Veganismus ist eine ethisch begründete Einstellung und Lebensweise, welche die Nutztierhaltung und den Konsum tierischer Produkte völlig ablehnt. Menschen, die sich vegan ernähren, vermeiden somit den Konsum von Fleisch, Milch, Eiern, Gelatine und anderen tierischen Lebensmitteln. Einige wenige Veganer konsumieren Honig, was andere Veganer vermeiden. Weiter gefasst achten Veganer bei Kleidung (Leder, Wolle) und anderen Gegenständen des Alltags auf Tierproduktefreiheit (Waschmittel, Putzmittel, Kleinbildfilme, Kleber, Farben etc.).
Manchmal wird auch strenge Vegetarismus ebenfalls als Veganismus bezeichnet.
Nach einer Umfrage lebten 1995 etwa 170.000 Menschen im Vereinigten Königreich vegan[1], nach jüngsten Aussagen der Vegan Society mehr als 200.000 (2005). Laut der Internetseite veganwelt.de[2] gibt es in Deutschland zwischen 250.000 und 460.500 Veganer (etwa 0,3 %–0,5 % der Gesamtbevölkerung), in den USA etwa 0,9 %.
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Das Wort vegan geht auf den Engländer Donald Watson zurück, der 1944 die Vegan Society als Abspaltung der englischen Vegetarian Society (Vegetarier-Gesellschaft) gründete. Ihn und eine Gruppe von Mitstreitern störte, dass der Begriff vegetarisch zunehmend als Abkürzung für ovo-lacto-vegetarische Ernährung gebräuchlich war (das viertletzte Wort wird mit den lat. Präfixen ovo für Ei(er) und lacto für Milch gebildet). So erfand er aus dem Anfang und Ende von „vegetarian“ (englisch Vegetarier) ein neues Wort, welches symbolisch dafür steht, dass Veganismus mit Vegetarismus beginne und ihn zu seinem logischen Schluss führe. Vor der Einführung des Begriffes Veganismus wurde dieser auch als Konsequenter oder Radikaler Vegetarismus bezeichnet. Es gab während und nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Einsatz der Vegetarian Society schon ovo-lacto-vegetarische Essensrationen, die Vegan Society erreichte unter anderem die Versorgung mit extra Rationen von Nüssen für Veganer.
Das Adjektiv zu Veganismus lautet vegan. In den deutschsprachigen Ländern wird oft auch das Adjektiv veganisch (als Ableitung aus Veganismus) gebildet. Der Duden kennt nur den Begriff vegan.
Laut Definition der Vegan Society versucht der Veganismus, „soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll“.
Die meisten Anhänger des Veganismus sehen in der Nutztierhaltung ein Verhältnis, das Ausbeutung und Leid bedingt. Das Leid habe seinen Ursprung in der Tötung von Tieren, die produktionstechnisch bedingt in der Milch- und Eiererzeugung ebenso vorkommt. Über die Betrachtung des Leidens der Tiere hinaus spricht der Veganismus den meisten Tieren das Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit zu. Der Veganismus geht daher meist mit der Befürwortung von Tierrechten einher. Da menschliches Leben ohne Beeinträchtigung anderer Lebewesen nicht möglich ist, wird es als persönliche Entscheidung betrachtet, wo eine nicht vertretbare Schädigung beginnt.
Auch Wissenschaftler nähern sich dem Thema. Zum Beispiel untersucht die Pädagogin Angela Grube das Thema erstmals aus sozialwissenschaftlicher Perspektive im Rahmen einer qualitativen und quantitativen Befragung. Die wichtigsten Ergebnisse sind im dem Buch „Vegane Lebensstile“ nachzulesen. Auch Breyvogel nähert sich der Thematik, wenn auch nur unter dem Aspekt „Jugendkultur“.
Die Entscheidung, vegan leben zu wollen, entsteht meist aus Gründen der persönlichen Ethik. Das aus dem Konsum tierischer Produkte resultierende Halten von Nutztieren sowie das Jagen oder Schlachten von Tieren werden als Gewalt und Ausbeutung empfunden. Veganer gehen davon aus, dass alle Tiere - vom Insekt bis zu höheren Tieren - ein Recht auf die Wahrung ihrer artspezifischen Bedürfnisse haben, und lehnen die Verletzung dieser Interessen ab. Es gibt zwei grundsätzliche unterschiedliche Begründungen:
Veganer führen an, dass das permanente Legen von Eiern bei Haushühnern angezüchtet sei und dass der wildlebende Vorfahre des Haushuhns, das Bankivahuhn, nur zwei- bis dreimal im Jahr ein bis zwölf Eier lege. Wenn die Legeleistung nach einem Jahr nachließe, würden die Hennen meist schnell getötet. Von den Küken, die später die Legehennen ersetzen sollen, ist die Hälfte männlich. Diese werden deshalb meistens sofort getötet, entweder vergast oder vermust, und in einigen Fällen der Nahrung der Legehennen beigefügt.
Die Vermeidung von Milch begründen Veganer damit, dass Kühe nur Milch geben, wenn sie jährlich neu besamt werden und regelmäßig Kälber gebären. Die Kälber gelangen danach auf den Fleischmarkt (siehe auch: Herodes-Prämie). Von den Tieren wird eine hohe Milchleistung erwartet, weswegen sie nach wenigen Jahren nicht mehr produktiv genug sind und getötet werden. Die meisten Veganer vertreten darüber hinaus die Ansicht, dass es nicht notwendig sei, die Muttermilch anderer Spezies/außerhalb des Säuglingsalters zu trinken. Andere lehnen die Haltung von Tieren generell ab. Artgerechte Tierhaltung existiert ihrer Ansicht nach nicht, da Tiere von Natur aus in Freiheit lebten.
Der österreichische Tierrechtler Helmut F. Kaplan hat dazu ein “Vegetarisch-veganes Manifest" verfasst, in dem er sich einerseits zur ethischen Maximalforderung einer veganen Ernährung bekennt, andererseits aber auch versucht, pragmatischen Aspekten und Erfordernissen Rechnung zu tragen.
Als problematisch werden die mit der Massentierhaltung verbundenen Umweltprobleme gesehen. Leute, die eine sogenannte vegane Diät betreiben, um den Verbrauch finanzieller Mittel oder ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, weiten die Idee des ökologischen Vegetarismus auf alle Tierprodukte aus. Die fundamentalen Beweggründe zielen darauf ab, dass jedes zusätzliche Trophieniveau in einer Nahrungskette nur einen Bruchteil der verbrauchten Energie weitergibt. Daher würde eine Diät, die aus pflanzlichen anstatt aus tierlichen Produkten bestünde, generell nicht allzu viele Ressourcen verbrauchen und darüber hinaus indirekt weniger Schäden für die Umwelt verursachen.
Gidon Eshel und Pamela Martin, Wissenschaftler der University of Chicago, errechneten in einer Studie, für die Ernährung ohne tierische Produkte 1.485 Kg weniger CO2-Äquivalente pro Kopf und Jahr als die typische amerikanische Ernährung. Die Autoren meinen, dass sie einige umweltschädliche Faktoren der Viehwirtschaft nicht eingerechnet hätten, die mindestens ebenso hoch wären, wie die Umweltprobleme durch den höheren Bedarf nach Pflanzen, bei einer veganen Ernährung. [3] Das entspricht etwa dem pro Kopf Ausstoß durch Autoverkehr in Deutschland (etwa 1.3T/Jahr CO2 2004). Eine im Auftrag der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) durchgeführte Studie schreibt der Viehwirtschaft mehr Treibhausgas-Ausstoß zu, als dem gesamten Transport- und Verkehrbereich. Die Studie bezieht den Regenwaldverlust und die freigesetzten Treibhausgase bei der Verdauung und aus der Gülle mit ein, und beziffert den weltweiten Anteil am vom Menschen verursachten Ausstoss mit 18%. Die Autoren zitieren darüber hinaus aus einer US-Studie, nach der eine stärker vegetarisch orientierte Ernährung bei gleichhohem Proteinanteil im Mississippi-Becken zu einer Halbierung des Land- und Düngemittelbedarfs führen könne. [4]
Die Herstellung sowie der Verbrauch von Fleisch und anderer Tierprodukte sind ebenso mit der Abholzung von Regenwäldern, Abbau von Ressourcen, der Luft- und Wasserverschmutzung, vermehrter Flächen- und Wasserverbrauch, Artensterben und anderen ernsthaften Umweltproblemen verbunden.[5]
Viele Veganer sind der Überzeugung, dass der Mensch biologisch eher einem sehr anpassungsfähigen Fruktivoren (Fruchtfresser) als einem Omnivoren (Allesfresser) gleiche. Sie führen an, dass Körperbau, Zähne sowie Verdauungstrakt mehr denen von Fruktivoren glichen. Die Fähigkeiten, körperfremdes Cholesterin auszuscheiden und größere Mengen Harnsäure zu spalten, ist beim Menschen verglichen mit anderen Omnivoren eingeschränkt. siehe auch: Tabelle zum Vergleich von Merkmalen des Menschen mit Fleisch- und Pflanzenfressern
Die meisten Veganer vertreten zudem die Ansicht, dass es nicht natürlich sei, die Muttermilch anderer Spezies zu trinken. Dies begründet sich unter anderem darauf, dass (je nach Quelle) 66 % bis 80 % der erwachsenen Weltbevölkerung (geschätzte 10 % bis 15 % in Deutschland) wegen Laktoseintoleranz Tiermilch nicht ohne Beschwerden verdauen können.
Herrschaftskritik fordert die Ablehnung von Herrschaftsverhältnissen, also der Ausübung von Macht. Dies umfasst unter anderem das Herrschaftsverhältnis des Menschen über andere Spezies (Speziesismus), woraus die Forderung nach Veganismus resultiert. [6]
Einige Menschen praktizieren Veganismus auch aus einer herrschaftskritischen Haltung. Veganismus und insbesondere Antispeziesismus wird hier als Teil einer anarchistischen Herrschaftskritik betrachtet. Diese Ansichten sind sehr stark mit ökologischen Aspekten verbunden.[6] Allerdings ist ausschließlicher Veganismus hier nicht dogmatisch gefordert, freegane Arten der Selbstversorgung (Containern, Diebstahl, Schnorren) sind hier ebenfalls vertreten.
Aus dem Umfeld der Tierrechts-Aktion-Nord gibt es den Versuch, die Kritische Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit der Idee der Tierbefreiung zu verknüpfen und Speziesismus von einer marxistischen Position zu kritisieren.
Es gibt darüber hinaus ebenfalls Veganer, die aus spirituellen Gründen vegan leben. Motive können unter anderem Ansichten über die Seele von Tieren, die Sehnsucht nach einem stärkeren Einklang mit der Natur oder religiöser Art sein. Die spirituellen Gründe sind im wesentlichen deckungsgleich mit den spirituellen Gründen der Vegetarier.
Der Jainismus legt teilweise das Prinzip des Ahimsa soweit aus, dass die Mönche immer einen Besen mit sich führen, mit dem sie den Weg vor sich fegen, um nicht versehentlich ein Insekt zu zertreten. Die jainistischen Priester tragen ein Tuch vor Mund und Nase, um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen und dadurch zu töten. Selbst Pflanzen werden vom „Töten“ verschont: In bestimmten Lebensphasen werden nur Früchte verzehrt, die die Pflanzen „freiwillig“ hergeben (Fruganismus); von einem Familienvater wird dieses Verhalten nicht erwartet.
Die neue religiöse Bewegung Universelles Leben legt ebenfalls vegane Ernährung aus ethischen und aus gesundheitlichen Gründen nahe. Jedoch wird von den zugehörigen Betrieben ebenso Honig produziert und vertrieben, was bei den meisten Veganern auf Ablehnung stößt. [7].
Im Hinduismus ebenso wie im Buddhismus gilt vegetarische Ernährung als ethisch überlegen, und einige Richtungen sind strikt vegan. Die Siebenten-Tags-Adventisten ernähren sich teilweise vegetarisch mit einer Bevorzugung des Veganismus.
Leitgedanke ist die Verminderung von Leid durch das Vermeiden von tierischen Produkten und Tiernutzung, doch innerhalb dieses Rahmens sind eine Vielzahl individueller Lebens- und Ernährungsweisen möglich. Im Gegensatz zum Vegetarismus gibt es im Veganismus keine feststehenden, gebräuchlichen Begriffe (wie z. B. „Ovo-Lacto-Vegetarier“). Es existieren eingebürgerte Begriffe, z. B. „Pudding-Veganer“ für Veganer, die wenig auf ausgewogene Ernährung achten und großteils Fertiggerichte und Süßes bevorzugen.
Vorwiegend wird auf Honig verzichtet, jedoch sprechen einige den Bienen Leidempfindungsfähigkeit ab. Vorwiegend werden lederfreie Alternativen bevorzugt; auf der anderen Seiten kaufen manche Veganer weiterhin Lederschuhe, begründet mit der „hohen Überschussproduktion“ von Leder durch die Milch- und Fleischtierhaltung, die durch eine sinkende Nachfrage nicht reduziert werden könne. Daunenjacken und -kissen und ähnliches werden abgelehnt, Wollprodukte als Ursache für den frühen Tod und teilweise Pein der Tiere angesehen. Die Welt ohne Jagd und ohne Tierversuche stellt ein Ideal dar. Allgemein werden unter Veganern alle möglichen Verhaltensweisen auf Leidvermeidungsmöglichkeiten geprüft, so sind darüber hinaus Reiten, Zoos, Delphinarien, Zirkusse und anderes Gegenstand von Ablehnung und Diskussion.
Allgemein sind Veganer in allen Bevölkerungsgruppen und -schichten vertreten. Im subkulturellen Bereich gibt es sie in der Anarcho-Punk- und Straight-Edge-Bewegung. In der „alternativen Szene“ gibt es einige Strömungen, in denen Veganismus verbreitet ist.
Da Vegetarier schon länger in die öffentliche Wahrnehmung getreten sind und darüber hinaus eine wesentlich größere Gruppe darstellen, sind hier erheblich mehr wissenschaftliche Daten verfügbar. Veganismus ist erst seit wenigen Jahren populär geworden und ist somit ein relativ junges Thema, mit dem sich die Wissenschaft ebenfalls erst seit kurzer Zeit intensiver beschäftigt. Einzelfälle über Fehlernährung und Mängel sind bekannt, gestritten wird jedoch darüber, ob sie auf die Masse der Veganer übertragen werden können.
Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich dadurch, dass der Begriff der veganen Ernährung in sehr vielen verschiedenen Nebenbedeutungen benutzt wird und damit ebenso manchmal Ernährungsweisen wie Makrobiotik, Schnitzer Intensivkost, anthroposophische Ernährungslehre und insbesondere Rohkost bezeichnet werden. All diese Ernährungsformen enthalten vegetarische oder vegane Elemente, unterscheiden sich dennoch so sehr, dass sie in gesundheitlicher Hinsicht nicht miteinander vergleichbar sind.
Aus den oben genannten Gründen sind negative und positive Berichte über die Bedarfsdeckung oder Mangelvermeidung von „veganer Ernährung“ getrennt aufgelistet.
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Studien ergaben für die vegane Nahrung eine niedrigere Energiedichte, insbesondere einen geringeren Fettanteil und mehr Ballaststoffe als bei Mischkost, was als gesundheitlich vorteilhaft eingeschätzt wird. Der oft höhere pflanzliche Nahrungsanteil erleichtert es Veganern offenbar, die empfohlene Menge an Gemüse und Obst aufzunehmen. Veganer nehmen insgesamt weniger Schadstoffe auf; so wies zum Beispiel in vielen Studien die Muttermilch von Veganerinnen und Vegetarierinnen deutlich geringere Belastungen auf als die der übliche Mischkost essenden Vergleichsgruppe, da sich in Tieren einige Schadstoffe in größeren Mengen als in Pflanzen ansammeln. Dazu gehören z. B. Schwermetalle und Biozide wie DDT. Bei Tier-Krankheiten wie im Falle von BSE oder H5N1 können Erreger auf den Menschen überspringen.
Ein häufiger Grund für den Wechsel zum Veganismus sind gesundheitliche Beschwerden, vor allem im Herz-Kreislauf-System, oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis. In diesen Fällen kann ein Wechsel zum Veganismus symptomlindernde Auswirkungen haben. Viele Veganer vertreten die Ansicht, dass ihre Ernährung besonders gesund sei und das Risiko ernährungsbedingter Krankheiten senke. Kritiker des Veganismus bezweifeln, dass vegane Ernährung die optimale Kostform hinsichtlich gesundheitlicher Aspekte darstelle und verweisen auf mögliche Mangelerscheinungen. Eine eindeutige Aussage kann dazu, vor allem angesichts der geringen Zahl an aussagekräftigen Studien über die Bedarfsdeckung an Nährstoffen bei veganer Ernährung, heute noch nicht endgültig getroffen werden.
Für eine vegane Diät könnten aus gesundheitlichen Gründen eine Allergie gegen tierisches Eiweiß sprechen, beispielsweise bei Neurodermitis.
Die „American Dietetic Association“ und die „Dietitians of Canada“ kommt in ihrem Journal [8][9] zu dem Schluss, dass „vegetarische Ernährung (ovo-lakto, lakto, vegan) gesund ist, dem Bedarf angemessen und für einen Gesundheitsvorteil sorgt, weil sie vor zahlreichen Krankheiten schützt.“ Ihren Publikationen nach ist „eine angemessen geplante Art der vegetarischen Ernährung für jede Lebensphase geeignet, inklusive der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und in der Pubertät“.
Da insbesondere tierisches Protein die Kalziumausscheidung aus dem Körper unterstützt, sollte sich eine Ernährung ohne tierisches Eiweiß positiv auf die Kalziumbilanz auswirken. So wird bei veganer Ernährung zwar aufgrund der fehlenden guten Quellen weniger Kalzium aufgenommen, eine Bedarfsdeckung durch geringe/keine Kalziumausscheidung ist dennoch möglich [10]. Gerade deswegen wird ein hoher Verzehr von tierischem Eiweiß mit Osteoporose in Verdacht gebracht. Weiterhin korreliert Milchverzehr positiv mit Prostatakrebs und Brustkrebs [11].
Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bereits fleischlose, also vegetarische Ernährung (bei der auf z. B. Eier und Milch nicht verzichtet wird), in der Schwangerschaft die Gefahr eines Mangels an Eisen, Zink, Kupfer [12] sowie an Vitamin B12 [13] mit sich bringt, weshalb schwangeren Vegetarierinnen neben einer sorgfältigen Ernährungsplanung insbesondere der regelmäßige Verzehr von Milchprodukten und Fisch angeraten wird. Der Veganismus kann einen solchen jedoch nicht vertreten. Die Gefahr der Mangelernährung rührt dabei weniger von einer zu geringen Aufnahme der genannten Stoffe her, als von deren bei fleischloser Ernährung geringeren Speicher- und Bioverfügbarkeit [14].
Unausgewogene vegane Ernährung kann zu einer geringen Aufnahme von Vitamin B12 führen, die in extremen Fällen mittelfristig zu Mangelerscheinungen führen kann. Der Körper speichert hauptsächlich in der Leber 2-5 mg dieses Vitamins, das deckt seinen Bedarf auch bei keinerlei Zuführung von Vitamin B12 für ungefährt 4-6 Jahre. Während bei Ernährung mit tierischen Lebensmitteln ein Mangel an Vitamin B12 regelmäßig mit einem Mangel an Folsäure einhergeht und zu Anämie führen kann, sind die Folsäurewerte bei veganer Ernährung meist unproblematisch. Ein bloßer Mangel an Vitamin B12 kann dagegen zu perniziöser Anämie und damit zu erheblichen Gesundheitschäden führen. Diese wird im Gegensatz zur Anämie häufig nicht mithilfe des Blutbilds erkannt, bei veganer Ernährung über mehrere Jahre hinweg sollte die Blutkonzentration von Vitamin B12 daher regelmäßig kontrolliert werden. Einem Mangel kann durch bewusste Ernährung mit veganen Produkten, die mit Vitamin B12 angereichert wurden, entgegengewirkt werden. Entgegen verbreiter Ansichten kommen in milchsauer vergorenen oder fermentierten Lebensmitteln sowie Algen allerdings nur inaktive Vitamin B12-Analoga vor, die die Aufnahme von Vitamin B12 sogar behindern können.
Ein sehr umstrittenes Thema ist, ob der Veganismus die Gefahr von Osteoporose steigere. Aufgrund des Verzichts auf Kuhmilch in der Ernährung und einiger anderer tierischer Calciumquellen wird angenommen, dass dem Körper nicht genügend Calcium zum Knochenaufbau und -erhalt zugeführt werde. Eine Studie, die zeigt, dass Osteoporose nicht häufiger vorkommt als bei Omnivoren, bestätigt diese theoretische Überlegung jedoch nicht [15]. Eine andere Ansicht geht davon aus, dass die geringere Aufnahme von Proteinen bei veganer Ernährung auch zu einem geringeren Verbrauch an Calcium führt und somit die Gefahr von Osteroporose durch vegane Ernährung nicht steigt [16].
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät für jede Lebensphase von einer veganen Ernährung grundsätzlich ab [17].
Die American Dietetic Association hingegen hält eine gut geplante vegane Ernährung für alle Lebensphasen geeignet [18].
Vegane Lebensmittel sind generell alle Lebensmittel, die frei von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch oder Eiern sind.
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