Vizefeldwebel

In Preußen und im Deutschen Kaiserreich war der Vizefeldwebel (veraltet Vice-Feldwebel, auch überzähliger Feldwebel) ein Unteroffiziersdienstgrad bei den Fußtruppen. Ihm entsprach bei den berittenen Truppen der Vize-Wachtmeister. Der Vizefeldwebel rangierte zwischen dem Sergeanten und dem etatsmäßigen Feldwebel.

Der Rang wurde 1846 in der preußischen Landwehr und in Ersatzformationen eingeführt, 1873 im gesamten Heer. In Kompanien mit nicht mehr als zwei Offizieren fungierten Vizefeldwebel als Zugführer – eine Dienststellung, die allgemein einem Leutnant oder Oberleutnant oblag.

Schon vor der offiziellen Einführung war die Bezeichnung Vizefeldwebel als militärinterne Sprachregelung für die überzähligen Feldwebel gebräuchlich. Zu überzähligen Feldwebeln befördert wurden überwiegend die sog. Einjährig-Freiwilligen in ihrer Eigenschaft als Offiziersanwärter der Reserve (Offizieraspirant) nach bestandener Offiziersprüfung. Doch auch in die Reserve entlassene Sergeanten konnten ehrenhalber zum überzähligen Feldwebel ernannt werden. Als "Überzählige" führten sie zwar Rang und Dienstgradabzeichen der etatsmäßigen Feldwebel, erhielten aber nicht deren höhere Löhnung.

Um Verwechslungen mit dem etatsmäßigen Feldwebel zu vermeiden, etablierte sich später jedoch die Bezeichnung außeretatsmäßiger Vizefeldwebel für die Reserveoffizieranwärter; der Reserveunteroffizier wurde nun als überzähliger Vizefeldwebel tituliert.

Ihnen gegenüber standen die etatsmäßigen Vizefeldwebel bzw. Vizewachtmeister als Berufssoldaten, zu denen Unteroffiziere und Sergeanten nach vorwurfsfreier 15-jähriger Dienstzeit befördert werden konnten.

Als Dienstgrad der Reserveoffizierslaufbahn war der Vizefeldwebel (mit bestandenem Offiziersexamen) dem Portepee-Fähnrich der Berufsoffizierslaufbahn des Heeres gleichgestellt. Die aus dem Unteroffizierstand hervorgegangenen etatsmäßgen Vizefeldwebel waren ihnen nachgeordnet.

siehe auch: Dienstgrade im Heer des Deutschen Kaiserreichs

Quelle:
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