Vernichtungslager Belzec

Das Konzentrationslager Belzec in Bełżec nahe Lublin war ein deutsches Vernichtungslager, in dem in der Zeit des Nationalsozialismus mehr als 600.000 Menschen ermordet wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Gemeinde Bełżec gehörte während der Okkupation von 1939 bis 1945 zum deutsch verwalteten Generalgouvernement.

Bełżec war das erste von drei Vernichtungslagern (neben Bełżec noch Sobibor und Treblinka), die allein zum Zwecke der physischen Vernichtung der Juden in Ostpolen und anderen Teilen Europas errichtet worden waren. Im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ traf am 17. März 1942 der erste Zugtransport mit Juden aus dem Ghetto Lublin in Bełżec ein. Die drei Lager waren in abgelegenen Gebieten errichtet worden, verfügten aber über Gleisanschlüsse, so dass eine große Anzahl Menschen (bis zu 15.000 täglich) ohne größeres Aufsehen dorthin gebracht und getötet werden konnte. Lagerkommandant von Bełżec war der SS-Hauptsturmführer Christian Wirth (1885-1944), der bereits an der Aktion T4 führend beteiligt war. Wirth fand am 26. Mai 1944 bei einer Fahrt von Triest nach Rijeka den Tod bei einem Angriff von Partisanen.

Das Lager, das auch das erste mit fest installierten Gaskammern war, wurde ab Anfang November 1941 vorbereitet, Wirth kam in der zweiten Dezemberhälfte und führte im Februar '42 erste "Probevergasungen" durch.

Ende 1942 wurden Leichen massenhaft exhumiert und auf riesigen Rosten aus Eisenbahnschienen verbrannt.

Im Juni 2004 ist nach einem Jahr Bauzeit eine neue Gedenkstätte nach Entwürfen der polnischen Bildhauer Andrzej Solyga, Zdzislaw Pidyk und Marcin Roszczyk eröffnet worden, die die Topografie des Lagers und der Vernichtungsmaschinerie, dort wo bislang nur planierte Erde war, aufzeigt.

Lagergliederung

Das Lager bestand aus einer etwa 265 x 275 Meter großen Fläche, die in zwei Bereiche unterteilt war. Der eine Teil enthielt Verwaltungsgebäude, Unterkunftsbaracken, eine Eisenbahnrampe und ein Gleis, das in das Lager führte. Im anderen Lagerkomplex befanden sich mehrere Leichengruben (ehem. Panzergräben) und Scheiterhaufen sowie Unterkünfte für die dort arbeitenden Juden, außerdem drei Gaskammern, in denen die Opfer durch Dieselabgase von Panzermotoren erstickt wurden (irrtümlich zu Motortyp und Ort: „U-Boot-Motor“ bei Hannah Arendt Eichmann in Jerusalem, siehe KZ Majdanek).


Siehe auch

Film

  • Guillaume Moscovitz: Belzec. F, 2005, 100 Min.

Anhand von Berichten der wenigen Überlebenden und Interviews mit Bewohnern der Gegend gelingt es dem Regisseur G. Moscovitz, einen Teil der Geschichte des Lagers zu rekonstruieren. (Moscovitz, Jahrgang 1969, redet immer wieder davon, dass dieser Film fast zu spät kommt. Gerade weil es insgesamt nur vier Überlebende dieser Todesfabrik gibt, war es Moscovitz so wichtig, das Andenken der Toten zu ehren. Gedreht hat er vom Stativ und erinnert an Claude Lanzman's "Shoah", das ihn beeinflusst hat. Der Film enthält keinen Kommentar. Es ging ihm darum, zwischen Einzelschicksale und dem nicht fassbaren Schrecken, der von den Zahlen abstrakt ausgeht, zu vermitteln.)

Literatur

  • Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps. Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis 1987, ISBN 0-25334-293-7
  • Jan H. Fahlbusch: Im Zentrum des Massenmordes. Ernst Zierke im Vernichtungslager Belzec. In: Andreas Mix, u.a. (Hrsg.): KZ-Verbrechen. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Metropol, Berlin 2007.
  • Andrzej Kola: Belzec. The Nazi Camp for Jews in the Light of Archaeological Sources. Excavations 1997–1999. Warsaw–Washington 2000, ISBN 8-39055-906-4
  • Rudolf Reder: Belzec. Kraków, 1946 (Erlebnisbericht eines Überlebenden)
  • Adalbert Rückerl (Hrsg.): Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. dtv dokumente, München 1977, ISBN 3-42302-904-8
  • Günter Schlusche: Erfassung einer Todeszone. Denkmal, Friedhof und Museum in Belzec/Polen. Planung: Solyga, Andrzej; Pidek, Zdislaw; Rosczyk, Marcin (Architekten); Fotos: Krynski, Wijciech, Warschau. In: Bauwelt, 2005, Jg.: 96, Nr.22, S.22-27. (Bestandsaufnahme aus architekt. Sicht. Schlagwörter sind dafür: Denkmal, Gedenkstätte, Museum, Konzentrationslager, Landschaftsgestaltung, Gestaltungselement, Betonwand, Materialwahl, Wegeführung)
  • Peter Witte and Stephen Tyas: A New Document on the Deportation and Murder of Jews during "Einsatz Reinhardt" 1942. In: Holocaust and Genocide Studies, Vol. 15, No. 3, Winter 2001, ISBN 0-19922-506-0
  • Irmtrud Wojak Eichmanns Memoiren. - Frankfurt/M.: Campus 2001, Fischer TB 2004

Weblinks

Quelle:
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