| Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung des Comiczeichners Tibet befindet sich unter Gilbert Gascard. |
Tibet (tibetisch བོད་ Bod, sprich: "Pö"; chin. 西藏, Xīzàng) ist ein ausgedehntes Hochland in Zentralasien.
Die Bezeichnung Tibet wird heute sowohl für das gesamte tibetische Hochland verwendet, als auch für das Autonome Gebiet Tibet, ein Verwaltungsgebiet der Volksrepublik China. Das Autonome Gebiet Tibet umfasst etwa die Hälfte des tibetischen Kulturraums und liegt im Süden Tibets. Die nördlichen und östlichen Teile des tibetischen Kulturraums sind Teil der chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan. Im offiziellen chinesischen Sprachgebrauch steht der englische Begriff Tibet (d.h. das chinesische Xizang 西藏) immer für das Autonome Gebiet Tibet; allerdings schließt auch der tibetische Begriff bod bzw. bod yul die osttibetischen Regionen Amdo und Kham, also überwiegend außerhalb des Autonomen Gebiets Tibet gelegenen Gebiete, üblicherweise nicht mit ein. Um mitgerechnet zu werden, muss im Tibetischen bod chen (Böchen) = "Groß-Tibet" gebraucht werden.
Die Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China ist in der breiten Öffentlichkeit umstritten (siehe dazu: Tibets Status), obwohl es weltweit keinen Staat gibt, der dies auf diplomatischer und politischer Ebene tatsächlich in Frage stellt.
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Das Hochland von Tibet, das in seinem äußersten Süden einen großen Teil des Himalaya-Gebirges umfasst und sich auf einer durchschnittlichen Höhe von 4500 Metern erstreckt, wird häufig als „Dach der Welt“ bezeichnet und gilt als die höchstgelegene Region der Welt.
Das Hochplateau Tibets ist wüstenhaft, der trockenste Teil ist der westliche Bereich, der als Changthang (tibetisch für „nördliche Ebene(n)“) bezeichneten alpinen Steppen. Der Grund für die Trockenheit liegt vor allem darin, dass der Himalaya das Hochland nach Süden hin von den indischen Monsunregen abschirmt und im Inneren kontinentales Klima vorherrscht.
Umschlossen wird Tibet von den Gebirgen des Himalaya im Süden, den osttibetisch-chinesischen Randketten im Osten (Min Shan, Minya Konka, Hengduan Shan), dem Karakorum im Westen und dem Kunlun Shan im Norden, aber auch im Inneren wird es von zahlreichen Gebirgsriegeln durchzogen. Tibet grenzt von Westen nach Osten an die indischen Bundesstaaten Jammu und Kashmir, Himachal Pradesh, Uttarakhand, Sikkim und Assam (nach chinesischer Auffassung) bzw. Arunachal Pradesh (nach indischer Auffassung und aktueller politischer Grenzen), sowie an die Länder Nepal, Bhutan und Myanmar (Birma), mit einer Gesamtlänge der Grenze zu diesen drei Ländern von knapp 4000 km.
Das "geographische" Tibet (d.h. das Hochland von Tibet inklusive der Randgebirge in China und den Nachbarländern) erstreckt sich über eine Fläche von 2,5 Millionen km² und wird traditionell in folgende Kulturregionen unterteilt:
Westtibet ist jedoch Teil eines grenzüberschreitenden Kulturraums, der folgende Räume umfasst:
Auch der zentral- und südtibetische Kulturraum erstreckt sich grenzüberschreitend auf:
In all diesen tibetischen Kulturregionen finden sich Tibeter bzw. tibetisch sprechende Gruppen, wobei in den Randgebieten häufig auch andere Völkerschaften zu finden sind, die nicht immer mit den Tibetern sprachlich verwandt oder kulturell eng verbunden sind (Muslime in Amdo und Ladakh). Aus diesem Grunde zeichnet sich der tibetische Kulturraum trotz aller Gemeinsamkeiten auch durch eine gewisse kulturelle Vielfalt aus.
Das Autonome Gebiet Tibet ist eine Verwaltungseinheit der Volksrepublik China. Es umfasst ein Gebiet von 1,2 Millionen km² – die ehemaligen zentraltibetischen Provinzen Ü (dbUs) und Tsang, Ngari, weite Teile des Changthang sowie den westlichen Teil der Kulturregion Kham.
Das Autonome Gebiet Tibet umfasst etwa die Hälfte des tibetischen Kulturraums, da andere Teile des tibetischen Kulturraums schon in historischen Zeiten den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeteilt wurden.
In Tibet herrscht Hochlandklima mit großen Tagestemperaturschwankungen und viel Sonnenschein. Auch sind die Temperaturunterschiede zwischen dem Süden Tibets und dem Norden beträchtlich.
Das angenehmste Klima ist in den tieferen Lagen des Südostens Tibets. Dort liegen auch die Städte Lhasa, Gyangzê und Xigazê. Lhasa hat eine Durchschnittstemperatur von 8 Grad Celsius, Xigazê von 6,5 Grad während nach Norden hin das tibetische Plateau auf über 4500m Höhe ansteigt und in der nördlichen Hälfte Tibets ist die jährliche Durchschnittstemperatur unter 0 Grad (Permafrostgebiet).
Die meisten Bewohner Tibets leben im Gebiet zwischen Lhasa und Xigazê sowie am Ostrand des tibetischen Hochlands während der Norden, der Zentralbereich wie auch der Westen Tibets weitestgehend unbewohnbar sind.
Temperatur in Lhasa (in °C.)
| Monat | Maximum | Minimum |
|---|---|---|
| Januar | 6.8 | -10.2 |
| Februar | 9.2 | -6.9 |
| März | 12.0 | -3.2 |
| April | 15.7 | 0.9 |
| Mai | 19.7 | 5.1 |
| Juni | 22.5 | 9.2 |
| Juli | 21.7 | 9.9 |
| August | 20.7 | 9.4 |
| September | 19.6 | 7.6 |
| Oktober | 16.4 | 1.4 |
| November | 11.6 | -5.0 |
| Dezember | 7.7 | -9.1 |
| Durchschnitt | 15.3 | 0.8 |
Nach einer chinesischen Volkszählung im Jahr 2000 ergeben sich für die verschieden Provinzen des Hochlands von Tibet folgende Bevölkerungsanteile.[1]
| Tibeter und Han-Chinesen in Tibet, aufgeteilt nach Regionen gemäß der Zählung im Jahr 2000 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Total | Tibeter | Han | andere | ||||
| Autonomes Gebiet Tibet | |||||||
| AGT gesamt: | 2.616.329 | 2.427.168 | 92.8% | 158.570 | 6.1% | 30.591 | 1.2% |
| - Lhasa | 474.499 | 387.124 | 81.6% | 80.584 | 17.0% | 6.791 | 1.4% |
| - Qamdo | 586.152 | 563.831 | 96.2% | 19.673 | 3.4% | 2.648 | 0.5% |
| - Shannan | 318.106 | 305.709 | 96.1% | 10968 | 3.4% | 1.429 | 0.4% |
| - Xigazê | 634.962 | 618.270 | 97.4% | 12.500 | 2.0% | 4.192 | 0.7% |
| - Nagqu | 366.710 | 357.673 | 97.5% | 7.510 | 2.0% | 1.527 | 0.4% |
| - Ngari | 77.253 | 73.111 | 94.6% | 3.543 | 4.6% | 599 | 0.8% |
| - Nyingchi | 158.647 | 121.450 | 76.6% | 23.792 | 15.0% | 13.405 | 8.4% |
| Provinz Qinghai | |||||||
| Qinghai gesamt: | 4.822.963 | 1.086.592 | 22.5% | 2.606.050 | 54.0% | 1.130.321 | 23.4% |
| - Xining | 1.849.713 | 96.091 | 5.2% | 1.375.013 | 74.3% | 378.609 | 20.5% |
| - Haidong | 1.391.565 | 128.025 | 9.2% | 783.893 | 56.3% | 479.647 | 34.5% |
| - Haibei | 258.922 | 62.520 | 24.1% | 94.841 | 36.6% | 101.561 | 39.2% |
| - Huangnan | 214.642 | 142.360 | 66.3% | 16.194 | 7.5% | 56.088 | 26.1% |
| - Hainan | 375.426 | 235.663 | 62.8% | 105.337 | 28.1% | 34.426 | 9.2% |
| - Golog | 137.940 | 126.395 | 91.6% | 9.096 | 6.6% | 2.449 | 1.8% |
| - Yushu | 262.661 | 255.167 | 97.1% | 5.970 | 2.3% | 1.524 | 0.6% |
| - Haixi | 332.094 | 40.371 | 12.2% | 215.706 | 65.0% | 76.017 | 22.9% |
| Provinz Sichuan | |||||||
| - Ngawa | 847.468 | 455.238 | 53.7% | 209.270 | 24.7% | 182.960 | 21.6% |
| - Garzê | 897.239 | 703.168 | 78.4% | 163.648 | 18.2% | 30.423 | 3.4% |
| - Muli | 124.462 | 60.679 | 48.8% | 27.199 | 21.9% | 36.584 | 29.4% |
| Provinz Yunnan | |||||||
| - Dêqên | 353.518 | 117.099 | 33.1% | 57.928 | 16.4% | 178.491 | 50.5% |
| Provinz Gansu | |||||||
| - Gannan | 640.106 | 329.278 | 51.4% | 267.260 | 41.8% | 43.568 | 6.8% |
| - Tianzhu | 221.347 | 66.125 | 29.9% | 139.190 | 62.9% | 16.032 | 7.2% |
| Gesamt für Großtibet | |||||||
| Mit Xining und Haidong | 10.523.432 | 5.245.347 | 49.8% | 3.629.115 | 34.5% | 1.648.970 | 15.7% |
| Ohne Xining und Haidong | 7.282.154 | 5.021.231 | 69.0% | 1.470.209 | 20.2% | 790.714 | 10.9% |
Diese Liste beinhaltet alle tibetischen autonomen Gebiete der Volksrepublik China und zusätzlich Xining sowie Haidong. Die beiden letzten wurden berücksichtigt um die Liste für die Provinz Qinghai zu vervollständigen und auch weil die tibetische Exilregierung diese beiden Gebiete als Teil von Großtibet beansprucht.
Die Schätzungen der tibetischen Exilregierung ergeben andere Zahlen. Nach ihren Schätzungen leben im Hochland von Tibet heute 6 Millionen Tibeter und ca. 7,5 Millionen Chinesen; in allen Städten Tibets seien heute Han-Chinesen bereits in der Mehrheit[2] und insgesamt ca. 111.170 Tibeter leben im Exil:[3]
| Tibeter im Exil | |
|---|---|
| Indien | 85.000 |
| Nepal | 14.000 |
| Kanada und USA | 7.000 |
| Bhutan | 1.600 |
| Schweiz | 2.500 |
| Taiwan | 1.000 |
| restliches Europa | 640 |
| Australien und Neuseeland | 220 |
| Skandinavien | 110 |
| Japan | 60 |
Diese Zahlen schließen jene Tibeter nicht mit ein, die als Selbständige, Angestellte oder auch als Schüler in chinesischen Städten in Chinas Osthälfte leben. Allein in Peking leben rund 2000 Tibeter, wie auch Lanzhou, die Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Gansu, und Chengdu, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, einen beträchtlichen tibetischen Bevölkerungsanteil aufweisen. Nichtoffiziellen Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Tibeter, die in Chengdu leben, zwischen 10.000 und 100.000. Aufgrund des inzwischen wieder großen Zuspruchs, dessen sich der tibetische Buddhismus auch unter Han-Chinesen erfreut, lassen sich auch manche hohe Lamas in ost- und südchinesischen Städten wie Shanghai, Hangzhou oder Shenzhen nieder.
Hauptartikel: Tibetische Monarchie; siehe auch Liste der Könige von Tibet
Zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert war Tibet ein starkes Reich. Nach der Schwächung der Position der tibetischen Könige im 10. Jahrhundert bildete sich die prägende Form der tibetischen Gesellschaft aus. Das Land war in drei unterschiedliche Besitzformen unterteilt, freier Grundbesitz, in Ländereien der adligen Familien, und Ländereien unter der Verwaltung verschiedener buddhistischer Klöster. Diese Form bestand bis in die 1950er, wobei zu diesem Zeitpunkt mehr als 700.000 der 1.25 Millionen starken Bevölkerung als vom Adel oder den Klöstern abhängige Bauern tätig waren.
Im Jahre 1240 wurde Tibet durch den mongolischen Khan Güyük Khan erobert und in das Reich eingegliedert. Köden, der jüngere Bruder Güyük Khans wurde 1247 zum vorübergehenden Gouverneur der eroberten Tibet-Region ernannt. Mitte des 13.Jhdt. bis Mitte des 14.Jhdt. wurden Angehörige der Sakya - Schule des tibetischen Buddhismus von den mongolischen Khans als Vizekönige eingesetzt [4]. Es folgten Zwischenregierungen, mit drei Herrschafts-Dynastien. Während der letzten Invasion der Mongolen am Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die jüngste der vier religiösen Linien, die der Dalai Lamas, zur offiziellen Regierung erklärt.
Im frühen 18. Jahrhundert etablierte China das Recht bevollmächtigte Regierungsvertreter, so genannte Amban, in Lhasa zu stationieren. Als die Tibeter im Jahr 1750 gegen China rebellierten und den Regierungsvertreter töteten, reagierte China darauf mit dem Einmarsch seiner Truppen und der Einsetzung eines neuen Vertreters. Die tibetische Regierung führte jedoch wie zuvor ihre Arbeit fort.
Während des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in einem feudalen System unter den Lamas. Die großen Klöster besaßen den Hauptanteil des Landes und monopolisierten das Bildungssystem sowie die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten und zogen Abgaben ein. Ein Handel mit dem Ausland gab es bis auf ein paar Ausnahmen mit Indien, Turkestan und China nicht. Der Dalai Lama wurde als das Oberhaupt angesehen, aber sein Einfluss schwankte mit seinen persönlichen Fähigkeiten. Durch das System der Reinkarnation gab es lange Phasen, in denen der Dalai Lama zu jung war, um sein Amt auszuführen. In dieser Zeit wurde der Panchen Lama als effektive Führung des Landes angesehen.
Während der Phase des Great Game erneuerten die Briten ihr Interesse an Tibet, da sie eine Inbesitznahme Tibets durch Russland befürchteten, das seinen Einfluss nördlich und westlich von Tibet ausweitete. Das Drängen auf ein Abkommen mit England wurde jedoch von der tibetischen und der chinesischen Regierung abgelehnt. Als Antwort erreichte 1904 eine britische Expedition unter der Leitung von Francis Younghusband nach kurzen Kämpfen mit der schlecht ausgestatteten tibetischen Armee die Stadt Lhasa. Hinzugefügt werden muss noch, das Lhasa sehr schwer zu erreichen war, und die Tibeter sehr misstrauisch gegenüber Fremden waren.
Nach der Flucht des 13. Dalai Lama in die Mongolei erwirkten die Briten mit den verbleibenden tibetischen Vertretern ein Abkommen, in dem die Öffnung der Grenze und der Handel zu Britisch-Indien begünstigt wurden. Weiterhin wurde festgelegt, dass Tibet nicht ohne Einverständnis der Briten in Verhandlungen mit anderen Ländern treten durfte. Ein Abkommen mit China 1906 wiederholte diese Bedingungen, was Tibet de facto zu einem Protektorat der Briten machte. Eine Einmischung in innere Angelegenheiten fand jedoch nicht statt.
Im Jahr 1907 stellte ein Abkommen zwischen England, China und Russland die Suzeränität Chinas fest. 1910 schickten die Chinesen eine eigene militärische Expedition, um diesen Anspruch zu festigen. Der Dalai Lama floh erneut, diesmal nach Indien. Aufgrund der Revolution, dem Sturz der Qing-Dynastie und dem damit einhergehenden Ende des Kaisertums in China im Jahr 1911, verließen die chinesischen Truppen Tibet. Im März 1912 zwangen tibetische Verbände die letzten Truppen zum Rückzug. Der Dalai Lama kehrte 1912 zurück und zog 1913 in Lhasa ein. Nur 22 Tage später erklärte er in einer feierlichen Proklamation die förmliche Unabhängigkeit Tibets.[5] Hierbei wurden auch die äußeren Symbole wie Flagge und Hymne festgelegt.
Während der 1920er und 1930er war China durch Bürgerkriege gespalten und durch den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg abgelenkt, gab aber nie den Anspruch auf Tibet auf und unternahm gelegentliche Versuche diesen durchzusetzen. In der Regierungszeit des 13. Dalai Lama hatte Peking jedoch keine Repräsentanten in dessen Territorien, schickte aber nach dessen Tod eine Kondolenz-Mission nach Lhasa, angeführt von General Huang Musong.
Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei Chinas unter Führung von Mao Zedong im Oktober 1949 erwachte der Anspruch auf Tibet erneut. Im Jahr 1950 erreichte die Volksbefreiungsarmee das tibetische Gebiet Chamdo, wo sie nur auf minimalen Widerstand durch die schlecht ausgerüstete tibetische Armee traf. Im Jahr 1951, unter dem militärischen Druck der Volksbefreiungsarmee, unterzeichneten Repräsentanten des 14. Dalai Lama (Tenzin Gyatso) und Chinas in Peking das 17-Punkte-Abkommen zur Bestätigung der Souveränität Chinas über Tibet. Das Abkommen wurde einige Monate später von der Regierung in Tibet bestätigt.
Zu diesem Zeitpunkt unternahm die chinesische Regierung keine Versuche, das soziale oder religiöse System in dem neu geschaffenen Autonomen Gebiet Tibet zu verändern, jedoch wurde das östliche Kham und Amdo wie jede andere chinesische Provinz behandelt. Die dort sofort umgesetzte Landreform erzeugte erste Unzufriedenheit in der Bevölkerung.
In den 1950er kamen in diesen Gebieten größere Unruhen auf, die sich letztendlich bis ins westliche Kham und Ü-Tsang ausweiteten. 1959, zur Zeit des Großen Sprungs nach vorn in China, behandelte die chinesische Führung den mittlerweile erwachsenen Dalai Lama mit offener Pietätlosigkeit. In einigen Teilen Tibets versuchte die Kommunistische Partei wie im restlichen China Volkskommunen zu errichten. Diese Ereignisse führten zu Unruhen in Lhasa, die in einer Rebellion mündeten.
Der tibetische Widerstand gipfelte in einem Volksaufstand am 10. März 1959 in Lhasa. Nach dem Beschuss des Norbulingka durch chinesische Truppen am 17. März 1959 floh der dort verweilende Dalai Lama nach Indien. Zwei Tage später brachen Kämpfe in der Stadt aus, der Volksaufstand wurde am 21. März brutal niedergeschlagen. Bei den Kämpfen starben laut exiltibetischer Angaben zehntausende Tibeter.[6]
Siehe auch: Zeittafel Tibet
Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war Tibet eine Region ohne festgelegte Grenzen, bei innerer Autonomie unter mongolischer Schirmherrschaft. Mit dem Niedergang der mongolischen Macht brachen auf tibetischem Gebiet „Nachfolgeunruhen“ aus.
Aufgrund dieser Unruhen erklärte China um 1720 das Gebiet Tibets zu seinem Protektorat bei voller innerer Autonomie Tibets. Diese Konstruktion hielt fast 200 Jahre lang und hatte Vorteile für beide Seiten.
Die Tibeter waren Herren im eigenen Land und weitgehend ungestört und unter sich. Chinesischen Einfluss gab es nur in den östlichen Randlagen Tibets zu der chinesischen Tiefebene. Dies sind bis heute die Gebiete mit einem größeren Bevölkerungsanteil von Han-Chinesen. Darüber hinaus hatte kaum ein Chinese aus dem Flachland die Motivation, über die tibetischen Trampelpfade – und in Tibet gab es keine Straßen, sondern nur Trampelpfade[7], wenn überhaupt – viele hundert Kilometer durch fast unbewohntes und oft unbewohnbares Gebiet zurückzulegen. Jede Reise in Tibet war beschwerlich und ohne ortskundige Begleitung nicht zu machen. Es gab in Tibet zudem fast nichts, mit dem die Chinesen hätten den Handel treiben können, der diese aufwändige Reise hätte rechtfertigen können. So verweilten zur Zeit des Einmarsches Chinas in das damals de facto unabhängige Tibet im Jahr 1950 dort nur sechs Ausländer, darunter auch die Österreicher Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter.
Auf der anderen Seite garantierte diese Stellung als chinesisches Protektorat der Bevölkerung Tibets den Schutz gegen äußere Feinde und damit den äußeren Frieden.
Für die Chinesen hatte dieser Zustand des Protektorats über Tibet den Vorteil, dass klargestellt war, dass China bis zum Gebirgskamm des Himalayas Gebietsansprüche hatte. Es wurde klargestellt, ab wann fremde Mächte chinesisches Hoheitsgebiet betraten, und einen Krieg mit China wollte keiner der kleineren umgebenden Staaten beginnen.
Aufgrund dieser Konstellation wird in alten europäischen Atlanten Tibet stets als Teil Chinas dargestellt[8], während die Bevölkerung Tibets, wie auch die führende politische Schicht, von solch einer Zugehörigkeit Tibets zu Chinas nichts spürte.
Die Lage änderte sich mit dem Auftauchen der englischen Invasionsarmee, welche die Außengrenzen Chinas nicht respektierte.
Aus Sicht der festland-chinesischen Regierung ist Tibet seit mehreren hundert Jahren ein fester Bestandteil Chinas. Nach dieser Ansicht hätte der 13. Dalai Lama Thubten Gyatso im Jahr 1894 mit Hilfe der britischen Imperialisten versucht, Tibet von China abzuspalten. In diesem Jahr wurde der Statthalter des chinesischen Kaisers vom Dalai Lama aus Tibet vertrieben.[9] Die Kolonialmacht Großbritannien war in China militärisch präsent und unterstützte die Abspaltung Tibets politisch, was die chinesische Regierung zum Stillhalten zwang. Die Unabhängigkeitserklärung von 1913 ist aus chinesischer Sicht völkerrechtlich nie wirksam geworden, da sie weder von China noch von irgendeinem anderen Staat je anerkannt wurde. Mit dem Zurückdrängen der ausländischen Beeinflussung Tibets (1950) und dem Abschluss des 17-Punkte-Abkommens (1951) sei der traditionelle Zustand wiederhergestellt worden.
Die Sichtweise der Volksrepublik China wurde bis 2000 in Taiwan von der Regierung der Republik China geteilt.
Die tibetische Exilregierung vertritt die Auffassung, dass Tibet zum Zeitpunkt der Invasion durch die Volksbefreiungsarmee ein unabhängiger Staat gewesen sei und die militärische Invasion sowie die andauernde Besetzung ein Verstoß gegen internationales Recht und das Recht auf Selbstbestimmung darstellen würden. Ferner sei Tibet nicht, wie es die Volksrepublik darstellt, seit 700 Jahren fester Bestandteil Chinas, sondern stand nur für kurze Zeiten unter dem Einfluss der Mongolen oder der Mandschus, jedoch nie unter dem Einfluss der Han-Chinesen.
Das 17-Punkte-Abkommen ist nach tibetischer Auffassung und nach internationalem Recht ungültig, da die Unterzeichnung durch tibetische Delegierte aufgrund von militärischem Druck Chinas erfolgte. Des Weiteren wird China vorgeworfen, die in dem Abkommen zugesicherte innenpolitische Autonomie und Religionsfreiheit missachtet zu haben.
Am 21. September 1987 machte der Dalai Lama einen Vorschlag zur Annäherung an China in Form eines Fünf-Punkte-Friedensplans.[10]
Die chinesische Regierung wies den Plan am 17. Oktober 1987 zurück und beschuldigte den Dalai Lama die Kluft zwischen ihm und der chinesischen Regierung zu vergrößern. Sie wirft ihm darüberhinaus vor, ein politischer Exilant zu sein, der sich seit langem im Ausland um Chinas Spaltung bemüht. Ein Dialog mit dem Dalai Lama kommt für sie nur in Betracht, sobald dieser auf das Streben nach einer so genannten Unabhängigkeit Tibets verzichtet. Hierzu müsse er in einer öffentlichen und eindeutigen Erklärung Tibet und Taiwan als untrennbare Teile des chinesischen Territoriums und die Volksrepublik China als die einzige legitime Regierung anerkennen, sowie sich zur Einstellung aller Aktivitäten zur Spaltung des Vaterlandes verpflichten.
Der völkerrechtliche Status Tibets ist umstritten. So betrachtet auf politischer Ebene die deutsche Bundesregierung in Übereinstimmung mit der internationalen Staatengemeinschaft Tibet als Teil des chinesischen Staatsverbandes, selbst wenn Tibet in der wechselvollen Geschichte die Voraussetzung eines unabhängigen Staates erfüllt haben sollte. Sie unterstützt aber den tibetischen Anspruch auf Autonomie, insbesondere im kulturellen und religiösen Bereich, als adäquaten Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts des tibetischen Volkes. Weiterhin wird die Exilregierung Tibets nicht anerkannt, Kontakte zum Dalai Lama bestehen nur in dessen Eigenschaft als religiöser Führer.[11]
Andere Stellen kommen zu anderen Ergebnissen in der völkerrechtlichen Frage. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages stellte 1987 fest:
In einer Resolution vom 15. Dezember 1992 stellte das Europäische Parlament fest, dass das tibetische Volk ein Volk im Sinne des Völkerrechts ist und ihm das Recht auf Selbstbestimmung zustehe. Weiterhin verurteilte es die militärische Besetzung Tibets durch chinesische Truppen.[12]
Der US-Senat verabschiedete am 23. Mai 1991 eine Resolution, nach der Tibet, einschließlich derjenigen Regionen, die den chinesischen Provinzen einverleibt wurden, nach gängigen Richtlinien internationalen Rechtes ein besetztes Land bildet, dessen wahre Repräsentanten der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung bilden. Die Chinesische Regierung wurde daraufhin aufgefordert ihre Streitkräfte aus Tibet zurückzuziehen.[13]
Am 13. April 2005 haben Indien und China eine Reihe von Zusammenarbeitsverträgen vereinbart, die unter anderem auch eine gemeinsame Deklaration über die gegenseitig anerkannte Grenze umfassen. Grundsätzlich wird die gegenwärtige aktuelle Waffenstillstandslinie aus dem Grenzkrieg von 1962 als gemeinsame Grenze anerkannt. Dabei verzichtet China ausdrücklich auf Ansprüche südlich der McMahon-Linie (Bundesstaat Arunachal Pradesh) und insbesondere im Gebiet Tawang, in Sikkim und in Ladakh. Indien auf der anderen Seite erkennt die Hoheit Chinas im Gebiet nördlich der McMahon-Linie, in der chinesischen autonomen Region Tibet und auf dem Aksai-Chin-Plateau an.
Hauptartikel: Buddhismus in Tibet
Tibet ist der Mittelpunkt des Tibetischen Buddhismus, der als Vajrayana bekannt ist. Der Buddhismus in Tibet hatte sich zunächst seit dem 8. Jahrhundert und später ab dem 11. Jahrhundert in vier großen buddhistischen Schulen (Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelug) entwickelt. Das weltliche Oberhaupt Tibets ist der im indischen Exil lebende 14. Dalai Lama, der zugleich bedeutender Repräsentant einer Mahayana-Schule (Gelug) ist. Die vorbuddhistische tibetische Religion ist der Bön, die von buddhistischen Einflüssen stark durchdrungen ist – ebenso wie der tibetische Buddhismus wiederum vom Bön beeinflusst wurde. Die tibetische Schrift gehört zu den nordindischen Silbenschriften.
Hauptartikel: Tibetische Literatur
Neben der oralen Tradition des Gesar Epos' entwickelte sich in Tibet spätestens mit der Einführung der tibetischen Schrift im 7. Jh. eine zutiefst religiös geprägte Literatur. Ab dem 13. Jh. wurde der Spiegel der Poesie (tib. snyan ngags me long), die Poetik des indischen Gelehrten Dandin, zur Norm für literarische Komposition. Erst mit der Annexion Tibets durch die Volksrepublik wurde die seit über 800 Jahren statisch festgeschrieben Tradition aufgebrochen und moderne wissenschaftliche, politische und literarische Genres konnten sich etablieren. Während unter dem Stichwort 'Tibetische Literatur' meist der große Schatz religiöser Texte verstanden wird, treten Drama, Lyrik, erzählende Literatur sowie die reiche orale Tradition oft in den Hintergrund. Berühmte Beispiele der tibetischen Literatur sind das Tibetische Totenbuch und das Gesar Epos.
Hauptartikel: Tibetische Küche
Die typische Ernährung ist geprägt von den Produkten des Landes, welches mit seinen rauhen klimatischen Bedingungen die Möglichkeiten der Landwirtschaft einschränkt (z.B. mit der Gerste als dominierendem Getreide) und an seine Bewohner konkrete ernährungsphysiologische Ansprüche stellt. Der allgegenwärtige salzige Buttertee deckt etwa den Flüssigkeitsbedarf auf physiologisch vernünftige Weise. Üblicherweise wird dazu Yakbutter genommen, die ebenso in den Butterlampen Verwendung findet - auch für rituelle Zwecke.
Eine bekannte tibetische Mahlzeit ist Tsampa, ein Vollkornmehl aus gerösteter Gerste das nur mehr mit heißem Buttertee angerührt werden muss. Sie wird auch meist zum Frühstück, als Zwischenmahlzeit oder während Pilgerfahrten und auf längeren Reisen gegessen.
Am 1. Juli 2006 hatte die tibetische Eisenbahn ihre Jungfernfahrt. Sie ist bisher (Stand 2007) die höchste Eisenbahn der Welt mit Fahrt über einen Pass von mehr als 5.000 m über NN, wurde teilweise auf Permafrostboden gebaut und führt durch Erdbebengebiete. Die Bahn erschließt erstmalig Tibet durch Schienenverkehr. Sie gilt als Prestigeobjekt der chinesischen Regierung, ist aber international umstritten wegen befürchteter größerer chinesischer Dominanz in Tibet.
Der Hollywood-Star Richard Gere sieht die Identität des Landes durch die neue Bahnstrecke über das Dach der Welt bedroht. In einem Beitrag für die «Frankfurter Rundschau» spricht der Schauspieler von der größten Bedrohung für Tibets religiöse, kulturelle und sprachliche Identität.[14] Die chinesische Regierung, wie auch große Teile der Han-Chinesen, betrachten jedoch die Tibetbahn als besondere Leistung des chinesischen Staates, sowohl zur Entwicklung der Wirtschaft Tibets, wie auch zur Steigerung des Wohlstands der tibetischen Bevölkerung.
Internationale Flughäfen sind der Flughafen Bangda, Linzhi Airport und der Flughafen Lhasa.
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In den letzten 40 Jahren gab es einen großen Kahlschlag in Tibets Wäldern vor allem im Osten des Landes. Unzählige Transporte mit tibetischem Holz verließen die Regionen meist in Richtung Zentralchina. Die Folgen sind in Tibet, wie auch in anderen vergleichbaren Regionen weltweit, eine hohe Erosion im Hochgebirge einhergehend mit Erdrutschen und erhöhtem Steinschlag, sowie einer Versandung durch Erosion der Wasserläufe, die in Tibet ihren Anfang nehmen und zu großen Flüssen in Asien werden.
Der Waldbestand Tibets betrug 1950 etwa 220.000 km², das entspricht ca. 60% der Fläche Deutschlands, im Jahre 1985 war bereits die Hälfte der Wälder Tibets abgeholzt. (Quelle: Tibet Initiative Deutschland TID e.V.).
In Tibet geht das Gletschervolumen jährlich derzeit um sieben Prozent zurück. [15]
In den letzten Jahren hat sich die Vegetation an den Oberläufen vieler Flüsse in großem Maß reduziert. Bodenerosion und Umweltzerstörung werden immer kritischer. (Quelle: Schweizer Botschaft der VR China)
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