Der Begriff Vierter Weltkrieg oder World War IV ist ein nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gelegentlich verwendetes politisches Schlagwort für den gegenwärtigen Konflikt zwischen Islamistischem Terrorismus auf der einen sowie dem von den USA angeführten „Krieg gegen den Terrorismus“ auf der anderen Seite. Der Dritte Weltkrieg war in dieser Logik der Kalte Krieg.
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Der Begriff wurde vermutlich das erste Mal durch den berühmten Satz Albert Einsteins aufgebracht:
In der Zeit des Kalten Krieges verlieh Einstein damit seiner Sorge Ausdruck, die Menschheit könne in einem neuerlichen Weltkrieg, der womöglich mit Atomwaffen geführt würde, die bestehende Zivilisation auslöschen.
Im engeren Sinne geprägt wurde der Begriff durch Eliot Cohen (Johns Hopkins School for Advanced International Studies), der ihn erstmals im Wall Street Journal am 20. November 2001 verwendete. Er wird zudem häufig von R. James Woolsey (Direktor der Central Intelligence Agency 1993-1995) verwendet, sowie von Norman Podhoretz. Cohen, Woolsey und Podhoretz sind bekannte amerikanische Neokonservative. Außerhalb dieses Kreises hat sich der Begriff kaum durchgesetzt, auch wenn er bereits vor den Terroranschlägen auf das WTC und das Pentagon vereinzelt verwendet wurde.
Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff unter anderem durch den französischen Philosophen Jean Baudrillard bekannt, der ihn in einem Interview mit dem deutschen Wochenmagazin Der Spiegel vom 15. Januar 2002 verwendete, das unter dem Titel „Das ist der vierte Weltkrieg“ veröffentlicht wurde.
Woolsey argumentiert, dass der Vierte Weltkrieg, den er meint, ein Krieg gegen den Terrorismus, aber auch für Demokratie und Freiheit gegen drei unterschiedliche Gruppen im Nahen Osten sei:
Kritisiert wird an dieser Begriffsprägung, dass sie eine progandistische Wirkung besitzt. Durch die Verknüpfung des Kampfes gegen den Terror mit dem Terminus „Weltkrieg“ wird mit semantischen Mitteln eine inhaltliche Wertung vorgenommen. Der Kampf gegen den Terror wird in eine Reihe mit den beiden Weltkriegen gestellt, bei denen ein Eingreifen der USA heute praktisch als unbestritten richtig gilt. Somit ist der Begriff geeignet, schon aus sich heraus eine höhere Akzeptanz für den Kampf gegen den Terror zu erzeugen, wobei bereits die Bezeichnung Kampf gegen den Terror beim Vorgehen gegen einzelne Staaten wertend ist.
In den USA ist es Tradition, dass im Kriegsfall sich die parlamentarische Opposition zurückhält und die Regierung unterstützt. Wenn ein bestimmtes politisches Vorgehen unter die Bezeichnung Krieg subsumiert wird, erhöht sich somit der innerstaatliche Druck, das entsprechende Vorgehen widerspruchslos hinzunehmen – andernfalls geraten Kritiker schnell in Gefahr, als unpatriotische Verräter bezeichnet zu werden.
Im Kontext seiner umfangreichen Analysen des modernen Terrorismus bemerkt Jean Baudrillard vor allem den neuartigen Charakter des gegenwärtigen Konflikts, der ihn von bisherigen Kriegen unterscheide:
Obwohl Baudrillard also die Wortwahl „Weltkrieg“ beibehält, zielt seine Analyse gerade auf die Tatsache, dass dieser Konflikt sich jenseits des Musters klassischer Kriege abspielt.