folgten Bombenattentate auf US-Botschaften in Kenia und Tansania sowie bereits 1993 ein erster Sprengstoffanschlag in der Tiefgarage des WTC. Die USA antworteten unter US-Präsident Bill Clinton bereits mit Raketenangriffen auf vermutete Terroristen-Lager in Afghanistan und eine vermeintliche Chemiewaffenfabrik im Sudan.
In den 1980er Jahren hatten Bin Laden und seine Mitstreiter als ausländische Mudjahedin am Partisanenkrieg gegen die russische Besetzung Afghanistans teilgenommen. Die CIA belieferte diese „Gotteskrieger“ mit je zur Hälfte von den USA und Saudi-Arabien finanzierten Waffen sowie mit Geheimdienstinformationen und half auch bei deren Ausbildung in Pakistan. Ihr Hauptfeind war damals die Sowjetunion als „Unterdrücker“ der islamischen Afghanen und der Tschetschenen.
Bei diesen Anschlägen, in denen vier entführte Passagierflugzeuge als Werkzeuge benutzt wurden, starben insgesamt 3003 Menschen:
Als wenige Minuten nach den Anschlägen der amerikanische Präsident George W. Bush, der sich zu dieser Zeit in einer Grundschule aufhielt, von den Attentaten unterrichtet wurde („Mr. President, Amerika wurde gerade angegriffen“ – zu diesem Zeitpunkt wusste er bereits von dem Absturz eines Flugzeugs in den Nordturm des WTC), schaute er zunächst kaum von dem Schulbuch auf, das er hielt. Danach gab er ein erstes Statement ab. Auf einen eindeutigen Erlass zur Sicherung Amerikas wartete man zunächst vergeblich.
In Schweigeminuten und Trauerfeiern wurde am 12. September und den Folgetagen in zahlreichen Ländern der Opfer der Terroranschläge von New York und Washington gedacht. Die führenden Politiker vieler Staaten verurteilten die Anschläge in Ansprachen an die jeweilige Bevölkerung und in Beileidsschreiben an die USA.
Am 15. September 2001 kam es z. B. in Berlin zu einer Solidaritätsdemonstration von etwa 300.000 Teilnehmern, darunter dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und dem US-Botschafter Daniel Coats.
In einer großen, landesweit im Fernsehen übertragenen Trauerfeier im Footballstadion von New York gedachten Vertreter aller in New York beheimateten Gruppen und Religionen gemeinsam der Toten und bekräftigten gegenseitig ihre multikulturelle Toleranz als wesentliches Merkmal der Weltmetropole New York.
Erste Erinnerungsstellen in New York waren Absperrzäune oder Wandflächen, an denen Angehörige und Freunde Fotos, Briefe an die Toten, Gedenkstücke (Souvenirs wie das Lieblingsplüschtier der Tochter) angebracht haben. Diese Stellen sind aus den Stellen gewachsen, wo in den ersten Tagen nach den Anschlägen von den verzweifelnden Angehörigen Vermißtenanzeigen aufgehängt wurden. Andere stellen dort Kerzen auf.
Viele Familien und Freunde von Opfern haben Erinnerungsstiftungen (engl.: memorial funds and projects) gespendet oder gegründet, um Not zu lindern und ihr möglichst langfristig vorzubeugen. Soweit dies nach dem Verlust eines Familienangehörigen finanziell gemildert werden kann. Oft sind Selbsthilfegruppen entstanden, die spezielle Schwerpunkte haben, die sich aus der Gruppenzusammensetzung ergeben.
Dazu gehören, neben vielen anderen:
Daneben gab es vielfältige Arten Sachspenden zu leisten: Blutspende, kostenfreie Hotelbenutzung, Arzt und Medikamente für Sans-Papiers, Konzerte oder CDs deren Einnahmen zum großen Teil an die Funds ging, mietfreier Büroraum für Gruppenzusammenkünfte usw.
Die US-Bundesregierung legte ein 8 Mrd US$-Programm sogenannter Liberty Bonds auf.[4]
Die Anschläge waren der erste quasi militärische Angriff auf dem Festland der USA seit 1814. Sie hatten daher weltweit gravierende politische und militärische Folgen. Die von den USA angeführten Gegenmaßnahmen werden unter dem Begriff „Krieg gegen den Terrorismus“ zusammengefasst.
Zunächst machte US-Präsident Bush in einer Regierungserklärung die Erwartung an die Welt deutlich: Every nation [...] now has a decision to make: either you are with us, or you are with the terrorists. („Jede Nation muss sich nun entscheiden: Entweder seid ihr auf unserer Seite oder auf der der Terroristen.“)
Die NATO rief erstmals seit ihrem Bestehen den „Bündnisfall“ aus, fasste den Angriff auf die USA also als Angriff auf alle NATO-Mitgliedsstaaten auf. Trotz dieser und anderer Hilfsangebote unternahm die US-Regierung die ersten militärischen Schritte jedoch zunächst allein. Sie bereitete zunächst einen Angriff auf das Regime der Taliban in Afghanistan vor, dem sie die Unterstützung und Beherbergung der Al-Qaida-Führung vorwarf. Von Beginn an war ein späterer Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein im Gespräch, obwohl diesem keinerlei Verbindungen zur Al-Qaida noch Planungen von Terroranschlägen gegen die USA nachgesagt werden konnten.
Nach internen Streitigkeiten vor allem zwischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenminister Colin Powell wurde Afghanistan ein Ultimatum zur Auslieferung Bin-Ladens gestellt. Das Angebot der Taliban, ihn nach islamischem Gastrecht an ein befreundetes islamisches Land auszuliefern, wurde als unzureichend zurückgewiesen. Einen Monat nach den Anschlägen begann die Bombardierung von Taliban-Stellungen und afghanischer Infrastruktur; bis zum Jahresende war das Regime unter Mullah Omar gestürzt. Dabei bedienten sich die USA auch innerafghanischer Oppositionstruppen, vor allem der sogenannten „Nordallianz“ von Usbeken und Anhängern des am 9. September ermordeten Mujaheddin-Kämpfers Ahmad Schah Massoud. Bin Laden konnte jedoch aus seinem unterirdischen Versteck in Tora Bora entkommen und im Grenzgebiet zu Pakistan untertauchen.
Die anschließende Befriedung und Sicherung des neu eingesetzten, dann durch Wahl bestätigten Präsidenten Hamid Karzai wird vor allem auch durch Bundeswehrtruppen mitgetragen. Damit wurde das im Grundgesetz auf Landesverteidigung begrenzte Einsatzgebiet der Bundeswehr auch auf Einsätze außerhalb des NATO-Gebiets ausgedehnt: Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt, so der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD).
Die strafrechtlichen und zivilen Schritte wurden und werden von vielen Nationen mitgetragen. Dieser Kampf wurde in vielen westlichen Ländern zum Anlass genommen, Einreisebedingungen zu verschärfen, Überwachungsmaßnahmen auszuweiten und grundlegende Menschenrechte einzuschränken. Die Volksrepublik China erklärte bereits einige Jahre zuvor einen Krieg gegen den Terror. Durch das Einschwenken der USA auf diesen Kurs wurde die Position der chinesischen Führung gestärkt. Russland erklärte nachträglich seinen Krieg in Tschetschenien als Kampf gegen den Terror, um die Kritik daran abzuschwächen.
George W. Bush leitete aus dem Kampf gegen den Terror das Recht der USA auf Präventivkriege ab, was als Bush-Doktrin bekannt wurde. Einerseits gab es verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Länder, die zur Festnahme mutmaßlicher Terroristen und zur Zerstörung von angeblichen Terrorgruppen führte, andererseits – hauptsächlich von US-amerikanischer Seite – auch eine Abkehr von internationalen Verträgen und Abmachungen, die vor allem außerhalb der USA zu Irritationen führte. So prägte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Begriff des Alten Europa, womit er diejenigen europäischen Staaten meinte, deren Regierungen sich 2003 gegen den zweiten US-Krieg mit dem Irak wandten – insbesondere Deutschland, Frankreich und Russland.
Weltweit wurden die Anstrengungen für die Flughafensicherheit und Luftsicherheit verstärkt.
Im Rahmen der Befreiung Afghanistans wurden aus der Umgebung der Taliban über 1.000 Verdächtige gefangengenommen, von denen viele bis heute in Haft sind. Bei ihnen handelt es sich größtenteils um Personen arabischer oder asiatischer Herkunft. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Bedingungen, unter denen diese Menschen – die meisten von ihnen auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Guantánamo Bay auf der Insel Kuba – gefangen gehalten werden. Im Einzelnen wird ihnen Kontakt nach außen verwehrt, sie werden ohne Anklage festgehalten und ihre Identität wird geheim gehalten (so dass keine unabhängigen Untersuchungen durchgeführt werden können). Eine Klage auf öffentliche Verhandlung wurde in der Berufungsinstanz abgewiesen.[5][6][7]
Bei den in Guantánamo inhaftierten Personen handelt es sich nicht um Kriegsgefangene im Sinne des 4. Artikels des III. Genfer Abkommens über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Es stellt sich also die Frage, welches Recht bzgl. der Gefangenen von Guantánamo zur Anwendung kommen kann und ob sie einen besonderen Schutz verdienen.
Neben den offiziellen Maßnahmen gab es kurz nach den Anschlägen in den USA auch zahlreiche durch Rachegefühle motivierte Übergriffe gegen arabisch aussehende Menschen (oftmals auch Turban tragende Sikhs) und islamische Einrichtungen. Diese reichten von Beleidigungen über Todesdrohungen und Brandanschläge bis hin zu einigen Morden [8].
Es gibt verschiedene Untersuchungen und einige Untersuchungsberichte. Zum Teil geht es um technische Fragen der Gebäudestabilität und Brandschutzvorkehrungen, zum Teil um das Krisenmanagement. Nicht alles ist veröffentlicht worden.
Folgen der Untersuchungen waren u. a. die Änderungen von Einsatzrichtlinien der New York Fire Department, der New York City Police Department, CIA und FBI, die Gründung des Heimatschutzministeriums und die Städte-Kampagne „Preparedness“.
Der Einfluss von Angehörigen und Angehörigengruppen von Opfern oder kritischer Öffentlichkeit ist in allen diesen Untersuchungen nicht gering zu schätzen, auch wenn sie selbst ihre Effektivität als niedrig oder zu gering einschätzen.
Am 23. Feb. 2005 gibt das Gerichtsmedizinische Institut NY die Einstellung seiner Arbeiten zur gentechnischen Identifizierung von Körperbestandteilen der Opfer bekannt. Von 1.600 der Opfer konnten Körperteile identifiziert werden. Noch etwas über 10 000 Fragmente bleiben nach dem heutigen Wissenstand der Medizintechnik unidentifizierbar. Der Tod von 1.100 Personen in NY bleibt ohne Reste des Körpers, die beerdigt werden könnten.[13]
Zu den Ursachen des islamistischen Terrors gibt es verschiedene Theorien: „Antiimperialistische“ Erklärungsmuster machen den Westen – hier wiederum besonders die USA und Israel – aufgrund ihrer angeblich verfehlten Nahostpolitik selbst für den Hass verantwortlich. Die Tatsache, dass Bin Laden ein ehemaliger Verbündeter der USA und speziell der CIA war, wird auch als Beweis für eine fatale Außenpolitik gesehen, bei der die Unterstützung militanter Gruppierungen während des Kalten Krieges in den entsprechenden Ländern eine Situation geschaffen habe, die schließlich auf die USA selbst zurückgefallen sei. Dies wird als Blowback bezeichnet. Auch das Versagen der reichen westlichen Industriestaaten gegenüber dem Problem der Armut durch eine einseitige Globalisierung habe dem Terror einen Nährboden geschaffen. Diese Sicht vertreten vielfach linke Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Menschenrechtler wie die Inderin Arundhati Roy. Andere Analysen weisen darauf hin, dass Bin Laden durch Baugeschäfte seiner Familie in Mekka ein Milliardenvermögen erworben hat und nicht als Vertreter der Armen gelten könne. Auch für die ökonomische Entwicklung Palästinas habe er seine Mittel nicht eingesetzt.
Aus kultursoziologischer Perspektive wird das Phänomen des islamischen Terrorismus auch als Frontbildung gegen kulturelle Modernisierung gedeutet. Die Verunsicherung, die mit dem Brüchigwerden alter traditionaler Strukturen und Ideologien einhergeht, wird demnach durch verstärkte Besinnung auf die eigenen Wurzeln (Salafismus) kompensiert und im terroristischen Kampf gegen die westlichen Repräsentanten der Modernisierung ausagiert. Durch den spektakulären Anschlag im Zentrum der westlichen Welt soll die Verletzlichkeit der „Juden und Kreuzfahrer“ demonstriert werden.
In diese kultursoziologische Perspektive fügt sich auch die gelegentliche geäußerte Einschätzung des Terrorismus als „Islamfaschismus“ ein, die im terroristischen Kampf gegen die Weltmacht USA sowie den „Erzfeind Israel“ primär eine Form des Antisemitismus erkennt, die mit ähnlichen Stereotypen und Erklärungsmustern operiere wie der klassische europäische Antisemitismus.
Hauptartikel: Verschwörungstheorien zum 11. September 2001
Die Ereignisse vom 11. September haben zu einer Vielzahl von Verschwörungstheorien geführt, die auf erhebliche Resonanz in der Bevölkerung gestoßen sind. Im Mai 2006 wurde in den USA eine Umfrage veröffentlicht, wonach 42 % der Bevölkerung der Ansicht sind, dass die amerikanische Regierung für Vertuschungen in dem Fall verantwortlich ist. Die sich als Skeptiker bezeichnenden Autoren und Gruppierungen führen zahlreiche Umstände an, die ihnen ungeklärt oder widersprüchlich erscheinen, und schließen daraus auf andere Ursachen und Täter, meist die US-Regierung selbst und ihre Geheimdienste. Manche nehmen an, dass den US-Behörden absichtsvolle Untätigkeit verordnet wurde, andere behaupten eine direkte Vorbereitung und Durchführung der Anschläge durch die CIA und andere Bundesbehörden.
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Es existieren zahlreiche weitere Filme – vor allem Dokumentarfilme in englischer Sprache – zu diesem Thema.