Villa Miseria

Als Villa Miseria (deutsch: Elends-Siedlung), offiziell auch mit dem Euphemismus villa de emergencia (deutsch: Not-Siedlung) bezeichnet, werden informelle Siedlungen Argentiniens bezeichnet, die sich häufig in den Außenbezirken der Großstädte befinden.

Den höchsten Anteil von Marginalsiedlungsbewohnern unter Argentiniens Metropolen hat Rosario mit etwa 13%, aber auch in Buenos Aires und Córdoba leben etwa 5-10% der Bevölkerung in diesen Ansiedlungen. Sowohl die Größe der Siedlungen als auch ihr Kriminalitätsniveau sind mit den Favelas Brasiliens nicht vergleichbar. So haben die größten Villas Miserias (La Cava im Bezirk San Isidro/Provinz Buenos Aires und La Tela in Córdoba) etwa 10.000 Einwohner, und organisierte Bandenkriege sind selten, wenn auch die Kriminalitätsrate meist höher ist als in wohlhabenderen Vierteln.

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Umsiedlungsprogramme

Von der Regierung werden seit Jahrzehnten Anstrengungen unternommen, die Situation in den Villas Miserias zu verbessern. So werden in Überschwemmungsgebieten gelegene Siedlungen oft in Sozialwohnungsviertel umgesiedelt. In günstiger gelegenen Vierteln werden im Rahmen des sogenannten Programa de Mejoramiento de Barrios (dt. Programm für die Verbesserung von Vierteln; Promeba) genannten Programms nach brasilianischem Vorbild die Grundbesitzverhältnisse legalisiert und die Infrastruktur (Strom, Trinkwasser, WCs) verbessert [1]. In Rosario wird seit 2001 in mehreren Schritten das größte Umsiedlungsprojekt Rosario Hábitat durchgeführt. Dort werden in mehreren Schritten mehr als 40.000 Sozialwohnungen gebaut, um das Problem der Verslumung zu beseitigen, die erste Phase, die bisher etwa zur Hälfte ausgeführt wurde, umfasst 7.000 Wohnungen [2] . Auch in Córdoba wurden etwa 10.000 Wohnungen gebaut (Programa Nuevos Barrios) und damit die Zahl der Elendsviertel um mehr als ein Drittel reduziert [3].

In den Militärdiktaturen der 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden viele Elendsviertel, besonders um Buenos Aires, gewaltsam umgesiedelt, oft ohne den Einwohnern Alternativen anzubieten. Einer der Gründe war die Fußball-Weltmeisterschaft 1978: Man wollte den Gästen ein Argentinien ohne Armut präsentieren. Bei diesen Umsiedlungsaktionen kamen zahlreiche Menschen ums Leben, entweder durch systematische Ermordung oder durch die Umstände, die solche Umsiedlungsaktionen begleiteten. [4]

Siehe auch

Weblinks

Referenzen

  1. Seite des Promeba mit Informationen und Statistiken
  2. Beschreibung des Programms Rosario Hábitat
  3. Artikel in der Zeitung La Voz del Interior
  4. José A. Friedl Zapata: Argentinien. Natur, Gesellschaft, Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Erdmann Verlag, Tübingen/Basel 1978, ISBN 3-7711-0307-X, Kapitel "Argentinien nach dem Sturz von Isabel Perón"
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