Volksbefreiungsarmee

Volksbefreiungsarmee
中国人民解放军 / 中國人民解放軍
Militärische Stärke nach Personen
Wehrfähigkeitsalter Vollendetes 18. Lebensjahr
Verfügbare wehrfähige Bevölkerung Männer (Alter: 18-49): 281.240.271
Frauen (Alter: 18-49): 269.025.517
Verfügbare wehrtaugliche Bevölkerung Männer (Alter: 18-49): 342.956.265
Frauen (Alter: 18-49): 324.701.244
Anzahl Personen, die jährlich das Wehrfähigkeitsalter erreichen Männer (Alter: 18-49): 13.181.433
Frauen (Alter: 18-49): 12.298.144
Mannstärke (ohne Reserve) 7.024.000 Mann
Wehretat
Ausgaben offiziell $ 44.96 Milliarden (andere Quellen: $ 60 - 90 Mrd.)
Anteil am BSP
Parade mit Soldaten aller drei Waffengattungen
Parade mit Soldaten aller drei Waffengattungen

Die Volksbefreiungsarmee (chin. 中国人民解放军/中國人民解放軍, Zhōnggúo Rénmín Jiěfàng Jūn, abgekürzt durch VBA oder PLA für die international gängige englische Bezeichnung People's Liberation Army) ist ein Sammelbegriff für die militärischen Teilstreitkräfte Heer, Marine, Luftwaffe und Raketenstreitkräfte der Volksrepublik China.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Volksbefreiungsarmee ist nach offiziellen Angaben mit 2,3 Millionen Soldaten die größte Armee der Welt. Diese sind allerdings in großen Teilen immer noch schlecht ausgerüstet. Die letzten von der US-Regierung als verbindlich angesehenen und öffentlich zugänglichen Angaben zur Größe der Teilstreitkräfte stammen aus dem Jahr 1987. Damals umfassten die Bodentruppen 2,1 Millionen (heutige geschätzte Zahl nach US-Angaben: 1,6 Millionen aktives Personal), die Marine 350.000, die Luftwaffe 390.000 und die strategische Raketentruppe 100.000 Mann. Zusätzlich verfügte China über eine Reserve im Engeren Sinn von rund 800.000 Mann, über eine Miliz-Reserve von 10 Millionen Mitgliedern mit meist schlechtem Ausbildungsstand sowie über paramilitärische Polizeieinheiten von rund 1,5 Millionen Mann. Derzeit ist der Abbau des technologischen Rückstands auch nach offiziellen Angaben des chinesischen Verteidigungsministeriums die größte Herausforderung für die VBA. Soweit bekannt, wurde die Größe der VBA seit etwa 1990 mehrfach zugunsten einer besseren technischen Ausrüstung und Ausbildung verkleinert (zuletzt bis Ende 2005 um noch einmal 200.000 Mann), das Militärbudget gleichzeitig aber angehoben. Das Ziel ist eine kleinere, modernere und schlagkräftigere Armee.

Etat

Spezialeinsatzkräfte der VBA
Spezialeinsatzkräfte der VBA

Der Militäretat Chinas lässt sich nur schätzen, weil aus zahlreichen Ressorts Geld verdeckt in die Streitkräfte fließt. Für 2006 gibt die chinesische Regierung einen reinen Militäretat von 35 Milliarden US-Dollar an, für 2007 von 44,94 Milliarden Dollar. Inklusive verdeckter Zahlungen mit offiziell anderen Verwendungszwecken schätzt das Pentagon die Militärausgaben 2005 auf rund 90 Milliarden Dollar. Damit wären die Militärausgaben Chinas nach den USA die zweithöchsten der Welt. Doch weisen Beobachter darauf hin, dass Chinas Militärausgaben relativ zur Größe des Landes und seiner Bevölkerung keineswegs Weltspitze sind.

Fahnen, Insignien, Abzeichen

Die Insignie der VBA ist ein roter Stern mit den chinesischen Schriftzeichen für den 1. August (chin. 八一, bā yī), den Jahrestag des Nanchang-Aufstands 1927.

Forschung und Ausbildung

Die chinesische Armee unterhält drei große Forschungs- und Ausbildungsinstitute: die Akademie für militärische Wissenschaften als zentrale Einrichtung sowie die Nationale Verteidigungsuniversität, die vor allem der Ausbildung hochrangiger Offiziere dient, und die Nationale Universität für Verteidigungstechnologie für die militärtechnische Forschung und Entwicklung sowie für die Ausbildung hochrangiger Offiziere in Truppengattungen mit technischem Schwerpunkt.

Geschichte

Soldaten der VBA ziehen 1949 in Peking ein.
Soldaten der VBA ziehen 1949 in Peking ein.

Die Volksbefreiungsarmee ist, gemeinsam mit der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und dem Staatsapparat, eine der drei Säulen des chinesischen Staates. Von 1927 bis zur Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 hieß sie Rote Armee. Befreiung ist nach den chinesischen Kommunisten der Zeitpunkt ihrer Machtübernahme am 1. Oktober 1949. Ab den 1960er Jahren wurden die Chinesen dazu aufgerufen, von der VBA zu lernen.

Verteidigungsminister Lin Biao war Maos designierter Nachfolger. In den zentralen Parteiorganen war die Volksbefreiungsarmee immer stärker vertreten. Die Volksbefreiungsarmee griff in die Kämpfe zwischen den verschiedenen Gruppen Roter Garden ein und hatte Ende der 1960er Jahre praktisch die Regierung über das Land und das Kommando über die Partei übernommen. Doch durch ihre Verstrickung in die Kulturrevolution war die Volksbefreiungsarmee kompromittiert, desgleichen durch Lin Biaos Versuch, Mao zu stürzen.

Die Armeeführung spielte 1976 bei der Verhaftung der Viererbande eine entscheidende Rolle.

Die Ereignisse vom Juni 1989 auf dem Tiananmen-Platz, als die Volksbefreiungsarmee nicht nur gegen demonstrierende Studenten, sondern auch gegen einfache Bürger vorging, brachte die Volksbefreiungsarmee wieder zurück in die Politik. Ihr Ruf als „Volksarmee" wurde schwer beschädigt.

Siehe auch:

Strategie

Der zentrale Begriff der chinesischen Militärstrategie ist die "aktive Verteidigung". Er bedeutet, dass China von sich aus keine Kampfhandlungen eröffnet oder Angriffskriege führt. Diesem Prinzip entsprechend werden Militäroperationen nur dann als gerechtfertigt erachtet, wenn sie die nationale Souveränität oder das Territorium der Volksrepublik verteidigen. Angriffe sind demnach nur zulässig, wenn China selbst zuvor angegriffen wurde. Allerdings ist nicht klar definiert, was als Angriff angesehen wird. So wurde die Invasion in Vietnam 1979 als "Gegenangriff zur Selbstverteidigung" gerechtfertigt.

Zunehmend werden in chinesischen Militärkreisen auch Einsatzmöglichkeiten der Streitkräfte erörtert, die unter der Schwelle eines Krieges liegen.

Darüber hinaus entdeckt die chinesische Strategie zunehmend die Herausforderung durch "lokale Kriege unter den Bedingungen der Informationstechnik" (offizieller Verteidigungsbericht 2004). Dieses Leitbild soll die alte strategische Ausrichtung ablösen, in der die VBA vor allem dazu in der Lage sein sollte, das chinesische Staatsgebiete bodengebunden durch den Einsatz großer Mengen von Mensch und Material zu verteidigen. Das neue Konzept sieht vor, militärische Wirkung über größere Entfernungen zu erzielen und schneller auch an weit entfernten Orten einsatzfähig zu sein. Darüber hinaus wächst die Bedeutung von Operationen im Verbund aller vier Teilstreitkräfte. Um beide Ziele zu erreichen, wird intensiv daran gearbeitet, die Abläufe und Technologien für Kommunikation, Führung und Aufklärung zu verbessern. Noch steht die VBA jedoch großen Schwierigkeiten bei der Koordinierung der verschiedenen Truppengattungen gegenüber. Darüber hinaus dürften sämtliche Einheiten des chinesischen Militärs durch die schlecht entwickelte Logistik zur Versorgung mit Nachschubgütern massiv in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sein. Das gilt insbesondere für mögliche Operationen in weiterer Entfernung vom Mutterland.

US-Nachrichtendienste gehen davon aus, dass China erst nach 2010 über eine modernen Anforderungen entsprechende Armee verfügen wird.

Die Wiedervereinigung mit der Insel Taiwan sehen viele chinesische Politiker und Militärs als höchstrangiges strategisches Ziel der nächsten Jahrzehnte an. Dieser Anspruch drückt sich auch in der Dislozierungsstrategie aus, die die modernsten Waffensysteme und die am besten ausgebildeten Einheiten in den Küstenregionen vor Taiwan stationiert. Im März 2005 gab der Volkskongress seine Entscheidungsbefugnis für einen Angriff gegen Taiwan an eine untergeordnete Ebene (Militärkommission oder Staatsrat) ab und erleichterte somit einen möglichen Angriff auf Taiwan; international wurde dieser Schritt heftig kritisiert. Zunehmend erlangt aber auch die Straße von Malakka Bedeutung, da durch sie rund 80 Prozent der chinesischen Erdöl-Importe transportiert werden.

Vermutlich werden zurzeit in chinesischen Militär- und Forschungskreisen die US-Militäraktionen in Afghanistan sowie der Dritte Golfkrieg genau analysiert, um daraus Schlüsse für die Weiterentwicklung der VBA zu ziehen. Das US-Verteidigungsministerium sieht den schnellen Sieg seiner Truppen über den Irak während des Zweiten Golfkriegs 1991 als ausschlaggebenden Faktor für die seit den 1990er Jahren beschleunigte Modernisierung der VBA, insbesondere der Kommunikationsstrukturen. Eine ähnliche Beispielwirkung, vor allem auf dem Feld der Flugabwehr und elektronischen Kriegführung (EloKa), hat demnach der Luftkrieg gegen Serbien (Kosovo-Krieg) 1999 gehabt.

Struktur

Führung

Die chinesischen Streitkräfte werden seit 1982 von der staatlichen Zentralen Militärkommission (ZMK) geführt. Zuvor war die Zentrale Militärkommission der Kommunistischen Partei Chinas die alleinige oberste Instanz. Der Vorsitzende der staatlichen ZMK wird vom Nationalen Volkskongress gewählt, die übrigen Mitglieder werden vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei vorgeschlagen und vom Nationalen Volkskongress oder dessen ständigen Ausschuss gewählt. Die Mitglieder des ZMK der Partei werden von deren Zentralkomitee ernannt.

Die beiden ZMK verfügt über den Generalstab, eine politische, eine logistische sowie eine Rüstungsabteilung als untergeordnet Instanzen. Diese vier Abteilungen fungieren zugleich als ausführende Organe des chinesischen Verteidigungsministeriums. Die ZMK ist auch dem Verteidigungsministerium gegenüber weisungsbefugt. 2004 wurde die staatliche Zentrale Militärkommission um die Kommandeure von Heer, Luftwaffe und Marine auf elf Mitglieder erweitert. Dies soll vermutlich zusammen mit der Einbeziehung hoher Luftwaffen- und Marineoffiziere in den Generalstab die Fähigkeit zu Operationen im Verbund der Teilstreitkräfte erhöhen.

Den ZMK und ihren vier Abteilungen sind sowohl die sieben Militärregionen als auch die Teilstreitkräfte untergeordnet. Die Abteilungen verfügt darüber hinaus über eigenständige Hierarchien und Kommunikationsstrukturen für militärisch-operative, politische und logistische Aufgaben, die sich unabhängig voneinander durch die VBA erstrecken.

Zahlreiche militärnahe Aufgaben wie Rüstungspolitik, Infrastruktur und Verkehr mit Berücksichtigung militärischer Erfordernisse, Zivilschutz und Vorbereitung einer Mobilisierung fallen in die Zuständigkeit des Staatsrats, insbesondere des Verteidigungsministeriums, und damit der zivilen Regierung. Allerdings sind die politische und die militärische Führung sowie die kommunistische Partei eng verzahnt: Sämtliche hohen Funktionsträger der Generalität haben hohe Parteiämter inne und ein Großteil von Entscheidungsträgern in Staat und Partei verfügen über einen militärischen Rang oder waren im Verlauf ihrer Karriere aktive Offiziere.

Verteidigungsminister ist Cao Gangchuan (Stand: März 2006). Cao ist auch Mitglied des Politbüros der KP Chinas, des Staatsrats und Vize-Vorsitzender der Zentralen Militärkommission.

Regionale Gliederung

Die sieben Militärregionen
Die sieben Militärregionen

Die Volksrepublik China ist seit Anfang der 1980er Jahre in die sieben Militärregionen Lanzhou, Beijing, Shenjang, Jinan, Nanjing, Guangzhou und Chengdu eingeteilt.

Schätzungen der US-Regierung aus dem Jahr 1998 gehen von folgenden Größenordnungen der Verbände in den einzelnen Regionen aus:

  • Nanjing und Guangzhou (Südosten, gegenüber Taiwan): 5 Armeegruppen mit 480.000 Mann, nach US-Angaben 2005 um 25.000 Mann verstärkt.
  • Shenjang (Nordosten): 5 Armeegruppen, 350.000 Mann
  • Chengdu (Südwesten): 2 Armeegruppen, 280.000 Mann
  • Lanzhou (Nordwesten): 2 Armeegruppen, 250.000 Mann
  • Beijing (um die Hauptstadt): 6 Armeegruppen, 410.000 Mann
  • Jinan (Nordosten und Zentralchina, zugleich strategische Reserve): 4 Armeegruppen, 240.000 Mann

Die Teilstreitkräfte und ihre Ausrüstung

Landstreitkräfte

Flagge der Landstreitkräfte
Flagge der Landstreitkräfte

Gliederung des Heeres

Die Landstreitkräfte werden wie die anderen Waffengattungen seit einigen Jahren modernisiert. Im Zentrum dieser Anstrengungen stehen drei Luftlande-Divisionen, zwei amphibische Infanterie-Divisionen, zwei Marineinfanterie-Brigaden und sieben Spezialoperations-Gruppen. Darüber hinaus verfügt außerhalb des Heeres auch die Raketenartillerie mit einer Aufklärungseinheit in Regimentsstärke über eine hoch bewegliche Einheit. Die Struktur des Heeres wird derzeit von einer Divisions- auf eine Brigadestruktur umgestellt, um Flexibilität und Effizienz zu steigern. Seit 1998 verfügt die VBA zudem über eine schnelle Eingreiftruppe von schätzungsweise 260.000 Mann (jeweils zwei Infanterie-Divisionen in jeder Militärregion), die direkt unter dem Kommando der ZMK steht.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums verfügt das Heer der Volksbefreiungsarmee 2005 über:

  • 18 Armeegruppen mit jeweils 25.000 bis 60.000 Soldaten in 7 Militärregionen.
Stationierung der chinesischen Armeegruppen
Stationierung der chinesischen Armeegruppen
  • 25 Infanteriedivisionen und 33 Brigaden einschließlich Luftlandetruppen und 5 davon als gepanzerte Infanteriedivision.
    • Infanteriedivisionen bilden den größten Anteil an den chinesischen Streitkräften. Eine Infanteriedivision sind 11.000 bis 13.000 Soldaten, darunter 1.400 Offiziere unterstellt.
    • Zu einer typischen Infanteriedivision gehören:
      • 3 Infanterieregimenter untergliedert in 9 Infanteriebataillone und Unterstützungseinheiten,
      • 1 Panzerregiment mit 3 Panzerbataillone,
      • 1 Artillerieregiment meistens mit einem Bataillon 152 mm Haubitzen (18 Stück), einem 130 mm Geschützbataillon (18 Stück), ein 122 mm Mehrfachraketenwerferbataillon (18 Stück), ein Panzerabwehrbataillon mit 100 mm Panzerabwehrgeschützen und Panzerabwehrraketen,
      • 1 Luftabwehrbataillon mit Flugabwehrraketen und Flugabwehrkanonen,
      • 1 Kommunikationsbataillon,
      • 1 Pionierbataillon oder Pionierkompanie,
      • eine ABC-Abwehrkompanie,
      • eine Wachkompanie für die Sicherheit der Divisionskommandeure und der Divisionsstände
      • sowie weitere Versorgungseinheiten für die Logistik und die medizinische Versorgung.
  • 9 Panzerdivisionen und 11 Panzerbrigaden.
    • Panzerdivisionen umfassen 9.000 bis 10.000 Soldaten.
    • Zu einer typischen Panzerdivision gehören:
      • 3 Panzerregimenter bzw. Regimenter gepanzerter Fahrzeuge, gegliedert in 3 Panzerbataillone, ein Panzergrenadierbataillon, ein Artilleriebataillon, ein Luftabwehrbataillon und weitere Unterstützungstruppen.
      • 1 Panzergrenadierregiment, unterteilt in ein Panzerbataillon und 3 Panzergrenadierbataillone, 3 Infanteriebataillone, ein Artilleriebataillon, ein Luftabwehrbataillon einschl. Flugabwehrraketen und weitere Unterstützungstruppen (Logistik, Sanitätsdienst)
      • 1 Artillerieregiment, zur Ausrüstung siehe oben unter Infanteriedivision.
        • Ein Artillerieregiment umfasst 5.800 Soldaten und ist direkt einer Armeedivision unterstellt,
      • 1 Luftverteidigungsregiment, unterteilt in 3 bis 4 Luftabwehrbataillone,
      • 1 Panzerabwehrbataillon mit Panzerabwehrraketen,
      • 1 Kommunikationsbataillon,
      • 1 Pionierbataillon,
      • 1 Aufklärungsbataillon,
      • 1 ABC-Abwehrbataillon,
      • 1 Instandsetzungsbataillon,
      • 1 Transportbataillon,
      • 1 Wachschutzkompanie,
  • 3 Artilleriedivisionen, unterteilt in 15 Artillerieregimenter,
    • Die Division untersteht direkt der Armeegruppe. Zur Ausrüstung gehören u.a. 152 mm Haubitzen (über 50 Stück)), 130 mm Geschützbataillon (über 50 Stück), 122 mm Mehrrfachraketenwerferbataillon (über 50 Stück), mehreren 100 mm Panzerabwehrgeschützen und Panzerabwehrraketen,
  • 5 Luftabwehrdivisionen, untergliedert in jeweils 3 bis 4 Luftverteidigungsregimenter,
  • 2 Marineinfanteriebrigaden.

In jeder Militärregion befinden sich außerdem noch Sondereinheiten und einige Armeegruppen bzw. gepanzerte Infanteriedivisionen sind zudem besser ausgerüstet und dienen als Krisenreaktionskräfte unter anderem in Beijing, Shenyang, Jinan und Chengdu.

Ausrüstung des Heeres

Chinesischer Kampfpanzer vom Typ 98
Chinesischer Kampfpanzer vom Typ 98

Das Heer verfügt über rund 7000 schwere Kampfpanzer, 2400 Raketenwerfer, 9000 Feldhaubitzen und 2200 Panzerhaubitzen. Insgesamt sind Verbände in der Küstenregion gegenüber Taiwan der Schwerpunkt der Heeresmodernisierung. Diese Einheiten werden vor allem mit amphibischen Waffen- und Transportsystemen ausgestattet. Rund ein Viertel der Großverbände des chinesischen Heeres trainiert in erster Linie amphibische Einsatzszenarien.

Die technische Modernisierung betrifft in erster Linie den Erwerb von amphibischen Fahrzeugen und Flugzeugen für gesteigerte Luftbeweglichkeit (vor allem Il-76) sowie den Ausbau von Spezialkräften und moderne Führungsausstattung (C3I - Command, Control, Communications & Intelligence). Nachrangig werden die Kampfpanzerverbände modernisiert, die ihre alten Fahrzeuge (meist Nachbauten russischer Typen) gegen neue, einheimische Modelle eintauschen. Allerdings geht die technische Aufrüstung bei den Bodentruppen wesentlich langsamer vor sich als bei Luftwaffe und Marine. 2004 wurden für das Heer vor allem russische Hubschrauber des Typs Mi-17 gekauft. Ein eigener Kampfhubschrauber existiert seit Ende der 1980er Jahre, der Typ WZ-9, einer Version, die auf dem französischen Modell AS 365N Dauphin-II basiert und von dem ca. 50 bis 80 Einheiten einsatzfäig sein sollen. Eine Eigenentwicklung mit der Bezeichnung Z-10 wird frühestens 2017 in Dienst gestellt.

Darüber hinaus wurden eine neue Art von Logistik-Einheit aufgestellt sowie Versuche unternommen, logistische Aufgaben in den zivilen Sektor zu verlegen. Langfristig dürfte dieses Vorgehen den zahlenmäßigen Anteil von Kampfeinheiten in der VBA erhöhen. Nach offiziellen Angaben soll auch die Miliz von der Streitkräftemodernisierung profitieren, doch dürfte ihr Ausrüstungsstand auf Dauer weit hinter dem einer modernen Armee zurückbleiben. Allerdings wurden in der Miliz Einheiten geschaffen, die sich auf moderne Kommunikationstechnik spezialisieren und aus Bewohnern der urbanen Zentren des Landes rekrutieren. Diese Fachleute sollen ihr zivil erworbenes Wissen um die Computertechnik in die VBA einbringen.

Seestreitkräfte

Flagge der Seestreitkräfte
Flagge der Seestreitkräfte
Marineinfanteristen der Volksbefreiungsarmee (See)
Marineinfanteristen der Volksbefreiungsarmee (See)
Der 1994 in Dienst gestellte Zerstörer Harbin (DD 112), Type 052, (NATO Code: Luhu-Klasse)
Der 1994 in Dienst gestellte Zerstörer Harbin (DD 112), Type 052, (NATO Code: Luhu-Klasse)
Der Lenkwaffenzerstörer Shenzhen (DDG 167) der VBA beim Besuch des US-Marinestützpunktes Arpra auf Guam am 25. Oktober 2003
Der Lenkwaffenzerstörer Shenzhen (DDG 167) der VBA beim Besuch des US-Marinestützpunktes Arpra auf Guam am 25. Oktober 2003

Die Marine der Volksbefreiungsarmee (engl: PLAN für People's Liberation Army Navy) steht im Mittelpunkt der Modernisierungs-Anstrengungen: China braucht sie, um seinen Anspruch als Regionalmacht geltend zu machen - und mehr noch, um Taiwan drohen zu können. Die Seestreitkräfte entwickeln sich derzeit über den bisher an die Küstengewässer gebundenen Einsatzmöglichkeiten deutlich hinaus. Die Fähigkeit zu Hochsee-Operationen wächst. 2002 unternahm ein chinesischer Marineverband erstmals eine um die ganze Welt. US-Verteidigungsexperten gehen davon aus, dass die PLAN derzeit für kurze Zeit Seegebiete in bis zu 400 Seemeilen Entfernung von der chinesischen Küste kontrollieren kann. Ab 2010 soll sie die Dauer solcher Operationen auf mehrere Wochen ausdehnen können, ab 2015 Operatinen im Indischen Ozean durchführen können.

Dem US-Verteidigungsministerium zufolge verfügt die Marine der Volksbefreiungsarmee derzeit über 75 größere Überwassereinheiten (davon 21 Zerstörer und 43 Fregatten), rund 55 U-Boote (50 diesel- und fünf nuklearbetriebene), jeweils 25 mittelgroße und schwere Landungsschiffe sowie rund 45 mit Raketen bewaffnete Einheiten zum Küstenschutz. Es existieren Strukturen, die eine Nutzung der zivilen Flotte für militärische Zwecke, insbesondere den Transport von Bodeneinheiten und Versorgungsgütern, ermöglichen.

Kriegsschiffe

Stationierung der chinesischen Marineverbände
Stationierung der chinesischen Marineverbände

Der Kauf neuer Zerstörer und konventionell angetriebener U-Boote sowie der schrittweise Ersatz der im Lande gebauten Zerstörer, Fregatten und Schnellboote (auch Stealth-Schnellboote des Typs 022) ist geplant, wobei der Akzent vermehrt auf eine starke Bewaffnung der Einheiten mit neuen Seeziel- und Marschflugkörpern gesetzt wird. Derzeit verfügt die chinesische Marine über zahlreiche verschiedene Typen von Seezielflugkörpern. Viele davon wurden importiert und sind inzwischen teilweise veraltet. Zu den neueren Importmodellen im chinesischen Arsenal zählen SS-N-27 und SS-N-22. Die Serienproduktion eigener Seezielflugkörper ist angelaufen. Eine dieser Eigenentwicklungen, eine C-802 beschädigte im Libanonkrieg 2006 eine israelische Korvette schwer. Weitere Bezeichnungen für chinesische Seezielflugkörper lauten YJ-62, YJ-82 und YJ-83. Allerdings sind kaum Details zu ihnen bekannt. Im Entwicklungsstadium befinden sich Steuersysteme und Gefechtsköpfe, die ballistische Raketen zum Einsatz gegen Schiffe befähigen sollen.

Zwei von Russland erworbene Lenkwaffenzerstörer der Sowremenny-Klasse wurden 2004/05 in Dienst gestellt, zwei weitere mit noch einmal verbesserten Luftabwehr- und Marschflugkörpersystemen sollen bis Anfang 2007 folgen. 2005 wurde mit der Luzhou-Klasse die neueste Überwasser-Einheit in Dienst gestellt, von der derzeit zwei Schiffe im Einsatz sind. Dabei handelt es sich um Flugabwehr-Waffenträger, der Chinas Schwäche auf diesem Sektor ausgleichen soll. Sie sind mit der Marine-Variante des russischen SA-20 Gargoyle-Flugabwehrsystems und einem Tombstone-Radarsystem bestückt. Auch die fünf Stealth-Fregatten Jiangkai II verfügen über groß dimensionierte Flugabwehrraketensysteme. In ähnliche Richtung deuten die beiden im Bau befindelichen eigenen Lenkwaffenzerstörer, wobei die Luyang I stark an das Sovremennyy-Vorbild angelehnt ist und vor allem SA-17-Grizzly-Flugabwehrraketen trägt und die Luyang II mit chinesischen Eigenproduktionen (HQ-9) ausgerüstet werden soll. Zudem befnden sich eine unbekannte Anzahl (US-Sicherheitskreise sprechen von "Dutzenden") von Raketenkatamaranen nach dem Vorbild australischer Fähren im Bau. Diese Schiffe sollen Geschwindigkeiten von bis zu 45 Knoten erreichen und jeweils mit zwei bis vier Seezielflugkörpern ausgestattet sein.

1985 erwarb China einen australischen, 1998 zwei und 2000 einen russischen Flugzeugträger. Diese vier Einheiten sind jedoch (noch) nicht gefechtsfähig und dienen vermutlich der Entwicklung eigener Flugzeugträger, insbesondere die 1998 gekaufte Varjag, ein nicht fertig gebauter Träger der Kusnezow-Klasse, an dem seit 2004 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten in der Schiffswerft von Dalian durchgeführt worden sind. Der Zweck der Arbeiten ist derzeit unklar. In Frage kommt neben einem regulären Flottenbetrieb auch die Rolle als Schulschiff oder schlicht als Studienobjekt. Im Oktober 2006 vermeldete die russische Zeitung "Kommersant" über Verhandlungen zum Erwerb einer unbestimmten Anzahl von Suchoi Su-33-Kampfflugzeugen. Dabei handelt es sich um die trägertaugliche Variante der Su-27, die auch von der russischen Marine auf deren einzigem Flugzeugträger betrieben wird.

Die chinesische Marine verfügt über eine große Vielfalt von Seeminen, jedoch über zahlreiche veraltete Modelle und über sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verlegung aus der Luft. Die wenigen modernen Typen dieser Waffengattung sind vor allem zum Einsatz gegen U-Boote gedacht.

U-Boote

Auch die U-Boot-Flotte befindet sich in einem Modernisierungsprogramm und besteht bereits zur Hälfte aus Booten moderner Bauart. Die dieselgetriebenen U-Boote der Song-Klasse sind seit 2004 in Serienproduktion. Ihre wichtigste Neuerung ist die Fähigkeit, im getauchten Zustand Marschflugkörper zur Bekämpfung von Seezielen abzufeuern. Im gleichen Jahr wurde das erste U-Boot der Yang-Klasse gebaut. 2006 begann die Auslieferung eines neuen Typs von Atom-U-Booten der Shang-Klasse (auch Typ 093 genannt), der die alte Han-Klasse ersetzen wird. Ende 2008 sollen zehn Shang-U-Boote im einsatz sein. Nach US-Schätzungen wurden 2005 und 2005 Aufträge für den Bau von 17 U-Booten erteilt. Nachdem in den 90er Jahren insgesamt vier U-Boote der russischen Kilo-Klasse erworben wurden, erfolgte 2002 eine Nachbestellung acht weiterer Boote. Alle Einheiten sind bis Ende 2006 ausgeliefert worden. Bis Ende 2007 sollen zehn Kilo-Boote einsatzbereit sein. Ihre Hauptwaffe ist der Seezielflugkörper SS-N-22. In einem frühen Entwicklungsstadium befindet sich der U-Boot-Klasse 093, die als Atomwaffenträger dienen soll und ab 2010 an die Truppe ausgeliefert werden könnte. Nach US-Erkenntnissen kann dieser neue U-Boot-Typ mit bis zu zwölf Atomraketen des Typs JL-2 bestückt werden.

Landungsschiffe

Besonders bedrohlich für Taiwan sind die 285 Landungsboote und 59 größeren Amphibienfahrzeuge. Westlichen Schätzungen zufolge kann diese Landungsflotte eine komplette Infanteriedivision auf Taiwan landen. Signifikant hier ist derzeit besonders die Fertigstellung eines amphibischen Docklandungsschiffes (LPD - Landing Platform Dock), eines Schiffstypes, der bisher in der chinesischen Marine nicht existierte und einen bedeutsamen Modernisierungsschritt darstellt. Es ist zur Zeit (Ende 2006) unklar, ob weitere Schiffe dieses Typs (derzeitige Bezeichnung "Typ 071") geplant oder in der Fertigung sind.

Schwächen der chinesischen Marine

Allerdings wird Chinas Marine von allen Teilstreitkräften am stärksten durch die veraltete Kommunikationstechnik gehemmt und verfügt trotz aller Modernisierungsbemühungen bisher kaum über Abwehrwaffen gegen Marschflugkörper sowie nur über eingeschränkte U-Boot- und Flugabwehrfähigkeiten. Ein Zusammenwirken mit fliegenden Verbänden ist wegen der geringen Reichweite letzterer und des Fehlens von Flugzeugträgern nur sehr eingeschränkt in der Nähe der chinesischen Küste möglich. Die Kommunikation soll durch den Einsatz eines französischen Kommunikationssystems verbessert werden, das dem Nato-System Link 11 ähnelt, aber wohl kaum vor 2010 funktionieren wird. Sowohl die Flotten Taiwans als auch die Japans sind ihr derzeit, jedenfalls in letzterem Fall, noch deutlich überlegen. Nach wie vor dominiert bei der Marine der Volksrepublik Quantität deutlich über Qualität und die wesentliche Herausforderung für die kommenden Jahre dürfte in der Änderung dieses Verhältnisses liegen.

Luftstreitkräfte

Flagge der Luftstreitkräfte
Flagge der Luftstreitkräfte
Kampfflugzeug vom Typ Jian-8 bzw. F-8
Kampfflugzeug vom Typ Jian-8 bzw. F-8
Kampfflugzeug vom Typ Su-27
Kampfflugzeug vom Typ Su-27
Stationierung größerer Luftwaffeneinheiten der VBA.
Stationierung größerer Luftwaffeneinheiten der VBA.

Die Luftwaffe verfügt über rund 2300 Kampfflugzeuge sowie 450 Transportflugzeuge und wird derzeit mit Marschflugkörpern, Tankflugzeugen, fliegenden Radarsystemen, Drohnen und moderner Ortungstechnik aufgerüstet.

Moderne Kampfflugzeuge wie der Suchoi Su-27 und Suchoi Su-30 (teilweise in der seekampf-optimierten Version MKK2) wurden von Russland gekauft. Eine Lizenzversion der Su-27 wird unter dem Namen F-11 in China produziert (mittlerweile schon 200 Stück). 2005 erlaubte Russland China die Erweiterung der Su-27-Lizenz auf den modernisierten Typ Su-27 SMK. Hinzu kommt ein in China entwickeltes neues Jagdflugzeug unter der Designation Chengdu_J-10, welches sehr wahrscheinlich auf einer Kombination von Erkenntnissen aus russischen Mustern und der amerikanischen F-16 basiert und für die chinesische Rüstungsindustrie einen deutlichen Schritt nach vorne darstellt. Das Modell ist seit Ende 2004 in Serienproduktion und wurde vermutlich 2005 erstmals an die Truppe ausgeliefert. Das aktuell laufende Produktionsprogramm dieses Typs soll vermutlich 1200 Maschinen umfassen. Auf einem US-Erkenntnissen zufolge weit vorangeschrittenen Stand der Entwicklung befinden sich die FB-7, ein Jagdbomber mit mittlerer Reichweite und Ausrichtung auf Seeziele, sowie die FBC-1, ein Kampfflugzeug mit großer Reichweite. Darüber hinaus wurde 2005 mit Russland der Kauf weiterer 40 Transportflugzeuge Il-76 und acht Luftbetankungsflugzeuge Il-78 beschlossen. Auf Basis der Iljuschin A-50 hat China unter der Bezeichnung KJ-2000 ein eigenes AWACS-System entwickelt. Parallel werden für das ältere Transportflugzeug Y-8 verschiedene Varianten entwickelt, darunter ebenfalls AWACS-Einheiten und Gefechtsführungssysteme, die insbesondere auf den Verbund mit Marineeinheiten ausgelegt sind. Nach Erkenntnissen des US-Militärnachrichtendienstes DIA soll eine Staffel mit Suchoi Su-33 aufgestellt werden, modernen Kampfflugzeugen, die von Russland auf Flugzeugträgern eingesetzt werden.

Die Luftwaffe verfügt über eine kleine Anzahl von Marschflugkörpern, die importiert wurden und vor allem für die Bekämpfung von Seezielen geeignet sind sowie über einige Marschflugkörper zur Bekämpfung von Radaranlagen (vor allem israelische Harpy-Drohnen und russische Anti-Radar-Raketen).

In jüngster Zeit wurden leistungsfähige Boden-Luft-Raketen vom Typ S-300PMU-1 von Russland erworben. Im August 2004 wurden die letzten dieser Waffensysteme ausgeliefert, so dass China nun über vier mit ihnen ausgestattete Bataillone verfügt. Ein Vertrag über den Kauf der nächsten S-300 Generation ist abgeschlossen, so dass man vermutlich im Verlauf des Jahres 2006 das erste Bataillon mit diesem System ausgestattet wurde. Ein weiteres neues System mit der Bezeichnung CSA-7 ist im wesentlichen eine Kopie des französischen Crotale, eine taktische Luftabwehrwaffe mit 15 Kilometern Reichweite. Die meisten Luftabwehrwaffen der Volksbefreiungsarmee sind jedoch weiterhin kleine, von einzelnen Soldaten transportable Systeme mit geringer Reichweite.

Verhandlungen laufen auch über den Ankauf weiterer Raketen und Marschflugkörper für die Einsatzfelder Luft-Luft und Luft-Boden (darunter auch Anti-Radar-Raketen), sowie eigene Entwicklungsprogramme in diesem Segment. Im Zuge dieser Modernisierung wird die Luftwaffe verkleinert, da die große Zahl veralteter Jagdflugzeuge nicht mit gleich viel neuen Modellen ersetzt werden kann. Ein Teil dieser Jäger ist in unbemannte Drohnen umgebaut worden, deren Qualität aber noch hinter westlichen Maschinen zurückbleibt.

Raketenstreitkräfte

Reichweite der chinesischen Kurz- und Mittelstreckenraketen 2005
Reichweite der chinesischen Kurz- und Mittelstreckenraketen 2005
Reichweite der chinesischen Interkontinantalraketen 2006
Reichweite der chinesischen Interkontinantalraketen 2006

Das Raketenarsenal umfasst in der Klasse der Interkontinentalraketen rund 30 Dong Feng-5 (CSS-4) älterer Bauart mit Flüssigtreibstoff, die derzeit durch das Modell CSS-4 Mod 2 ersetzt werden. Derzeit sollen rund 20 CSS-4 einzatzbereit sein. Darüber hinaus existieren weitere 20 bis 24 Interkontinentalraketen des Typs CSS-3 mit etwas geringerer Reichweite (10 bis 14 Startrampen). Vor einigen Jahren wurde eine neue Generation Interkontinentalraketen mit Festtreibstoff, die Dong Feng 31 CSS-9, drei MIRVs und mobiler Abschussrampe in Dienst gestellt. Diese Rakete hat eine Reichweite von 8000km und eine Genauigkeit CEP von 500m. Die zugehörigen mobilen Abschussrampen dürften spätestens 2006 einsatzfähig sein. Derzeit können chinesische Interkontinentalraketen vom Typ CSS-4 Mod 2 bis auf Südamerika und einen Großteil Afrikas die gesamte Landfläche der Erde erreichen. Das US-Verteidigungsministerium erwartet noch vor 2010 die Indienststellung der schweren Dong Feng-41 mit interkontinentaler Reichweite (als Nachfolger der CSS-4) sowie einer neuen Interkontinentalrakete mit der Bezeichnung JL-2, die von U-Booten aus gestartet werden kann und über eine Reichweite von 12.000 Kilometern verfügt. Vom Vorgängertyp JL-1 sollen zwischen 10 und 14 Waffensysteme existieren.

Die ältere CSS-2 (noch sechs bis zehn gefechtsbereit mit 14 bis 18 Rampen) wird derzeit durch modernere Mittelstreckenraketen vom Typ CSS-5 (2006 rund 35 aufgestellt, zwischen 19 und 50 Startrampen) ersetzt.

Vor allem die Kurzstreckenraketen der Typen CSS-6 (600 km Reichweite) und CSS-7 (300 km Reichweite) werden massiv modernisiert, um ihre Zielgenauigkeit zu erhöhen. Nach US-Schätzungen verfügte China 2005 über 275 bis 315 CSS-6 mit 70 bis 80 mobilen Abschussvorrichtungen und 435 bis 475 CSS-7 mit 100 bis 120 mobilen Rampen. Pro Jahr können rund 100 Kurzstreckenraketen hergestellt werden. Laut US-Verteidigungsministerium sind sämtliche CSS-6 und CSS-7 in den Taiwan gegenüberliegenden Küstenbereichen stationiert. Ferner laufen nach US-Angaben derzeit (2005) Verhandlungen mit Russland über den Kauf von Marschflugkörpern, Luft-Luft- sowie Luft-Boden-Raketen. Für alle Typen chinesischer Interkontinentalraketen sowie für die Mittelstreckenraketen vom Typ CSS-5 existieren nukleare Sprengköpfe. Eigene Marschflugkörper befinden sich noch im Entwicklungsstadium.

Atomwaffen

China ist seit 1964 im Besitz von Atomwaffen. Dabei wurden bis in die 90er Jahre Atomtests in Xinjiang im Grenzgebiet zu Tibet durchgeführt. Die Volksrepublik hat seit 1964 44 Atomtests durchgeführt. Von den 21 unterirdischen Tests wurde der letzte im Jahr 1996 durchgeführt. Der letzte oberirdische Test wurde von China im Jahr 1980 durchgeführt, nachdem sich bereits 1963 Großbritannien, die UdSSR und die USA aufgrund der weltweit angestiegenen radioaktiven Grundbelastung in einem Teilstoppabkommen verpflichtet hatten, keine weiteren Atomtests in der Atmosphäre, unter Wasser oder im Weltall durchzuführen. Über die Strahlenbelastung und die Folgen wurde von China nichts an die Öffentlichkeit gebracht. Allerdings sollen in den betreffenden Fall-Out-Gebieten Strahlenerkrankungen aufgetreten sein, woraufhin die Uiguren gegen diese Tests demonstriert haben, aber die Demonstrationen wurden seitens China unterdrückt. China behält sich weiterhin vor, Atombombenexplosionen, zu wörtlich "friedlichen Zwecken", z.B. zur Verwendung bei unterirdischen Bauten, durchzuführen.

Kriegsführung im Weltraum

Ziel der chinesischen Kriegsführung im Weltraum ist vorrangig die Installation von Satelliten zur Erdbeobachtung. Die 2003 und 2004 gestarteten Satelliten der Programme Ziyuan-1 und -2 erlauben vermutlich eine Bilderfassung der gesamten Erdoberfläche. Die Auflösung der Bilder ist unbekannt. Derzeit entwickelt die Qinghua-Universität gemeinsam mit der Universität von Surrey ein Kleinsatellitenprogramm, das aus sieben Erdbeobachtungssatelliten besteht, die Bilder mit einer Auflösung von 50 Metern liefern sollen. Klein- und Kleinstsatelliten für andere Zwecke stellen insgesamt einen Schwerpunkt der chinesischen Weltraumforschung dar, ebenso der Versuch, Satelliten zum Abhören von elektronischer Kommunikation zu entwickeln. Bis 2010 plant China, insgesamt 100 Satelliten in einen Orbit zu bringen. Darüber hinaus werden Verfahren zur Ortung und Identifizierung gegnerischer Satelliten entwickelt. Chinas Bewaffnung gegen Satelliten beschränkt sich derzeit auf Nuklearwaffen, die von einer Interkontinentalrakete in den Orbit getragen werden müssten. Vermutlich befinden sich bodengebundene Anti-Satellitenwaffen auf Laser-Basis in der Entwicklung.

Bei einem Raketentest am 11. Januar 2007 wurde der chinesische Wettersatellit Fengyun-1C ("Wind und Wolken"), der seine Lebensdauer überschritten hatte, vom Boden aus in rund 850 Kilometern Höhe mit einer ballistischen ASAT-(Antisatelliten-)Rakete zerstört. Das Projektil sei vom Raumfahrtbahnhof Xichang in Südwestchina abgefeuert worden, hieß es. Am 19. Januar 2007 protestierten die Vereinigten Staaten, Japan, Australien und Kanada gegen den Test, ein formeller britischer Protest wurde Tage später eingelegt.

Waffenhandel und Rüstungsindustrie

Dem Stockholmer International Peace Research Institute (SIPRI) zufolge gehörte China im letzten Jahrzehnt zu den weltweit drei größten Waffenimporteuren; sein mit Abstand größter Lieferant ist Russland (geschätzte Waffeneinfuhren im Wert von 3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005). Schätzungsweise 95 Prozent der importierten Waffen kommen von dort. Auf Platz zwei folgt Israel. Allerdings schränkte das israelische Parlament 2005 die Waffenexporte nach China deutlich ein. Seit einigen Jahren, verstärkt seit 2004, gliedert die VBA ehemals eigene militärische Wirtschaftsunternehmen in den zivilen Sektor aus. Die chinesische Rüstungsindustrie ist im Vergleich zu westlichen Ländern in weiten Teilen unterentwickelt und nur in einigen Segmenten, beispielsweise bei ballistischen Raketen, zu vergleichbaren Leistungen fähig. China ist bislang in keinem Fall die komplett eigenständige Entwicklung eines Waffensystems gelungen, ohne in größerem Umfang auf ausländischen Technologietransfer zurückzugreifen. Die Produktion einer Reihe hochentwickelter Waffen ist nur durch den Import von Bauteilen, Halbfertigprodukten oder Rohstoffen möglich. Aus diesem Grund bleiben Importe neben Lizenzproduktionen und Joint Ventures die wichtigste Quelle Chinas für Rüstungsgüter.

Insgesamt lässt sich bei der Modernisierung der Waffensysteme eine Konzentration auf die Erhöhung des Aktionsradius vor allem bei Luftwaffe, Marine und Raketenstreitkräften sowie auf Kommunikation und Luftabwehr feststellen, während die bodengebundenen Waffensysteme eine deutlich nachrangige Stellung einnehmen.

Die chinesische Wirtschaftspolitik unterstützt Fusionen und Modernisierungen in der Rüstungsindustrie, insbesondere auf den Feldern Weltraumtechnologie, Flugzeug- und Schiffbau. Auch die Weiterentwicklung der Metall- und Elektronikindustrie wird zumindest teilweise unter rüstungspolitischen Gesichtspunkten betrachtet.

Ein wichtiges Ziel der Außenpolitik ist die Aufhebung des von der EU 1989 verhängten Waffenembargos.

China tritt auch als Waffenexporteur auf. Das US-Verteidigungsministerium schätzt, dass jährlich Waffen im Wert von rund 600 Millionen US-Dollar verkauft werden.

Die Entwicklung der chinesischen Militärausgaben (Quelle: chinatoday.com)
Haushalts-
jahr
RMB Yuan
(Mrd.)
$ (US-Dollar)
(Mrd.)
 % des gesamten
jährl. Haushalts
Steigerung im Vergleich
z. Vorjahr (%)
1991 32.50 3.92
1992 37.00 4.46 13.8
1993 42.70 5.14 15.4
1994 55.00 6.63 28.8
1995 63.00 7.59 14.5
1996
1997
1998 93.47 11.26 8.66
1999 107.67 12.97 8.20 15.2
2000 121.29 14.61 8.29 12.6
2001 141.04 17.00 8.30 16.2
2002 166.00 20.00 17.6
2003
2004 200.00 24.00
2005
2006 35.00 14.7
2007 44,49

UNO-Operationen

Derzeit (Stand 2005) nehmen rund 1000 chinesische Soldaten an UN-Missionen teil. 500 gehören der Beobachtungsmission in Liberia (UNOMIL) an, 230 der Beobachtungsmission im Kongo (MONUC) und 125 der Stabilisierungsmission auf Haiti (MINUSTHA).

Siehe auch

Literatur

  • James Kynge: China Shakes the World: A Titan's Rise and Troubled Future -- and the Challenge for America. Houghton Mifflin, September 2006. - ISBN 0-61870-564-3 (als Paperback ab März 2007)
  • C. Fred Bergsten, Bates Gill, Nicholas R. Lardy, Derek Mitchell: China The Balance Sheet: What the World Needs to Know Now About the Emerging Superpower. PublicAffairs, April 2006. - ISBN 1-58648-464-8
  • Stephen J. Flanagan, Michael E. Marti (Hrsg.): The People's Liberation Army And China In Transition. University Press of the Pacific, Oktober 2004. - ISBN 1-41021-774-4
  • Laurie Burkitt: The Lessons of History: The Chinese People's Liberation Army at 75. U. S. Army War College, Strategic Studies Institute, Januar 2003. - ISBN 1-58487-126-1
  • Harold Brown (Vorsitzender) et al.: Chinese Military Power (= Task Force Report No. 44). Council on Foreign Relations Press, Mai 2003. - ISBN 0-87609-330-6 (Details: [1], PDF-Download, 650 kB: [2])

Weblinks

Commons
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Quellen

Quelle:
Artikel Volksbefreiungsarmee aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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