Totes Meer

Totes Meer
Geographische Lage: Israel, Westjordanland, Jordanien
Zuflüsse: Jordan
Abflüsse: abflusslos
Größere Städte am Ufer: En Gedi, Sedom, Al-Mazra
Daten
Geographische Koordinaten: 31° 29′ 27" N, 35° 28′ 47" O
Höhe über Meeresspiegel unter 400 m unter Meer
Fläche 600 km²
maximale Tiefe ca. 400 m; Seeboden 794 m unter Meer
Besonderheiten
  • tiefstgelegener See der Erde
  • dritttiefste Kryptodepression
  • tiefste Landstelle der Erde
  • extrem salzhaltig
  • weitgehend bakterielles Leben

Das Tote Meer (hebr. ים המלח Jam haMelach bzw. „Salzmeer“; arabisch: بحر الميّتBahr al-Mayyit oder بحر لوطBahr Lūt, „Meer des Todes“ oder „Meer des Lot“) ist ein See, der vom Jordan gespeist wird. Er grenzt an Israel, das unter israelischer Verwaltung stehende Westjordanland und an Jordanien.

Der Name geht vermutlich auf Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert zurück. Zuvor wurde der See „Salzmeer“ oder „Asphaltsee“ genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Sonnenaufgang am Toten Meer
Sonnenaufgang am Toten Meer

Das Tote Meer bildet einen abflusslosen und rund 600 km² großen Salzsee, der als Endsee in einer Depression liegt. Diese ist Teil des Jordangrabens, der die nördliche Fortsetzung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs darstellt. Seine Wasseroberfläche wird häufig mit Werten um 396 m unter dem mittleren Meeresspiegel angeben; tatsächlich liegt der Wasserspiegel bei einer fortschreitenden Austrocknung bereits seit einigen Jahren unter -400 m. Neueste israelische Karten (2006) zeigen bereits -418 m als Seespiegelhöhe an. Die Küste des Sees bildet damit den tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erdoberfläche; das Tote Meer ist der am tiefsten liegende See der Erde, aber nicht der tiefste. Der Grund des Sees liegt bei -794 m; damit handelt es sich hier um die dritttiefste Kryptodepression der Erde.

Salzgehalt

Salzverkrustete Steine am Toten Meer
Salzverkrustete Steine am Toten Meer

Der Salzgehalt des Toten Meeres beträgt bis zu 33 %, im Durchschnitt rund 28 % (zum Vergleich: der Salzgehalt des Mittelmeeres liegt bei ca. 3 %). Nur der Assalsee in Ostafrika ist mit knapp 35 % noch salzhaltiger.

Die Mineralzusammensetzung des Toten Meeres unterscheidet sich deutlich von Meerwasser. Es enthält ungefähr 53 % Magnesiumchlorid, 37 % Kaliumchlorid und 8 % Natriumchlorid. Der Rest entfällt auf zahlreiche Spurenelemente. Es enthält wenig Sulfat, jedoch relativ viel Bromid.

Das Tote Meer hat keinen Abfluss. Durch das trockene Wüstenklima verdunstet das Wasser, wobei Mineralien, Salze und anderes zurückbleiben und sich im Toten Meer anreichern. Durch den Zufluss von Wasser aus dem Jordan und den Entzug von Wasser durch die Verdunstung pegelt sich die Höhe das Wasserspiegels ein.

Die Zusammensetzung der Salze im Toten Meer ist hygroskopisch, d. h., dass eine der Speisungsquellen gewissermaßen die Luftfeuchtigkeit ist. Dies hat zur Folge, dass bei moderaten Temperaturen Wasser aus dem Toten Meer nie ganz verdunstet und sich auch keine Salzkrusten oder -kristalle bilden.

Entgegen seinem Namen ist das Tote Meer biologisch nicht tot, jedoch beschränkt sich das Leben weitgehend auf verschiedene Mikroorganismen, insbesondere auf anaerobe, Salpeter, Schwefel und Cellulose abbauende Bakterien. Auch manche Pflanzen mit großer Salztoleranz, die Halophyten, können in dieser extremen Umwelt überleben.

Tourismus

Schwimmen im Toten Meer
Schwimmen im Toten Meer
Zeitunglesen im Toten Meer
Zeitunglesen im Toten Meer

Touristisch interessante Orte am Toten Meer sowie der näheren Umgebung sind Ein Bokek, Neve Zohar, die Oase En Gedi sowie Massada, Jericho und die Höhlen von Qumran. Auf der jordanischen Ostseite des Toten Meeres befinden sich auf der Lisan-Halbinsel die Orte Numeira und Bab Edh Dhra (bekannter als Dhra). Es gibt Annahmen, dass sie die Städte Sodom und Gomorrha waren, die nach biblischer Überlieferung zerstört wurden. Dhra ist einer der archäologisch ältesten Orte mit Belegen für den frühen Ackerbau (hier 9.500 v. Chr.) Mehr als 20.000 bronzezeitliche Schachtgräber werden hier vermutet, erst wenige sind ausgegraben.

Wichtig für die Region ist auch der Badetourismus. Wegen des fast zehnfachen Salzgehaltes gegenüber anderen Meeren trägt das Wasser den menschlichen Körper wie Schaumpolystyrol, man kann nicht untergehen. Da das Salz jedoch schon bei kleinsten Hautverletzungen brennenden Schmerz verursacht, ist erhöhte Vorsicht geboten, zumal die Uferzone verkrustete Steine und scharfkantige Salzstöcke aufweist. Noch schlimmer wird es, wenn Meerwasser in die Augen gerät. Daher gibt es oft Süßwasserduschen, um das Salzwasser abzuspülen.

Andererseits werden die Mineralien des Toten Meeres nicht nur in vielen Körperpflegeprodukten verarbeitet, sondern haben auch eine heilende Wirkung bei Hautkrankheiten, so dass in manchen Fällen von Neurodermitis und Schuppenflechte Kuraufenthalte bzw. Klimaheilbehandlungen auch von deutschen Krankenkassen bezahlt werden.

Wasserspiegel

Pegelstand des Toten Meeres von 1930–2020
Pegelstand des Toten Meeres von 1930–2020

Es wird gemutmaßt, dass der Pegel um 2000 v. Chr. mit -250 m am höchsten stand. In den 1930er-Jahren strömten jährlich ca. 1300 Mio. m³ Wasser ins Tote Meer, heute sind es noch etwa 350 Mio. m³.

Durch die ständige Wasserentnahme aus dem Jordan zur Versorgung Israels und Jordaniens mit Trinkwasser ist das Tote Meer von schleichender Austrocknung bedroht. 2006 beträgt der Pegel -417 m, er sinkt seit den 1980er-Jahren jährlich um etwa einen Meter, da die Zuflussmenge bei gleich bleibender Verdunstung abnimmt. In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist die Oberfläche des Sees um rund ein Drittel geschrumpft. Bis zum Jahre 2020 wird ein Rückgang des Wasserstandes auf -430 m prognostiziert.

Pläne zur Rettung des Toten Meeres sehen vor, einen 300 km langen und fünf Milliarden US-Dollar teuren Kanal vom Roten Meer zu graben. Das zugeführte Wasser könnte den Wasserspiegel stabil halten, und gleichzeitig könnte das Gefälle zur Energieerzeugung genutzt werden. Der Global Nature Fund warnt allerdings vor diesen Plänen. Gefahr bestehe zum einen für die Korallenriffe im Golf von Aqaba, von wo das für das Tote Meer gedachte Wasser entnommen werden soll. Zum anderen könnte die Vermischung des zehnmal salzhaltigeren Seewassers mit dem Meereswasser zu großflächiger Gipsbildung im Toten Meer führen.

Siehe auch

Filme

  • Das Tote Meer. Dokumentation, 45 min, ein Film von Alex West und Daniel Percival, Produktion: SWR, Erstsendung: 22. Juli 2007

Weblinks

Commons
Commons: Totes Meer – Bilder, Videos und Audiodateien
Wiktionary
Wiktionary: Totes Meer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Quelle:
Artikel Totes Meer aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
Lizenz:
Kategorien:
Bookmarks
delicious wong linkarena google
Sponsoren