Vierter Stand war die zusammenfassende Benennung für die Gruppe in der Gesellschaft, die man heute als Arbeitnehmer im Sinne von Lohnarbeiter (im Marxismus als Proletarier) bezeichnet.
Im Vorfeld der Französischen Revolution verband sich mit dem Begriff die Forderung nach einer politischen Vertretung der Armen und Ausgeschlossenen. In manchen Beschwerdeheften, die 1789 zur Vorbereitung der Generalstände geschrieben wurden, ist von der Schaffung eines "Vierten Standes" (quatrième ordre) neben Adel, Klerus und Drittem Stand die Rede. Der Pariser Architekt Louis-Pierre Dufourny de Villiers rechnet diesem "Heiligen Stand der Unglücklichen" die Taglöhner, die Gebrechlichen und die Bedürftigen zu und verlangt für diese "das Recht, direkt zu den Ständen abzuordnen, das jedem Franzosen zukommt, das dieser Stand aber noch nicht geniesst".
Der beginnende Sozialismus unter Karl Marx und Friedrich Engels lehnte den Begriff als unzutreffend ab, da der Stand eine Berufsgliederung bedeutete und diese seinerzeit der Klassengesellschaft (damit verbunden dem Begriff der Klasse, insbesondere Arbeiterklasse anstelle von "Vierter Stand") hatte weichen müssen.
Oft wird auch die Presse (Zunft der Journalisten) als der vierte Stand bezeichnet. Zumeist gebräuchlich im Englischen als "the fourth estate".
Ergänzende Anmerkung: In Deutschland wird die Presse hingegen oft als "Vierte Gewalt im Staate" betrachtet, deren Aufgabe es ist, die anderen führenden Gewalten (Legislative, Exekutive und Judikative) zu kontrollieren.
Adelung-1793: Stand, der · Ob-Stand, der
Brockhaus-1911: Vierter Stand · Wiedereinsetzung in den vorigen Stand · Dritter Stand
Lueger-1904: Stand · Leuchtbolzen, -schraube, -stand · Führerhaus, -stand
Meyers-1905: Vierter Stand · Wiedereinsetzung in den vorigen Stand · Stand
Pierer-1857: Vierter · Wiedereinsetzung in den vorigen Stand · Stand · Angenommener Stand des Wildprets · Einsetzung in den vorigen Stand