Transsubstantiation ist der vom aristotelischen Substanz-Begriff abgeleitete philosophisch-theologische Begriff, unter dem besonders in der Römisch-Katholischen Kirche, aber mit Einschränkungen auch in den Ostkirchen und in der anglikanischen Kirche die Lehre von der Realpräsenz Jesu Christi in der Eucharistie erklärt wird.
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Substanz bezeichnete in der Philosophie das Wesen eines Dinges im Gegensatz zu seinen zufälligen Eigenschaften (Akzidentien). Dem liegt die aristotelische Vorstellung der Ousia zu Grunde, die in der Scholastik, namentlich von Thomas von Aquin, wieder vermehrt rezipiert wurde.
Beispiel: Die „substantia“ eines Hasen ist das, was den Hasen zum Hasen macht. Farbe und Größe eines Hasen dagegen gehören zu den Akzidentien.
Eine Trans-Substantiation findet dann statt, wenn sich das Wesen einer Sache ändert. Sie bezeichnet den Wechsel von einer „substantia“ in eine andere.
Ein Beispiel für eine Transsubstantiation wäre das bedruckte Stück Papier, das als Banknote freigegeben wird. Sein bisheriges Wesen war es, bedrucktes Papier zu sein. Als solches hatte es ästhetischen Wert, auch einen geringen Materialwert. Nach der Freigabe ist es offizielles Zahlungsmittel. Sein Wesen (Zahlungsmittel zu sein) hat sich geändert, während die Akzidentien (Aufdruck, Papierzusammensetzung) gleich geblieben sind. Hier handelt es sich um eine funktionale Wesensänderung; so erfährt ein Stück Tuch eine Wesensänderung, wenn es als Flagge gehisst wird.
Allerdings wird der Begriff in dieser Bedeutung nicht verwendet. In der Auffassung des 19. Jahrhunderts sind Werte durch einen gemeinsamen Willen (wie etwa Nationalstolz, der einer Fahne ihren Wert gibt) machbar. Die Transsubstantiation dagegen ist keine machbare, sondern eine als Gnade empfangene Verwandlung.
Die ursprünglich vorherrschende Auffassung, dass Brot und Wein nach den Einsetzungsworten real Leib und Blut Christi seien, ändert sich seit dem Hochmittelalter dahingehend, dass sie bloß symbolisch dafür stehen. In diesem Wandel drückt sich der allmähliche, stark umkämpfte Wandel vom Realismus zum Nominalismus aus (Universalienproblem): Das Bedeutende und das Bedeutete fallen auseinander. Die mit der Transsubstantiation betonte Präsenz des Bedeuteten geht zugleich verloren, ein Widerspruch, den etwa der Historiker Carlo Ginzburg hervorgehoben hat („Sieg der Abstraktion“).
Transsubstantiation ist die bei der Konsekration innerhalb des Hochgebets der Messe erfolgende Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Sie wurde auf dem 4. Laterankonzil 1215 als Dogma formuliert und durch das Konzil von Trient (13. Sitzung, Dekret über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 4: DH 1642) bekräftigt:
Diese Lehre bedeutet, dass Brot und Wein der Materie (Akzidenz) nach das bleiben, was sie vorher waren, aber ihrem Wesen nach etwas anderes geworden sind. Im Unterschied zur heutigen Vorstellung der Reproduzierbarkeit ist für die Vorstellung der Transsubstantation entscheidend, dass sie nicht machbar ist, sondern stets als Gnade empfangen wird. Die menschlichen Einsetzungsworte „verzaubern“ Brot und Wein nicht eigenmächtig.
Die Lehre von der Transsubstantiation war und ist nicht unumstritten. Schon vor der feierlichen Verkündigung 1215 gab es über die Transsubstantiation theologische Auseinandersetzungen in der Kirche, so im 9. und 11. Jahrhundert im ersten und zweiten Abendmahlsstreit. Berengar von Tours meinte im zweiten Abendmahlsstreit, dass Brot und Wein der Substanz nach bleiben, was sie waren und nur die geistige Bedeutung hinzuträte. In Hand und Mund kämen Leib und Blut Christi nicht. Christus befände sich ja unteilbar im Himmel. Sein Leib und sein Blut könne deshalb nicht stückweise in einzelnen Kommunionen ausgeteilt werden.
Trotz dieser und anderer Kritik setzte sich die noch heute gültige kirchliche Lehrmeinung durch.
In der gegenwärtigen katholischen Theologie werden für das aristotelische Begriffspaar „Substanz – Akzidenz“ gern personale Begriffe verwendet, die betonen, dass es um die Gegenwart Christi als des sich fortgesetzt Opfernden geht, der sich wirklich und vorbehaltlos an die Kirche verschenkt („in die Hände der Sünder“) und sie dadurch selbst zu seinem Leib werden lässt. „Empfangt, was ihr seid: der Leib Christi. Werdet, was ihr empfangt: der Leib Christi“ (Augustinus von Hippo). Derartige Deutungsversuche werden vom kirchlichen Lehramt jedoch als unzureichend, ja irrig angesehen, sofern damit ein Abgehen von der traditionellen Transsubstantiationslehre verbunden ist. Vgl. hierzu auch Transsignifikation und Transfinalisation.
Seitdem haben sich innerhalb der römisch-katholischen Kirche zahlreiche Andachtsformen entwickelt, die der Verehrung des Leibes und Blutes Christi dienen – Aussetzung (Ausstellung) von Hostien in Monstranzen (z. B. bei Fronleichnamsprozessionen) etc. Berichte von Hostienwundern, etwa blutenden Hostien oder gar der Verwandlung einer Hostie in den Schmerzensmann während der Messe, unterstreichen das Dogma.
Die Transsubstantiation wird außerhalb der Römisch-katholischen Kirche als Begriff im Sinne einer dogmatischen Definition im Allgemeinen nicht akzeptiert. Die Orthodoxe Kirche bekennt ebenfalls eine Veränderung und nennt die Gestalten von Brot und Wein beim Kommunionempfang „kostbarer Leib und kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus“, kennt aber die Definition von Transsubstantiation nicht. Im Protestantismus gibt es weit auseinandergehende Konzepte, von der leiblichen Gegenwart Christi (Konsubstantiationslehre) über die geistige Gegenwart (reformiertes Verständnis) bis hin zur reinen Gedenkfeier (Zeichen). Aus römisch-katholischer Sicht wird von einer Transsubstantiation in einem protestantischen Gottesdienst wegen der als ungültig angesehenen protestantischen Weihen nicht ausgegangen.
Im ökumenischen Gespräch wird versucht zu klären, ob und wie sich bei unterschiedlicher theologischer Begrifflichkeit eine sachliche Identität bestimmter Glaubensinhalte feststellen lässt. Ein Konsens in der Sache kann im Hinblick auf das orthodoxe und katholische Eucharistieverständnis jedenfalls bereits als erreicht gelten.
Die alt-katholische Theologie lehnt sowohl die katholische Transsubstantiationslehre als auch evangelische Konsubstantiationslehre ab, da die Wandlung ein Mysterium sei und der Substanzbegriff ein vergeblicher Versuch, ein göttliches Geheimnis zu erklären. Eine Erklärung stehe dem Menschen nicht zu; deshalb lehrt die Alt-Katholische Kirche, die Wandlung ohne Erklärungsversuche als gottgegebenes Geheimnis zu akzeptieren.