Als Vichy-Regime (offiziell: État français) wird die Regierung Frankreichs nach der Niederlage gegen Deutschland und der Verfassungsänderung vom 17. Juli 1940 bezeichnet. Das Vichy-Regime löste die Dritte Französische Republik ab und bestand bis 1944.
Staatsrechtlich unterstand dem Vichy-Regime ganz Frankreich mit Ausnahme von Elsaß-Lothringen, das im Waffenstillstandsabkommen von Compiègne unter deutsche Verwaltung gestellt worden war. Des Weiteren stand ein kleines Gebiet im Südosten des Landes (u. a. Monaco und Nizza) unter italienischer Verwaltung, dessen Besetzung von der deutschen und der Vichy-Regierung lediglich geduldet wurde.
Tatsächlich erstreckte sich die Verwaltungshoheit lediglich über 40 % des Mutterlandes und die Überseegebiete. Der Rest des Gebietes war nach dem verlorenen Westfeldzug 1940 dem deutschen Militärbefehlshaber in Paris unterstellt, der Norden des Landes (Départements Nord und Pas-de-Calais) jenem in Brüssel. In den besetzten Gebieten bedurften alle Gesetze und Erlässe des Vichy-Regimes der Gegenzeichnung durch die deutsche Militärverwaltung. Als sich nach der Landung der Alliierten in Nordafrika (Operation Torch, November 1942) eine Invasion von Hitlers „Festung Europa“ abzeichnete, besetzten Deutsche und Italiener auch das bislang unbesetzte Frankreich. Nach der alliierten Invasion in der Normandie wurden die Mitglieder der Vichy-Regierung im August 1944 festgenommen und nach Sigmaringen gebracht. Das Regime erhielt den Namen nach seinem Regierungssitz, dem Kurort Vichy in der Auvergne.
Am 16. Juni 1940 zeichnete sich mit der Einschließung der französischen Armeegruppen 2 und 3 der Zusammenbruch der französischen Verteidigung als Folge des erfolgreichen deutschen Westfeldzuges ab. Als Ministerpräsident Reynaud im Parlament für die Fortführung des Krieges an der Seite der Alliierten und den Abschluss der von Churchill vorgeschlagenen britisch-französischen Allianz plädierte, blieb er in der Minderheit und trat zurück. Der französische Staatspräsident Albert Lebrun betraute daraufhin seinen Stellvertreter, den populären Marschall Pétain („Held von Verdun“) mit der Regierungsbildung und der Einleitung von Waffenstillstandsverhandlungen. Der Waffenstillstand wurde am 22. Juni 1940 in Compiègne unterzeichnet. Er brachte u. a. die de facto Teilung Frankreichs in einen unter deutscher Militärverwaltung stehenden Nord- und Westteil sowie einen unbesetzten Südteil (etwa 40 % der Landesfläche) mit Vichy als Sitz der französischen Regierung. Diese Regierung war grundsätzlich weiterhin für ganz Frankreich einschließlich der Überseegebiete zuständig. Lediglich Elsaß-Lothringen wurde unter ausschließlich deutsche Verwaltung gestellt.
General Charles de Gaulle, im Kabinett Reynaud Staatssekretär, plädierte wie Reynaud für die Fortsetzung des Kampfes gegen Deutschland, flüchtete nach England und richtete am 18. Juni von London aus über BBC einen Appell an alle Franzosen, den Kampf notfalls von den Kolonien aus fortzusetzen. Seine von ihm gegründeten France libre-Streitkräfte hatten Ende Juli 1940 eine Stärke von ca. 7000 Mann. De Gaulle wurde vom Vichy-Regime wegen Landesverrat in Abwesenheit zum Tode verurteilt, seine Streitkräfte galten als Freischärler.
Die Nationalversammlung ermächtigte am 10. Juli 1940 Marschall Pétain zur Erstellung einer neuen Verfassung. Am 18. Juli 1940 sprach sich das Parlament mit 569 gegen 80 Stimmen für diese Verfassungsänderung aus. Marschall Pétain wurde dadurch zum Chef d'État (= Staatschef). Er übernahm damit nicht nur die Funktion von Staatspräsident Lebrun, er verfügte auch über das Weisungsrecht gegenüber der Exekutive, Legislative und Judikative. Am 11. Juli 1940 wurde durch den Senat und die Nationalversammlung der État français anstelle der République proklamiert. Danach trat das Parlament für drei Jahre nicht mehr zusammen.
Pétain proklamierte ein neutrales Frankreich, das zwischen den Kriegsführenden Äquidistanz halten wollte. In diesem Sinne lehnte er am 18. Oktober 1940 beim Treffen mit Hitler in Montoire eine Kriegsbeteiligung Frankreichs an der Seite des Deutschen Reiches ab. Eine Zusammenarbeit (Kollaboration) mit den Deutschen hielt Pétain jedoch für notwendig, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, Art und Umfang der materiellen, personellen und industriellen Ausbeutung des Landes in Grenzen zu halten und die Rückführung der ca. 2 Mio. französischen Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft zu erreichen. So wurden der deutschen Wirtschaftsorganisation entsprechend zwölf nach Branchen und Produkten gegliederte Comités d'organisation (CO) und ein Office central de répartition des produits industriels (OCPRI) gegründet, die unter der Aufsicht des Ministeriums für Industrielle Produktion standen. Sie führten die 321 französischen Kapitalgesellschaften, koordinierten die Rohstoffzuteilungen und Lieferungen an die deutschen Stellen und lieferten darüber hinaus auch Informationen über die Rohstoffbestände in den unbesetzten Gebieten.
Persönlich war Pétain überzeugt, dass die innere Zerrissenheit des Landes und der Verfall traditioneller Werte wesentlich zur militärischen Niederlage beigetragen hatten. Er wollte daher die Franzosen in einer „Révolution Nationale“ zu neuer Einheit führen. So ließ er die an allen öffentlichen Gebäuden befindliche Parole „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) durch den Wahlspruch „Travail, Famille, Patrie“ (Arbeit, Familie, Vaterland) ersetzen.
Das Regime verfügte, abgesehen vom unbesetzten Staatsgebiet, anfangs noch über alle Kolonien sowie über ein 100.000 Mann starkes Heer und die französische Kriegsmarine. Seit Herbst 1940 existierte zusätzlich die Légion française des combattants, die Kriegsveteranenorganisation, aus der Joseph Darnand gemeinsam mit hohen Offizieren im Spätsommer 1941 enttäuschte Kämpfer rekrutierte, die im Département Alpes-Maritimes eine geheime Militärorganisation unter der Bezeichnung Service d'ordre légionaire (SOL) gründeten, die bei einer weiteren italienischen Aggression gegen französisches Territorium zum Einsatz kommen sollte. Bis Ende 1941 entwickelte sie sich zu einer ernstzunehmenden Streitmacht, die als zusätzlicher Schutz Frankreichs vor externer und interner Aggression im Januar 1942 den offiziellen Segen des Vichy-Regimes erhielt. Gegen Ende des Sommers 1942 rekrutierte Darnand daraus Freiwillige für die Légion volontaires français (LVF), die Légion anti-bolchévique bzw. Légion tricolore, bei denen französische Freiwillige in deutschen Uniformen gegen die Sowjetunion kämpften. Am 30. Januar 1943 formte Ministerpräsident Pierre Laval aus dem Service d'ordre légionaire (SOL) die Milice française. Das Kommando führte nominell Laval, die eigentliche Leitung lag in den Händen von Darnand. Mit wachsender Aktivität der Résistance begannen die Besatzungsbehörden mit der Werbung zur Aufstellung eines Bataillons französischer Waffen-SS. Später wurde auch die Milice aufgestockt, die Zahl der Bewaffneten erreichte 30.000 Mann. Diese Kräfte kamen ab Januar 1944 vorwiegend in der Nordzone zum Einsatz, wo sie vom Militärbefehlshaber zumeist im Kampf gegen die Résistance eingesetzt wurden. Darnand stellte zusätzlich die Groupes mobiles de réserve (GMR) auf und schlug die Gründung einer Groupe franc de la garde unter seiner direkten Kontrolle zur Zerschlagung der Maquis der Glières vor, was von deutscher Seite jedoch abgelehnt wurde.
Die Zusammenarbeit der Zivilbevölkerung und der französischen Behörden mit den Deutschen ist auch heute noch ein Thema mit hoher politischer Brisanz, da es weiterhin unterschiedliche Auffassungen über Grad und Umfang einer akzeptablen Zusammenarbeit gibt. Unbestritten ist es, dass es im Rahmen der Vichy-Regierung zu einer sehr weitreichenden Form der „Kollaboration“ kam, die teilweise freiwillig, mit Masse jedoch aufgrund von tatsächlichen oder zugesagten Gegenleistungen bzw. Erpressung geleistet wurde.
Eine schwere Hypothek für das Regime stellt die teilweise freiwillige Bereitschaft dar, mit den deutschen Behörden bei Erfassung, Diskriminierung, Verhaftung und Abtransport von Juden und anderen vom NS-Regime verfolgten ethnischen Minderheiten in die Vernichtungslager mitzuwirken. So wurden 1942 die Judengesetze eingeführt, noch bevor dies die deutschen Behörden überhaupt gefordert hatten. (Das Tragen des „Judenstern“ sollte allerdings nur im besetzten Teil obligat werden). Diese Maßnahmen finden im damals latenten französischen Antisemitismus (Fall Dreyfus) ihre Erklärung. Organisiert wurden diese Deportationen von dem im September 1940 eingerichteten Judenreferat in Paris unter Theodor Dannecker der dem RSHA (Reichssicherheitshauptamt) der SS unterstand und mit Helmut Knochen, dem Leiter der Sicherheitspolizei (Sipo), sowie Carl-Albrecht (Karl) Oberg, dem Höheren SS- und Polizeiführer, zusammenarbeitete. Im März 1941 ernannte die französische Regierung per Gesetz Xavier Vallat zum „Generalkommissar für Judenfragen“(commissaire géneral aux questions juives). Er erhielt gesetzliche Vollmachten, in Judenfragen bei anderen Ministerien zu intervenieren und auch Polizeikräfte zu mobilisieren.
Als man mit Abtransporten begann, begründete dies die deutsche Militärverwaltung lediglich mit der Notwendigkeit der „Evakuierung der Juden nach dem Osten“, mit „Arbeitseinsatz“ und „Zwangsarbeit“. Ab dem siebten Transport im Juli 1942 wurde die Bestimmung, dass nur arbeitsfähige Männer deportiert werden sollten, aufgeweicht und später ganz fallen gelassen. Als dann auch alte Menschen, Frauen und seit August 1942 selbst Kinder jeden Alters deportiert wurden, war klar, dass es nicht mehr allein um Arbeitseinsätze gehen konnte. An die Verabredung mit der Vichy-Regierung, keine französischen Juden zu deportieren, hielt sich die Besatzungsmacht immer weniger, ab Mitte 1943 gar nicht mehr. Zuletzt fahndete das Sonderkommando Alois Brunner auch im unbesetzten Süden Frankreichs nach letzten versteckten Juden. In Summe wurden schließlich 130.000 ausländische und 70.000 französischen Juden aus der Südzone über das Sammellager Drancy in die Vernichtungslager des von Deutschen besetzten Ostens von Europa verbracht. In Summe wurden 76.000 französische Juden nach Auschwitz deportiert.
Eine weitere historische Last ist die Kollaboration bei der Zwangsarbeit. Bis zum Frühjahr 1942 waren trotz Zwangsrekrutierungen von Bergleuten und Metallarbeitern in der besetzten Zone und der Anwerbung französischer Freiwilliger für die deutsche Rüstungsindustrie gerade einmal 50.000 Franzosen in Deutschland tätig. Da diese Zahlen weit unter jenen lagen, die man Hitler zugesagt hatte, wurden Tausende Franzosen vom Vichy-Regime zwangsweise rekrutiert. Als im Februar 1942 Albert Speer in Deutschland die Kriegsproduktion drastisch erhöhte, forderte der Generalbeauftragte des Reiches für Arbeit, Fritz Sauckel am 15. Mai die Entsendung weiterer 250.000 Arbeitskräfte nach Deutschland, davon 150.000 Facharbeiter. Laval hoffte, dieses Ziel durch die Relève zu erreichen, da bei Zielerreichung die Heimkehr von 50.000 Kriegsgefangenen zugesagt wurde. Da sich jedoch die dürftige Ernährung und schlechte Behandlung der Freiwilligen herumgesprochen hatten, meldeten sich lediglich 16.800 Facharbeiter für den Dienst in Deutschland, wofür auch nur 1.000 Kriegsgefangene heimkehren durften. Um das gewünschte Kontingent zu erfüllen, erließ Laval ein Gesetz, das Männer im Alter zwischen 18 und 50 und ledige Frauen zwischen 21 und 35 Jahren auch im Ausland dienstpflichtig machte. Als Sauckel bis Ende 1942 die geforderte Anzahl von 240.000 französischen Zwangsarbeitern erhalten hatte, forderte er am 2. Januar 1943 nochmals 250.000 Arbeiter, die auf Basis des am 16. Februar 1943 ins Leben gerufenen Service du Travail obligatoire (STO) erfüllt werden konnte. Das STO zeigte jedoch bald seine Kehrseite. Junge Franzosen, denen das STO drohte, strömten nun verstärkt in den Untergrund. Die dritte Aktion, die ab 6. August 1943 weitere 500.000 Arbeitskräfte bringen sollte, wurde nur mehr zu 20 % erfüllt. Die vierte Aktion Anfang 1944 brachte gar nur mehr 50.000 Zwangsarbeiter ein.
Die deutschen Behörden verfügten über drei Schnittstellen zu ihren französischen Mitarbeitern: Da war zunächst der Militärbefehlshaber für das besetzte Frankreich (MBF), der mit seinem Stab aus Wehrmachtspersonal und zivilen Experten im Pariser Hotel Majestic residierte. Er war dem Oberkommando des Heeres (OKH) unterstellt und hatte neben militärischen auch wirtschaftliche und zunächst auch sicherheitspolitische Aufgaben wahrzunehmen. Vorwiegend politische Fragen wurden vom Botschafter Otto Abetz behandelt, der dem deutschen Auswärtigen Amt und damit Außenminister Joachim von Ribbentrop unterstand. Zu seinen Mitarbeitern gehörte SS-Brigadeführer Werner Gerlach (Leiter des Kulturreferats), Karl Epting (kulturelle Angelegenheiten), der Jurist Friedrich Grimm (Propaganda) und Botschaftsrat Friedrich Sieburg (ehemaliger Korrespondent der Frankfurter Zeitung), die bereits über Erfahrungen im Vorkriegs-Frankreich verfügten. Der dritte Machtbereich auf deutscher Seite unterstand Heinrich Himmler. Es waren dies die Angehörigen der Ordnungs- und Sicherheitspolizeikräfte und des SD, die für Sammlung von Nachrichten, für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden sowie die Erfassung und Deportation von Juden und anderen unerwünschten ethnischen Gruppierungen zuständig waren. Zwischen diesen drei deutschen Machtbereichen, insbesondere zwischen Botschaft und SS kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, die durch mangelhafte Abgrenzung der Kompetenzen gefördert wurde. Abetz und die Botschaft favorisierte Laval und den Gründer des Rassemblement national populaire (RNP), Marcel Déat, während die SS Jacques Doriot, den Chef der Parti populaire français (PPF) förderte. Gemeinsam war den deutschen Besatzungsbehörden, dass sie Pétains Ziel, einen Einparteienstaat nach deutschem oder italienischem Vorbild aufzubauen, skeptisch gegenüberstanden und bestrebt waren die latenten parteipolitischen, religiösen, regionalen und sonstigen innerfranzösischen Gegensätze zu fördern, um die Bildung einer antideutschen Einheitsfront zu verhindern.
Die Nationalversammlung ermächtigte am 10. Juli 1940 Marschall Pétain zur Erstellung einer neuen Verfassung. Am 18. Juli 1940 sprach sich das Parlament mit 569 gegen 80 Stimmen für diese Verfassungsänderung aus. Marschall Pétain wurde dadurch zum Chef d'État ( = Staatschef). Er übernahm damit nicht nur die Funktion von Staatspräsident Lebrun, er verfügte auch über das Weisungsrecht gegenüber der Exekutive, Legislative und Judikative. Am 11. Juli 1940 wurde durch den Senat und die Nationalversammlung der État français anstelle der République proklamiert. Danach trat das Parlament für drei Jahre nicht mehr zusammen.
Mit Abschluss des Waffenstillstandes 1940 kam es zu einer Spaltung in der öffentlichen Meinung. Ein Teil sympathisierte bereits frühzeitig mit dem Freien Frankreich unter de Gaulle. Der überwiegende Teil der Bevölkerung verhielt sich abwartend bzw. befürwortete eine französisch/deutsche Kollaboration. Zu diesen Befürwortern zählten auch die Mitglieder der verbotenen kommunistischen Partei, deren Repräsentanten unter Führung von Duclos am 15. Juni 1940 knapp hinter den deutschen Truppen aus Belgien kommend in Paris eintrafen. Am 27. Juni 1940 legten Maurice Tréand (verantwortlich für die Untergrundaktivitäten der PCF) und Maitre Fossin (Anwalt der sowjetischen Botschaft) dem deutschen Botschafter Abetz ein Memorandum zur Kooperation vor: 1. Unterstützung aller Maßnahmen um Frankreich aus dem Krieg herauszuhalten, 2. Unterstützung der Kolonialvölker im Kampf um ihre Freiheit und 3. Abschluss eines Freundschaftsvertrages Vichy-UdSSR.[1] Nach Rücksprache mit Hitler lehnt Abetz das Angebot ab, worauf Tréand und Fossin von Moskau fallen gelassen werden, obwohl Duclos ihre Unschuld betont.[2] Die verunsicherten Kommunisten verhalten sich in der Folge weitgehend neutral. Der ernsthaft aktive Widerstand im Land begann mit Hitlers Überfall auf die Sowjetunion. Die verschiedenen Widerstandsbewegungen wurden am 27. Mai 1943 von Jean Moulin, einem Abgesandten de Gaulles, im „Conseil National de la Résistance“ zusammengefasst.
Obwohl Pétain nach der Beschießung der Flotte in Mers-el-Kébir die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien abgebrochen hatte, wurde die Regierung in Vichy von den Alliierten zunächst weiterhin als legitime Vertretung der Franzosen anerkannt. Es waren vor allem die USA die über ihren Botschafter Admiral William D. Leahy enge Beziehungen zu Vichy pflegten. Präsident Franklin Roosevelt und Staatssekretär Cordell Hull wollten ebenso wie Churchill vermeiden, Pétain durch Isolation in die Arme Hitlers zu treiben. Dazu Churchill:[3]
„Was auch in der Vergangenheit geschehen sein mochte,[Oran!] Frankreich war doch unser Leidensgefährte, und nichts als ein offener Krieg zwischen uns konnte es daran hindern, auch unser Gefährte im Sieg zu sein. Diese Politik war eine schwere Belastung für de Gaulle, der alles aufs Spiel gesetzt und die Fahne hochgehalten hatte, dessen Handvoll Anhänger außerhalb Frankreichs aber niemals den Anspruch erheben konnten, eine wirkliche französische Gegenregierung zu bilden.“
Da de Gaulle abgesehen von seinem geringen Bekanntheitsgrad auch ein schwieriger, eigenwilliger Partner für die Alliierten war, suchten diese nach prominenteren, einfacheren Kampfgefährten. Da weder Ex-Ministerpräsident Reynaud noch General Weygand verfügbar waren, griff man auf Darlan und später auf Giraud zurück. Doch de Gaulle hatte seit Mitte 1943 einen Trumpf in der Hand. Einem seiner Mitarbeiter, Jean Moulin, war es am 15. Mai gelungen, die wichtigsten Gruppierungen der Résistance zur Gründung des Conseil National de la Résistance (CNR) zu bewegen, dessen erste Deklaration die Forderung war, unverzüglich eine provisorische Regierung unter Leitung von de Gaulle zu bilden. Dies geschah auch bereits einen Tag später mit der Gründung des „Französischen Komitee für die nationale Befreiung (CFLN)“
Diese Vorstufe zu einer Gegenregierung war nach der Besetzung des Vichy-Territoriums durch deutsches Militär im November 1942 (Reaktion auf alliierte Landung in Nordafrika) ein weiterer schwerer Schlag für die Regierung in Vichy.
Die Niederlage 1940 war für die Franzosen ein schwerer Schock. Als einer der Hauptgründe wurden die tiefen Klüfte innerhalb der Gesellschaft gesehen. Pétain war von der Niederlage unbelastet und aufgrund seines legendären Rufes aus dem 1. Weltkrieg für die Mehrheit der Franzosen nun der richtige Mann, das Land zu einen und durch die Turbulenzen der kommenden Jahre zu führen. Die Mehrheit akzeptierte auch die neue autoritäre Verfassung, man war auch mit der Neutralität und mit jener Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden bereit, die zur Lockerung der Waffenstillstandsbedingungen führen würde. Das Vichy-Regime wurde daher zunächst mehrheitlich begrüßt. Der Historiker Henri Amouroux sprach von vierzig Millionen Pétainisten. Als jedoch die erwarteten Lockerungen nicht eintraten und sich die Kriegswende mit zusätzlichen Härten abzeichnete, verlor das Vichy-Regime an Ansehen, jenes von Pétain hielt sich mit Einschränkungen bis zuletzt.
Nach der Sistierung des Parlamentes ordnen sich die Interessensgruppen neu. Die Kommunisten waren verboten, die Sozialisten aus Protest gegen die autoritäre Verfassung in Opposition. Neben den „Konservativen“, die zwar die Regierung Pétain begrüßten, aber eine Zusammenarbeit mit den Achsenmächten ablehnten, war politisch noch die „Action française“ bedeutsam, die das republikanische System durch eine Monarchie ersetzen wollte und einer gemäßigten Kollaboration nicht negativ gegenüberstand. Die faschistisch eingestellten Kreise organisierten sich in der „Parti Populaire Français“ (P.P.F.) unter Jacques Doriot und dem „Rassemblement National populaire“ (R.N.P.) unter Marcel Déat.
Pétain und Laval wurden 1945 beide von einem französischem Gericht zum Tode verurteilt, wobei Pétains Strafe später durch General de Gaulle in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Dem zum Tode verurteilten Laval, dem es gelungen war, Zyankali zu schlucken, wurde der Magen ausgepumpt, bevor man ihn vor ein Exekutionskommando stellte.
Nach der Befreiung fand von Anhängern der Résistance und anderen Personen eine Jagd auf vermeintliche und tatsächliche Kollaborateure und Anhänger des Vichy-Regimes statt, die als Épuration (= Säuberung) bezeichnet wurde. Schätzungen gehen von max. 9.000 Tötungen während der „wilden Épuration“ und 6.763 Todesurteilen durch die Commission d'Épuration aus, wovon nur 767 Todesurteile vollstreckt wurden, weniger als z.B. in Belgien oder Norwegen. Die Zahl der französischen Frauen, die wegen tatsächlicher oder vermeintlicher sexueller Beziehungen zu Besatzungssoldaten kahlgeschoren und nackt auf öffentlichen Plätzen „an den Pranger gestellt“ wurden, war erheblich höher. Diese von Kommunisten und Gaullisten getrennt organisierten Säuberungen sollten eine nationale Katharsis bewirken und die Spaltung der Nachkriegsgesellschaft überwinden, erreichten jedoch vielfach das Gegenteil. Die offenen Wunden wurden durch den Mythos vom glorreichen Frankreich zugedeckt, der insbesondere von de Gaulle gepflegt wurde. Über dieser Decke schien die Nation geeint, dazu trug auch das Konstrukt bei, dass die französische Politik bis Mitte der 1990er Jahre darauf bestand, dass der État français keinen französischen Rechtscharakter gehabt habe (also genaugenommen eine Besatzungsbehörde gewesen sei). Den Anhängern des Vichy-Regimes wurde die Akzeptanz dieses Konstrukts durch Amnestien erleichtert.
Eine Mitverantwortung von Franzosen an Deportationen und Völkermord wurde erst in jüngerer Zeit (Juli 1995) durch eine Erklärung von Staatspräsident Jacques Chirac eingeräumt, wenn auch nur für Angehörige der Milice française und der Gendarmerie. Auf Basis dieses Eingeständnisses verurteilte das Oberste Verwaltungsgericht (Conseil d'État) den Staat am 12. April 2002 dazu, die Hälfte der Strafe zu zahlen, die der an Kriegsverbrechen für schuldig befundene Maurice Papon für seine Tätigkeit in der Präfektur Bordeaux zu leisten hatte. Das Geld sollen Deportationsopfer erhalten. Damit ist eine Mitverantwortung der vierten Republik für Kriegsverbrechen ihrer Bürger nun auch rechtlich fixiert. Ebenso muss der Staat zwei Drittel jener Strafe tragen, die der Eisenbahngesellschaft SNCF im Juni 2006 wegen Beteiligung an den Deportationen auferlegt wurde.
(siehe auch unter Weblinks den Artikel von Mona Körte)
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