Thomas Harriot

Thomas Harriot (* 1560 in Oxford; † 2. Juli 1621 in Sion House bei Isleworth, Surrey) war ein englischer Mathematiker, Naturphilosoph und Astronom. Er gründete die English School of Algebra.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Laut Immatrikulation in Oxford im Dezember 1577 war sein Vater plebejischer Herkunft. In seinem Testament von 1621 nennt er eine Schwester und einen Cousin, und das ist alles was man von seiner Familie weiss. Er hörte in Oxford neben dem klassischen Curriculum wahrscheinlich auch Richard Hakluyt über die Geographie der Neuen Welt und wurde vielleicht von diesem an Sir Walter Raleigh empfohlen, in dessen Dienste er 1583 trat. Dort unterrichtete er u.a. Navigation in Vorbereitung des Siedlungsversuchs in Virginia unter Sir Richard Grenville, an dem Harriot teilnahm. 1588 veröffentlichte er ein Buch A brief and true report of the new found land of Virginia. Als Raleigh 1592 in den Tower gesperrt wurde, suchte sich Harriot einen weiteren Patron in der Gestalt von Henry Percy, 9.Earl of Northumberland, einem Freund Raleighs. Von ihm erhielt er eine hohe Pension und lebte auf dessen Grundbesitz Sion House an der Themse für den Rest seines Lebens. 1593 kam er selbst in Schwierigkeiten, als dem Dichter und Geheimagenten Christopher Marlowe wegen Atheismus der Prozess gemacht wurde, wobei in einer von Marlowes Äußerungen auch der Name Harriot fiel. Der Tod Marlowes verhinderte den Prozess. 1604 wurde Harriot auch in den Gunpowder Plot hineingezogen. Der Cousin seines Gönners Percy hatte die Räume unter dem Parlament gemietet, in dem die Pulverladung gestapelt wurde. Der Earl kam 1605-1621 in den Tower, Harriot selbst wurde aber nur kurz inhaftiert - man beschuldigte ihn ein Horoskop über den König Jakob I. gestellt zu haben.

Harriot starb 1621 an Nasen-Krebs, an dem er längere Zeit litt. Eine Erinnerungstafel an der Bank von England erinnert an seine Grabstelle, die dem großen Brand von London 1666 zum Opfer fiel.


Werk

Als Mathematiker erforschte er u.a. Gleichungen, fand wichtige Beziehungen zwischen den Koeffizienten und Wurzeln und 1603 die Inhaltsformel für das sphärische Dreieck. Harrriot war es auch, der die Zeichen = (ist gleich), < (kleiner) und > (größer) in die Mathematik einführte. Sie treten in seinem 1631 posthum veröffentlichten Werk Artis analyticae praxis, welches er vermutlich um 1610 verfasst, erstmalig auf.

In Zusammenhang mit Arbeiten zum Kartenzeichnen erkannte er als erster 1590 die Winkeltreue der stereographischen Projektion. Weiter berechnet er im selben Jahr als einer der Ersten eine Bogenlänge (für die als Loxodrome in der Navigation wichtige Kurve). In seinen Papieren fanden sich auch Interpolationsformeln (die Anfangsterme der Newton-Gregory Formeln), die vielleicht kurz darauf von Briggs für seine Logarithmentafeln verwendet wurden.

Als Astronom verwendete Harriot als einer der ersten das Teleskop für die wissenschaftliche Himmelsbeobachtung. Er fertigte die ersten Zeichnungen der Mondoberfläche an und studierte die vier hellsten Monde des Planeten Jupiter. Harriot entdeckte wohl als erster die Sonnenflecken. Dies geht aus einer Entdeckung hervor, die der deutsche Astronom Franz Xaver von Zach machte. Er fand 1786 Manuskripte von Thomas Harriot. Hierin sind 199 Fleckenzeichnungen enthalten, von denen die erste am 3. Dezember 1610 (nach dem Julianischen Kalender) angefertigt wurde. Diese ersten Zeichnungen wurden jedoch nicht von Harriot veröffentlicht, so dass Johannes Fabricius als erster die Existenz der Sonnenflecken in einer wissenschaftlichen Abhandlung veröffentlichte.

Harriot entdeckte bereits 1601 das Brechungsgesetz des Lichts, also vor Willebrord Snell, versäumte es aber auch hier, seine Entdeckung zu veröffentlichen.

Literatur

  • Harriot Artis analyticae praxis (dt. Praxis der Rechenkunst), 1631 posthum veröffentlicht
  • J.Shirley Thomas Harriot- a biography, Clarendon Press, Oxford 1983
  • Stillwell Mathematics and its history, 2.ed., Springer 2002
  • Lohne Thomas Harriot als Mathematiker, Centaurus Bd.11, 1965, S.19-45
  • ders. Essays on Thomas Harriot 1-3, Archive Hist.Exact Sciences Bd.20, 1979, S.189-312

Weblinks

Quelle:
Artikel Thomas Harriot aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
Lizenz:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika
Bookmarks
delicious wong linkarena google
Sponsoren