Valentinianismus
Der Valentinianismus, die Gnosis nach Valentin (Valentinianische Gnosis) bzw. die Valentinianer werden auf den Gnostiker Valentinos zurückgeführt.
Die Lehre des Valentinos, seine Anschauung ist eine synkretistische religiöse Bewegung und stark christlich geprägt. Da ein guter Schöpfergott angenommen wird, stellt sich Valentinos die Frage nach der Herkunft des Elends in der Welt. Die Antwort wird in einer mythischen Erzählung - dem sog. Sophia-Mythos - gegeben:
Durch einen Sündenfall vor der Schöpfung entsteht die Welt. Dieser steht eine rettende Erlösergestalt gegenüber. Somit ergibt sich ein dualistisches Weltbild, eines der Kennzeichen gnostischer Systeme: Die Welt, die Finsternis, das Materielle steht einer geistigen Welt, dem Licht gegenüber.
Rezeption Valentins
Irenäus von Lyon folgend wurden in der Antike vor allem Herakleon und Ptolemäus als unmittelbare Schüler Valentinos' verstanden. In der neueren Forschung treten sie mit ihrer eigenen theologischen Qualität stärker in den Vordergrund,[1] sodass man von einer eigentlichen "Schule" nicht mehr sprechen kann. Grundelemente der Theologie Valentinus' und des Valentinianismus wurden auch von Origenes aufgenommen und weiter entwickelt.[2]
"Letzte Zeugnisse, die für die Existenz von Valentinianern in Anspruch genommen werden können, stammen aus dem 7. Jh. [...], aber nach der Mitte des 5. Jh. scheinen sie keine wirkliche Größe mehr dargestellt zu haben."[3]
Anmerkungen
- ↑ Vgl. Markschies, in: TRE 34, S. 495
- ↑ Vgl. Klaus-Gunther Wesseling: "Valentinos". In: BBKL XII (1997), spp. 1067-1084
- ↑ Markschies, in: TRE 34, S. 498
Literatur
- Christoph Markschies: "Valentin/Valentinianer". In: TRE Bd. 34 (2003), S. 495-500 Google-Booksearch
- Christoph Markschies: Valentinus Gnosticus? Untersuchungen zur valentinianischen Gnosis, mit einem Kommentar zu den Fragmenten Valentins. WUNT 65. Mohr, Tübingen 1992 ISBN 3-16-145993-8
- Christoph Markschies: "Die valentianische Gnosis und Marcion - einige neue Perspektiven". In: Gerhard May, Katharina Greschat, Martin Meiser (Hrsg.): Marcion und seine kirchengeschichtliche Wirkung: Vorträge der Internationalen Fachkonferenz zu Marcion, gehalten vom 15. - 18. August 2001 in Mainz = Marcion and his impact of church history. Berlin; New York: de Gruyter 2002 ISBN 3-11-017599-1, S. 159-175 Google-Booksearch
- Einar Thomassen: The Spiritual Seed. The Church of the "Valentinians". Nag Hammadi and Manichaean Studies 60. Brill, Leiden u.a. 2006 ISBN 90-04-14802-7
- Niclas Förster: Marcus Magus: Kult, Lehre und Gemeindeleben einer valentinianischen Gnostikergruppe. Sammlung der Quellen und Kommentar. WUNT 114. Mohr Siebeck, Tübingen 1999 ISBN 3-16-147053-2
- Everett Procter: Christian Controversy in Alexandria. Clement's Polemic against the Basilideans and Valentinians. American University Studies 7/172. Lang, New York u.a. 1995 ISBN 0-8204-2378-5
- Holger Strutwolf: Gnosis als System. Zur Rezeption der valentinianischen Gnosis bei Origenes. Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte 56. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1993 ISBN 3-525-55164-9