Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA/Die Rettungseinsätze
Die Rettungseinsätze am 11. September 2001 in den USA nach den Terroranschlägen, sind in der Fachsprache der Rettungsdienste Großschadensereignisse. Sie betreffen nicht nur hunderte Opfer und Einsatzkräfte sondern sind vom großräumigen Einsatz verschiedener Organisationen geprägt, der zu koordinieren ist, um effektiv zu helfen. An diesem Tag kam hinzu, dass nicht ein Schadensgebiet allein betroffen war, sondern Meldungen über Ereignisse in mehreren Staaten der USA einander beeinflussten. Es handelte sich auch offensichtlich nicht um eine Naturkatastrophe, deren weiterer Verlauf abschätzbar ist. Der Vergleich mit einem militärischen Überraschungsangriff wie 1941 in Pearl Harbor war allen Beteiligten gegenwärtig. Der Kenntnisstand über die Gesamtlage der Betroffenen ist, wie fast immer bei solchen Ereignissen, sehr unterschiedlich gewesen. Die Ereignisse bzw. Ausschnitte davon wurden durch Medien (Fernsehen, Handy/Telefon, Internet und Radio) fast gleichzeitig landes- und weltweit an Millionen Nichtbetroffene übermittelt. Auch das führte zu einigen Wechselwirkungen auf die Rettungseinsätze.
Überblick
Zum großen Teil laufen gleichzeitig verschiedene Aktionen:
Die Bemühungen die Flugsicherung (lokal, regional und national - Federal Aviation Administration, FAA)) zielen zunächst auf eine unblutige Beendigung von Entführungen ziviler Passagierflugzeuge. Erst in einer zweiten Phase gibt es Versuche, Flugzeuge vor dem Erreichen eines vermuteten Ziels abzufangen und evtl. abzuschießen.
Die Hafenbehörde von N Y, Hausbetreiber im WTC, ist eine quasi staatliche Einrichtung, mit eigenen Polizei- und Rettungseinheiten. Bei einem Schadensereignis in dieser Größenordnung soll sie die Arbeit von städtischer Feuerwehr und Polizei unterstützen. Ein Teil ihrer internen Leitstellen sind sehr früh durch die Explosion der beiden Flugzeuge in den Türmen zerstört und können auch nicht vor Ort ersetzt werden.
Die Feuerwehr will nach der Explosion von Flug AA 11 im Nordturm die dort tätigen Angestellten evakuieren und evtl. den Brand löschen. Relativ bald wird das Ziel auf die Rettung und Evakuierung der Beschäftigten zurückgenommen.
Nach der Explosion von Flug UA 175 im Südturm muss während der Rettungsarbeiten mit weiteren Angriffen gerechnet werden. Mit Teileinstürzen der Gebäude wird spätestens ab dann gerechnet. Es werden weitere Hilfskräfte und Transportmittel für Verletzte alarmiert und herangeführt.
Der Räumungsbefehl an die Feuerwehreinheiten im Nordturm führt nur zum Teil zum Abbruch der dortigen Rettungsarbeiten.
Nach dem Einsturz des Südturms muss die Bergung dort Verschütteter beginnen. Die Befehlsinfrastruktur der FDNY ist zum Teil zerstört und muss neu aufgebaut werden.
Nach dem Einsturz des Nordturms muss die Bergung Verschütteter auch dort beginnen. Durch den Einsturz beider Türme sind weitere Gebäude im Umkreis von 500 m zum Teil massiv gefährdet. Die Befehlsinfrastruktur der FDNY ist danach zum großen Teil zerstört und muss neu aufgebaut werden.
Die New Yorker Polizei will zunächst durch Absperrungen die Arbeiten der Feuerwehr erleichtern und insbesondere die Evakuierung der Türme unterstützen. Erste Schritte zur Aufklärung des Ablaufs, insbesondere der Angriffe werden eingeleitet. Später sind weiträumige Absperrungen und Verkehrsumleitungen erforderlich.
Weiter sind beteiligt: FBI, FEMA, Staat New York, die Bundesregierung und verschiedene weitere Bundesbehörden. US-Militär soll die Flugsicherung unterstützen: u. a. das National Military Command Center (NMCC)
Zeitlicher Ablauf (in Eastern Standard Time)
Vergleiche hierzu: Artikel zum Ablauf der Ereignisse insgesamt
ab 7:00 Uhr
7:59
- Flugsicherung: Flug AA 11 hebt in Boston mit 14 Minuten Verspätung ab.
ab 8 Uhr
8:00
- Präsident Bush bekommt sein tägliches Intelligence Briefing. Das Briefing enthält kurze Passagen über ein erhöhtes Terrorrisiko.
8:13
- Die letzte Routine-Kommunikation zwischen Bodenkontrolle und dem Flug AA 11. Der Pilot reagiert auf die Aufforderung, das Flugzeug nach rechts zu lenken. Der Aufforderung zu steigen, direkt danach gesendet, kommt der Pilot nicht mehr nach.
8:14
- Flug UA 175 hebt vom Bostoner Flughafen mit Ziel Los Angeles ab.
8:15
- Der Bostoner Tower versucht Flug AA 11 zu kontaktieren, erreicht ihn aber nicht. Auch der Versuch, über Notruffrequenzen zu kommunizieren, scheitert.
8:20
- Flug AA 11 hört auf, sein Transponder-Signal (Squawk) zu senden und weicht vom Kurs ab. Nach FAA-Vorschriften wird ein Abweichen von mehr als zwei Meilen als Notfall betrachtet. Der Bostoner Tower entscheidet, dass Flug AA 11 entführt wurde. Andere Flugkontrollzentren werden fünf Minuten später informiert, NORAD wird 20 Minuten später informiert.
- Flug AA 77 hebt vom Washington Dulles International Airport nahe Washington, D.C. mit Ziel Los Angeles ab.
8:24
- Der Pilot von Flug AA 11, John Ogonowski, aktiviert den Sprechknopf und ermöglicht damit dem Tower mitzuhören wie einer der Entführer zu den Passagieren sagt: „Wir haben einige Flugzeuge. Seid einfach ruhig und ihr werdet OK sein. Wir kehren zum Flughafen zurück.“
- Ein Fluglotse antwortet: „Wer versucht mich zu rufen?“, worauf der Entführer fortfährt: „Alles wird OK. Wenn Ihr irgendwas versucht, dann gefährdet ihr euch und das Flugzeug. Seid einfach ruhig.“ Danach wusste der Lotse „dass da eine Entführung im Gange war“.
- Ben Sliney, National Operations Manager der FAA, erfährt kurz danach von der Nachricht „Wir haben einige Flugzeuge“.
8:25
- Bostoner Fluglotsen informieren andere Flugkontrollzentren über die Entführung, aber nicht NORAD. Von diesem Zeitpunkt an wissen auch die Lotsen, die die Flüge AA 77 und UA 93 überwachen, von der Entführung einer anderen Maschine.
8:28
- Auf dem Bostoner Flugkontrollradar ist zu sehen, dass Flug AA 11 einen ungeplanten Kurswechsel um 100 Grad nach Süden vornimmt.
- Zu diesem Zeitpunkt wurde der Flug zusätzlich von der FAA und dem American Airlines Hauptquartier überwacht.
- Einer der ersten offiziell bekanntgegebenen Berichte gibt an, dass die Bostoner Flugkontrolle den Flug bis kurz vor dem Aufprall nicht verfolgen konnte, und dass der Tower vorher keine ungewöhnliche Kommunikation feststellen konnte.
- Ein anderer Bericht gibt an, dass die Bostoner Flugkontrolle Flug AA 11 erst ab 8:42 Uhr auf dem Radar hätte sehen können.
- Nach Angaben von NORAD konnte der Flug erst ab 8:40 auf ihrem Radarschirm entdeckt werden. Bis dahin gab die Bostoner Flugkontrolle die Positionsdaten per Telefon durch.
ungefähr 8:30
8:31
- In einer späteren Version seiner Aussage gibt NORAD Angestellter Lt. Colonel Dawne Deskins an, dass die Bostoner Flugkontrolle zu diesem Zeitpunkt NORAD verständigt hat. Seine erste Aussage gibt 8:40 Uhr als den Zeitpunkt an.
8:33
- Fluglotsen hören einen der Entführer von Flug AA 11 zu den Passagieren sagen: „Keine Bewegung bitte, wir fliegen zurück zum Flughafen. Macht keine Dummheiten.“
8:35
- Präsident Bush fährt in Richtung Emma E. Booker Elementary School in Sarasota, Florida.
8:36
- Flugbegleiterin Betty Ong von Flug AA 11 berichtet, dass das Flugzeug sich stark zu einer Seite neigt, dann wieder horizontal fliegt.
- Flugbegleiterin Amy Sweeney im gleichen Flugzeug berichtet, dass das Flugzeug rapide sinkt.
8:37
- Fluglotsen bitten die Piloten von Flug UA 175 nach einem verlorenen American Airlines Flugzeug 10 Meilen südlich Ausschau zu halten. Sie antworten, dass sie es sehen können. Ihnen wird gesagt, dass sie sich fern halten sollen.
8:38
- Die periodische Betätigung des Sprechknopfes durch John Onogowski, dem Piloten von Flug AA 11, hört ungefähr zu diesem Zeitpunkt auf.
8:40
- Die Bostoner Flugkontrolle verständigt NORAD. Tech Sgt. Jeremy Powell, ein Mitglied der Air National Guard, nimmt den Anruf entgegen. Weiter sind beteiligt Lt. Colonel Dawne Deskins, Colonel Robert Marr, Chef von NEADS, Major General Larry Arnold in NORADs Kommandozentrale auf der Tyndall Air Force Base, Florida , NEADS-Cheftechniker Jeremy Powell
- Major Daniel Nash und Lt. Col. Timothy Duffy sind die beiden F-15-Piloten der Air Force, die Flug AA 11 und dann Flug UA 175 verfolgen.
8:41
- Die Piloten von Flug UA 175 informieren die Bodenkontrolle über Flug AA 11, dass er beim Start eine seltsame Übertragung empfangen habe. Es klang so, als hätte jemand kurz den Sprechknopf betätigt und gesagt: „Alle bleiben in ihren Sitzen.“
- Dieser letzte Funkspruch von Flug UA 175, der darin berichtete seltsame Funkspruch wird noch diskutiert, wird einige Sekunden vor 8:42 empfangen.
8:42
8:44
- Der Pilot von US Airlines Flug 583 teilt der Flugkontrolle mit, dass er gerade ein Notsignal von Flug UA 175 aufgefangen hat.
8:45
- Kurz vor dem Aufprall von Flug AA 11 wird Amy Sweeney, Flugbegleiterin der AA, gefragt, ob sie erkennen kann, wo sie ist. Sie sagt: „Ich sehe das Wasser. Ich sehe Gebäude. Ich sehe Gebäude.“ Nach einer Pause: „Oh, mein Gott.“ Wenige Sekunden später ist die Leitung tot.
8:46
- Die zwei F-15 Jäger von der Otis National Guard Base bekommen den Befehl Flug AA 11 abzufangen. Die Jäger sind zu diesem Zeitpunkt ungefähr 190 Meilen von der Position von Flug UA 175 und 188 Meilen von New York City entfernt.
- Flug AA 11 schlägt in den Nordturm, World Trade Center Gebäude Nr. 1 ein.
- Der Anflug und die Explosion werden von einem Battalion-Chief der FDNY zufällig direkt gesehen. Dieser leitet die Rettungseinsätze der FDNY mit einer Alarmierung und Angabe einer Sammelstelle beim WTC ein. Er erhöht den Alarmierungsgrad während der Anfahrt (das bedeutetet die Heranführung weiterer Löschzüge) und richtet in der Lobby des Nordtums eine erste Einsatzleitstelle ein. Er stellt das Nicht-Funktionieren der stationären Verstärkeranlage für die interne Funkkommunikation fest.
- Fahrstühle zum Transport von Löschmannschaften in die Umsteige-Stockwerke (engl.:Skylobbys. Die beiden Türme sind bei ihrer Fahrstuhlversorgung in drei über einander angeordnete Sektionen aufgeteilt) stehen nicht zur Verfügung.
- In der Notrufzentrale 911 gehen verschiedene Notrufe aus dem WTC und der Umgebung ein.
- Nach einem Alarm der Stufe 5 treffen 18 Löschzüge ein (bis 8.59)
ab 9 Uhr
Die zentrale Einsatzleitstelle der FDNY wird wegen der Gefährdung durch herabstürzende Trümmer Ecke West/Libertystraße eingerichtet.
9:03
- United Airlines Flug 175 fliegt in den südlichen Turm, Gebäude Nr. WTC 2, ungefähr zwischen dem 87. und dem 93. Stock. Es explodiert.
- ein weiterer Alarm der Stufe 5 wird gesendet/ausgelöst. Ein Command Post in Südturm und ein Command Post auf der WestStr Avenue werden eingerichtet (bis 9:10)
Weiter fortlaufend:
- Ärzte, Pflegekräfte, Medizinsstudenten aus der Umgebung leisten Erste Hilfe und beginnen notdürftig Verbandsplätze in der direkten Nachbarschaft einzurichten.
- Rettungswagen transportieren Verletzte unterschiedlichsten Grades in Krankenhäuser sowohl im Zentrum wie auch in die weitere Umgebung.
9:15
- 50 Löschzüge sind jetzt am Ort
- Ein weiterer Command Post wird im Marriot Hotel (WTC 3 ) eingerichtet
9:24
- Präsident Bush erklärt die Zusammenstöße mit dem WTC zu einer nationalen Tragödie.
9:34
9:37
- American-Airlines-Flug 77 stürzt in die westliche Seite des Pentagon, explodiert und entfacht ein gewaltiges Feuer. Dieser Abschnitt des Pentagon besteht hauptsächlich aus frisch renovierten, unbesetzten Büros.
9.45
- 2 Feuerwehrmänner im 78. Stock des Südturms konnten von dort noch einen funktionierenden Fahrstuhl mit Personal nach unten (Ziel 41. Stock) schicken.
9:40 – 9:50
- ein weiterer Alarm der Stufe 5 wird gesendet/ausgelöst.
- Ein Chief im WTC 7 lässt den Chiefs auf der West Street ausrichten, dass Einsturzgefahr besteht.
ab 10 Uhr
- Der Südturm des WTC bricht vollständig zusammen. Dabei sterben Hunderte.
10:00
- Durch den Tod der Führungskräfte im WTC2 und die Verlegung der Haupteinsatzleitung ist die Befehlsinfrastruktur der FDNY zum Teil zerstört, bzw. nicht handlungsfähig und muss neu aufgebaut werden.
- 3 WTC (Marriott Hotel) und 4 WTC und die kleine St. Nicholas Greek Orthodox Church werden dabei ebenfalls weitgehend zerstört.
- Nach dem Einsturz des Südturms muss die Bergung der dort Verschütteten beginnen. Gleichzeitig sind in der Umgebung zunächst unübersehbar viele Personen auf Erste Hilfe angewiesen.
- Weitere Gebäude im sind beschädigt, zum Teil massiv einsturzgefährdet: 130 Liberty Street (Deutsche Bank Building, Bankers Trust Building), 90 West Street, 1 und 2 World Financial Center).
Das städtische Office of Emergency Management (OEM) aus dem 23. des nördlich angrenzenden Gebäudes 7 World Trade Center muss wegen Brandgefahr verlegt werden. Es ist über Stunden nicht voll einsatzfähig.
10:10
10:10
- Aus Arlington kommt die Meldung, dass der Westflügels des Pentagon zerstört sei.
10:29
- Der Nordturm des WTC bricht zusammen.
- Durch den Tod vieler Chiefs und die Verschüttung der restlichen Kommandoleitstellen (Incident, 1WTC) ist die Befehlsinfrastruktur der FDNY danach zum großen Teil zerstört und muss neu aufgebaut werden. Dies wird erst nach einer Stunde gelingen. In der Zwischenzeit werden sich zum Teil widersprechende Anweisungen erteilt.
- Hauptaufgabe der Feuerwehr ist ab jetzt: Bergung von Verletzten, verschütteten Verletzten und Toten.
- Auch hier werden benachbarte Gebäude zerstört (der bis dahin noch stehende Rest von 3 WTC, 5 WTC und 6 WTC) oder beschädigt (7 WTC, Barclay-Vesey Building, 2 und 3 World Financial Center). Durch den Einsturz beider Türme sind weitere Gebäude im Umkreis von 500 m zum Teil massiv gefährdet. Die Personenschäden durch die Schuttwolke sind zunächst nicht einzuschätzen.
10:35
- Washington: Zunächst wurde berichtet, dass die Polizei alarmiert wurde, es befände sich ein Wagen mit einer Bombe vor dem State Department. Spätere Berichte zeigten, dass dort nichts passierte.
10:39
- Ein entführter Jumbojet soll sich im Anflug auf Washington, D.C. befinden.
- F 16 Kampfflugzeuge steigen auf und patrouillieren im Luftraum über Washington, D.C. und New York, mit dem Auftrag (wann der Auftrag die Piloten erreicht, ist umstritten) jedes Flugzeug abzuschießen, das dort noch in der Luft ist.
10:45
- Einige Minuten später ordnet Oberbürgermeister Guiliani an Lower Manhattan südlich von Canal Street zu räumen.
ab 11 Uhr
Etwa 200 Feuerwehrfahrzeuge mit ihren Mannschaften sind im Einsatzgebiet.
Lücken
Um 11:30
- Vom Citywide Tour Commander 4C (das ist ein hoher Stabs-Chief) wurde die Kommandostruktur als Gesamt-Einsatzleiter („Incident Commander“) wieder funktionsfähig hergestellt.
ab 12 Uhr
Lücken
ab 13 Uhr
Am Pentagon kämpft nach wie vor die Feuerwehr gegen Feuer.
Die ersten Maßnahmen wurden vom National Military Command Center koordiniert, dieses musste aber geräumt werden, als es sich mit Rauch füllte.
13:27
ab 14 Uhr und später
- Das NYC Office of Emergency Management (OEM, geleitetet vom späteren Direktor Richard Sheirer) zog in die Polizeiakademie um (Dort fanden auch die Pressekonferenzen von OB Giuliani an diesem Tag statt).
17:20
- Das 7 World Trade Center (7 WTC, Salomon Brothers 7), üblicherweise als Gebäude 7 bezeichnet, ein 47-stöckiges Hochhaus, das durch den Kollaps der beiden Türme beschädigt wurde und in Brand geriet, stürzte ein.
- Dabei wird u. a. das Gebäude 30 West Broadway schwer beschädigt.
23:00
- In den Medien gibt es Berichte von Überlebenden, die unter dem Schutt begraben sind und mit Handys auf sich aufmerksam machen. Diese Gerüchte/Medienberichte sind bei den Rettungsdiensten nicht nachvollziehbar.
Probleme beim Einsatz der Feuerwehr
Wie beschrieben, war im Nordturm der Verstärker entweder ausgefallen oder nicht richtig eingeschaltet worden. Die Verständigung erfolgte über sprechfunkgeräte mit einer Reichweite unter 5 Stockwerken oder über Festnetztelefone via Notrufzentrale. Im Südturm gab es nach einem Bericht (Devlin, Telefon-Protokolle) ähnliche Schwierigkeiten. Über das Funktionieren der Kommunikationstechnik im Leitfahrzeug gibt es keinen veröffentlichten Bericht. Nach dem Einsturz des Südturms fiel dieses Fahrzeug vollständig aus. Im McKinsey-Bericht werden die Kommunikationstechnik und die Kommunikationswege zur OEM und zur NYPD-Polizei deutlich kritisiert. Es seien auch keine entscheidungsfähigen Verbindungspersonen (Senior Officers) in den jeweiligen Leitstellen der anderen Hilfsdienste anwesend gewesen.
- Kommunikation zu anderen Hilfsorganisationen, vor allem zur Polizei
Als Folge des vorstehend Beschriebenen wird im McKinsey-Bericht auf den fehlenden Informationsfluss von der NYPD zur Feuerwehr hingewiesen. Fatale Folgen hatte dies insbesondere durch die Nichtweitergabe der Beobachtungen zur Standfestigkeit der Gebäude durch die Hubschrauberbesatzungen (NYPD).
- Transportwege in den Hochhäusern
Es gab in den frei zugänglichen Etagen drei Treppenhäuser. Sie liegen relativ dicht bei einander im Kern der Türme. Der Aufstieg der Rettungskräfte und die Evakuierung der Opfer musste in den selben Fluchtwegen geschehen. Soweit Berichte vorliegen, kam es deshalb zu keinen Komplikationen.
Durch die massiven Brände in den oberen Stockwerken der Türme war anscheinend ein Zugang für Löschmannschaften via Hubschrauber bzw. eine Evakuation über das Dach nicht möglich. Dieses Verfahren war früher von der NYFD erwogen und geprobt worden.
In den veröffentlichten Telefonanrufen in der 911-Notrufzentrale werden wiederholt die verschlossenen Türen zum Dach erwähnt.
Nach dem Einsturz des Südturms wälzte sich eine Wolke aus Brandabgasen, Staub, Glassplittern und Gebäudepartikeln über einen großen Bereich Lower Manhattans. Die Schädigung der Lungenfunktion durch solche Gase etc. ist seit Jahren Allgemeinwissen und wurde offensichtlich auch von sehr vielen Passanten nach dem Einsturz des Südturms befürchtet. Fast niemand der Rettungskräfte und der noch nicht abtransportierten Opfer oder Passanten trug Atemschutzmasken (vgl. Atemschutzfilter). Beim Einsturz des Nordturms nach einer weiteren halben Stunde wiederholte sich das.
Eine der am meisten nachgefragten Erste Hilfe - Leistungen war danach die Gabe von Sauerstoff. Zur Zeit (2006) laufen zwei medizinisch-wissenschaftliche Studien über die Auswirkungen der inkorperierten Gase und Fremdkörpern auf die Atemfunktionen von Rettungskräften und Opfer (insbesondere die Folgen von Asbest). Erste Ergebnisse deuten auf die massivsten Folgen beim Einsatz an den ersten Tagen der Bergungsaktionen hin (im Vergleich zur Teilnahme an den späteren Tagen der Bergungsaktionen. Weiteres s. u.).
- Psychische Begleitung / Führung
Einsatzkräfte und Leitungspersonen, die sich über Stunden selbst in einer Schocksituation befinden, konnten nicht ausgetauscht werden.
Zwischenbilanz am ersten Tag
Auch 24 Stunden nach den Anschlägen konnte oder wollte niemand Zahlen von Verletzen oder Toten bekanntgeben. Polizei und Feuerwehr können nicht sagen, wieviele ihrer Beschäftigten vermisst werden. Hier zunächst Äußerungen von OB Giuliani
Interview von OB R. Giuliani am Mittwochmorgen
Am nächsten Morgen (Mittwoch, 12. Sept. 2001) steht OB R. Giuliani einer Pressekonferenz gegenüber.
At a news conference this morning, Mayor Rudolph W. Giuliani said 45 bodies had been recovered but that estimates of those killed were still in the thousands. (45 Leichname sind geborgen worden. Die Vermutungen über die Zahl der Getötenen gehe aber in die Tausende)
„The best estimate we can make is that there were a few thousand people left in each building,“ he said, adding that rescue work is built around „those kind of numbers.“ (Zur Zeit die am ehesten zutreffende Schätzung, die jetzt getroffen werden kann, ist, dass in jedem der Gebäude nur wenige Tausend geblieben sind. Er fügte hinzu, dass die eingeleiteten Rettungsarbeiten ungefähr auf diesen Zahlen basiert. Gemeint sind die beiden Türme.)
He offered no comment on a report that people could still be heard in the rubble, but he added that there may be at least one other person trapped inside. (Einen Bericht darüber, dass noch Rufe oder Laute von verschütteten Personen zu hören seien, wollte er nicht kommentieren. Aber, fügte er hinzu, mindestens noch eine weitere Person sei irgendwo im Inneren eingeschlossen.)
Eingesetzt waren
von der Polizei:
von der Feuerwehr:
- in der Größenordnung 2000 bis 2500
- davon um 10.30 etwa 400 [1]
von Sanitätsdiensten (z. T. EMS-FDNY):
- in der Größenordnung 500 bis 1000
von anderen Behörden oder Organisationen:
(Angaben evtl. getrennt nach NY, Arlington/Wash., Pen.)
Vermisst werden
Keine Angaben, bezogen auf die Angestellten in den Türmen, am 11. September bekannt
Bezogen auf die FDNY: über 300 [2]
Bezogen auf das NYPD: über 30[3]
Verletzt gerettet wurden
- unter 500 (dabei sind dies meistens Personen, die vor dem Einsturz evakuiert wurden, bzw. Passanten und Rettungskräfte außerhalb der Türme)
Tot geborgen wurden
- unter 50 (dabei ist zu bedenken, dass durch den Einsturz viele noch nicht abtransportierte Leichname verschüttet wurden)
Spätere Funde
Im Oktober 2006 sind Bauarbeiter in der Kanalisation bei Ground Zero beim Auftrag diese von Geröll zu räumen auf menschliche Überreste gestoßen. Gerichtsmediziner wollen auch diese Opfer per DNA-Analyse identifizieren.
Untersuchungen über die Einsätze
<Westen - Luftbild von Ground Zero - . . . Osten >
Es gibt verschiedene Untersuchungsberichte über die Bedingungen der Rettungseinsätze. Zum Teil geht es um technische Fragen der Gebäudestabilität und Brandschutzvorkehrungen, zum Teil um das Krisenmanagement. In der Folge wurden u. a. die Einsatzrichtlinien der FDNY intern und extern überprüft. Der gemeinsame Bericht der Feuerwehrführung und der Beratungsfirma McKinsey & Co (2002, s. u. Links) war eines der bekannten Ergebnisse und zugleich Grundlage für weitere Maßnahmen. Die Gründung des Heimatlandverteidigungsministeriums und die Städte-Kampagne "Preparedness" andere.
Der Einfluss von Angehörigen von Opfern ist in diesen Fragen nicht gering zu schätzen, auch wenn sie selbst ihre Effektivität als zu gering einschätzen.
Spätfolgen für die Helfer und Nachbarn
Bis Mai 2002 waren insgesamt etwa 40 000 Personen bei den Rettungs- und Aufräumarbeiten an Ground Zero beteiligt. Sie und die Menschen, die in dieser Zeit in der Nachbarschaft gearbeitet oder/und gewohnt haben, waren in unterschiedlich hohem Ausmaß einer Atemluft ausgesetzt, die deutlich mit Schadstoffen belastet war. Eine Abschätzung der Anzahl des Personenkreises „Nachbarschaft“ ist bisher nicht bekannt geworden. Die Noxen waren der Regierungsbehörde EPA durch Messungen rund um den Ort der Katastrophe bekannt[4]. Es geht vor allem um Staub, Asbest, Quecksilber und Dioxine. Als Folge könnte vermehrt die Staublunge, Asbestose und deren Komplikationen auftreten. Erste Schätzungen gehen von bis zu 70% Erkrankungen unter den Aufräumarbeitern aus. [5] Um über die Krebs-Inzidenz in der betroffenen Bevölkerung zu schreiben, ist -aus methodischen Gründen- bis heute ein zu kurzer Zeitraum seit 2001 vergangen.
Erste Angaben der EPA (durch deren damalige Leiterin) in den Septembertagen über eine „reine Luft“, die unbesorgt eingeatmet werden kann, waren sicher nicht richtig. Dies bestätigte die Pressesprecherin der Behörde im genannten Interview 2006.
Siehe auch
Literatur
- Interview-Serie der FDNY mit vielen beteiligten Angehörigen der Feuerwehr (zeitl Abstand von 4 Wochen bis 3 Monate, Task Force WTC). Hier veröffentl. durch die Newsday (Long Island and New York City, NY). Es sind Einzelinterviews, bei denen kaum Fragen gestellt werden und der Betroffene frei erzählt. Die Tonbandaufnahmen wurden danach abgeschrieben.
- Wayne Barrett, Dan Collins: GRAND ILLUSION. The Untold Story of Rudy Giuliani and 9/11. HarperCollins. 390 Seiten. Engl. ISBN 0060536608. (Die Rezension von Vincent J. Cannato in der Washington Post vom 3. September 2006; Seite BW07 wirft den Autoren Moralinsäure und Beckmesserei vor. Es enthalte nur Bekanntes. Cannato ist Historiker an der University of Massachusetts, Boston, und hat einschlägig publiziert.)
- Paul Greene, Dianne Kane, Grace H. Christ: FDNY Crisis Counseling: Innovative Responses to 9/11 Firefighters, Families, and Communities. 2006. Verlag John Wiley & Sons, USA. 268 Seiten. ISBN 0471714259 (Englische Abkrzg. PTSD = Posttraumatische Belastungsstörung, dt. Abk.: PTBS; für den engl.: Posttraumatic Stress Disorder)
- Jim Dwyer, Kevin Flynn: ‘‘102 Minuten - Die nie erzählte Geschichte vom Kampf ums Überleben in den Türmen des World Trade Center.‘‘ Piper Verlag, München - 2006; 384 Seiten; Original ISBN 0099492563 engl. - Deutsch: ISBN 3492048897
- Richard Picciotto (mit Daniel Paisner): Unter Einsatz meines Lebens, Malik / Piper, München 2002, ISBN 3-89029-232-1 (Originaltitel: Last Man Down: A Firefighter's Story of Survival and Escape from the World Trade Center. Verlag Berkley Publishing Group. 2002, ISBN 0425186776. 272 Seiten.) Piper Verlag, München, 3. Aufl. 2003, 252 Seiten, ISBN 3492238998
- Joel Meyerowitz: Aftermath. World Trade Centre Archive. 2006. Verlag: Phaidon Press Ltd; USA. 304 Seiten. ISBN 0714846554 (Fotos von den Aufräumungsarbeiten; Englisch)
- Wiss. Lit. zu Gesundheitsschäden der Helfenden und Nachbarn
- Banauch GI, Hall C, Weiden M, et al. Pulmonary function after exposure to the World Trade Center collapse in the New York City Fire Department. In: Am J Respir Crit Care Med 2006;174:312-319. (engl. Zur Lungenkapazität und -funktion)
- Edelman P, Osterloh J, Pirkle J, et al.: Biomonitoring of chemical exposure among New York City firefighters responding to the World Trade Center fire and collapse. In: Environ Health Perspect 2003;111:1906-1911. (engl. Schadensüberwachung von Feuerwehrmännern)
- Fireman EM, Lerman Y, Ganor E, et al.: Induced sputum assessment in New York City firefighters exposed to World Trade Center dust. In: Environ Health Perspect 2004;112:1564-1569. (engl. Auswertung von Sputumproben bei Feuerwehrmännern)
- Geyh AS, Chillrud S, Williams DL, et al.: Assessing truck driver exposure at the World Trade Center disaster site: personal and area monitoring for particulate matter and volatile organic compounds during October 2001 and April 2002. In: J Occup Environ Hyg 2005;2:179-193. (engl. Beobachtungen bei Lkw-Kraftfahrern)
- Landrigan PJ, Lioy PJ, Thurston G, et al.: Health and environmental consequences of the World Trade Center disaster. In: Environ Health Perspect 2004;112:731-739. (engl. Mögliche Folgen)
- Jonathan M. Samet, Alison S. Geyh, Mark J. Utell: The Legacy of World Trade Center Dust. In: New England Journal of Medicine, May 31, 2007, Volume 356:2233-2236
Weblinks
Zum Gedächtnis
Feuerwehr:
andere Hilfskräfte:
Untersuchung und Bericht der „9/11 Commission“:
Umweltuntersuchungen
Überlebende, Gerettete
Quellen
- ↑ The New York Times vom 12. 9. 2001, Seite 1
- ↑ The New York Times vom 12. 9. 2001, Seite xxx
- ↑ wie vorhergehende Anmrkg.
- ↑ Arte Senderinformation zur Reportage am 13.09,2006
- ↑ Joanna Walters: Now death comes to the men who cleaned up Ground Zero. In: The Observer vom 10. September 2006