Die virtuelle Speicherverwaltung ist eine spezielle Speicherverwaltung in einem Computer. Der virtuelle Speicher bezeichnet den vom tatsächlich vorhandenen Arbeitsspeicher unabhängigen Adressraum, der einem Prozess für Daten und das Programm vom Betriebssystem zur Verfügung gestellt wird. Eine virtuelle Adresse beschreibt einen Ort im Speicher eines Computersystems, dessen Betriebssystem eine virtuelle Speicherverwaltung zur Adressierung verwendet. Die Gesamtheit aller virtuellen Adressen wird auch als virtueller Adressraum bezeichnet.
Die Virtuelle Speicherverwaltung sorgt für die effiziente Nutzung vorhandenen Speichers, stellt große, linear zusammenhängende logische Speicherbereiche zur Verfügung und ermöglicht die Implementierung von Speicherschutzmechanismen. Nur die Betriebssysteme, die eine virtuelle Speicherverwaltung verwenden, können einen virtuellen Adressraum generieren und dadurch Speicherseiten, die physikalisch nicht zusammenhängend sind, für den Programmierer bzw. das Programm als logisch zusammenhängenden Speicherbereich abbilden. So stellen viele moderne Betriebssysteme bis zu 4 Gigabyte für Programme und Daten zur Verfügung, auch wenn weniger physikalischer Arbeitsspeicher, z. B. nur 1 Gigabyte, zur Verfügung steht. Die Umsetzung der verwendeten virtuellen Adressen auf die physikalische Adresse wird durch die Memory Management Unit, eine vom Betriebssystem bediente Hardware-Komponente, erreicht. Prozesse können somit Adressen verwenden, die theoretisch auf dem Rechner nicht existieren können.
Der virtuelle Speicher wurde 1956 von Fritz-Rudolf Güntsch erfunden. Er findet heute in beinahe allen modernen Betriebssystemen Verwendung.
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Bei der IA-32-Architektur ist der Arbeitsspeicher in Speicherseiten aufgeteilt, deren mögliche Größen und Anfangsadressen durch die Hardware vorgegeben sind. Wird auf eine Adresse zugegriffen, der zur Zeit keine physikalische Speicherseite zugeordnet ist, so muss das Betriebssystem die Memory Management Unit anweisen, an dieser Stelle eine bestimmte freie Speicherseite einzublenden. Steht keine freie Speicherseite mehr zur Verfügung, so muss eine andere Speicherseite frei gemacht werden, wobei der Inhalt vom Betriebssystem z. B. auf die Festplatte ausgelagert wird. Diesen Vorgang bezeichnet man als Paging. Die Größe des virtuellen Adressraums kann aus der Definition der virtuellen Adresse berechnet werden. So ist beispielsweise in einer IA-32-Architektur eine virtuelle Adresse 32 Bit breit, zweimal je 10 Bit für eine zweistufige Seitentabelle und 12 Bit (entspricht den o.g. 4 Kilobyte) für den Offset. Somit lassen sich 210 x 210 x 212 Byte adressieren. Das entspricht 232 Byte, also 4 Gigabyte.
Gemeinsam sind den virtuellen Speicherverwaltungen heutzutage folgende Grundprinzipien:
Die verschiedenen virtuellen Speicherverwaltungen unterscheiden sich
Aufgrund der Tatsache, dass bei diesem Seitenaustausch immer ganze Speicherseiten (engl.: page) ausgetauscht (engl.: to swap) werden, wird dieser Vorgang der Seitenersetzung auch häufig Paging oder Swapping genannt. Da Swapping aber auch bei der Segmentierung auftritt, sind die Begriffe nicht synonym zu verwenden.
Ein Seitenfehler tritt auf, wenn ein Programm auf einen Speicherbereich zugreift, der sich gerade nicht im Hauptspeicher befindet, sondern beispielsweise auf die Festplatte ausgelagert wurde. Als unmittelbare Folge des Seitenfehlers kommt es zu einer synchronen Programmunterbrechung (engl.: trap). Das Betriebssystem sorgt nun dafür, dass der angeforderte Speicherbereich wieder in den Hauptspeicher geladen wird, damit das Programm darauf zugreifen kann. Ein Seitenfehler ist daher kein Fehler im eigentlichen Sinn. Der Anwender spürt von diesem Vorgang nichts, maximal eine geringe Beeinträchtigung der Geschwindigkeit, da das Laden der Seite einen kurzen Augenblick benötigt.
Eine Seitentabelle ist eine Tabelle, welche der Transformation von virtuellen in physikalische Seitenrahmen dient. Die optimale Seitengröße ist ein Kompromiss zwischen Häufigkeit von Seitenwechsel und Größe der Tabelle.