| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Thorn (Begriffsklärung). |
| Thorn | |||
|
|||
| Basisdaten | |||
|---|---|---|---|
| Staat: | Polen | ||
| Woiwodschaft: | Kujawien-Pommern | ||
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | ||
| Fläche: | 115,75 km² | ||
| Geographische Lage: | 53° 01' N, 18° 37' O | ||
| Höhe: | 65 m n.p.m | ||
| Einwohner: | 213.278 (31. Dez. 2004) | ||
| Postleitzahl: | 87-100 bis 87-120 | ||
| Telefonvorwahl: | (+48) 56 | ||
| Kfz-Kennzeichen: | CT |
||
| Wirtschaft & Verkehr | |||
| Nächster int. Flughafen: | Flughafen Bydgoszcz | ||
| Verwaltung (Stand: 2006) | |||
| Stadtpräsident: | Michał Zaleski | ||
| Adresse: | Wały Sikorskiego 8 87-100 Toruń |
||
| Webpräsenz: | www.torun.pl | ||
Thorn (polnisch Toruń [ˈtɔruɲ]) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen. Sie liegt an der Weichsel, rund 180 km nordwestlich der polnischen Hauptstadt Warschau. Die Stadt hat rund 213 000 Einwohner, eine Universität, Chemieindustrie und ist Eisenbahnknotenpunkt mit einem bedeutenden Rangierbahnhof. Bekannt ist Thorn vor allem für seine Altstadt mit vielen Gebäuden im Stil norddeutscher Backsteingotik sowie Nikolaus Kopernikus, den berühmten Astronomen aus dem 15. Jahrhundert. Die Stadt ist Sitz des Woiwodschaftsmarschalls, seiner Regierung und des Wojewodschaftsparlaments (Sejmik).
Inhaltsverzeichnis |
Die Stadt Thorn wurde 1231 als erste Stadt im Kulmerland unter Verwaltung des Deutschen Ordens gegründet. Der Deutsche Orden war von dem polnischen Regionalfürsten Konrad von Masowien ins Land gerufen worden, um die in der Gegend wohnenden heidnischen baltischen Pruzzen, (gewaltsam) zu christianisieren. Aktiv wurde der Orden aber erst, nachdem Kaiser Friedrich II. ihm 1226 das Herrschaftsrecht über das zu erobernde Land zugesichert hatte. Den ersten Grundstein zu der Stadt Thorn legte 1231 der Landmeister Hermann von Balk. Einwanderer aus Westfalen bevölkerten die Stadt, die am 22. Dezember 1233 das unter dem Namen der Kulmischen Handfeste bekannte Privilegium erhielt. 1260 wurde das Stadtschloss erbaut.
Ihren Namen erhielt die Stadt angeblich nach der Festung „Toron“ im Heiligen Land (heute Tibnin/Tebnine im Libanon). In alten Dokumenten heißt die Stadt Thoren.
Im 14. Jahrhundert trat Thorn dem Hansebund bei und wurde somit Hansestadt (siehe auch Elbing, Danzig, Königsberg und Kulm). 1367 trat Thorn der Kölner Konföderation von Hansestädten bei. Das Bestreben des Ordens, gleichzeitig seine Landesherrschaft auszudehnen und den Handel zu kontrollieren, führte zu kriegerischen Konflikten und einer Allianz der deutschen Handelsstädte mit dem Königreich Polen. 1411 wurde der Erste Thorner Frieden zwischen dem polnischen König Wladislaw II. und dem Deutschen Orden geschlossen. Bei neuen Auseinandersetzungen wurde 1454 die Ordensburg in Thorn vom Preußischen Bund erobert und von seinen Bürgern zerstört. Am 19. Oktober 1466 wurde der Zweite Thorner Frieden mit dem Deutschen Orden geschlossen. Danach musste der Ordensstaat große Gebiete rund um die untere Weichsel an die polnische Krone abtreten (Preußen königlichen Anteils, 1569 in der polnisch-litauischen Union von Lublin aufgegangen) und sich als Herrscher des verbliebenen Ordensstaates der Lehenshoheit der polnische Krone unterwerfen. Die Städte Thorn, Danzig und Elbing wurden als „Quartierstädte“ des Hansebundes polnische Reichsstädte mit Vertretung im Sejm.
Als Sohn einer Kaufmannsfamilie wurde 1473 der berühmteste Sohn der Stadt, der spätere Astronom Nikolaus Koppernigk (Kopernikus) geboren.
Den vergeblichen Versuch des Hochmeisters Albrecht von Brandenburg, die königlich-polnischen Gebiete Preußens zurückzuerobern, beendete am 5. April 1521 der Waffenstillstand zu Thorn. Vier Jahre später huldigte Albrecht im Frieden von Krakau dem polnischen König, wurde von ihm als weltlicher Herzog von (Ost-)Preußen anerkannt und erhielt eine privilegierte Stellung im polnischen Senat.
1557 nahmen Rat und Bürgerschaft die Reformation an. Die Marienschule wurde 1558 zu einem Gymnasium erhoben. Auf Veranlassung des schwedisch-polnischen Königs Wladyslaw IV. Vasa wurde 1645 unter Ossolinskis Vorsitz das sog. Colloquium charitativum zur Versöhnung der Katholiken und Dissidenten, woran auch Georg Calixt teilnahm, veranstaltet.
Im späten 17. Jahrhundert war der aus Lyck (Ełk) stammende Christoph Hartknoch Direktor des Thorner Gymnasiums, ein bedeutender Historiker der Geschichte des Ordensstaates und Polen-Litauens.
Bei der Fronleichnamsprozession am 16. Juli 1724 kam es zu Streitigkeiten zwischen den Jesuitenzöglingen und den Schülern des protestantischen Gymnasiums. Aus diesem Tumult heraus wurde das Jesuitenkloster gestürmt und verwüstet. Die polnische Regierung führte daraufhin ein (ungesetzliches) Verfahren gegen die Stadt, ließ den Bürgermeister Rößner und neun weitere Bürger am 7. Dezember 1724 enthaupten (Thorner Blutgericht) und bestimmte, dass der Magistrat künftig zur Hälfte aus Katholiken bestehen müsse und die Marienkirche den Katholiken zu übergeben sei. König von Polen war damals Kurfürst August der Starke von Sachsen, wenige Jahre zuvor vom Luthertum zum Katholizisus konvertiert.
Mit der Zweiten Teilung Polens kam Thorn 1793 zusammen mit Danzig zum Königreich Preußen. Durch den Frieden von Tilsit gehörte es ab 1807 zum Großherzogtum Warschau. Am 16. April 1813 kapitulierte die französische Besatzung Thorns vor ihren russischen und preußischen Belagerern, die die Stadt zuvor 8 Tage lang beschossen hatten. Durch die Wiener Kongressakte von 1815 kam es wiederum an Preußen, das es ab 1818 zur Festung ausbaute.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Thorn nach dem Bau der Ostbahn einen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine sehr beliebte Spezialität waren die Thorner Kathrinchen (Pfefferkuchen). Im Jahr 1885 hatte Thorn mit der Garnison 23.906 – überwiegend evangelische – Einwohner. Die Einwohnerzahl wuchs bis zur Volkszählung von 1910 auf 46.000, davon 66 Prozent Deutsche und 34 Prozent Polen.
Nach Ende des 1. Weltkrieges kam Thorn durch den Versailler Vertrag 1920 zu Polen. Zwischen den Weltkriegen lag Thorn im sogenannten polnischen Korridor zwischen dem deutschen Reichsgebiet und Ostpreußen. In dieser Zeit war Thorn Hauptstadt der Provinz (Woiwodschaft) Pomerellen. Der Anteil der Deutschen in der Stadt sank auf 4 Prozent im Jahre 1939.
Im 2. Weltkrieg wurde Thorn 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen von deutschen Truppen besetzt und an das Deutsche Reich angegliedert (Reichsgau Danzig-Westpreußen). 1945 kam die Stadt wieder an Polen. Von Gebäudeschäden war sie weitgehend verschont geblieben. Die deutsche Bevölkerungsgruppe wurde vertrieben. Erst seit dieser Zeit wird Thorn ausschließlich von Polen bewohnt.
Thorn unterhält seit 1978 eine Städtepartnerschaft mit Göttingen und seit 2003 mit Swindon (Großbritannien).
1997 wurde die Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Seit 1999 ist Thorn Sitz des Landtages der Woiwodschaft Kujawien-Pommern (der Woiwode hat seinen Sitz in Bydgoszcz).
Siehe auch: Geschichte Polens
| polnischer Name | deutscher Name (1815-1920 und 1939-45) |
|---|---|
| Barbarka | Barbarken (1942-45 Barbarahof) |
| Bielany | Weißhof |
| Bielawy | Austrieb |
| Bydgoskie Przedmieście | Bromberger Vorstadt |
| Chełmińskie Przedmieście | Culmer Vorstadt (1939-45 Kulmer Vorstadt) |
| Czerniewice | Czernewitz (1942-45 Schwarzwalde) |
| Glinki | Glinke |
| Grębocin | Gremboczyn (1909-45 Gramtschen) |
| Jakubskie Przedmieście | Jakobsvorstadt |
| Jar | - |
| Kaszczorek | Kaschorek (1942-45 Hohenkloster) |
| Katarzynka | Katharinenflur |
| Kępa Bazarowa | Bazarkämpe |
| Kluczyki | - |
| Mokre Przedmieście | Mocker |
| Na Skarpie | Treposch |
| Podgórz | Podgorz (1942-45 Amberg) |
| Port Drzewny | Thorner Holzhafen |
| Rubinkowo | Rubinkowo (1905-45 Bachau) |
| Rudak | Rudak (1942-45 Rodeck) |
| Starówka | Altstadt |
| Stawki | Stewken |
| Wrzosy | Schönwalde |
| Commons: Thorn – Bilder, Videos und Audiodateien |
Kreisfreie Städte: Bydgoszcz | Grudziądz | Toruń | Włocławek
Landkreise: Aleksandrów | Brodnica | Bydgoszcz | Chełmno | Golub-Dobrzyń | Grudziądz | Inowrocław | Lipno | Mogilno | Nakło | Radziejów | Rypin | Sępólno | Świecie | Toruń | Tuchola | Wąbrzeźno | Włocławek | Żnin